Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 7 (12.2.1891)
- Date
- 1891-02-12
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ünqurtc ergab nach 10918 vollständig au s'lAamilienkarten 60630 lebende Personen per 31. Decrmbe׳ . 1880. Bidahin hatten in oen letzten 8 Jahren statt- «fanden 2138 Leirathen, 6038 Geburten und 2062 Sterbefällt. Auf die sociale Stellung der Familien läßt sich gewiffermahen auder Zahl der von ihnen gehaltenen Dienstboten schließen, da nun ungefähr */, der Familien einen oder zwei Dienstboten halten, so ist anzunehnien, daß diese Familien sich in günstiger Lage befinden. Die Durchschnittszahl der zu einer Familie gehörenden Personen betrug am 31. Dezember 8,71 und die während der fünf letzten Jahre 8,47. Die jährliche Durchschnitt-- zahl der Heirathen auf 1000 Seelen der jüdischen Be- Völkern ng war niedriger, als in der Gesammtbevölkerung und betrug ungefähr 7,4 gegen 18 bi- 22 per 1000 der Gefammtbevvlkernng. Die niedrige Berhältnißzahl der Heirathenden und dahöhere Durchschnittsalter derselben 'sind die Hauptursachen der niedrigen Berhältnißzahl der -Geburten. Die Durchschnittszahl der Sterbefälle während der fünf Jahre beträgt 7,11 per 1000 und Jahr oder ungefähr '/, der Durchschnittszahl der Gesammtbevölkerung. Die voraussichtliche Lebensdauer bei erreichtem 10. Lebensjahre beträgt auf Grund der Sterberegister für 1889 gleich 01,11 Jahre für männliche und 86,02 für weibliche Personen -gegen 49,99 und 48,08Zj resp. bei der Gesammtbevölkerung nach der Berechnung der LebenSvrrsicherungSgesellschaften de- Landes. Eine Gegenüberstellung der Geburt-- und Sterbeverbältnisse der von eingeborenen und ausländischen Eltern Geborenen ergiebt bei längerem Aufenthalte in unserm Lande, daß die Zahl der Geburten ab- und die der Tode»- fälle zunimmt. Bei den Juden dagegen zeigen die allgemeinen Ergebnisse, daß diese viele ihrer mit herübergebrachten europäischen Eigenthümlichkeiten auch in unserm Lande beibehalten. Ker«isch1e uttl «errefte lUdjridjten. fRaafecOar«. Dl« zweite Sicftrung b«4 »Hntifcmi|Un' Ipiegrls" Ist rrlchi«»en und kann von A. W. Kafemann in Danzig bezogen werden znm Preise von 20 Psg. Diese« Heft enthält unter anderem folgend« Abschnitte: Statistik über den Antheil der Juden am Verbrechen, angebliche Pläne de« Juden Montefiore, Autoritäten der Antisemiten, Antisemiten und di« Schul«, Antisemiten und da« -Abriftenthnm, Juden als Handwerker und Ackerbauer. Ts verdient di« grösste Verbreitung. (10 Ex für 1 M. 80, 80 für 8 M, 100 für 1& «., 100« für 100 M.) 4. Februar In vergangener Rächt gegen 2 Uhr -entschlief nach kurzem Krankenlager unser ältester Mitbürger, der -Kurier Herr Marcus Jordan, im 112. Leben-jahr« Mit ihm dürfte wohl der älteste Mann Deutschland« zu Grab« getragen sein. ׳Vi« an sein Lebensende war er von einer geradezu bewundern«wer»h«n körperlichen und mit «nbedeutrnden Unterbrechungen auch geistigen Frische. Bor wenigen Monaten noch feierte er seinen Geburtstag im Kreise der Seinen in voller Rüstigkeit. Bor ungefähr zehn Tagen -aber trat plötzlich eine schnelle Abnahme der Kräfte ei», von welcher ' sich der Grei« jedoch anscheinend wieder erholte, bi« sich gestern plötzlich eine Wendung zum Schlimmen geltend machte, welche ei» baldige« >»d« voraussehe» ließ. Die Beerdigung findet am 8. d. Mt«, statt. 