Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 5 (29.1.1891)
- Date
- 1891-01-29
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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TT?ic ^Estellungen für bei Tost stattfinden zu laste«. Älso Grillparzer ist den antisemitischen Hetzern zu sehr sem,tisch, weil er Esther' und die ,Jüdin von Toledo' gedichtet hat. Kann es denn überhaupt einen Dichtergenius «den, der nicht seinen Dichterlorbeer mit den drei Perlen: Liebe, Schonung und Duldung schmücken müßte? — Unserem Episkopate muß es nachgerühmt werden, daß es das Streben bekundet, mit der Staatsautorität im vollen Einklänge zu walten, und ist sonach bi« Aussicht vorhanden, bah der Cultursieg des Staates uns des ״Eulturkampfes" überheben werde. Interessant ist es, dag schon der Talmud (Traktat Sota 42a) mit der Frage der Stellung des Staats-Ober- Hauptes zum Kirchcnhaupte sich beschäftigt und die Unterorduung des Letzteren unter den Ersteren im staatlichen Leben fordert.. Ter neutestamcntarische Ausspruch: ״Gebt Gott was Gottes ist und dem Kaiser was d»s Kaisers ist' hat demnach wie die meiste» aus dieser Quelle geschöpften Wahrheiten eine» jüdischen Ursprung. Frankreich. H^arks. ״Judenthum und Diplomatie' — unter dieser Aufschrift bringen die ״Archive»" einen größer» Artikel, aus dem wir die uns ül'errasckiende Tatsache ersehen, daß in Frankreich, dem Lande der Revolution und Demokratie die diplomatische Carriöre den Juden verschlossen ist, daß nur daS Taufbecken die Schranken fallen läßt, welch: die Israeliten von dieser schönen und wichtigen Laufbahn fern hält. Da dieser Artikel dem ״Israelit Jcchurum" entnommen, so übergehen wir die für deutsche Leser bekannten Tatsachen, doch wollen wir unabhängig hiervon folgendes ergänzen: 1. Daß der Flint Bismarck in einer öffentlich׳!! Sitzung bei Reichstages um die Mitte der siebziger Jahre crklänc, daß die Juden sich ganz lvsvnders zu diplomatisch» Missionen eignen; 2. daß die österreichische Regierung auf Dränge» des päpstlich» Runtius in Wien den Empfang des nordamerikanisch!! «^sandten verweigerte, weil derselbe in Eivilehc mit einer Jüdin vcrl>cirathet!var. Nach langem Hin- und Herprotestiren zog die Union den (>lcsandten zurück: 3. daß ein aktiver jüdischr französische Offizier, der einen jüdisch klingenden Namen hat, mir erklärte, daß er bechilb als Militärattache einer Gesandtschrft, zu welche׳ sei« Kenntnisse ihn lvsähigten, nicht angcstcllt werde. (Wer erinnert sich nicht hier jenes bekannten Witzwortes, als von den Völkern, die kein RischuS haben, gesproch-n wurde, inan geantwortet hat: ט (!ובמן מי י" א. Belgier». Mrriffel, 25. Januar. (Cr. - Evrr.) Anläßlich des so plötzlich erfolgten Hinscheidens des so jugendlich!! Thronsolgcrs von Belgien gab Herr Rabbiner Drcyfuß ver- «tagen«! Sablxuh eingangs seiner Predigt den! tiefen «h«erz und oer lxrzlichftei! Tlieilnahmc an dem abermaligen, schöeren Perluste, der das ganze kgl. Haus betrifft, in warmen SJbcten Ausdruck. Seitens der Gemeinde, sowie auch einzelne jüd. Notablen, sind herrlich Kränze iiis Palais des Grasen am» Flandern gesandt worden. Ein Bericht der ״Pall Mall Gazette" (nach Informationen .dieses engl. Blattes aus Rußland) sei der Euriofität halber hier mitgetheilt: ״Der Baron Günzbourg, einer der erneu Bauquiers , Petersburgs, ging dich!׳ Tage zum Minister und äußerte wie folgt: ' Wir wissen, daß es nicht ausschließlich von Ihnen abdie gegenwärtig die Regierung beschäftigende Judenunfern Wünsch» geinäß zu lösen: aber wir wissen daß es in Ihrer Macht steht, einen cndgiltigen Be- _ hinauszuschieben. Darum bitten wir sie ergebenst, und Sie mit Erfolg agiren, können Sic auf unsere stete barleit rechnen. ^Lodem der Baron dies sagte, übergab er dem Minister ׳geschossene Enveloppe und entfernte sich Diese enthielt einen Wechsel, zahlbar auf Ordre des Herrn Dournowo lautend» aus eine Mil non Rubel bei Mendelssohn St Tie. in Berlin- — Der Minister erbat sich sofort e!ne Audienz beim Czaren und theilte ihm daS Vorgefallene mit. Der Herrscher: befahl die sofortige Verhaftung des BanquierS und beauftragte einen seiner Flügel-Adjutanten, eine Untersuchung einzuleiten. Beftagt durch den letzteren, bestätigte der Baron, seine, dem Minister gegenüber gemachten Aeußerungen. Den Wechsel betreffend sagte er. daß er denselben auf den Namen oes .Herrn Dournowo