Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 7 (12.2.1891)
- Date
- 1891-02-12
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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W0M»zahl euch berühmen, denn ihr seid alsdann die . Werter, die im Dienste de- Judenthums begeisterte Heerkchaaren auf die Zinnen rufen. Andernfalls hat das Mdenthum nichtvon euch, und wenn eure Abonnenten dennoch zunehmen, desto schlimmer sür sie und für die jüdische Sache. Ihr betreibt ein Geschäft,*) aber keine Aufgabe. _ Gerichte und Gurrespoudeuze». Deutsch!«»-. dl. 8p. Mnßdeßnrtz. Es ist vor allem der .deutsche Lenin für Knabenhandarbeit" gewesen, der nachdrücklichst die Änderung aufgestellt hat, den Heranwachsenden Menschen nicht allein znr geistigen, sondern auch zur werkthätigen Arbeit zu erziehen. Daß dieses Prinzip sür unsere jüdischen Gchklen gerade in der Jetztzeit von ganz besonders cultunller Leoeutung ist, leuchtet ohne Weiteres ein. ES ist darum M hervorragendes Verdienst deS als Seminardirektor unrta rührigen und seine Schüler allseitig anregenden Herrn Kroner-Hannovrr den Handfertigkcitsunterricht in das ,Aidische Seminar und in die Seminarschule verpflanzt zu H«ea. Unseres Wissens sind wohl die genannten Anstalten;jätet den jüdischen die einzigen, worin der gedachte Unterricht tUrieben wird. Der uns vorliegende 3. Jahresbericht des LtzreinS zur Förderung deS Gartenbau» und HandfertigkeitstalterrichtS in der jüdischen Volksschule — Hannover 1890 — ר ־ unS «in interessantes Bild seiner Thttigkeit im verflossenen Zum ersten Male, heißt eS in dem Bericht, wlirdc Versuch mit Anfertigung je eines Probestückes in Holz- V»d Papparbeit gemacht. 4 Abgangsschüler, welche Ostern 1881׳ die Schule verlassen werden, führten solche aus, indem Hcher von ihnen einen Kasten mit 2 Abtheilungen in Holz tigte und je ein Buch eiuband, wobei ihnen vom hrrr kein Beistand geleistet wurde. Bei diesen Probe» eiten hat sich besonders als ein großer Uebelstand heraus» »llt, daß die Arbeitsstätte vom Seminar resp. den! »ate zu weit entfernt ist und die Nothwendigkeit,!»iuar, Internat und Arbeitsstätte in räumliche Bereg zu bringen, wird mit vollem Rechte als unabweisbar!stellt. Die Einnahmen und Ausgaben des Vereins :mn mit M. 7162,14. Das Gesammtvermögen be» sich auf M. 57164,33. Hoffentlich ist der Verein :bald in der Lage, die von ihm ausgesprochenen Wünsche ' licht zu sehen. Wtttt», 9. Februar. Ten Lesern Ihres gesch. Blattes 1 die Zeitungsnotiz wohl nicht entgangen lein, daß ein der 3. Compagnie des in Spandau in Garnison Garde-Fuß-Artillerie-Regimentes, Ernst Feig, sich dem Bahnhof Alexanderplatz der Lokomotive eines der »usenden Fernzüge entgegengeworsen hat und von den der Lokomotive zermalmt worden ist. Was ihn in Tod getrieben, geht aus den beiden Briefen hervor, die! «inen Freund, den Kaufmann Schröder, und feine Eltern klaffen hat. In «rfterrm schrieb er: .Berlin, den 10. Januar 1891. Meine Lieben! Mit schwere« Herzen ergreife ich die Feder, um an Luch zu (H ist die« da« lebt« Mal. Wie ich Euch sagte, geht e» mir »der« bet« MUitair. Da ich e« aber für die Dauer nicht « «»«batten kan», s» bleibt mir nicht« andere« übrig, al« mich . Manschen.zu entziehen. Da mir nur «in Weg offen ist, denselben. abe ans dieser Erde doch nicht« zu versäumen oder zu er- Behandlung, di« ich al» Jude zu erwarten hatte, war nicht «ehr schön. -*TT- Da» ist allerdtng» der wundeste Punkt, an dem die soa. .Judenkleidet, aber erst seit kürzester Zeit, seitdemgewiffejüd. Blätter »d« mit falsch«» DvkwNiteln und Probemustera in die Provinz , «nd hausiren lassen wie mit bunte» Taschentüchern; da« hat dem : eine» solche» Blatte« jüngst in ein«» Antistmitenblatt« da« Ept- I-MMWihp? °"^d»Her«»g^rn von Audm-bUtter»- |L DOW 0tTCKQK MR jMMitylUR MQl |ttt VfCL Ich bedaure e« sehr, meinen Eltern diesen Kummer bereitet zu haben, dach «erden sie sowohl, wie Ihr, meinen