3p. Fürth Für da« Kalenderjahr ISüO liegt un« der Jahre«- bericht der Gabriel Rteßer'schen Stipendienstiftung vor, die in diese« Jahre da« 2bjährige Jubiläum ihrer segen-reichen Wirksamkeit begehen kan». Wir ersehen an» dem Bericht, daß 3200 M zur 8erkügung Sauden, die unter 2 Theologen, 8 Juristen, 13-Medicinern, 2 Stndirrnde» der technischen Hochschule, 2 «chullehrerseminartsten und 1 Zögling einer Lehreri»n«nbildung«anstalt vertheilt wurden. Di« Einnahmen betrugen 8823,91 M, die Ausgaben 8685,99 M., toarit bleibt ei» Bestand von 147,92 M. Da» «esammtvermögen «ezisfert sich ans 27 890,78 R. Die Verwaltung der Stiftung ruht in den Hände» tv« Vorstände« der israelitischen Eultusaemeinde Fürth. Wir kdnrirn nur von Herze« wünschen, daß di« Stiftung in ihrem Jnbiläumsjahr ein« ganz besonder« segensreich« Ernte halten möge! -rüeNdeeg. 9. Februar. Hier starb vor. Woche »er Recht«- 11t Hartman». Er war Mtvorstrher de« Verein» »Freisinn''. ־ nt war sein« am 6. ftattgehahte Beerdigung viele hohe Staat«. Ware» aus dem i»raeliSschr». Ft>iedhos« anwesend: «ine große ^Laht von Kränze» »nrde am Vtabe niedergelegt, daru nter einer MtNrrns des Vorstandes de« deutschen Annmltucreinrs. (Hnranann hatte sich auch als juristischer Schriftsteller bekannt gemocht., Brama». Im freisinnigen Verein trat «in Anttsemii ans, »1« dort vom Xlimenten-Väckel gesprochen wurde, und rechtfertigt« seinen Häuptling in folgender drolligen Weise:, »Warum wird immer gesagt .Alimenten-Böcktl". Al« ob da« etwa« Fürchterliche« wäre. Vöckel ist 30—81 Jahre alt, ist früher einmal Student gewesen und hat so'n Unglück gehabt, 'mal mit 'nem Frauenzimmer zusammenzukommen. (Grobe Heiterkeit.) Ist da« so humoristisch, wenn man mal reinsällt? (Die Wirkung dieser Worte war äuherst drastisch.) Da« Frauenzimmer hat ihn verklagt, er ha« di« ihm auserlegi« Summe bezahlt, ist da« etwa« Verbrecherische«? Kann da» nicht Jede« von Ihnen passiven?*!Heiterkeit.) Lemberg, 7 Februar. Varon Hirsch erlegte bei der Lande«- hauptkass« für die Errichtung von Ackerbau-und Handwerkerschulen ein bestimmte« Stiftung-kapital von 12 Millionen Gulden. Mom. In dem neuen Ministerium übernimmt Luzzatti da« Schatzamt; er ist der erste Israelit in Italien, der ci.ien Minister- Posten bekleidet. AmDerda«. 8. Februar. Der Srzdechant der katholische» Kirche im hiesigen Beguiuenhose, Herr Poppen, sandle an den Oberrabblner daht-r 3000 Gulden für da« israelitische Knabenwaisenha»«, 3000 Gulden sür das israelitisch« Mädchenivnisrnhaus und 2000 Guide» für di« Gesellschaft zur Unterstützung unbemittelter israelitischer Wöchnerinnen. Dies« summen waren ihm von einem ungenannte» Katholiken zur Verfügung gestellt al« Zeichen der Anerkennung sür da« philanthropische Bestreben seiner jüdischen Mitbürger. Vari« Der Sobn de« ilhefredacteurde« »Univer« israelite", Herr Emil Wogue, ist zum Hauptmaiin im 80. Jnsanierieregiment ernannt. (21V מ1ל unserem ,»ackern ll»liegen!) Vartg Die Akademie der Wissenschaften Hot den Preis für eine Ausgabe au» der Phisiologie Herrn Tr. Werthhetme r Professor an der Universität zu