Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 8 (19.2.1891)
- Date
- 1891-02-19
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SSitttocn und Waisen von Rabbinern wirksam zu unterstützen^ Dr. Bäck auS Lissa hielt bei der Rabbinerversammlung iu BreSlau eine so erbauliche und rührend« Ansprache, um die Nothwendigkeit einer solchen Sasse zn erweisen, kaß ich wohl gewünscht hätte, nicht wir Rabbiner, sondern eine Corona jüdischer Millionäre hätte diese Ansprache gehört. Es soll nicht verschwiegen werden, dag. als jüngst in Berlin diese Frage, wohlvorbereitet durch Kommission»- arbeiten, auf's Neue zur Verhandlung kam. Manche das Bedenken äußerten, die idealen Ziele des Verbandes könnten Schaden leiden durch diese materiellen Bestrebungen; in diesen Blättern ist noch vor der Eröffnung der Verhandjungen in Berlin unsererseits der Wunsch geäußert worden, die Rabbiner sollten, wenn sie zusammenkommen, nichts für sich erstreben sei es an Ehren oder an Bortheilen und diese Ansicht wurde auch in Berlin znm Ausdruck gebracht; auch Maybaum war nichts weniger als entzückt über dieses Project, denn ihm und seinen Kollegen, überhaupt den Rabbinern der großen Städte, erwächst ja dadurch die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß di« Kasse voll wird. Aber andrerseits wurde es als eine falsche Scham bezrichnet, Uebelstände die offenkundig sind, nicht auszusprechen, und sich der Pflicht der Abhilft zu entziehen, nur weil Uebelwollende die reinen Absichten des Verbandes vielleicht ent׳ stellen könnten. So ist denn die Kasse gegründet worden und wir sehnen die Zeit herbei, wo sie sich den ersten Geldschrank ird anschaffen müssen. Den Entwurf der Statuten haben Bamberger und Guttmann übernommen, aber Statuten sind für eine Vereins- Lasse was eine Verfaffung für ein Land. Eine Verfaffung allein macht ein Land nicht glücklich, es muß auch sonst was dazu haben. Wie leiten wir den Goldsttom in dies große und leere Bassin? ES genügt nicht eine große Anzcchl außerordent- Ii che r Mitglieder zu erwerben, da» sind Tropfen, die dauernd Len Durst nicht löschen können j so annehmbar diese kleinen traben immerhin sein mögen, eine ernstliche Abhilfe kann nur erreicht werden, wenn bei außerordentlichen Anlässen die Aufmerksamkeit derer, die von ihrer Habe zu wohlthätigen Zwecken spenden wollen, auf diese Untersiützungskaste geruhtet wird. Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir annebmen, daß die große Masse unserer Glaubensgenossen von dieser Cala» mität gar nicht» weiß, zum Theil deswegen nichts weiß, weil diese Art von Nothleidendcn gewöhnlich verschämt ihr Elend verbirgt Eine derartige Kasse ist unseres Erachtens nicht, wie gesagt worden ist, da» Rückgrat des Verbandes, denn ein Verband von Rabbinern braucht eine» solchen Fermentes nicht, aber wer zweifelt, daß hier ein weites Feld für edles und ftommes Wirken sich öffnet, ja daß im Grunde unsere wohlhabenden Streift eine Schuld abtragen an die religiösen Vertreter des Judenthum», wenn sie den Invaliden de» rabbinischen Berufes und noch mehr, wenn sie den Wittwen und Waffen von Rabbinern forthelftn! Hoffentlich wird ein großer Erfolg den letzten Zweiftl beseitigen, der gegen die Berechtigung dieser Gründung von vielleicht allzu einpsindlichen und zaghaften Kollegen vorgebracht worden ist. Die jüdische Zeit«», ««» ihre A»fg«be i» der Gegenwart. 11. ES ist geradezu erstaunlich, mit wie wenig Erfolg und — man verzeihe uns das harte Wort — mit wie großer Ungeschicklichkeit die Juden ihrer unläugbaren journalistischen Begabung in eig ner Sache sich bedienen. E» ist, als ob manche jüdische Zeitung blo» deswegen erscheine, um zu be- «eise«, daß sie nicht zu erscheiaen braucht, daß sie ihren Zweck verfthlt und überflüssig sei. Denn etwa» harmlosere» als die meisten darstellen,kann man sich nicht denken. Sin künftiger? jüdische!; Geschichtsschreiber wird, um die Gegenwart zu schildern, die judenftindlichen Blättern zu Rathe ziehe» müffen, denn au» den jüdischen Zeitungen würde er kaum etwas von der Existenz de» Antisemitismus in der Gegen» wart erfahren, er müßte nach ihnen vielmehr annehmen, daß wir gegenwärtig daS goldene Zeitalter feiern. So zahm und stillvergnügt sind sie, ״nur ruhig Blut, Anton", ist ihre Drvise.