Schritt verzeihen, wenn Ihr überlegt, »a« ich so manchmal zu ertragen hatte. Euch danke ich herzlich für Eure Lieb«, die Ihr mir erwiesen habt und richte ich an Euch noch eine Bitte: Sollte e« Sott gefallen, meine Eltern nicht mehr lang« am Leben zu lassen, so bitte ich Euch: erbarmt Euch meiner beiden Schwestern, dieselben erben doch später von meinem Großvater und könnten sie Euch dann ihr« Schuld abtraaen. Leb« alle wohl und behaltet lieb Euren Ernst. — Gleichzeitig bitte ich noch, aus dem jüdischen Kirchhof in Weißensee beerdigt zu werden. Seid vielmals gegrüßt und geküßt von Eurem Euch liebenden Ernst." Diesem Brief lag der folgende bei: .Berlin, den 19. Fanuar 18511. Innigst geliebte Eltern! Was mich zu diesem Schritt getrieben bat, werdet Ihr »un wohl von Schröders erfahren haben. Ich konnte es nicht mehr länger aus- Hallen Berzeibt mir den Schritt und den Kummer, den ich Euch dereitet habe. Berges, I aber nie, das, Ich es Überständer, habe und mir wohl ist Ich wünsche Euch viel Glück: gebe Gott, daß eS Euch sernerhin besser geht. Run seid herzlich gegrüßt und geküßt von Eurem Euch bis in den Tod geliebt habenden Ernst." Beide Briefe schrieb der Unglückliche am Montag Abend in der Wohiiung seiner Eltern, zu denen er gekommen war, Abschied auf ewig zu nehmen, ohne das! er jenen eine Andeutuitg des von ihm beabsichtigten Vorhabens machte. Er bat sie »och, den init der Adresse des Kaufmanns Schröder versehenen Abschicdsbrief, dem der an die Eltern, wie schon envähnt, beilag. zu frankircn und zur Post zu geben. Und ain anoern Morgen, nachdem das Entsetzliche schon geschehen, beförderten die Eltern den Brief mit seinem niederschmetternden Inhalt erst zur Post. Als die Abendblätter am Dienstag die Kunde des gräßlicksen Selbstmordes bereits in alle Welt trugen, hatten die Eltern des Unglücklichen immer nocls keine Kunde von dem Geschehenen. Weder der Adschicdsbrief »var ihnen zu Händen gekommen, noch hotte das Regiment eine Nachricht an sie gelangen lassen. Erst der Mittwoch brachte -ihnen die Trauerbotschaft in das ,Haus. Was die auf das Krankenlager geworfene, tiefgebeugte Mutter dem Schreiber dieses Artikels über den Sohn, auf den sie so große Hoffnungen gesetzt, mit schluchzender Stimme berichtet, sagt, daß er — der Jude — mit Leib und Seele Soldat geworden war, so, daß er die Absicht ausgesprochen, Soldat zu bleiben und die Hindernisse, die ihm etwa sein mosaischer Glaube in der Beförderung hätte bereiten können, gewillt war, (durch den Ucbertritt zum Ehristcnthuin?) zu befettigen. Er war freiwillig (als Dreijähriger) cingetreten, hatte sich das Regiment gewählt, die Furcht vor einem schweren Dienst hatte ihit nicht zurückgehalten, war er doch als Buchdrucker immerhin an eine schwere Arbeit gewöhnt. Und er sah sich auch, nachdem er eingetreten >var, in seinen Erwartungen nicht getäuscht. ״Den Dienst ertrage ich sehr gut", äußerte er sich zu seinen Freunden und Eltern, ״und mit meinen Vorgesetzten bin ich durchaus zufrieden" — das war die Stimmung der ersten Zeit. Sie schlug nur allzu schnell um. ״Ich bui in eine andere Stube verlegt worden, ich habe einen Tyrannen zum Vorgesetzten erhalten, die Behandlung ist entsetzlich, sie spottet jeder Beschreibung", so kam eS nunmehr aus ihm heraus. Daneben ging aber die Hoffnung: ״am 14. Februar ist Rekrutenvorstellung, dann wird e» besser". Er hatte noch das Hoffen nicht verlernt. Aber ein Gedanke fing doch allmählich an, ihn zu bedrücken. ״Es gehen so viele als Krüppel ab", sagte er, ״sollte ich zum Kröppel gestoßen und geschlagen werden, so überlebe ich das nicht, ich will Euch" — damit meinte er seine Eltern — ״als B üppel nicht zur Last fallen." Doch auch diesen Gedanken unterdrückte er wieder. Am Sonntag vor dem Todestag war er noch fröhlich und guter Dinge, für einen Kameraden, einen gewissen Roggendorf, be» stellte er bei seinen Eltern noch 108 Visitenkarten, die vor