Lille, zuerkann». Die Hälfte de« grvhen Preise«!10,000 Fr.) fiel Herrn Ferdinand Widal zu. Gart«. Die hiesige jüdische Gemeind« hat lelder den Tod de« Herrn Gustave Dalsace, eine« ihrer populärsten Mitglieder zu beklagen. Denselben beherrschte» durch sei» ganze« Leben zwei Leidenschäften — Vaterlands- und Menschenliebe Bi« zu seinem Tobe war er Präsident der »Biensaisanie Jsraeliie", einer Institution, welch« unter seiner Leituria grobe Erfolge auszuweisen hatte. Ferner war er Präsiden» der Prüfungskommission der »Alliance Israelit« universelle" und für längere Zeit Eomitee-Mitglied de« öffentliche» WohlihäiigleitS-BereinS zu Pari« Seine Leich« wurde unter mili» »Irischen Ehren zu Grade geleitet, da der Verstorbene Ritter der Ehrenlegion war. Vei Empfang des Orden« halte er di« Regierung gebeten, ihm diesen »ich: um seiner persönlichen Fähigkeiten willen, sondern al« Präsidenten der Biensaisante Jsraeltle zu verleihe». Leadva. Frau M ocalta übersendete 6800 FrcS. de« Wohlihättgkeitsau-schuffe, di« aus einer von ihr veranstalteien Lotterie znm I Besten der Armen herrühren. L»»d«a, 9. Februar. Gestern starb hier die Wittw« de« gerade vor einem Jahr« verstorbenrn Oberrabdtner« Adler. (Sie loar di« Tochter de« Rittergutsbesitzers Elkan Lehfeldt, Schwägerin de« Predigers Dr. Sachs in Berlin.) Laadaa, 10. Februar. Das Schreiben, mit welchem der hiesig« Lordmayor die Ende vorigen Jahre» an den Kaiser von Ru bland gerichtete Bittschrift um Aushebung der AuSna hmemahregeln gegen die Juden nach Petersburg gesandt Hane, und welche« dort nicht angenommen worden war, ist mit der gedachten Bittschrift dem Lordmayor heute von dem Auswärtigen Amte wieder zurückgestellt morde». Die »Time«" »adelt diese» russisch« Verfahren mit scharfe» Worte». »Daily New;״ erblickt darin eine Beleidigung der britischen Ratigp, Ne»-Dork» 8 Februar. Der Smatssekretär Blaine empfing Proteste und Bittschriften gegen dl« russische Judenhetz« za Tausenden. Dieselben sollen, in einer Anzahl von Bänden vereinigt, dem Zaren demnächst zugestellt werden. A«S dem C. O. B. B. Br kt», 9. Februar. Gestern fand hier im neuen Logenlakale in der Tilhelmstrab« die diesjährige Groblogensitzung statt. Rach Eröffnung derselben wurde zunächst des im vergangenen Jahre an« dem Orden ausgetretenen cisrtgsten Mitbegründer« Herrn Dr. Ar»« Rahmer in Benthe», der eine große Anzahl der oberfchlesischea Lage» in'» Leben gerufen — ,auch die Mendelssohn-Loge verdankt fei»«« Impulse ihr Entstehen) — ehrend gedacht und sein Au»schetSe» tedhakt bebauen. Von wichtigeren Beschlüffen seien vorderhand mitgetheift: Di« Großloge soll sorla» nur alle zwei Jahre tagen. — Die pertadttchr» Berichte sollen nicht vom Gr.-S«cr., sondern vom General-Eomft» rrmgire werden. (Besondere« Ordens-Orga» wurde abgelehnt.)— Die AltöG-. grenze der ikandidaten soll den einzetnea Logen überlaffen werde». MS Gehalt de« Gr.-Secr. wurde von 3600 auf 8000 Mk. (und 80V Mit. Miethsentschädigung) erhöht. Die nächste Sitzung soll wieder in VrM» stattfinden. — Die Beamten wurde» »eist «tederoewählt, nur g» Stelle Jablonskh'« wurde Herr Cmtl Sachs-Breslau In'-Gea.» Comtter neugewählt.—Am!.März wird hier eine neue Lag« (Lechil» Znuz-L.) installirt. ן