lautend, von Berlin erhalten habe, was auch aus seinen Geschäftsbüchern ersichtlich sei. Nachdem, die Wahrheit dieser Behauptung fcstgestellt war, wurde der Banquier in Freiheit gesetzt. Aber was mit der Million machen, die der Minister׳ nicht an- und der Banquier nicht zurücknehmen wollte? Doch der Ezar wußte Rath. Er befahl, die .Hälfte der-: Gesellschaft vom rothen Kreuz, die andere Hälfte dem Fonds! für notleidende Bauern des Reiches zufließen zu lassen. Pslästina. Jerusalem. Der Verein ״Esrath Rinachim" hat seine» 7. Jahresbericht veröffentlicht. Gegründet zur Erinnerung an den 100 Geburtstag Mose« Montesiore'S verfolgt der Berein den Zwecks Bohnungen für di« Armen zu beschaffen, die Bestrebungen der Missionäre zu vereiteln und arbeitslose Handwerker zu unterstütze», tilegenwärlig haben 45 arme Familien durch den Verein Ilnterkomme». gesunden. Ter anhaltende Regen macht den Bewohner» der heiligen Stakt große Sorge Tie Arbeite» aus dem Felde und in den Weingärten sind eingestellt und die meisten Arbeiter haben daher keine Beschä ftigmtg, Die Häuser der Armen stehen unter Wasser und ihre Gärten, aus deren Erzeugnissen sie sonst ihr spärliches Einkommen etwas ausbeffer». können, sind säst ganz zerstört. Ire»s«Ie» Das Comitee zur Versorgung der heiligen Stadt mit gesundem Trinkwasser hat von der Pforte die Eonzession zur Aus»- siihrung des cntivorfenen Planes erhalten. Wer die Schusseligkeit«»^ kennt, welche im Orient bei allen derartigen Eonzejsionsgesuche» zu überwinden sind, wird die Wichtigkeit dieses Resultats anerkenue».. Ein solches herbeizusühren, erfordert einen Aufwand an Zeit, 9cIW uni «sseduld: doch ist mit demselben die größte Schwierigkeit über» munden. Was noch zu thun ist, kann mit Ernst und Ausdauer bald zur Ausführung gebracht werden. Das Unternehmen ist, wie bereits früher mitgetheilt wurde, kein philanthropisches im eigentlichen Wort»' sinne, sondern vielmehr ein finanzielle». Mehrere einsichtige Männer— denen nicht nur das Bedürsiiiß zur Beschaffung einer ausreichende» ' Quelle reinen und gesunden Trinkwassers für die stets zunehmende Bevölkeruugszahl der Stadt eingejehen, sondern auch die Möglichkeit, . * die allen Quellen wieder nutzbar und auch in finanzieller Beziehung . ' lucrativ machen zu können RichtSdestoweniger ist die Idee in de«. Sinne eine philanthropische zu nennen, als durch die Ausführung der ׳',^ selben der Gesundheitszustand und das Wohl der Bevölkerung eine.- ' Ausbefferung und die in Folge schlechten Trinkwaffers erzeugten Krant-kt heilen eine Abnahme erfahren werden. Das Eomite« beabsichtigt, di« ärmeren Elasse die Wohlthat unentgeltlich genießen zu lassen. Haus»- eigenthümer, welche direkt mit Waßer versorgt werden, haben daffelbm^Z zu bezahlen: für die Armen sollen dagegen in den verschiedenen Stadt-^-g!heilen Standröhren angelegt werden, aus ivelchen sie sich ohne Mühemit Wasser werden ver,org«n können. Augenblicklich reicht der var--' handene Borrath nicht aus und ist noch dabei unrein, daher eine; ergiebige Quelle für alle durch dessen Genuß erzeugten Krankheit! Möge daher recht bald das Wort des Propheten sich effüllen: ״II ihr werdet Wasser schöpfen mit Freude aus der Quelle de« Heil! (Jesajah 12,3.) _ Ker«isch1e und nrneft« Nachrichten. Magdeburg Dem deutschen Radbinerverband« sind seit de» 1. Januar beigetreteu die Herren: Dr. Tel»er, Landrabdtner Tarmstadt, Dr. Elsaß, Rabbiner in Laudsderg a. W., Dr. Schvr berg, Rabbiner in Rordhansen, Dr. Seligmann, Rabbiner Hamburg, Dr. Wiener, Rabbiner in Oppeln, Dr. Weiße, La« rabbiner in Dessau. Aus Berit» wird der ״Bresl. Zig." geschrieben: Rach bmg Volksjchulgesetzentwurs wäre die S t a d t gemeinde Berlin verpflick für die Kinder jüdischen Glaubens besondere Schulen zu errick Eine solch« Trennung liegt aber in keiner Weis« in den Wünschen Bevölkerung, weder des jüdischen noch des christlichen Beftandth» derselben, und wäre in jeder Beziehung brklagenswrrth. Sathollß Schulen hat die Stadt errichtet, weil der Wunsch der entjprrche«d Bevölkerung dahin ging; hier handelt es sich aber um «ine Maß für welch« schlechterdings ein Bedürfniß nicht vorhanden ist. In Stzarl»tte»b»r« wird antisemitischer Unsug (nach ״Kreuzztg ") an der technischen Hochschule getrieben. Man hetzt do gegen dl« jüdische» Russen, welche an der Hochschule studiere», in Form einer Eingabe an de» Kultusminister.