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Israelitische Wochenschrift · 1891-02-05 · 6 (5.2.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
6 (5.2.1891)
Date
1891-02-05
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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. j3 SfiiommA der Anstalt unbedingt geschädigt wird. In» ׳aseru ist der Wegfall einer solchen Prüfung, der übrigen»?n keiner genügend straffen Organisation zeugt, allerdings - hr zu beklagen. TieUebernahme der Anstalt seitens der Berliner rmeinde würde gewiß so manche Schäden und Mißstände ׳trllen und vielleicht auch in dieser Beziehung Abhülfe baffen. Indessen, so wünschenswerth dies an sich wäre, י schwer wird sich wohl dieser Plan erfüllen lassen, da die .imwandlung der Lehranstalt in ein Rabbinerseminar der rsprünglichen Tendenz der Stifter zuwiderläuft und infolgessen erne Aendcrung der Statuten und die landesherrliche Genehmigung erfordern würde, die sie schwerlich finden dürfte. Ztresla«, 27. Januar. (Cr. * Cor.) Im jüd. theol -eminar fand heute, wie alljährlich, die Gedächtnißseier für :n Stifter und die feierliche Entlassung der designirtcn iabbinerkandidatcn statt. Die Feier eröffnete ein vom Ge- .!ngverein jüd. Theologen vorgctragcnes Lied (Ps. 10). Der ,.ch anschließende Bortrag des gegenwärtigen Vorsitzenden, $ Seminarrabbiners Herrn Tr. Levy, gedachte zunächst -'s Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers, alsdann des s lifters der Anstalt und seiner hochherzigen Gesinnung und ^rakterisirte zuletzt die ethischen Prinzipien unserer Re- , ת10ד, vor allem die des Talmud, die durchaus nicht das i-ien, wofür man sic verschrieen habe, sondern, als dem Boden ~-rc Religion und des Gottesbewußtseins entwachsen, die )elften und reinsten. Es folgte die Vorlesung der Urthctle -cS Lehrerkollegiums über die eiugegangenen Preisbewerbungsarbeiten. Das Thema hatte gelautet: ״Darstellung des Standpunktes der einfachen Bibelexegese in den talmudischen Schriften * Von den eingeliefertcn Arbeiten wurde die des Herrn L. Dobschütz, cand. phil., als der ehrenvollen Ersa^ung des Namens ihres Verfassers würdig erachtet. Es schloß sich dann die Entlassung der letztjährigen Kandidaten, der Herren Dr. Berger und Dr. Lewinsky an; der letztere, der bereits als Rabbiner in Weilburg thätig ist, hielt sie Abschiedsrede. Mit dem Vortrag des Königsgebetes durch den Gesangverein schloß die Feier. Dem gleichzeitig ausgegebcnen Jahresberichte entnehmen wir, daß daS Seminar gegenwäitig 58 Hörer zählt. Von ehemaligen Hörern desselben sind wiederum eine größere Anzahl zu Rabbinatsämtern berufen worden die HH.: Dr. Margolius nach Florenz, Tr. Zuckermandel nach Pleschen, Dr. S t i e r nach Berlin, Dr. Kronberg »ach Hermanniestetz Böhmen), Dr. Baßfreund nach Trier, Dr. Lewinsky nach Weilburg, Dr. Einstein nach Heilbronn. Ter Bericht enthält einen Nachruf auf den unvergcßiichen Josl, sowie auf den kürzlich erst verschiedenen Rabbiner Dr Bärwald in Saaz. Beigegeben ist dem Programm das I V. Heft .Reime und Gedichte des Abraham Jbn Esra', herausgegeben von Dr. Rosin, daS sich würdig een früheren anreiht, sowie der Verwaltungsbericht des Unterstützungsvereins Liwjatb Chen. Der Letztere hebt hervor, daß besonders das unermüdliche Interesse der Herren Rabbiner Dr. M ü n z - Gleiwitz, Dr. Schwarz-Karlsruhe, Dr. Guttman n-Culm^zahlreiche Beiträge dem Verein gesichert wurden. Möge ihre edle Thätigkeit eifrige Nachahme finden. Soßrau H.-S-, 2. Febr. (Or.-Corr.) Wie treffend die Bemerkung unserer Alten ist: .Der Fortgang eines Frommen macht einen tiefen Eindruck auf seinen Ort', hatten wir am 20. Echebath d. I. hier zu sehen Gelegenheit. Einen Tag! früher hatte Herr Joseph Panofsky im ehrwürdigen Alter von 81 Jahren seine fromme, edle, lautere Seele aus-; gehaucht. Aus der Nähe und Ferne, aus der Stadt und Umgegend waren in großer Zahl seine Freunde und Verehrer! herbeigeeilt, um dem edlen Manne die letzte Ehre und Liebe; zu erweffen. Bei Groß und Klein, Vornehm und Gering,! tri Juden und Christen erfreute er sich stets der größten Beliebtheü und Hochachtung. Semen Arbeitern, »eiche er in der hiesige» Ehelichere» ,PanlShüttr' beschäftigte, war er einer der humansten und wohlwollendsten' Brodherrrn.' In