Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 5 (29.1.1891)
- Date
- 1891-01-29
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492344-5935076-5959643--0502-5374288- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
16* ber Bestimmung de« Besetze«, welche« die Anstellung!Me« Rabbiner» zur Grundbedingung für die Anerkennung MB Tultusgemeinde macht, zu genügen, haben bereit« einige Ge- **Enden ihre, oft jede« theologischen Wissens baaren Cantoren,!Echter «. al» ,Rabbiner' präsentirt und noch vor Erlaß über von einem Rabbiner zu verlangenden Bildungsgrad lltigcn lassen. Leider haben in Böhmen die vorhandenen iellen und privaten Vertretungen der Juden in Böhmen hn diesem da» Judenthum und unseren Stand erniedrigenden '»reiben kein Wort der Mißbilligung gefunden, ja der Landesjubenschast-Repräsentant hat das alte ,Religionsweiserthum', «lches jedem Schammes erlaubte, unter dem Titel ״ReligionS- Weiser' rabbinische Funktionen auszuüben, zur Conservirung empfohlen. Wir Rabbiner, die nach mühevollen jahrelangen opfer-- ׳reichen Studien unser Amt und unsere Würde erlangt haben, xtesttzen leider leine Vertretung unserer Interessen und sind "jenem schändlichen Treiben gegenüber machtlos. Nur in Mer Beziehung läßt sich dem Nebel in etwas steuern. Von jene» Scheinrabbinern, die nur zum Aushängeschild Mer in ihrer Existenz bedrohten Miniaturgemeinde dienen füllen, verlangen die Vorstände resp. die Behörden zum »indesten ein Zeugniß von einem outorifirteu Rabbiner. Von dem Schacher mit solchen Zeugnißen, der von einem Ehemaligen Eantor und von einigen Anderen getrieben wird, tdet Ihr geehrte College« gelesen haben. Die Empfänger Zeugnisse sind der Aussteller würdig! An Euch aber, -Ahr von der hohen Würde und von der Bedeutung »sere« Standes erfüllt seid, ergeht hierdurch die dringende Während eine« Zeitraums von zwei Jahren sich der «stelluug von Zeugnissen an Religionslehrer, Cantoien re. rhaupt und konsequent zu enthalten. Wer die Befähigung Rabbinat besitzt, mag sich an irgend einer Rabbinerein Breslau, Pest. Berlin, Preß bürg prüfen lassen, ilen wir aber bis auf Weiters an Niemand, ohne Ausnahme, irgend ein Zeugniß, welches dazu dienen lte, ein Rabbinat zu erlangen. Ich unterzeichne nur mit meinem Namen allein, aber bin der Zustimmung aller einsichtigen und würdigen »Hegen im Voraus sicher. Pilsen, den 23. Januar 1891.. Dr. JecheSkel Caro, Rabbiner. Kochte Mtfc E<rr»fP0rrde»-en. Deutschlao». M«edet»rß. (Zur Rektoratsprüfung der Rabbiner.) ctthalten folgende Zuschrift: ,Stolz will ich den Spanier', » -Philipp der Zweite, und ich spreche es dem katholischen nach betreffs des Herrn Spanier, der inich in der Numm r über die Rektoratsprüfung so energisch "l»t. Als ich nach der Lektüre dieses Artikels einem rllehrer begegnet, der sein Rektorexamen gemacht hat, sch den Herrn mit ungewöhnlicher Devotion, und da Iber erstaunt war, zeigte ich ihn!, weis er, nach diesem S schließen, für ein Mordskerl sein müsse. Ter ann hatte gar keine Ahnung von seiner Größe. <ze Spanier hat wohl doch die Pfeile seines Köchers lickt, bevor er meine schlichte Bemerkung über die lifung genau sich angesehen hat. Was wollte ich Die Allg. Ztg. des JudenthumS hatte verlangt, jeder rer solle ein sogenanntes Oberlehrerexamen abbevor er ins Amt trete. Das ist aber keine so leichte ,.da es ein speeielles Studium der klassischen Philologie lt^chichte voraussetzt. Demgegenüber wagten wir und e» noch heute dem stolzen «panier zum Trotz zu bedaß ein Rektoratsexamen ungleich leichter sei, dewenn der Geprüfte Rabbiner ist. Die RabbinatSsind zumeist schon durch den harten Zwang, sich verdienen, daraus gewiesen zu unterrichten; e» müßte ferner sonderbar zugehen, wenn ein Studios*« der Theologie sich nicht auch mit der Theorie der Pädagogik be» schäftigen