Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 7 (12.2.1891)
- Date
- 1891-02-12
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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'•■’■■״t gonceffion herbeigelafsen, nefcu interkonfessionellen mntuten auch konfessionelle von Seiten der Religio»-- : ׳cllschasten zu genehmigen ES spricht diese Nachgiebigkeit 8>wiß für die friedliche Gesinnung des Ministerium« in ' chlichen Angelegenheiten. Dennoch waltet eine Unzufriedeni it in clericalen Kreisen ob. au« welcher e« sich erklärt, -Shalb die katholische Geistlichkeit der Landeshauptstadt! EmpsangSabend des Ministrrpräsiden.rn Grafen SzapLry! cht anwesend war. — Die Pester jüdische Geistlichkeit - rr durch den Prediger Tr. Kohn vertreten. Vom iSrarl. ' meinde-Vorstande war Herr Martin Schweiger er» jenen. Daß die Gelegenheit der parlamentarischen Debatten ׳ >»r die Sonntagsruhe zum mindesten von religiös-!.scrvativer Seite nicht benutzt wird, um gegen die Ver- , ichtung jüdischer Schüler auch am Sonnabend in den . ntlichen Schulen zu schreiben, um staatliche Abhilfe zu llen: darüber wundern sich alle konsirvativen Kreise sehr. wäre traurig, wollte man, von der Erfolglosigkeit bezlicher Schritte überzeugt, sich sagen: üors poasam, sed varenon pnfsum. (״Klagen kann ich, doch helfen nicht.") 7 -nn auch vom Gesichtspunkte religiöser Aufklärung aus :rächtet, ist die Achtung vor die Ueberzeugung jedes Ein- - ,imi, die Gerechtigkeit gegen dieselbe, die Fieiheit des Ge- 1 Asiens, ein Postulat echter Freisinnigkeit im Staate. B-1-te«. Itrüssek, 3. Febr. (Or.-Corr.) Vergangenen Sonntag ׳ ,id in der hics. Synagoge ein Trauergottesdiem't zum .xnken an den verstorbenen Kronprinzen Balduin statt. 2 r ganze Tempel hatte eine Traucrdecoration erhalten;;ar, Säule», Gallerten rc. waren mit schwarzen, mit Silber 1 rtzten Draperien behängen. Auf der Bank des Consistoriums!!te Platz genommen: Herr Präs. Wiener, die Herren mbert v. Rothschild, Cassel, Banquicr Philipp- > u, Ritter v. Bauer, Landauer, Isaak Stern, c > in großer Trauerkleidung. Ober-Rabbiner Dreyfuß nebst den 3 Cantoren Moses,; 4midt und van Geldern vollzogen den Gottesdienst. Der Ober-Rabbiner, welcher die Trauerrede hielt, nahm c Text die Geschichte von Rachel, welche ihre Kinder :■ >eint. Er zeigte, daß die kgl. Familie zweimal in ihren : »ersten Hoffnungen getäuscht und getroffen worden sei, er I hervpr, daß die Trauer des ganzen Volkes sich im 1 .riotischen Gefühle mit dem Schmerze der fürstlichen Familie reinig« und die gemeinsamen Bande noch enger knüpfe. D»e Trauergesänge, von unserm Glaubensgenossen ׳ Lassen komponiert, wurden in meisterhafter Weise von n fast ausschließlich aus Schülern des Eonservatoriums :mmengesetzten Chore unter Direktion des Herrn Prof. L murl ausgeführt. Die ganze Feier währte ca. I Stunde und machte auf : י zahlreich versammelte Publikum einen erhebenden Ein- ’ -ck. M-x. Amerika. Ae»-V«rt In jüngster Zeit wurde hier Hr. Sam ue l -imonn vom Geschäftspulte auf die Kanzel berufen, i: welche man ihn befändeis geeignet hielt. Er hat auch kn Berufung angenommen und sein Amt als geistlicher F!bver einer großen Gemeinde bereits angetreten. Einige T -teu au» seinem vergangenen Leben dürften ohne Zweifel ״,'׳ viele Leser nicht ohne Interesse sein. ״Der neuerwählte Rabbiner der Emanuel-Gemeinde wurde 13. April 1840 in sHechingen, einer kleinen Stadt iddeutschlands geboren. Als er kaum ein Jahr alt war. cn seine Eltern nach Brumath in Frankreich, woselbst ׳׳ v Knabe nach zurückgelegtem 8. Lebensjahre die Parochial- ׳ »le besuchte. Fünf Jahre später übersiedelte die Familie 1> 1) Amerika und nahm ihren Aufenthalt zuerst in Port Grbson (Mist.). Als das gelbe Fieber, welches auch in Likser Stadt furchtbar gewüthet, im Jahre 18V3 nachgelassen L tte, war Samuels Vater außer Stande, seinen Sohn in!di« Schule schkken zu können. Der gelehrige und »&»׳ k begierige Knabe setzt« j«doch sein« Studien fort, lso gut «§- ihm unter den obwaltenden Berhältniffen möglich war. Alser später in LouiSville in ein Geschäft trat, benutzte er die Gelegenheit, in einer Abendschule sein Wiffen zu erweitern. 