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Israelitische Wochenschrift · 1891-01-22 · 4 (22.1.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
4 (22.1.1891)
Date
1891-01-22
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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wäT1. ras»«» Maybau« feinen Antrag begründet hatte, entbrannte der Streit lichterloh. Werner sagte, falls der Antrag zur Annahme gelangte, so wäre der Schluß gehattet, der Verband sei für Einführung des deutschen GebeteS. Die deutschen Gebete aber, dies lehre die Erfahrung, seien langweilig. Werner ist ein zu scharfer und llarer Kopf, um etwas absolut Falsche« zu behaupten! Warum langweilen nun zuweilen die deutschen Gebete den jüdischen Zuhörer? Weil sie nicht selten in ganz miserabler Weise vorgetragen werden; selbst in prächtigen Gotteshäusern hat der Kantor, der eben erst durch seinen Gesang un» erbaut und ent« zückt hat, nicht immer die Fähigkeit, ein deutsches Gebet, auch nur laut, deutlich unb sinngemäß zu sprechen; der Mann, der mit einem Gesang den weiten Raum vortrefflich beherrscht, läßt beim Sprechen den Ton so sinkm, daß, »er fernfteht, überhaupt nicht weiß, in welcher Sprache dort oben auf dem Almemor gesprochen wird; oder das Deutsche wird mit fremdartigem Accent vorgetragcn; hin und wieder mag es auch an der Faffung de« deutschen tzebeks liegen: aber da wo ein gutes Gebet laut und mit Wärme und Innigkeit gesprochen wirb, wird es auch bei öfteren Wiederholungen die erbauliche Kraft nicht verlirren. Ohne daß wir jemals Werner ein Gebet haben sprechen hören, exemplificcren wir auf Werner selbst, ob er nicht im Stand« ist auch bei einem seiner Gemeinde längst bekannten ätschen Gebete durch die Kraft und die Begeisterung des Vortrages die Hörer zu feffeln und zu erbauen. Werner darf nicht der Einrichtung das zur Last legen, was Haupt» sächlich die Schuld derer ist, die diese Einrichtung praktisch iiuSführen. Wir haben das deutsche Gebet, aber unsere Kantoren sind vorläufig noch nicht alle darin geschult, eutlich und innig, verständlich und verständig deutsch ״ sprechen; beim Gesang haben wir uns schon darein er- «.׳ l en, nicht die Worte zu hören, die gesungen werden und nur ».^S der Melodie auf den Text zu schließen, obgleich ein großer länger auch den Text zur Geltung bringt; aber wenn wir •"1.4׳ gesprochene Wort nur mühselig hören, wenn e» nur so yergaerert wird und zuweilen noch mit einem fremden für uns komischen Accent an unsere Ohren dringt, wie ist da zu verlangen, daß es uns erbaue, nur weil eS ein deutsches Wort ist! Hier ist die Klippe, an der oft das deutsche iHebet in unsern Synagogen scheitert. Selbstverständlich paßt darum Werners Argument Nicht aus den Hausgottesdienst, dem die deutsche Hagada gewidmet ist. Sollten denn aber deutsche Rabbiner nicht einmal den Muth haben, für das Deutsche als Aebnstzrrache neben dem Hebräischen einzutreten! Freilich e״! sehr wackerer Rabbiner, der wohl den umfaffendsten Wirkungskreis in ganz Deutschland hat, hat nicht einmal diese bescheidene Dosis von Muth und hat eS ausdrücklich der Versammlung durch einen befreundeten Kollegen melden laffen, daß er nur wegen diese« Maybaum'schen Attentats, wollle sagen Antrages, nicht zu den Verhandlungen gekommen sei. Wie wird da .Israel »Jeschurun' aufjubeln! Gnttmann (Hildesheim) wiederum sieht die Zeit voran«, wo solche Veranstaltungen unbedingt nothwendig sein u iden, aber er will dennoch, wenn wir seine Ausführungen recht verstanden haben, nicht ihr Rahen noch befördern. Bon anderer Seite wurde darauf hingewiesen, daß so eine deutsche Hagada doch nicht so harmlos sei, wie sie aussehe; denn aus der Bearbeitung, audem, was wegge» lassen, was umgemodelt wird, werde man sich unschwer ein K-Jb machen können von der ganzen religiösen Anschauung dessen, der