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Israelitische Wochenschrift · 1891-02-12 · 7 (12.2.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
7 (12.2.1891)
Date
1891-02-12
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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■V v,■ *, •rtarteub aeriiütmaiOPtt W altHjr• Laue« b*£ Fu»da«e»t trat Kuppel desselben fast Suz unverändert geblstbe» Waren, jene« die Liebe zu Sott, rütilie und Vaterland, diese die harmonische Entwickelung oller geistigen «ad körperlichen Anlagen und Fähigkeiten de« Menschen. Eia Nundgang durch die Hallen de« Gebäude« .an der Hand der wichtigsten Epochen der jüd. Geschichte »ermittelte auch die Bekanntschaft mit den zu verschiedenen Leiten dastlbst aufgespeicherten Unterrichtsstoffen, unter denen die Sprachen einen hervorragenden Rang einnahmen, nach der Anschauung de« Talmuld« eine besondere Weltschäpfuag >Gotte«. da jede derselben au» sich heran« eine neue Gr» danken weit entwickelt. — De« ait reichen Beifall auf- ש »»menen Bortrage folgte eine durch Tanz belebte geige Unterhaltung, welche den größten Theil der Anwesenden in gewohnter fröhlicher Ungezwungenheit noch bi« gegen 2 Uhr beisammenhielt. Den nächsten Vortrag wird Herr Dr. ■Md. Grünbaum am 24. Februar über ,Poesie und "Prosa oder Dichtung und Wahrheit" halten. Aranüfnrt a. M., S. Februar. Der Tod räumt mar gewaltig auf unter den gelehrten Rabbinern Deutsch« Tand». Roch brennt die schmerzlich« Wund« um den verckoreaen Joöl. da ereilt un« di« Trauerkunde vom plötzlichen Tode de« hiesigen Rabbiner« Dr. Nehemia« Brüll, der ru seiner vollen Leben»- und Schaffenskraft im Alter von 48 Jahren mitten au« seiner großen litterarischen Thätiglest am 5. d. Mt«. Abend« binweggerofft wurde. Dl« ,Franks. Ztg." hatte im Abendblatt der Mittwoch-Nummer -st Mittheilung gebracht, daß der Rabbiner der Haupt- Synagoge am Samstag während de« Gottesdienste« von einer Dhumacht befallen wurde, sich aber auf dem Wege der Besserung befinde. Leider hat die Besserung nicht lange «gehalten. Herr Dr. Brüll erlitt am Mittwoch einen Schlaganfall, dessen Folgen er am Abend erlegen ist, V. war im Jahre 18t2 in Kojrtein in Mähren geboren wo sein Vater ebenfalls Rabbiner war, promovirte an der Uuiversität Wien und wurde bald darauf Rabbiner in Bisenz, von wo au« 1870. seine Berufung als Nachfolger Geiger'« an die hiesige Hauptsynagoge erfolgte, an der er zwanzig Jahre lang thätig war. Er gehörte der freisinnigen Richtung im Judenthum an, und war gleich groß als Gelehrter wie als Charakter. Er war — schreibt die ,Franks. Ztg" — einer jener seltenen Männer, bei denen 41 zweifelhaft ist, ob sie mehr zu schätzen sind wegen ihrer hervorragenden Gelehrsamkeit oder der Reinheit ihrer Absichten und Gesinnungen. Er war ein Bierteljahrhundert ans dem Gebiete der Wissenschaft de« Judenthums thätig, hat 10 Jahrgänge der .Jahrbücher für die Geschichte de« JndrnthumS" rrdigilt und viele gelehrte Arbeiten in verschieden« Fachzeitschriften geliefert. Auch eine Anzahl ge- -aukenrricher Predigten sind von ihm erschienen. Seit »origem Jahre gab er auch einen »Eentral-Anzeiger für jüd. Litterotur" heraus als Ersatz für Steinschneider'« . .Hebr. Bibliographie", und er war der geeignetste jüd. Gekhrte der Jetztzeit, Zunz' selten gewordene« Meisterwerk ,die gottesdienstlichen Vorträge" mit eigenen Zusätzen versehe« in neuer Bearbeitung herau«zugrben. Der Tod überraschle ihn in der Ausführung diese« Planes. Da« Begräbniß fand So>.ntag Morgen um S Uhr uuter zahlreicher Betheiligung sowohl der Angehörigen der iDraelitrschen al« der anderen Eoufrssionen statt. In der Leichenhalle de« israelitischen Friedhofs hielt Herr Rabbiner Dr. Plaut die rituelle Leichenrede. Namen« de« iSraelitischen Gesammt-Gemeindevorstande« sprach dessen Borsitzender, Har E.Rosenthal, Namen« da Frermaurer-Loge ,Zur!den Morgenröche", deren Mitglied der Dahingeschiedene uerbach, Namen« de« Mendelsohn-Vereines athan. Har Rabbiner Saalfeld au« Mainz de» Verstorbenen im Name» da