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Israelitische Wochenschrift · 1891-01-22 · 4 (22.1.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
4 (22.1.1891)
Date
1891-01-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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besonder- Rabbinern und Beamten gegenüber so ist, (i war seine edele Bescheidenheit, seine Scheu im vorwitzig einzugreisen, die er nicht al» Fachmann kberschaute. . Gerade hier zeigte sich seine echte Wissenschaft- 'eit und hohe Gesinnung. Aber nicht nur in der Verwaltung der Gemeinde zeigte sich al« der weise Leiter, welcher nicht rechthaberisch vcr- "rängt, sondern die freie Entwicklung zum Bessere» schützt und fördert: vielmehr noch in der Humanitären Thätigkcit, Ich« er der wissenschaftliche», sittlichen Hebung seiner »oben-genossen zuwcndete. Der Verein zur Förderung e-HandwerkS unter deu Juden, >vclck)«rvon seinem Mter Jacob Lesmann Lohn gegründet und von seinem «der Dr. M. Cohn weitergeführt wurde, hatte ihn al« stand an seiner Spitze und verdankie ihm ebenfalls derung und Gedeihen. Mit besonderem Interesse widmete er sich der Sams>«schule in Wolfenbüttel, zu deren Administratoren hörte. Wie der jetzige Direktor Dr. Ta cha u an seiner hervorhob, war es ihm eine heilige Pflicht, immer -keucm darauf hinzuweisen, daß Religion die gediegene andlagr der Erziehung in dieser Anstalt sei und bleiben daß die Gesundheitspflege eine ganz besondere Aufsomknt verlange und daß durch die AnstallSbildung der iraktrr der Schüler veredelt werde. In gleichem Sinne er für die in Hannover selbst befindlichen jüdischen ehungS- und BildungSanstaltcn. Als Mitglied dcS HulvorstandeS, der für die Rcligionsschule zu sorgen wie« er immer daraus hin, dag die Kinder Liebe zur 1 erhalten sollten, auf daß sie treu der Religion und sich nicht zum Abfalle verleiten lasse». Als jltrd der VerwaltungSkommission für die »nng-anstalt für jüdische Lehrer, ein Amt, das 1865 inne hatte, stellte er es immer als Hauptaushin, daß die Schüler, von dem Geiste wahrer Menschenkhung geleitet, für Leib und Seele ihrer zukünftigen Schüler Mgen verstehen und vor allem Liebe zur Religion und e Menschenbildung in ihre Schulen und Gemeinden Solangrerdem Borstande des israelitischen fisen Hause» angehörte, wirkte er auch für dieses in em Sinne. Mit ganz besonderem Interesse widmete sich in den letzten 5 Jahre» dem Vereine zue rderung der Handfertigkeit und des Gartenin der jüdischen Volksschule, dessen Vorer gewesen ist. .Hand und Sinne bei dieser _ eit zu bilden, den Sinn für Arbeit und Beherrschung [tHofft« zu fördern und die Arbeit gleich hoch neben enschaftliche Ausbildung zu stellen, war ihm eine sitt- «fgabe, deren Lösung eine Befreiung herbeizuführen!Wände sei. Bei seinem von edlen Zielen geleiteten Streben suchte f.sand er den Anschluß an hervorragende Männer seiner Ihn verband zwar die innigste Liebe mit allen seinen Ge- und Verwandten. Aber ganz besonders hing er aem Bruder Dr. jur. M. Cohn, einem Freunde und sm de« mutigen Gabriel Ricjjer, iveil es galt, Befreiung seiner Glaubensgenossen rinzutrrtcn. inn Detmold, der Reichsminister, der Rechtsanwalt Simon, Dr. Kannstadt ivaren seine intimen! yeberschauen wir so da« ganz« Leben des herrlichen “ 1 mit seiner wunderbaren Rüstigkeit und geistigen r mit seinem Iugendstrrben und Manneswirken, mit ->»eitr, hohe Ziele ins Auge fassenden Sinn, seiner »heit und wahren Menschenfreundlichkeit, seiner en da« Judenthum und seiner Ehreustellung in inz und weit über sie hinan«, so können wir er- :-Wie tief der Sehmerder zwei Kinder ist, welch« ihn ׳ aber auch w« hoch die Berchrung, die mit ihnen und