Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 6 (5.2.1891)
- Date
- 1891-02-05
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Während der Feierlichkeit, ließ der Lhor der tznagog« mehrere Gesänge hören, deren Ausführung lobend «Wähnt zu werden verdient. — Heute Vormittag fand in - der Synagoge eine Vorfeier zu Kaisers Geburtstag statt, ׳Ivelcher sich seitens der Regierung Herr OberregierungSrath Freiherr v. Kramer und Hr. Regierungsassessor v Gemmingen oetheiligten. Unter den Anwesenden bemerkte man auch den Herrn Polizeidirektor. #»s (ttM, 28. Januar (Or. - Cor.). Ueber die Synagogal-Feier des Geburttagcs Sr. Maj. des Kaisers Wilhelm H. hat das israelitische Consistorium des Unter- Elsaß an die Rabbiner nachstehende Verordnung ergehen lassen: .Laut Ministerial^krlaß*) vom 23. v, MtS. soll der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm ll. dieses Jahr bei uns Israeliten .. schon am vorhergehenden Sabbat, den 2«. d. Mt»., gefeiert werden. HBir ersuchen Sie ergebenst, in Ihrer Synagoge, sowie in allen gogen Ihres Rabbinats-Brzirkes, di« geeignetsten Anordnungen p« treffen, diese Feier am Sabbat-Morgengottesdienste, vor dem Ein- »eben der Toro rolle würdig z« begehen. Die Ordnung der Feierlesthkei! besieht in: ' 1. Dem Besang der Psalmen 21 und 72; 2. Der gewöhnlichen Fürbitte für seine Majestät den Kaiser in hebräischer Sprach« sowie der beifolgenden Fürbitte in dru t sche r Sprach«; 3. den Psalmen 81 und 150 in abwechselnder Absingung seltenS des Borsängers und der betenden Gemeinde - 49rfie1reid1<UR4atn An» A»ß«r», 28. Januar (Or.-Cor.) Unsere Landes- Hauptsladt gewinnt immer mehr Aufschwung, und wurde -auS Anlaß der jüngsten Volkszählung von kompetenter Seite ,ausdrücklich hcrvorgehoben, daß nächst Berlin keine Stadt in Europa im letzten Jahrzehnt so gewachsen sei, wie . P ud a pe st, welches bereits über eine halbe Million Ein-?Wohner zählt. Die Hauptstadt umsatzt drei große Ge- : - meinden (excl. der orthodoxen Separa t- Gemeinde in Pest): v Di« Pest er Gemeinde, die in Ofen und Altofen. Die f W»ltus-Gemeinden sind getrennt, die Stadtgemeinde ist ein- % heitlich, und pufftet in ihr ein kräftiges, nationales Leben. : ׳ — DaS Parlament beschäftigte sich diese Woche mit F 'her Stiftung von Kleinkinder-Brwahranstalten von Staats- ,wegen. Die Anstalten sollen allen Consessionen zugänglich »gemacht werden durch Erziehung für eine allen Bekenntnissen ^gemeinsame Vaterlandsliebe und religiöse Cultur. Dieser ^Gesichtspunkt machte sich vorwiegend geltend und wurde nur von Denjenigen nicht getheilt, welche überall Sonderungen und Spaltungen in kirchlicher und nationaler Hin- .ficht herbeifühlen möchten. Diese aber bilden die Minderheit 4".Z«r Ration. H' — Gelegentlich der Erwähnung religiöser Toleranz will ich noch zum Schlüsse hrrvorheben, daß beim jüngsten?feierlichen Empfange am Hofe Sr. Majestät des Königs und ö?M!nsers Herr Baron Albert Rothschild und Frau Gemahlin, Welche seit Jahren hoffähig sind, anwesend waren. — Dem Antisemitismus in der Schule wurde in jj ® i« n durch staatSbehördlichen Befehl eine Schranke gesetzt. SkuPland. Aus wird der ״Köln. Ztg. unlerm 26. Januar