Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 5 (29.1.1891)
- Date
- 1891-01-29
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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-Hieß dem Verschiedenen eine Tochter ln früher , ein« andere veiheirathete Tochter aber vor einem erst im Tode voran. Diese schweren Schläge, in»be- ,_t der Tod de» geliebten Sohnes, in Verbindung mit »einer bösen Krankheit, zehrten am Marke des Entschlafenen. In Karlsbad fand er ost Linderung: aber die Schicksals-!ge der letzten Jahre warfen ihn auf's Krankenlager. ritS im April 188J mutzte ihm von der künigl. ,Sr. )derkirchenbrhörd« ein Stellvertreter beigegeben werden,!eine letzte Amtshandlung war die Eintvcihung der Syzöge in Oehringcn Am Freitag, 16. d. Mts, Abends % 8 Uhr, hauchte er, umgeben von seinen Töchtern und Schwiegersöhnen, seine reine Seele aus. erst 60 Jahre alt Sein Andenken bleibt unter uns ein gesegnete-! Ktncktgart, 20. Januar. Heute Vormittag l 1 Uhr wurde Musikdirektor a. D. Josef Abenheim auf dem Pragsricdbeerdigt. Hervorragende Mitglieder der israelit. Gemeinde tanden den m der Kapelle aufgebahrten Sarg, zahlreiche stler, Kunstfreunde, Mitglieder des kgl. Hoftheatcrs von »als und jetzt hatten sich eingesunden, um dem stets rordentlich belicht gewesenen Manne die letzte Ehre zu u a. Jntcndanzrath Kiedaisch als Vertreter der kgl. Ihne, Hofkapellmcister Aber», Musikdir. Steinhardt, »mersänger Sontheim, Opernsänger Robiczck, die Kammer- -Mirtuosen Wien, G. und K. Krüger und andere Mitglieder Hofiapellc, Nhordir. Schwab mit 8 Sängern des kgl. hSioachors, ferner, Ob.-L.Ger.-Rath Dr. Schönhardt, der orstond des Stuttg. Liederkranzes, Stcidle, u. s. w.— Tic!in wurde durch das Posaunenquartett der Hofkapelle mit m Abenheim'schcn ״Ob wir uiis Wiedersehen" eröffnet, dem da- Doppelquartett den Chor ,Schlummre sanft" von ..Schmidt folgen ließ. Hierauf hielt Kirchenrath Wasser- >n die Grabrede, in welcher derselbe, an Bibelworte an- >nd, das Leben Abenheims schilderte, der alt und satt gegangen sei als Veteran des Kunstinstituts, dem er «nd seines langen Lebens angel)örte, als Veteran unserer adt nnd als Nestor der israelit. Gemeinde. Ju seltener liebheft hat er allezeit gewirkt und seine Lebensaufgabe größter Gewissenhaftigkeit gelüst, so daß er selbst mit!iedigung darauf zurückblicken durfte. Groß war die hl seiner Freunde, einen Feind hat er nie gekannt: er war on jeher ohne Selbstüberschätzung und Selbstüberhebung und zuletzt, so lange sein Geist noch hell und lebendig war, n voll Tankes dem.Herrn die Ehre. Redner gedachte des nhebendcn Gesanges, den Abenheim für den Gottes- ,ist komponirt hat, der Psalmwortc ,Tas .Heil geht vor hn", welche stets ticsen Eindruck auf die andächtige Ge« ade mache», Nach dem geistlichen Redner ergriff Oberncister Steivlc das Wort und legte Namens des Liederes einen prächtigen Lorbccrkranz auf den Sarg, um dem eifter ein Zeichen der Verehrung darzubringcn, welcher dem reichen kunstlebcn unserer Stadt als Zeitgenosse aintncrs bedeutenden Antheil hatte. Hierauf wurde der Chor ״Ob wir uns Wiedersehen", der schon in so ernsten Stunden an derselben Stelle trostreich ertönte, »n auch seinem Schöpfer gesungen: das Lied ,Wie sie so ruhen", von! Posaunenquartet gespielt, schloß die nnste in dn Kapelle, »voraus der Sarg nach kurzem Gebet Grabe der Erd« übergeben wurde. Qof. Abenheim war geboren am 21. November» 1804 zu Worin- Hb »»übte sich srüh brr Musik zu; Hoskapellmeister Schlaffer in stabt und Kantor Rink an ber Synagoge daselbst ertheilten ihm ' h». kaum 17 Jahr« alt, würbe er in ber Mannheimer Hof- »pelle als Geiger angestellt Drei Jahr« später erhielt er seine ng in btr Kapelle b«S HoftheaterS in Stuttgart. Zu seiner 1, Ausbildung wurde ihm «in Urlaub nach Pari» bewilligt, bst er namentlich Kontrapunkt stubirte 1854 wurde er zum »sikbir. unter Lindpatntner, später Kücken, neben Höllerer ernannt lettetelc al» solcher viele Opern und einzeln« Theile ber ntSeoncerte mit großem Talent. Reben einer, vor Grünbung datorium», auSgebreiteten Thätlgkeit al» Lehrer ber Musik, b«S Kontrapunkt», zu bem ihm «in besonbere» glücklicheähigtr, widmex sich Abenheim selbst fleißig ber komvosirion; «l«, «usprrchenbe Orchester-, Klavier- und Gesangstück« geschrieb». Zahlreiche SirHaktstückr zu Schauspielen, wie z. «. zu .Mäbchen« Klage' »on Schiller, später .Die einsam« »ose-, Gedicht ber Krau Herzogin Eugen von Württemberg, viel gesungen Ein eigene« Verbienst um bie Kunstwelt hatte sich Abenheim einst baburch erioorben. baß er um» Jahr 1837 ben 17 jährigen Sontheim, dessen Stimme Linbpaitner nach einem Probegesang« al« unbrauchbar für bie Bühne erklärte, zum ernsten Studium ermuthigte und dadurch der Stuttgarter Hosbühne ihre spätere Größe rettete Bi» vor einer». Jahre sah man Abenheim, ber seit 187 l pensiönirt war, ost in de« Straßen ber Stabt »und auf ben Anhöhen der Umgebung; im Herbste ivurbe er von einem Schlaganfall heimgesucht, von dem er sich ule mehr ganz erhol» hat, bi« ihn ain 17. Januar nach mehreren Tagen schweren Leidens ber Tob abricf.» Marburg. 