Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 7 (12.2.1891)
- Date
- 1891-02-12
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Mon«q aber . , , ״ Ursache dazu geführt — da» entzieht sich der Kenntniß der Elter«, nur eine Bermuthung hegen sie. Al» Montag Abend Ernst Feig zu seinen Eltern kam, um Abschied von ihnen zu nehmen, die letzten Zeilen an sie zu schreien, da bemerkte man, daß ihm das Bücken ersichtlich schwer wurde. Er drückte dabei die Hand in die linke Weiche, als wolle er ein Schmerzgefühl beseitigen, das ihn dabei überkam. Vielleicht fördert die eingeleitete Untersuchung — bemerkt die Merline! Gerichts-Halle"', der wir den obigen Sachverhalt entnehmen — die direkten Ursachen zu Tage, welche den jungen Kanonier in so kurzer Zeit einen so gräßlichen Entschluß fassen ließen und ihm die Wahl zwischen einem weiteren Leben und einem gewaltsamen Ende so leicht machten. Q ZterN«, 10. Februar. (Or. - Cor.) Gestern Abend hielt ln der Gesellschaft der Freunde vor einem erlesenen Publikum .Herr Prof. Dr. Steinthal einen ebenso gemegenen, tme lehrreichen und interessanten Bortrag über ,Klaube und Kritik." In deviselben fübrtt er aus, daß die Kritik an den traditionellen Quellen der Religion durchaus der Heiligkeit derselben keinen Abbruch thut, ebenso wenig wie der! sogenannten profanen Litteratur. Profane Litteratur im eigentlichen Sinne giebt eS überhaupt nicht, jede Literatur ist heilig, sofern sie nicht zum Zwecke hat, die Leidenschaften und unsittlichen Begierden der Menschen anzusachen. Für diese ist die beste Kritik, daß man sie nicht liest, und den Borttag derselben auf der Schaubühne nicht anhört. Am wenigsten aber darf man Anstoß nehmen, daß «anjl B. Isaaks Opferung einen ,Mythos" nennt, denn der Mythos ist ein in Symbole gehüllte» Sittengesetz. Wir haben im Mittelalter Hunderttausend ,Akedoth" dargebracht, ittbem die Väter ihre Kinder mit eigener Hand schlachteten, «un sie der Taufe zu entziehen, und dabei sprachen: ,Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der un» geboten hat, zu opfern!" In schärfster und dabei degeistertster und geistreichster Weise wendet sich dann der Berpisser gegen die immermrhr um sich greifenden Kindettaufen. Das Sind kann dann wohl sein« Eltern vielleicht lieben, sicherlich aber nicht achten und ehren. Wer von stinen Kindern »erlangt geehtt zu werden, muß eS zur Wahrheit erziehen, und lieber eine .Akedah" darbringen, als um oer Beförderung »nllen ihm die Ideale und die Verehrung seiner Eltern zu rauben. Der Vortrag war eine Predigt im schönsttn und wahrsten Sinne des Wortes, und wir sind der vollen Zusttmmung aller Zuhörer gewiß, wenn wir den Wunsch au»- sprechen, diesen Vortrag so bald als möglich gedruckt und weitverbreitet in Israels Häusern zu sehen. Fessa«. 1. Februar. In der gestrigen Sitzung deS Gemeinderaths thälte der Vorsitzende mit, daß der Baron von Lohn Hierselbst, Banquier weiland Kaisers Wilhelm I, »it Genehmigung des Herzogs auf dem Kaiserplatze gegenüber dem anhalttschen Kriegerdenkmal dem Kaiser Wilhelm I. «in Denkmal errichten wolle. Der Gemeinderath beschloß, da» Anerbieten dankend anzunehmen Das Monument soll auf granitnem Sockel den ersten Herrscher des neuen Reichs in anderthalbfacher Lebensgröße darstellen mit dem Helm auf dem Hausüe, die Hand am Knaust des Schwertes. Tondeur in Berlin wird das Kunstwerk schaffen. (Die öffentliche Meinung sieht in dem Entschlüsse die «Lröffnung einer Reihe von namhaften Zuwendungen des Baron» von Cohn an seine Vaterstadt Desiau.) Interessant ist die antisen itische Agitation, die da- Stöckerblatt hiergegen eingeleitet hatte. Am Tage vor der betreffenden Gemeinderathssitzung brachte eS nämlich folgende Hetzcorrespondenz: ,lt wird immer schöner l Der Jude Baron Moritz Lohn hat dem hiesigen Gemetnderath Plan und Zeichnung zu einem Denkmal «ingerrtcht, welche« er dem hochseligen Laiser Wilhelm I. hi« errichte« lasse» will. Di« Borlage kommt am Sonnabend dieser Mach« znr Beraihnng. HosfrnUtch wird im Gemeinderath doch da» Gefühl Gelt»»» erlang», daß es der Stadt Deffau nicht würdig ist, sich oo» . gelehnt Resmnnlnde» Mrndüssahn noch rin mit iüditche» Gelde «atser «ilhelm-Denkmal — da« ist selbst für anhaltische «erh rin z» rascher Fortschritt in der Berjndnngl" Bei dem gesunden Sinn der Männer, die hier st« Gemeinderath sitzen, verfing aber dergleichen nicht; der ba«2»» antuemitioaa findet hier keinen Nährboden. »— g. $«teK, 6. Februar. (Or.