geschriebe»: .Bor einem halben Jahr« überzeugte sich di« hiesige Polizei «Won, bah Schüler der Handelsschule und einige Gymnasiasten vom Auslände Werke bezogen, die in Rußland verboten sind; der Inhalt »Mi fMiaUftif(&. Die Untersuchung ergab di« Schuld 18 junger Leute •tat Alter von 15—19 Jahren. Der Generalgouverneur Gurko bestrafte Uebelthätrr mit 2 bis 3 Monaten Arrest. Die Eltern wandten «it einem eingehenden Gnadengesuch an den Lzaren. Dieser schrieb "»big aus die Bittschrift: für di« Katholiken (Polen) ist di« zu verfünffache», kür dt« Juden d r e i h t gmal so hoch zu bemeffen. her orthodoxe Schüler erhielt kein« Straferhöhung. Dazu bemerkt die KAnerin: .Dies« Barbarei erscheint kaum glaubhaft.« Warum? Lcher Lag bringt neue Beweise dafür, daß in Rußland mit ver- 1 Maße gemessen wird. So ist kürzlich in Polen eine verergangen, »ach welcher mUitärpflichtige Juden, welche sich Obwohl di« Rabbiner Preußens mit keinem derartigen al-Erlaß beehrt wurde», haben sie doch wähl all« an dem hach den Kaiserlichen Geburtstag durch Predigt oder be- Gebet gefeiert, darum nehmen wir davon Abstand, den aus Gemeinden uns zugrgangenen Berich« zu veröffentlichen. (Red) wen»» einer Superr^ifio« au« einer Stadt nach einer anderen zu 7-cu Militärbehörden zu begehen haben, nur etappenmäßig, d. h wie 7?.. mein« Verbrecher, befördert werden müssen — angeblich, damit sie ,ich nicht unterwegs selbst verstümmeln oder einen anderen vorschiet«: Die übrigen Militärpflichtigen werden einer solchen barbarischen Be» Handlung nicht unterworfen. Wilna. Eine neue Maßregel gegen die Juden hat der «1» Antisemit bekannte hiesige Gouverneur erlassen. Sie benht darin, hmx. di« Juden von nun an keine Schänke m-hr haben dürfen, d. h. n» dürfen zwar auf christlich« Rainen solch« besipen. aber es ist ihnen verboten, sclbst hinter dem Büffet zu stehen Sobald der jüdische Elgenthümer daselbst belroffen wird, werden seine Güter eingezoge«. (»Etti« etwa« scharfe, echt russische Maßregel!" — bemerk» sogar bas ״voll") Kermischle 1mb neueste Nachrichten. Berlin, 1 Februar. (Lr -Cor) In Sachen der Petition dir Charlottenburger Studirenden, (betreffs Ausschlusses russischer Juden von der dortigen Hochschulean den llultnsminister, sind wir in der Lage, den Meldungen anderer Heilungen gegenüber konstattren zu können, daß bis jetzt eine diesbezüglich« Bittschrift noch nicht abgesandt, daß vielmehr eine solch« vom Ausschuß entworfen und einer in dies« Woche adzuhalienden Generalversammlung vorzulegen Ist Der Eutmurs strotzt von den gemeinsten antisemitischen Aeußerungen gegen unser« russischen Brüder Berlin, 2 Februar. Ein Gesinnungsgenosse Stöckers, zugleich?iamensvetter desselben, der Fabrikant Adolf Stöcker in Leipzig, ivurde vom hiesigen Schöffengericht gestern zu 150 Mark titeldstrare verurtheilt, weil er einer Berliner Firma anläßlich einer Streitsache schrieb, daß man mit ihren Glaubensgenossen überyaupt nicht arbeite« dürfe und er jeden Menschen vor einer Geschäftsverbindung mit eine« Semiten ivarncn werde. Der Vorsitzende Richter hat in den Aus» sührungen des Erkenntnisses ganz besonders die Berwerflichkeft der ganzen antisemitischen