Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 4 (22.1.1891)
- Date
- 1891-01-22
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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* Eich-« »den: Be. erüber hier einen Kektorntlprilfnng »erd»« znaetaffen: , 1. Geistliche, Lehrer, Eandidaren der Theologie «der [fetTP hilol ogie, welche dasExamen als Lehrer «» Mittelschule» »der ae für da» höher« Lehramt bestauben habe« und wenigsten« drei hrr im vffeoiliche» Schuldienste :hörig gewesen find. 2. Geistliche, Lehrer, Eanbibaten der Theologie oder;her Philologie, welche in eine« der im ß 1 bezeichnet«» Armier Wrnfen und auf Grund anderweitig «achgewiesener Tüchtigkeit mit Genehmigung de« Provinztal - Tchulcollegium» von der vorgöngigen -Prüfung für Mittelfchullehrer entbunden worden sind: 3. Geistliche, Lehrer, Landidate» der Theologie oder der Philologie., welch« zur Leitung einer Schule berufe» worden jind, die geringer« Ziel« al« die Mittelschule verfolgt, aber herkömmlich »on einem Rektor geleitet wird, sowie Vorsteher von Privatschulen, welche den Lharatter vyn Volksschulen haben.״ Hinsichtlich der an den Prüfling zu stellenden An» sorderungen lauten die Bestimmungen folgendermaßen: »Jeder Examinand hat eine wiffenschostlich« Arbeit au« dem Grder Unterricht«- und ErztehungOehr« oder au« der Schulpraxis »neu einer Frist von S Wochen an da« Provliiziai-Schulkollegtum üchen."— Diejenigen Examinanden, welche die Qualifikation al« noch nicht gewonnen haben, (siehe den angejogrnen 8 all»»»;und S) legen eine Lehrprob« über «in selbstgewöhlte« Thema au« Gebiete de« Unterricht« derjenige» Schule ab, zu deren Leitung berufen find. »Die mündlich« Prüfung verbreitet sich über die der Pädagogik, über da« ganze «edle» der Erziehung«- und »lehre in ihrem Zusammenhange mit der Psychologie, vor» iglich aber über spectelle Methodik, über Schulpraxi», er Lehrmittel, Volk«- und Jugendschristen." Wie man also ersieht, bedarf »4 deeingehendsten gdium» der Pädagogik mit ihren HüfSwifsenschaften, der ßtzchologi« und Ethik, jahrelanger Vertiefung in die Methodik einzrlnen Lehrfächer; ich will noch hervorheben, daß auf Zie Lehrprod« ein besonderer Werth gelegt wird. Wer über i Rektorexamen geringschätzig denkt, soll sich ja nicht einem solchen unterwerfen; eS ereilt ihn sonst das gerechte Loos: r Mt durch. M. Spanier. Mka«v«d,rm. Rach einer Meldung der »Krkf. Ztg." au» Awtrkevbnrg im Grofiherzoglhum Hessen hat der Oberstaatsanwalt r die Staatsanwaltschaften und die AmtSanwälte angewiesen, Strafsachen antisemitischen Anstrich«, in denen Israeliten al«! Privatklüaer auftrekrn, «ege» de« «nzunehmenden öffentlichen «die Strafverfolgung selbst in die Hand zu nehmen (Endlich! die« in Preußen »u Beginn de« «»«brechenden >nisemitt«m»s so wäre diese« Ilngethüm i« Seime erstickt worden und nicht ,«ach de« Jahrhundert«" emporgewachsen.) B. J. Merkt», 18. Januar (Or. * Cor.). Noch dürfte in aller Gedächtniß die stolz« Aeußrrung de- Herrn tizraih Mako wer sein, daß Berlin Ueberfluß an flagogen hätte, daß dagegen jeder, wer .da« Judenthum wolle, di« Lehranstalt für die Wissenschaft des ithums mit allen Kräften unterstützen solle. Fürwahr! sich da wohl ei» jeder, dann muß es wirklich leicht ' 1• Judenthum zu retten, wenn sonst weiter nichts ist. Ohne auf den in fast allen Etadttheilen ־ iften Religionsunterricht Hinweisen zu wollen, wir direkt auf die Rettung des JudenthumS selbst, die Lehranstalt für die Wisirnschaft de» Judenthum« Wenn wir zuerst der ,Hörerschaft" unsere Lus. zuwenden, so machen wir dl« nicht sehr er- Beobachtung, daß die deutschen Studenten nicht de» dritten Theil derselben bilden. Wir sind genicht dafür, daß unsere Südostgrenze etwa abgesperrt nicht auf d>« Ar Kurt kommt es an —, denn Stammes sind vir ja alle. — wohl aber auf die tsch« Bildung. Und da wollte ich gerade als Freund 1 Sehr« »statt auf einen Uebelstand Hinweisen, woran krankt. Bekannttich nimmt weder das Breslauer das orthodoxe Berliner Rabbinerseminar Leute ohne l Lduueientenzrugnis eines .deutsche» Gymnasiums" und vorherige hebräische Prüfung auf. An der ,Hoch- ' dagegen wird Alles ausgenommen. Am Anfänge Semester« wurde» nicht weniger als 6 Ungarn, Nnsie», aber kein einziger Deutscher