*)Schon die äußerrEinrichtung mancher jüdischen Zeitung entspricht dem beschwichtigenden Eaarakler ihre» Inhalt». Der Leitartikel ist oft ausgezeichnet konzipirt, die Leistung eine» vortrefflichen Kopfes, und sehr belehrend. Da» soll gar nicht geleugnet werden. Aber wovon handelt er? Bon allem Möglichen, nur nicht von dem, waS unS im gegenwärtigen Augenblick am meisten bewegt. Unser Haus brennt, und man hält uns einen ästhetischen Bortrag oder ladet uns ein, die schöne Gegend zu bewundern, oder erzählt unS Anekdoten. So geht e» fort von Seite zu Seite. Endlich zuletzt wird der Leser mit kleiner Schrift daraus ־ aufmerksam gemacht, daß bereitsein Rockschoß Feuer gefangen hat, mit anderen Worten: eS wird ihm in Erinnerung - gebracht, daß der Antisemitismus noch nicht auSgestorben ist. Fast scheint e», al« ob wir nur da» Talent besäßen, Cj uns unter un» herumzuschlagen. So lange die Katzbalgerei ‘ zwischen Reform und Orthodoxie bestand, zeigt« sich nochO:• Bewegung und Leben in den jüdischen Blättern. E» herrschte j auch eine größere Theilnahme unter den Lesern. Bor stände großer Gemeinden, die gegenüber dem Andrängen de» An- 7 tiftmitiSmu» eine bedauerltkhe Schwäche an den Tag legte», °! und die sich ihrer Aufgabe m dieser Hinsicht nicht» weniger - יals gewachsen zeigten, waren damals lebhaft interessirt bei5 ׳, der journalistischen Verfechtung de» Fortschritt», worunter,.^ sie d!« Errungenschaft der Orgel oder «ine» deuffchen Liede» - 2 verstanden. Heut«, wo die vitalsten Interessen auf der Tagesordnung stehen, wo e» sich darum handelt, unser« gesellschaftliche Stellung zu. behaupten, wo man besorge« muß, daß unser« Söhne, welch«, auf ein Martyrium nicht eingerichtet sind, reihenweise von der Taufe hinweggeschwemntt werden, da zeigen sich die jüdffchen Zeitungen matt» und ebenso matt ist natürlich auch die Theilnahme der Gemeinde» ׳ sammt ihren Vorständen an der Spitze. Haben wir eine genaue Keontniß von der Zahl der - Antisevitenblätter, ihren Titeln und ihren VerlagSort«»?^ Wisien wir, wa» für falsche Nachrichten und Vorstellung««^ vom Judenthum, seinen Bekennen, und seinen Einrichtung!» jahraus jahrein in belletristtschen Journale«, in schastlichen Werken, in Romanen verbreitet werde«? eigentliche Feld der jüdischen Zeitungen in der ׳Gegenwart Der Feind muß bi» in seine geheimsten Berstecke verfolUt > werden. Wo irgend eine Lüge auSgebrütet wird, muß widerlegt werden, hundettmal, wenn es sein muß. wichtigeren Anlässen müffen Freiexemplare der jüdische! Zeituugen, oder Sonderabdrücke ihrer vornehmlichsten Art« zu Tausenden in christliche Kreise versandt werden. Welche! ein erfolaverheißende- Absatzgebiet wäre z. B. da» durchs und durch verseuchte Hessen! Man wende nicht ein, daß ein solcher Vorgang Au»- gaben erfordere, die sich eine jüdische Zeitung nicht anftrlegen könne. Darauf ist ersten» zu entgegnen, daß nüthigenfalls Vorstände und Vereine mit einer Subvention, fei sie< nun eine regelmäßige oder Hklegentliche, nicht kargen iverderh^ sobald die Wirkung der jüdischen Zeitung, die alsdann nicht s *) Mit dieser Zeichnung schließt der Hr. Berf. wieder»» wett tüaCJJ Ziel hinau«. Wa« speciell unser Blatt betrifft, so glaubte» wir i» unser» Lesern » uvi«l al« »u «enig über den «ntlsemtii«»»» ,» f ־ Ein llebermaatz ist bet keiner Lache gut. — «Di« in .kleinerer r auf der letzten Seite befindliche», fttnmn Nachrichten find 1 letzter Stund« der Red. jugrgangene MtitheUmige» und Notiz«» . schied«»«, Inhalt«. Die« zur «ekUirnu, de» oben Aol-endch^-.