sollte; er weiß ja, daß die Unterweisung der Jugend und zwar in dem anerkannt schwierigsten Lehrgegenstand, eine der wichtigsten Aufgaben seines später» Berufes sein wird; außerdem hat der Mann ein Abiturientenexamen gemacht, Universitätsstudien absolvirt, seinen Gesichtskreis erweitert, durch das Ausarbeiten von Predigten sich einen gewandjq»״^ deutschen Stil angeeignet hat; da bin ich allerdings dee An׳ ' 2 ־ «chwierigkeiten habe. Daß ein Rabbiner sich trotzdem M dieser Prüfung vorbereiten müsse, j&en Rath glaube ich meinen Kollegen nicht erst geben zu müsien. Herr Lehrer Spanier hat m seinem anerkenneuswerthe» Eifer den Unterschied zwischen einem wissenschaftlichen Oberlehrer und einem Rektor übersehen. Natürlich habe auch ich mit Schulmänneni über diesen Gegenstand Rückstand genommen und dabei erfahren, daß die schriftliche Arbeit wie ja auch bei sonstigen Staats- Prüfungen, das Wichtigste ist. Es sollte doch.Herrn Spanier eine Genugthuung sein, daß wir Rabbiner auch Schullehrer sein wollen. 8. Mußdeßurg. (Orig. - Corresp.f Durch Inserate und riesige Plakate hakte der hiesige antisemitische Teutsch-soeiale Reform Verein, deffen Spaltung übrigens bereits erfolgt ist, bekannt gemacht, daß am 22. d. M. der ReichtagSabgeordnete Liebermann von Sonnenberg und Ingenieur, Redakteur und Verleger Theodor Fritsch in dem gedachten -Verein hier Borträge halten würden. Der Herr von Sonnenberg war nicht erschienen und so sprach mm Herr Fritsch über Mißstände im Handel und Gelverbe, ein Thema, das ihm sehr geläufig war, denn es niar nicht das erste Mal, daß er diesen liegenstand behandelt hat. Am Schluß der Versanunlung wurde uämlich unter die Anwesenden der genannte Vortrag als bereits längst gedrucktes Flugblatt vertheilt. Das bessere Publikum hält sich hier vons vlck>en Persammlungen fern, und die anständige Presse beschinutzt sich nicht init Berichten darüber, sondern ignorirt sie vollständig. Mir erklärte em Christ, der aus Neugierde der Versanunlung beigewohnt und mit deu hiesigen Verhältnissen sehr vertraut ist, daß er von den Herrn am Vorstandstische nicht einen einzigen gekannt habe und daß dieselben einen eigenartigen Eindruck auf ihn gemacht hätten. Fritsch ineinte in seinem Vortrage: .Der sittlich schlechte Deutsche sei eine Mißgeburt, ein Krüppel. Anders stehe es mit dem Semiten, den» sei die Gesinnung«- Niedertracht Natur. Daß diese Elemente lernen könnten, nobel zu denken und zu handeln, glaube er nicht.' (Wahrscheinlich weil ihm selbst jediveder Maßstab für das was nobel und anständig ist, vollständig fehlt, denn die antisemitische Bewegung ist, nach dem bekannten Ausspruch des Herzogs von Meiningen, ״als eine geistige und sittliche Beschränktheit zu betrachten. As« Hltzei», 21. Januar. (Or.-Corr.) ״Deine Berwüster und Zuhörer gehen von Dir selbst aus'. — Diese Worte des Propheten Jesajas mußte ich ausrusen, als mir unter Kreuzvand die Nr. 6 des ״Israelit' mit einem Begleitschreiben zuging, welches die ״freundliche Auftnerksamkeit' ausdrücklich aus den Artikel ״der Religionsunterricht »ach dem preußtschen Volksschulgesetzentwurfe und die Petitcon de» Rabbinerverbandes' hinlenkt. Ihre optimistische Beurtheilung des orthodoxen Lagers enthielt also eine starke Ueberschätzuug der Herren, deren Losungswort ist und bleibt: virick» «•t imper*. Du lieber Himmel, der selige Dr. Lehmann hat schon vor vierzehn Jahren gegen Einheitsbestrebungen und auch gegen den ״obligatorischen Religionsunterricht sich erklärt: n>as natürlicher also, als daß me Epigonen auch nach dem Tode ihres Meisters sich nicht entblöden, zu zeigen, daß es für sie kein gemeinsames Judenthum, sondern nur eine — Orthodoxie giebt! Wären die Verhältnisse in den Gemeinden wohlgeordnet, dann dürsten steilich den orthodoxen Rabbinern keine freuus-