aufpmmeu. I» de« letzte» 4 Semestern sin» überhaupt 8 deutsche i» die Lehranstalt «ingetvete». Dieser ement» ist doch unzweifelhaft 8« araßer Uebelstand?) LS ist nun von der Gemeinde beabsichtigt, di« »Lehranstalt" als rin Rabbinerseminar, al« Gemeindeinstitut zu übernehmen, und ist diese wichtige Ai-geleaeuheit einer Kommlssion von 5 Repräsentanten überwiesen worden. Dieser Kommission sei der gerügte Uetiel. stand zur Berücksichtigung und Abhilfe empfohlen. Soll die Lehranstalt Gedeihliche» leisten, so müßte vor allem von jedem neu eintretenden Studenten ein Gymnasialabituri-ntenzeugniß und eine ordentliche Prüfung im Hebräische verlangt werden. Dann wird da» Lehrercollegium eine gleichartig vorgebildete Schülerzahl vor sich haben, und dann erst wird sie Ersprießliches leisten können. Auch die Zahl der Lehrer müßte vergrößert werden, ein einziger Lehrer kann nicht bei der Verschiedenheit der Schüler in alle« talmud.-rabbinischen WisienSsächern unterrichten. — In jede« Falle würde eS ein Glück für die Lehranstalt sein, wenn sie die Gemeinde übernähme und ihr eine straffere Organisation gäbe. Berlin, 15. Januar. In der Bollsschuttommissioir wurde a« DienStag Abend ein Antrag Windthorst abgelehnt, welcher den Religion»- gesellschastrn einen Einfluß aus die Zahl der ReligionSstunden einräumon wollt«. Ebenso wurde ein Antra» Windthorst abgelehnt, «elcher den ReligionSgesellschafte» einen Einfluß auf die «chulbücher für den ReligioSunterricht sichern wollte. Rach längerer Debatte, an der sich auch der SultuSminister betheUigtr, wurden Ziffer 1 und 2 de» tz 17 mit einem Amendement de« «bg. Zelle angenommen, vor dem Worte .Religion-gefellfchast" da» Wort .betreffenden" einzusügen. Zu Ziffer 3 wurde ein Antrag der Souservattven angenommen, wonach von de» Religion-gesellfchoften beauftragte Personen da« Recht erbalte», de« Religionsunterricht in der Schule deizawohaen, um durch Frage» u. s. w. sich von den Fortfchrittrn der Sinder zu überzeugen und de» Lehrer nach Schluß de« Unterricht« zu berichtigen. Bei der SchulentlrHnng der' Sinder haben dies« Personen an der Feststellung der Zeugnisse ,» der Religion mttznwirken. Mresla», 13.Jan. Der.M.Z."wirdfolgendeGcschichtecr» 0' schiedeucr Diebstähle beschuldigten Handlungslehrling. Der Principal desselben wurde von dem Ermittclungsrichter ver» nommen und bei dieser Gelegenheit stellte sich heraus, daß die dem Kaufmann entwendeten Beträge so geringe waren, daß eS zur Verfolgung der Diebstähle eines Strafantrag» seitens des Bestohlenen bedurfte. Der Kaufmann wurde nun gefragt, ob er diesen Strafantrag stellen wolle. »Ach, um) liegt mir daran, daß der Mensch bestraft wird. Ich stell׳: keinen Strafantrag", erwiderte der Kaufmann. Der Richte: bemerkte nun, daß eS doch im Interesse der öffentlicher: Ordnung liege, einen llebelthätee wie den Beschuldigte« nicht straflos ausgehen zu lassen, und daß in diesem Smm der Kaufmann Strafantrag stellen müsse. ,Wenn ich de« Sttafantrag stellen muß, dann muß ich ihn eben stellen, sonst stelle ich ihn aber nicht", erklärte der Kaufmann «ad dabei blieb er. Der Strafantrag wurde also, da der Kaufmann zur Stellung desselben nicht verpflichtet ist, nicht ge« stellt. .Natürlich", sagte schließlich der Richter, .der Be» schuldigte ist Jude und Sie sind auch Jude und deshalb stellen Sie keinen Strafantrag. Ein Jude thnt dem ander» nichts". Diese Bemerkung gab dem Kaufmann Veranlassung, sich über den Richter zu beschweren. Der Präsident dä bekeffradea Landgerichts erachtete die Beschwerde für de» gründet und ließ sich in diesem Sinne gegen den Richter auS. Der Richter beruhigte sich dabei «rcht, sonder» rief die Entscheidung des Präsidenten de- OberlandeSgerichts an. Dieser erklärte, daß die Beschwerde unbegrüudet sei, daß di« Borhaltungen, di« der Richter dem Kaufmann gemacht, durchaus am Platz« gewesrn seien. Mit diesem Entscheide war der Kaufmann nicht einverstanden und wandte sich deshalb beschwerveführrnd an den Minister. Der letztere *) Unter ollen, Mt bisher auf der Hochschule bo» Rabbinerexome» best»»»» habe«, find nur ,Nut t» Deutschland Geboren«, nämlich die Herren Dr. Oppenheim nnd Dr. Löwh. Derjenige Stau, der da» größte SoaUngent der Hörer »er Lehranstalt stell», mor und ist Ungar»! (E-rrefp.)