Bewegung gegeißelt und deshalb eine hohe Strafe für angemessen erachtet. Berti». Eine Petition des Konrektors Heyse in Buezkowo init Borschlägen zur Lösung der Judenfrage ist wie in früheren Jahre» (»leider" sügt das »Bolk" hinzu) auch diesmal vom Herrrnhause als zur Berathung im Plenum nicht geeignet erklär» worden HrUvrauu a« tttetar. (Oe. - Cor) Durch Erlaß der Kgl. israel. Lberkirchenbehörd« wurde Herr Dr. Berti,old Einstein, »er seitherige Vertreter de« sel. Rabbiners, zum Rabbinatsverweser für de« hiesigen Rabdinatsbezirk bestellt. startsrnlee» 3. Februar. Gestern Abend hielt Herr Or. Treitel im Litt. Ber-in einen Bortrag über ״Ghetto und Ghetto-Dichtes vor einem sehr großen Auditorium im Rathhaussaalc. Redner sprach fast Stunden und verstand es, den reichhaltigen und mannigsalttge» Stoff organisch zu gliedern und dadurch dem gedankenreichen Inhalte, ׳eine« Vortrages eine sehr anziehend« und seffelnde Form zu gtitaL Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten die Anwesenden seine» Anseinandersetzungen und langaNSauernder Beifall wurde dem R«d««r «« Ende seines, auch die jüd. Dichter der Gegenwart beleuchtend«» Sw• trage« zu »heil Wort»« Hier ist der jüdische Fabrikant Louis Schlösser in den Kreistag gewählt worden. E« ist dies der erste Fall, daß ein Jude in Hessen in dieser Körperichast einen Sitz gesunden hat. Ungar«. Der erste Wahlbezirk zu Kaposvdr wählt« de» Rphbiner Dr. Herzog daselbst einstimmig in die städtisch« Repräsentanz aus sechs Jahre. Für dessen Wahl wirkten bejonder» Nicht - Jude», unter ihnen der Bürgermeister. Lo»dv«. End« Januar. (Or.-Lor.) Nach mehrjähriger Vorberritung wird endlich im Lause des kommenden Monat« ein araßet Theil der hier vorgenommenen englischen llebersetzung der ״Geschichte der Juden" von Graetz erscheinen Der Rest derselben wird i» Jahre 1892 folgen. Mr. F. D. Mocatta trägt alle die Kosten der Veröffentlichung und verdient somit den Dank der gesammten englisch»« Judenheit. Der hiesige Shies - Rabbi - Posten wird demnächst de« jetzige» Stellvertreter desselben, Dr. Hermann Adler, definitiv übervmae» werde». Letzterer ist, wie der Engländer sagt, the right man in um> right place, möge er, wie sein seliger Bater, eine Zierde des englischst Judenlhum» sein. ברא כרע־ דאבוה Detersdttva, 9. Februar. Au» IaroSlau wird ein« verstärkte Juden ausweisung und die Versiegelung der Synagoge gemeldet, (?k) V. O.B.B. Magdadiir«, 1. Februar. In der gestrigen Logen-Sitzung stellte Herr Rabviner Dr. Rahmer, nachdem er da« an ihn gerichtet« schreiben des Central-llomitee's der Alliance isr. verlesen, (s. den Leitartikel an der Spitz« der Heu«. Nr.) den Autrag: Der m. Rcpräse». taat der am 8. d. M. in Berlin tagenden Großloge wolle »asribst beantrage», d»g die Brvjck»»« es sämmtiichen iLöchterlvgr» t« vvtipchUtmv dei»gr»v »»'« Herz lege, »aß dt« B«r. stütz der fMiocc isr. »»t». «14 Mitglieder beiterte» »»d fir dieselv« t» ihre» skreise» »it iktkrr Wirke» »««׳». «t« zeit. Präsidenten der Mendelssohn-Loge wurden sofort 3 Mitglieder ernannt, ««sche unter Vorsitz des Herrn Rabbiners rin« wirksam« Pro» paganda für di« Aüianee in hiesiger Gemeind« etnlriten sollen. ״l&־.