die Bearbeitung ausgeführt hat und besten, der sie gebilligt hat. Denken wir un«, daß in tan deutschen Texte die Sehnsucht nach den Thieropftrn, d׳e Sehnsucht nach Jerusalem wegfiele, daß da« Psalmenwort .Gieß an» Deinen Grimm' trotz seiner energischen Schörheit keinen da» ganze geistige Kvntersei nnMhr schließen Wunen, es aber nun einmal ängstliche Seelen gäbe; di« der Or , doxie auch diesen leisesten Anstoß nicht geben wollen, so sM eS wohl das Beste, die an sich sehr nothwendige ArdsW einer deutschen Hagada Maybaum und seinen engeren Freunden zu überlassen und nicht dem Verband die Vera antwortung auszuladen. Bamberger, dem Annehmen und Ablehnen diese« Anträge« gleich bedenklich schien, brachte als gewandter,^ Mann Tompetenzbedenken vor. Endlich fand Ungerleider einen Bermitteluugsvorschlag, derselbe war von geradezu rührender Einfachheu und alle waren befriedigt. Die hebräische Hagada sollte, un verkürzt zum Abdruck kommen; nicht eine Klaue je .einzigen Zicklein«-, sollte vermißt werden, aber da sollte eine frei nach diesem hebräischen Text geformte den ff Hagada sich anschließen. Damit konnte wieder Mayban sich gern zufrieden geben. Wir hoffen, daß diese für einen Mann von religiöse Sinne und gutem Geschmack nicht gerade sehr schwierige Arbeit recht bald und recht gut zu Stande kömmt, dam?" da« einem Rabbinerverbande eigene Feld, nämlich religiöse Gebiet, doch auch zu seinem Rechte kommt, auf streng konservativer Seite gehegte Meinung, nur ihnen sei noch religiöse Wärme, ist doch nur rin Borne» theil. Die deutsche Hagada wird den Seder in viele« jüdischen Familien neu beleben. Dichter und Künstler hadvk den Sederabend verherrlicht; aber wenn ein deutscher I der den alten Satzungen und Bräuchen fremd gewo war, diese Blüthe religiöser Innigkeit in seine« Ha! pflegen wollte, so bot ihm die alte, hebräische Hagada keine Möglichkeit. Der Rabbinerverband übt eine Woh wenn er diese Möglichkeit herstellt: der Segen wird um wirksamer sein, wenn die deutsche Hagada soviel als an die alte sich anlehnt.*) Kerichle und Corrrspi»nde«se». Demtschlam». Magdeünrg. In einem Artikel der A. Z. d. I. (Nr.! heißt eS bei Besprechung de« Volksschulgesetzentwurf« infr־“*־ der Aufficht über den Religionsunterricht: .L» wäre im höchsten Grade wünschenswerth, wenn alle Rabbiner Zeugnisse hätten über ihre Lehrbefähigung. I» Blättern wurde jüngst di« Forderung ausgesprochen, e« sollte Rabbiner angestellr werden, der nicht «in Oberlehrerexamen abaesi hat; vielleicht genügt schon ei» Rettorexamen und da» ist leicht ן leisten und der Regierung gegenüber da» Recht, in SchulangeleHOff mit dreinreden zu dürfen. Ben« wir nicht irre», so kann, «er' «biturientenzeugalb hat und S Semester ans der Universität war, Weiteres zur Rektorprüfung schreiten, deren wesenttichster Vesta« eine schriftliche Arbeit ist." Wenn unsere Rabbiner ihr pädagogische« Wissen Können durch ein besonderes Spunen auSweisen wollen, ist dagegen gewiß nichts zu erinnern, obwohl die« von ' christlichen Geistlichen, die bekanntlich geborene Schulmspektv und auch beim TonfirmationSunterricht al« Lehrer th sind, nicht beansprucht wird. Also entweder durch ein Oberlehrerexamen oder Rettorexamen! .Vielleicht genügt schon ein Rettore; und das ist leicht zu leistend DaS ist sehr leicht und niedergeschrieben, aber so leicht und einfache wie si Herr Berfaffer fragliche Examina denkt, sind sie in Wr keit nicht; er weiß ferner nicht, wer zur Rektorats«! »ugelasten wird und Knut auch nicht die specielle» All forderungen, die an den Prüfungskandidaten gestellt ES fft ein völliger Jrrthum, zu glauben, ein Gyr abiturientenzeugniß und 2 Semester Universitätsstudi» rechtigen »ohne Weiteres׳ zur Absolvirung de« *) I» »or. Nr. ist E. IS, g. tö ganzen st. neurstr» zn

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