weit über dieselbe hinan« deu iichlen empfinde». In der t ade, die Stadt Geschichte der Juden Hannovers wird er zu den Slauzgestalteu gezählt werden, deren Ehrenstrahlen nicht nur die ganze Gemeinschaft verklären, sondern auch hoffentlich biin die fernsten Zeiten, Herz und Seele erwärmend, ihr Licht auSgießen werden. _ K. Der deutsche Rabbiuerverbtmd n. «Mir« 0 Maybaum'« auf «usarbeltunfl eine« deutsche» vessachtzaflada. Es ist sonderbar, mit welcher Aengstlichkeit oder auch mit welchem überlegenem Humor der Antrag Maydaum'« von vielen Rabbinern ausgenommen worden ist. Der eine that, als rüttelte Maybaum an den Grundfesten der Erde, die andern versuchten billige Scherze gerade über die Geringsügigkeit dieser Reform. Ist nun diese ganze Hagada, wie sie jetzt in unser» Händen ist, ein erbauliche» Buch? Wer hat die Stirn das zu behaupten? Niemand behauptet das, aber seit Jahrhunderten. ist nun einmal die Hagada in dieser Gestalt; wir meinen es gar nicht so bösartig, wenn wir auSrufen: ״Gieß au» Deinen Grimm über die Völker, die Dich nicht kennen su. s. w", wir amüsircn uns über die Multiplikationsexempel, dir ein ungewöhnlich schlechter Ge» schmack aus der Menge der auf da» Passah bezüglichen vielfach so erbaulichen Midraschim ausgcwählt hat und er» götzen uns zum Schluß an dem Frage- und Antwortspiel und an den Liedchen, die die von vier Bechern etwa« Er» müdeten wach erhalten sollen; schon meine alte Großmutter wiederholte alljährlich die Bemerkung, wenn die 0uj«inu kamen: ״hätte uns Gott an den Berg Sinai geführt und hätte er uns nicht die Tora gegeben, so hätten wie wohl wie die — Ochsen am Berge gestanden, und wenu wir in de« festlich erleuchteten Raume nach dem guten Mahl und de« Weines voll, sprachen: »im künftigen Jahre in Jerusalem," so sagte sie regelmäßig, obgleich sie eine sehr fromme Frau tvar, sie »verde nicht mitgehen. Wir dürfen den Jeder nicht mit der Hagada verwechseln, und voir der Hagada selbst nicht glauben, daß sie ein untrennbares Ganze bilde. Der Seder ist poetisch, religiös, stimmungsvoll, aber von der Hagada gilt zweisel» los: weniger wäre mehr. lind nun ivächft ein neue» Geschlecht heran, das nicht einmal an dem prächtigen Bilderschmuck, mit welchem Prager Offizinen die Hagada ausgestattel haben, Gefallen finden kann. So ein moderner Junge fragt nicht nur: wall llioodtuno, was vorgejchrieben ist, er fragt auch manche«, was gar nicht vorgeschriebe«! ist und wenn er erst zu lachen ansängt, so lacht er mit den Düftelcien auch da» Heilige, Schöne und Wahre hinweg. Die Frauen aber tragen auch nicht sehr viel Erbauung davon, wenn sie mühselig die Worte zusammenbuchstabirc» und dem Hau«herrn. selbst wenn er noch so langsam liest, nicht Nachkommen könne». Ist es dann wirklich ein so bösartiges Unterfangen eine deutsche Hagada herzustellen? Wenn wir im öffentlichen Gottesdienste Aenderungen vornehmen, so ist es zuweilen unvermeidlich, daß die Neuerung, die den Einen erbaut, den Andern stört; aber bei dem Hausgottesdienst, wem nun einmal die Seltsamleiten der alten Hagada Herzensbedürfniß sind, der kann sie ja behalten; Maybaum will doch nicht als Großinquisitor die Hagada mit den berühmte» Bildern verbrennen lasse«, ja er hat im Lause der Debatte sogar bekannt, daß er für seinen Privatgebrauch ein altes Exemplar, ob auch vielleicht ohne Bilder (indeß diese sind wohl noch nicht obligatorisch) anwendea wird. Maybaum wollte die nicht besonders schwere Neubear bestung unter der Segide des Raboiuerverbaadevollziehen um dadurch dem Werke ein größere» Ansehen zu verleihen um aber auch de« Brrbaud selbst, der so zu sage» »ich

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