Freund« und als Leopold Stein'« und Abraham Geiger'«. persönlichen :me erfolgreiche Tätigkeit al« Geistlicha zähl» Freunde erworben, die sein Andenken treu bewahre» inÄrhalb sich der 'vahingeschiedene saften sowie ferne rache ff werden. Auch die Armen verlieren in ihm einen Freuud, dessen Selbstlosigkeit stet« Hülst wußte, sei e« durch Rath, sei e« durch eine immer offene Hand. — (Nehemia- Brüll gehörte unstreitig zu den hervorragendsten iüd. Gelehrten da Gegenwart, er ist der jüd. Wissenschaft, die er nie in den Staub da Parteistreitigkeiten hinabzog. denn sie war ihm stete die hehre, reine, da a mit treuesta Hingebung und keuschem Sinne diente, allzustüh abgestorben. Sem Aiwenlen ist unauslöschlich auf ihren Blättern eingegraben und wird allezeit ein Segen bleiben! — Red.) OeK-rreied-Uugar«. b. Februar. Herr Dr. Gelb Haus, Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde, hielt vergangenen Samstag im ,Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft deS Juden« thums" (,Aülro-I«buä»"i einen interessanten Bortrag über ,Deutsche und jüdische Volksdichtung". Der Vortragrade ging zunächst von der bekannten ErfahrungSthatsache au«, daß im Völkerleben Gleichartigkeit der intellektuelle» Veranlagung, der äußeren Einwirkung oder der politischen Bedingungen ähnliche Richtungen des socialen und politische« Streben«, sowie der geistigen Entwickelung übahaupt zeitige. Wenn nun zwei Völker verschiedener Abstammung demselben StaatSwesen angehüren, und dieselbe Sprache reden, so bringt die gegenseitige Berührung und Beeinflussung ähnliche Gedanken, und Gefühlsäußerungen hervor. Einen schlagenden Beweis hierfür bietet das bezügliche Verhalten der jüdischen und nichtjüdischen Bewohner des deutschen Bodens, wie e« durch die jüdische und deutsche Volksdichtung auch literarssch erhärtet wird. Die frühesten Produkte von deutscher Volt«- dichtung sind in Deutschland in jüdische Kreise gedrungen und haben da Aufnahme gefunden. Eine aus dem Mittelalter stammende Sammlung von Legenden in jüdisch-deutscher Sprache, das Maße - Buch genannt, enthält Bestandthelle deutscher Märchen, auf welche die Brüder Grimm in ihre» Kinder- und HauSmärchcn Hinweisen. Die Sage von .König ArtuS' Hof", der ,Eulenspiegel" und viele andere deutsche Volksdichtungen erfuhren Uebertragungen ins Jüdisch-Deutsche. Auch zahlreiche jüdische Dichter, welche in deutscher Sprache und in deutschem Geiste dichteten, wie der Minnesänger Süßkind von Trimberg, dessen Weisen lebhaft an Walther von der Vogelweide anklingen, der Grammatiker Elia« Levita, der einen Mtterroman in Reimversen dichtete, sowie begeisterte Sänger deutsch-patriotischer Lieder durchschwirrten da« IS, 14. und 15. Iah, hundert. Ja sogar jüoische Frauen besteigen den deutschen Parnaß. Eine Frau Litt« au« NegenSburg verfaßt eine .Geschichte de« König« David", Bella Hurwitz eine ,Geschichte von der Ansiedlunq der Jude« in Prag", Hanna Katz au« Prag bethätigt sich al« formgewandte Dichterin rc rc. Wenn solcherweise der deutsche Geist den jüdischen beeinflußte, so sind andererseits auch i» deutschen Gristeswirken starke Anklänge an jüdische Mee» wahrzunehmen. Schon die Brüoer Grimm weisen auf die märchenhaften Elemente im Talmud hin. In de« von Müllenhof und Scherer herauSgcgebenen Denkmälern deutscher Poesie aus dem 8.—12. Jahrhundert finden sich drei Gedichte biblischen und nachbiblischen Inhalt« unter dem Titel: .Die drei Jünglinge im Feuerojen", .Judit" und da« ,Lob SalomonS". — Zum Schlüsse seines gediegenen Bortrage« zog Herr Dr. Gelbbau« die Summe seiner Ausführungen, »de« er auf den lebhaften Ideenaustausch zwischen den Anhänger« deS christlichen und jüdischen Glauben» hinwies, durch welche manche jüdische Sage in christliche Kreise getragen und hier eigenartig verarbeitet wurde, ebenso wie auch di« Jude» immer mehr in da« Geistesleben hinwuchsen. Mm* M»g«r», 1. Februar. (Dr. - Lor.) Hinsichtlich der Kleinkinderbewohranstalten hatte sich dst Regierung zu

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