-Tor.) Unter seh großem Afolge wurde am 30. v Mt», der seit einigen Jahrest pensionirt gewesene Hauptlehrer Blumentbal zur ewigen Ruhe bestattet. Welcher Beliebtheit sich oer Verbliche« im Allgemeine» und besonder» in der hiesigen jüd. Gemeinde, in welcher er länger als 33 Jahre gewissenhaft seine» Amte» waltete, sich zu erfreuen hatte, bewies die allgemeine^ Theilnahme an seinem Leichenbegängnisse. In sämmtlick Volksschulen der Stadt wurde an jenem Nachmittag»'! Unterricht auSgesetzt und mehr al» 30 hiesige Lehrer erschienen, um dem Kollegen die letztt Ehre zu Gewiß ein erfreuliche» Zeichen de» friedlichen Zusa leben» der Konfessionen. — Der Verblichene war der erfc* der al» staatlich geprüfter Lehrer an der hiesigen jüd. Schaft;•? wirkte. Al» solcher verstand er e» auch die Schule, welche bi» dahin gegen die andern städtischen Volksschulen bezüglsth der Leistungen im profanen Wiffen weit zuruckstand, so I»^ heben, daß sie heutt mit zu den besten Volksschule« ■t Stadt zählt. Auch auf dem Gebrett de» jüd. Wissen»»- i» welchem der Verstorbene sehr beschlagen war, suchtt er seine» Schülern ein über da» Maß der Bolk»schule hinauSgehaiD Bildung angedeihen zu laffen. Namentlich war diese» der Fall, als vor dem Erscheinen der .Allaem. Bestimmunna^^ die Anforderungen an die profanen Lehrfächer noch idm so hohen waren. — Ein ganz besondere» Verdienst er er sich jedoch durch seine Fürsorge für seine entlaste«« Schüler, indem er mit voller Hingebung bestrebt war, btefettaiM entweder in Seminare unterzubringen, oder ihnen Lehrstelle«^ zu verschaffen. Nicht unbedeutend ist die Zahl bttcv tfc; ihre geachtete Stellung, welche sie heutt entweder hier oder) in der Fremd« einnehmen, nur seine« Bemühung» vee») danken. In herzlichen Worten schilderte Herr Sanbratik Dr. Buchholz in seiner Grabrede tue segensreiche NftI- 'j samttit de» Verstorbenen und hob besonder» auch diese« Theil seiner Thätigttit hervor. Sehr viele, die sein Grab umstanden, fühlte» so recht _ da» Treffende dieser Watte, da sie al» sei« frühere» J Schüler an sich selbst seine segtnsreiche Thätigttit empfände«.- Möge die Liebe, welche er bei allen, die ihm näher ständig; 7 sich erwarb, ihm ein ewige» Andenken sichern, zumal außer Neffen und Nichten ttine näheren VerwaWdW» hinterläßt. L. G. Jtotte«, 28. Januar. (vr^Cor.) Gesttr» Abend httlt Herr Rabbiner Dr. Winter vor den Mitgli« des BrüdervereinS und einer stattlichen Anzahl von Gäp einen inttreffanttn Vorttag über ,ErziehungSrrgel» - alter Zeit für die Gegenwatt". Ausgehend von der lichen Bedeutung de» Tage», an welche« Alldeutschland ohne Unterschied der Stände und Bekenntnisse um de» Dhr des kaiserlich«» Herrn schaatt» um in freudiger Einmütl demselben den Zoll höchster Verehrung und treuester darzubringen, und nach kurzem Hinweis auf die bedents Anregungen und Veranstaltungen, welcher unser erhab Kaffer noch vor kurze« aus de» Gebiett de» Erz« und UuterrichtswesenS zum Zwecke der Bervoll deffelben bewirkt, zeichnett der geschätzte Redner in fd Umttffen da» Lehrgebäude der altjüdischeu r ' indem er die hervorragenden Ecksänlen, welche dasselbe 1 konstrnirtt «nd einzelne Ornamentt. welche e» zierten, leuchtete. Al» an die au» de« schatzreichen Rüstkam» der Bibel und de» Talmud herbei^schafftt« Baustein« wesentlichen Momeatt unsere» moderne« insbesondere da» kbendigo und da» erzählte 'Beiß «nd verbäte; sowie die Gewöhnung ab