22. Januar. Heute kam var dem hiesigen Schöffen» gericht bie Privatklage ber Darmstädler Kausleute Cahn u. Ikons, gegen Dr Böckel zur Berhandlung In einem Arttkel des .Reich»« Herold war die Stadt Darmstadt als ,greulich verjudet' bezeichnet und unter Hinweis auf die vielen kauileute jüdischen Namen» da» Vorhandensein eine« .sressenden Krebsschadens' behauptet worben. Ter Vertreter deS Kläger«, Rechtsanivalt Grünewald-Gießen, erklärte, daß ber Arttkel zweifellos beleidigend sei und daß die Gefliffentlichkri», mit welcher der Angeklagte in seinem Blatt« die Juden nicht nur, sondern Alle, bie seine antisemitischen Hetzereien nicht billigten, Private wie Behörden, verfolge und beleidige, eine empfindlich« Strafe angezeigt erscheinen lasse Der Angeklagte leugnete das Vorhandensein einer Beleidigung und bestritt l?), daß seine Zeitung konfessionelle und persönliehe Hetzereien »reibe. Er bat um Freisprechung Das Gericht wußte es aber beffer und verurtheilt« den Bickel in eine Geldstrafe von bv Mark, eventuell eine Woche Hast, und in bie Kosten. (Wenn «au nur gegen alle derartige Schmähungen klagbar vorginge.) Qesterreicb Unzar» Wien, 26. Januar. (Or.-Tor.) Am gestrigen Sonntag hat im Haus« des Herrn David Ritter v Gulmann dt« Vermählung der Tochter desselben, Frau Baronin Irma v. königswarter, mit Herrn Baron Steg wart v. Mayer au» Coburg stattgrfunbe«. Unter den zahlreichen eingelauf-nen Telegrammen ist, zumal in ber jetzigen Zeit, dasjenige de« regierenden Herzog« von Coburg an den Vater des Bräutigam« bemerkenswerth. Dasselbe hat folgenden Wortlaut: »Nehme herzlichen Antheil an dem schönen Familienfest, da» Sie und die Ihrigen heute feiern. Bitte Sie, dem jungen Paare meine freundlichsten Glückwünsche ausjusprechen. Herzog von Coburg.' Die Frau Herzogin telegraphirte aus Nizza: ,Empfangen Ate meiue allerherzltchste» Glückwünsche zum Heuligen Tag. Herzogin vo» Coburg.' v. Au» Anger», 18. Januar. (Or.-Cor.) Die Aristokratie in Ungarn fängt mit der Herrschaft des Freiheit-- Ideals an. Nur drr liberale Richtung giebt unserer Regierung Macht und Ansehen. Nur so ist es erklärlich, daß da- Denkmal der Araber Märtyrer aus den ungarischen Freiheit-- kämpfen seiner Zeit unter Theilnahme der StaatSregierung erfolgte, in der Prtöfy-Gesellschaft der Landeshauptstadt mit einem Gedicht das tragische Schicksal des Erzherzog- Johann (Johann Orth) gefeiert wurde, welcher der einzige hervorragende Mann am Hofe und im Staate Oesterreichs war, der gegen den Antisemitismus — freilich schon zu einer Zeit, in der die Stimme des edlen Mannes im Gewoge der Parteien verhallte — laut im Namen des MenschenrhumS Verwahrung eingelegt hatte. Unser hochverehrtes König-Hass hat mit dem im Süden Amerika'- schiffbrüchig gewordenen Fürsten einen unersetzlichen Verlust erlitten. Die Theilnahme für den unglücklichen Erzhcrzog ist beinahe so groß» wie die» Anthrilnahmr an dem schmerzlichen Hinscheiden unserS alle geliebten Kronprinzen Rudolf gewesen. Noch eine tbeure Lebensknospe brach in Oesterreich'- Kaiserhaus. Die 14jäyrtge Erzherzogin Antonie Immaculata, die Schwägerin der Kaifertochter Valerie, erlag der Lungenschwindsucht. So ist denn die Residenz der österreichisch-ungarischen Monarchie in Trauer gehüllt. Wien ist durch Hereinziehen def Vororte in den Stadtgemeinde-Berband unter dem Jubel der Bevölkerung »nd der Dankbarkeit derselben für den Kaiser, der dabezügliche Gesetz sanktionirte, zu einer Millionen-Grotzkommune geworden. Dennoch ist die Stadt noch nicht genug mit ihren großen Zwecken gewachsen, denn noch verengert sich in gewissen Kreisen gar sehr der Sinn konfessioneller Unduldsamkeit und Abschließung. So mußte die Direktion dedeutschen BolkStheaters au- Furcht vor antisemitischen Un- Tuben eablehnen, eine Grillvarzer-Feier zu veranstalten und für die vom Gemeinderathe bewilligten 4000 Gulden