den Reihen dieser Männer giebt cs nur eine Stimme und e i n Urtheil über die herrlichen Vorzüge und Tugenden dieses mustergrltigen Fabrikherrn, der nicht nur die Hände, sondern auch die Herzen seiner Arbeiter in seinen Dienst stellte. In oer Stadt- und Gemeindeverwaltung hat er vor Jahren als Rathmann und Gemeindevorsteher segensreich׳ gewirkt. Durch seine reichen Kenntnisse, seine hohe Intelligenz, seine Um- und Einsicht, seine Gewissenhaftigkeit und Arbeit-- lust hat er der Stadt und Gemeinde die werthvollsten Dienste geleistet. Einer der besten und edelsten Menschen, ein durch- und durch gewissenhafter, ungeheuchelt ftommer, wahrhaft demüthiger Israelit, der mit peinlicher Strenge bis in sein hohes Alter alle hl. Satzungen und ftommen Gebräuche: unserer Religion in Ehren hielt, war er uns als Mensch^ Mann, Bürger und Israelit ein leuchtendes Vorbild, ein mustergiltiges Beispiel dafür, daß auch in heutiger Zeitt streng moderne Bildung mit streng israelitischer Religiosität auf das Glücklichste sich vereinigen lasse. Ein Freund und Helfer der Armen ohne Unterschied der Confession, ein Berather und Tröster der Wittwen und Waisen, der Unglücklichen un) Schutzbedürftigen flößte er Allen, welche seine gedeihliche Hilfe oder seinen weisen Rath in Anspruch nahmen, durch sein Wohlwollen, seine Leutseligkeit, Theilnahme, Milde und Hochherzigkeit unbedingtes Vertrauen ein. Joseph Panosskh wurde gegen Ende März im Jahre 1810 zu Lrzesche bei Sohran geboren. Sein Baler, R. Moseh PanofSky, etfy talmudkundiger, frommer, intelligente[ Mann, lieft ihm eine sorgfältig» Erziehung angedeihen. Der fleißige, geistig reich begabte Loh» ab» solvirtc das Gymnasium zu Gleiwitz, zu dessen ersten jüdischen Abt» turienten er zählte. Dabei vernachlässigte er nicht die von seine« frommen Vater mit Eifer gepflegten hebräischen Studien, deren sfreu»^ er bis au sein Lebensende blieb. Bei aller weltlichen Bildu»A; war er, was man gemeiniglich einen schälten -|DC יורע nennt. Er hob die Industrie in unserem etwas stiefmütterlich bedachten Winkel Oberschlesiens So begründete er eine Glashütte in Orzesche, so mnr er lange Zeit hier Mitinhaber einer amerikanischen Dampsmehlmühl« und der Eisengieftcrei .Paul-Hütte", welche vor Jahren ganz in seinen Besitz überging. Um diesen edlen Menschenfreund trauern zahlreiche^ Freunde und Verehrer aus allen Schichten der Bevölkerung, ohne Unterschied des Glaubens in den weiten!kreisen seiner- Bekannten. Eine hochbetagtc, fromme Gattin, drei Söhne,. eine Tochter, ein greiser Bruder und viele Enkelkinder be» weinen im aufrichtigsten Schmerze den Tod ihres würdigen, frommen Familienoberhauptes. Möge der allgütige Gott, ihnen Trost spenden! Der Verklärte, dessen ehrenvolle- Andenken in unserem Herzen nie erlöschen wird, ruhe sanft und in Friedeu! סם— .חניצביה— Metz, 24. Januar. ׳ Die Einführung des neuen Oberrabbiners Herrn Ury fand gestern um 3'/, Uhr in der: Synagoge statt. Unter den zahlreichen Anwesenden befände». sich S«. Excellenz der Herr Gouverneur Genrrallicutenant von Fischer, Herr Generalmajor Gihrl, Herr Bezirk-Präsident.: Freiherr von Hammerstein, Herr Regierungsrath Becker^ Herr Polizeidirector Meiner, letztere Herren in Staatsuniform; sodann Herr Erster Staatsanwalt Haas rc. Zu) Beginn der Ceremonie verlas Hr. Bankier Maye r, Präsit " de- Konsistorium», in beiden Sprachen die landesherrliches Verordnung, durch welche die Wahl de» israelitischen Eon-I sistoriumS genehmigt und Herr Ury, vormals Raobiner i»L Brumath, zum Oberrabbiner von Metz ernannt wurden.« Hierauf hieß Herr Mayer in einer wohlempfundenen Anspräche den neuen Oberrabbiner willkommen, Wie di« An» rede, so wurde auch die Antwort des neuen Oberhirte« in.* französischer Sprache gehalten, die Predigt dagegen inl deutscher Sprache. In beiden Fällen drückte der Herr Oberrabbiner seine Befriedigung darüber auS, daß er an die-: Spitze der israelitischen Gemeinde von Metz berufen wurd und ermahnte die Gläubige«, ihn in der Erfüllung d« schweren Pflicht, di« ihm aufrrlegt wurde, behülflich zu feg Er beendete seine Predigt durch die Erstehung de» gvttli- Segen» über Se. Majestät den Kaiser u»d die Kak' Familie, über Drutfcl

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