18V8 kehrte er nach Port Gibson zurück und widmete jede«, freien Augenblick, den ihm daS Geschäft ließ, der Beschäftigung mit seinen Büchern und pflegte mit besonderer Vorliebe die klassische Litteratur. Hier gründete er auch den ersten jüdischen Benin, dessen Schriftführer er wurde, und hatte in späteren Jahren die Genugthuung, diesen sich zu einer gedeihlichen C Gemeinde entwickeln zu sehen. Beim Ausbruche deS Krieges trat er in die conföderirte Armee, zeichnete sich durch Tapferkeit aus und stieg immer höher bis zum Ende deunglücklichen Tonflicts. Am 2. Juli 1865finden wir ihn in Natchez, in welcher Stadt er rin eigene» Geschäft gründete. In demselben Jahre errichtete er Hierselbst im Verein mit Fräulein Emma Mayer eine- Sabbathschule. Diese Dame wurde später seine Gattin und ist als Präsidentin der im Orte befindlichen vereinigten Wohlthätigkeitsanstalten rühmlich bekannt. In Natchez. existirte eine jüdische Gemeinde ״B'nai Israel" mit streng orthodoxen Grundsätzen. Unter dem Einflüsse und der Anregung Ullmanns und anderer jungen Leute gleicher Gesinnung ließ sich' diese zu einer liberalen Anschauung bestimmen. Samuel Ullmann wurde von derselben zum Vorsteher gewählt und verwaltete dieses Amt bis zu seinem Fortgang« von dort mit großer Umsicht. Gleichzeitig studirte er die hebräischen Wissenschaften unter Rabbiner Norden, nach dessen Amt-- niederlegung im Jahre 1874 er als Laie die rabbinischen Funktionen übernahm und 2 bis 3 Jahre ohne Remuneration, predigte, nur um der guten Sache einen Dienst zu leisten- Mittlerweile wurde 1nitei,1emKostenaufwandc von25000DollarSein Tempel errichtet und die Entwicklung der Gemeinde machte erfreuliche Fortschritte. Während aller dieser Jahre der Reconstruccion im Süden wendete sich Herr Ullmann auch den politischen Interessen der Stadt zu, wurde Mitglied der Schulverwaltung und des demokratischen LandeS-Executiv- ComitceS so wie Aldermann für die Dauer von 8 Jahre«. Im Jahre 1856 hatten die Bürger von Natchez daS prote- . stantische Waisenhaus errichtet und Herrn Ullmann in das Curatorium gewählt Für dieses Institut legte er ein besonderes Interesse an den Tag und entwarf einen Verwaltung»- plan, welcher noch heute in Anwendung ist und dem Institut ein dauerndes Bestehen sichert. — Im Jahre 1884 kam Herr Ullmann nach New-?)ork, wo er sich während seine- Ausent- Haltes durch Gemeinsinn und Humanität, die weder dur«^- politische noch religiöse oder nationale Rücksichten sich bestimmen ließen, einen allgemein geachteten Namen erwarb- Seit 1886 hat er als Vorsteher der Gemeinde Emanuel diewohlverdiente Achtung ihrer Mitglieder sich zu erwerbe» gewußt und fand diese Achtung denn auch einen entsprechende» Ausdruck in der Wahl deffelben als Rabbiner au Stelle dejüngst emeritirten Dr. Moritz Eisenberg. Seine Liebe z« den Wissenschaften, sein Eiftr für die Religion unserer Väter und sein warmes Interesse für alle erziehlichen und Menschenbeglückenden Bestrebungen eignen ihn besonders für seinen gegenwärtigen Beruf. Ae»-V*r». (Zur Statistik.) Die statistische Sbtheilung des Census-Bureau's hat em Bulletin in Druck gegeben, welches eine Uebersicht der Ergebnisse der Special- Enquete betreffs der Juden dieses Landeenthält, Es war hierbei nicht beabsichtigt, einen vollständigen Bericht über alle hierländischen Juden zu erhalten, auch nicht, irgend welche Facta in Bezug auf Religions- oder sonstige Berhältnisse zu enthüllen, sondern nur, über eine himrichende Anzahl von Familien, welche fünf oder mehrere Jahre in den Bereinigten Staaten wohnen. Facta beizubringeu, um au» diesen zuverlässige Schlüffe von der Wirkung des Emflusses, welchen die hiesigen ÄbenSverhältnifse im Bergleick^ zu denen anderer Lander üben, ziehe» zu fOnani.