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Israelitische Wochenschrift · 1891-01-29 · 5 (29.1.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
5 (29.1.1891)
Date
1891-01-29
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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lichcu Sink «geben werden — wie die» jüngst im .JSraelit' ->1 die Adresse von Wiesbaden. Darmstadt re. geschehen ist — im,JSraelit' saß sie das Gesetz umgehen und überall trauen dürsrn, was dem staatlich angestelltcn Rabbiner außerhalb des Rabbinatsbezirkes nicht gestattet ist. — (Es ist doch wirklich ein« Schande, wenn eine solche Nr. jenes Bl. einem Nicht-;sraeliten zufällig in die.Hände fällt.) F. «erltn, 26. Januar. (Lr.-Eor.) Am vergangenen Sonntag fand hier die Einweihung der neuen Synagoge, welih« der .Berel» oer Rosenthaler Borstadt“!ich in der Brunnenstr. 12V erbaut hat, statt. Schon lange vor Beginn der Feier hatte sich ein zahlreiche- Publikum eingefunden. welches den festlich geschmückten Raum bis aus den letzten tzlsy füllte. Nachdem die Thorarollen unter Borantritt d«S Herrn Rabbiner Höxter von dem früheren Betsaal der Gemeinde an ihren neuen Bestimmungsort gebracht waren, trug der Eanlor, Herr Trujan, »it klangvoller Stimme die üblichen Weihepsalmen und das Minchayiitt vor. Tie Weihe re de des gen. Rabbinerknüpfte sehr passend an « «orte der Sch1r»h: '21 1 02־V5VN1 an und legte die Bestimmung des Gotteshauses als Berg der Zuversicht, als Ruhe- Punkt und als Heiligthum d. i. als Lrt der Läuterung dar. Ter Bortrag de» 150. Psalms, ein Geber des Festredners für Kaiser und Reich und der tyesang Adon oUm schlossen die erhebende Feier. Jftftu. Der .Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden und israelitischer Borschußvercm“ hatte seine diesjährige ordentliche Generalversammlung im Gemeinde- Sitzungszimmer einbcrufcn. .Herr Rausmann Leo Ephraim eröffnete als Stellvertreter des Vorsitzenden, Herrn JuliusGlückstein, welcher verzögert ist, die Versammlung und erstattete den Jahresbericht. Der Verein habe auch in dem abgclaufcnen Jahre sich kräftig weiter entwickelt. Seine Mitgliederzahl iri auf 41« gestiegen. Daß der Verein zu so großer Blüthe «fllangt sei, habe man hauptsächlich Herr Julius Glückstein ■M danken, der mit Einsetzuitg aller Kiäfte für das Wohl?es Vereins bemüht gewesen sei. Als derselbe seiner Zeit «n Vorsitz in demselben überiiommen habe, hätte der Verein nur 48 Mitglieder gezählt. Tie Unterstützung der Lehrlinge «üsse anders geregelt werden. Im abgelaufenen Jahre seien im Ganzen fünfzehn Lehrlinge von dein Vereine unterstützt worden. Die Finanzlage gestaltete sich wie folgt: Bestand mn 31. Tezember 1889 172,91 M., Beiträge der Mitglieder 1819,40 M., Spenden 155,50 Ni., halbjährliche Zinsen des :Reservefonds 26,25 M., zurückerhaltendc Unterstützung 8 M., ,legen Unterpfand aufgcnommene Tarlchnc 1600 M., von den Tarlchnscmpfängern zurückgczahlt 8574 M. Im Ganzen leträgt die Einnahme also 12347,06 M. Von den Ausanben, die 11 533,50 Ni. betragen, seien folgende Posten üervorgehoben. Drucksachen und Utensilien 122,75 M., Unterstützungen an Lehrlinge 650,50 M, zurückgezahlte Darlchne 1800 M.. ausgcliehen 8831 M. Es ist ein Bestand von 813,51 M. vorhanden. Das Vermögen des Vereins beläuft sich aus 6339,56 M. Am 26. Tezember 1889 belief sich das Vermögen des Vereins nur aus 5456,91 M., es hat mithin im letzten Jahre einen Zuwachs von 882,65 M. erfahren. Ter Vorsitzende wies daraus hin, daß die Unterstützung von jüdischen Lehrlingen die .Hauptausgabe des Vereins sein müßte. Von anderer Seite wurde geltend gemacht, daß die Tendenz ocs Vorschußvercins sich mit der des Unterstützungsvereins lür jüdische Lehrlinge nicht verttage. Ein nicht unbeträchttnher Theil des Vcreinsvcrmögcns werde durch die Unterstützung der Lehrlinge absorbirt und der Verein dadurch gestbädigt. Nachdem über diesen Punkt eine längere Debatte ftattgefunden hatte, wurde zur Porstandswahl geschritten. Statutenmäßig sind fünf Mitglieder in den Vorstand zu wählen. Mittelst Stimmzettel wurden folgende Herren gesählt: Leo Ephraim, S. I. Eohn, Max Ehrenwerth, Ignatz Goldschmidt und Manasse Werner. Auf Antrag des Herrn Rechtsanwalts Salz wurde nunmehr folgender Beschluß gefaßt: ״Unter Voraussetzung der Genehmigung von mindestens einein Fünftel sämmtticher Mitglieder des Vereins beschließt die heutige Generalversammlung, die Zahl oer Mitalieder des Vorstandes von fünf aus sieben »u erhöben.“ ott Mitglieder des Vorstandes von fünf auf sieben zu erl In einen! zweiten Wahlgange wurden dementsprechend zwei ,vritrre Vorstandsmitglieder gewählt und zwar die Herren Jakob Schleyer und Neumark. Sodann erfolgte ebenfalls durch Stimmzetsl die in dasselbe gewählt die Herren Rechtsanwalt Salz, Cohn und Alport. Nach l< :« wur! D. ch langer und lebhafter Deb schließlich zu 8 6 d«S Statuts ein Zusatz angenommen,^ ' nd, daß in AuSnahmesällen Darlehen in Höhe bis!7? zu 50 M. ohne Bürgen sollen gewährt werden, sofern MeV( anwesenden Vorstandsmitglieder einstimmig für die Ge- Währung eines solchen Darlehens sind. —An» Mürttenrserß. Gestern haben wir unser« hochverehrten Bezirksrabbiner Dr. MoseS Engelbert von Heilbronn zu Grabe getragen. Bon der Beliebtheit des Verewigten zeugte der unabsehbare Leichenzug, der sich vom- Trauerhause zum Friedhofe bewegte. Ohne Unterschied der- Konfession hatten sich die Bürger HeilbronnS (drittgrößte Stadt Württembergs, zweitgrößte Gemeinde des Landes) eingefunden, um dem in allen Schichten der Bevölkerung hochH angesehenen Geistlichen die letzte Ehre zu erweisen. Eva'w»^ gelisch-katholische Geistliche aus Stadt und Land, Väter der.4 Stadt, Dezirksbeamte und höhere Staatsbeamte sahen wir)- der Synagoge. Vertreter der i»r. Gemeinden des. in RabbinatSbezirkS unter Führung der Lehrer-Borsänger alsV Vorsitzende der Kirchenvorsteherämter, hatten sich zum letzt« Liebesdienste an dem geliebten verblichenen in großer Zaht ringefunden. Von den Rabbinern de- Landewaren Hemn Kirchenrath Dr. v. Wassermann aus Stuttgart und Herr Dr. Kahn-Laupheim erschienen. Schlag 10 Uhr wurde der schmucklose Sarg von 8 Lehrern de- RabbinatSbezirkS in den Leichenwagen ve»-I bracht. Vor demselben waren die iSr. Schuljugend bronnS, links und rechts des Leichenwagen» die Lehrersö des Bezirks, hinter demselben die Schwiegersöhne oeS i ewigten, die Mitglieder der Kirchenvorsteherämter der schiedenen Gemeinden de- RabbinatS - Bezirks, andere meindemitglieder und sonstige Anwesende aufgestellt, ging es durch die Stadt.. Am Friedhofe angekommen, die Lehrer den Sarg aus den Leichenwagen und trugen! zum Grabe. Herr RabbinatSverweser Dr. E i n st e i n hi sodann eine ergreifende Grabrede, 'in der er die vielen dienst« de- Entschlafenen hervorhob. Im Namen der Leh! rief D r e y f u ß - Heilbronn, im Namen der Bezirksgemeii' Lehrer Ei chberg-Sontheim dem geliebten Verewigten t\ .Lebewohl!“ nach. Mittag- 3 Uhr wurde in der mit Trauerflor behäng! Synagoge ein Trauergottesdienst abgehalten. Der gut goö schulte Synagogenchor leitete die Feier mit einem ergreifend Chorgesang ein. Hierauf betrat Herr Dr. Einstein Kanzel und ermahnte — anknüpfend an das letzte Woich der Verewigte, als ihn schon die tödtliche Krankheit ms ergriffen hatte, in treuer Pflichterfüllung von dieser aus seiner Gemeinde ziwerusen hatte, an da- Wort — .hier bin ich!“ (1. Mos. Cap. 22, 1) — die traue Gemeinden in schwungvoller, durchdachter Rede zum nach den trefflichen Lehren und dem erhabenen Beiß ihres seligen Lehrers. Trefflich gelang dem Prediger Vergleich de» Verblichenen mit unserem Urvater Aora! Gläubigkeit in allen LebenStagen, Opferwilligkeit, Mens liebe, Friedlichkeit und insbesondere herzgewinnende Fre lichkeit, daS waren die Grundzüge des Charakter» des liebten Rabbiners. Das Seeleagevet wurde nach der vom Rabb.-Berweser vor dem Aron hakadosch vor«! Ein Choral, gesungen vom Synagogenchor, Mschlotz die greifende Feier. Engelbert war geboren in Gutenberg bei Kassel. Würzburg besuchte er die Jeschibah deweiland Rab> Bamberger; später setzte er in Frankfurt seine talmudis Studien fort. Seine wissenschaftliche Ausbildung erhielt auf der Hochschule zu Marburg. Als Rabbinen von Kolberg verheirathete sich der blichen« mit seiner ihn überlebenden Gattin Emilie, Heinrichson au- Waren. Der Ehe entsprossen s und 1 Sohn. Letzterer starb als hoffnungsvoller I •adji

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