Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 4 (22.1.1891)
- Date
- 1891-01-22
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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^OIUtOMX Ct» «f ... «ftnannLoh» war streng fromm »ud abhold allem nichtjüdischen Studium. Sem Geist war »irr der Thora zugewandt. in cr er ganz aufgirg. Er hatte aber einen Sohn Jakob, sicher dem Vater an frommem Sinn« nicht nachstand, doch!!ich den mächtigen Drang in sich fühlte, fremde Sprachen zu lernen, um sich in deren Geistesschätze zu vertiefen Dach n der schroffen Abneigung seines Vaters ging es ihm wie 7m jungen Mendelssohn. Heimlich nährte er seinen Geist 1, der fremden Weisheit, (sv lernte französisch und Latein »nd brachte es so weit, daß er den Cicero zu seiner ständigen Lektüre machen konnte. Jakob Lefmann Cohn wurde Kriegsagent und führte 7in« glückliche Ehe mit einer brav.-n Tochter aus dem Hause Samson zu Wolstnbüttel. Seine Eh« war mit Kindern ge» Tgnet und sein ältester Sohn war Hermann, derselbe, unser Erinnerungeblatt jetzt gewidmet werden soll. Am 28 April 1805 ward Hermann in Hannover ge- 7-ren. Sein Vater Jakob wollte ihn so erziehen, daß er treu dem angestammten Judenthum sei und dennoch, oder irüeicht gerade darum, auch die Gedanken und die Bildung iner Zeit sich erwerbe, um einst ein Förderer der Wissen» *־*!oft zu werden. So lange aber der Großvater Lefmann edle, konnte der Vater Jacob es nicht wagen, offen seinen Sohn in eine nichtjüdischc Lehranstalt zu schicken. Darum I׳.cß er ohne Wissen seines Vaters ganz in der Stille seinen Sohn Hermann beim Rektor Fomme Unterricht nehmen, l» der Großvater Lefmann gestorben war, nahm nun rcod Lohn keinen Anstand mehr, seinen Sohn in- Lyceum schicken. So wurde nun unser Hermann Cohn in die Demente der humanen Wissenschaften eingeführt, ohne daß dadurch seine begeisterte Liebe für das Judenthum Einbuße erlitt. Nach erlangter Reife besuchte er die Universität Güttingen, um dort Medizin zu studiren. Ein seiger Ber« Eher unserer Religion soll ihn vorher gewarnt und gesagt baden: ,Wozu wollen Sie Medizin studiren? Siebringen eS ja als Jude zu Nichts. Da Sic sich gewiß niemals taufen lassen werden, wird es Ihnen an Erfolg sicher fehlend Aber unser Hermann war rin treuer Jude und antwortete: ,Ich bleibe Jude und werde es doch zu Ehren bringen." Er betrieb seine Studien mit großem Eifer und Ernst. Er be« ti'chte die Kliniken zu Würzburg, Wien und Montpellier, kam nach Hannover zurück, wo er sich 1832 als Arzt niederließ. Er verheirathcte sich mit Sophie Gleisdörfcr aus RcgenSburg, die von Samson Wertheimer abstammte. Bald wurde er einer der gesuchtesten und vielbeschäftigtsten Merzte Hannovers. Seine Ruhe und Sicherheit, seine Liebe und Freundlichkeit, seine gewissenbaste und treue Sorgfalt für die Kranken, ganz besonders aver seine volle Hingebung an seinen Beruf hatten ihm das Vertrauen von Jung und Alt, Vornehm und Gering erworben. Ein besonderes Lieblingsgebiet seiner Forschungen waren die Kinderkrankheiten, und er gab eine Schrift ,über den Wasserkopf der Kinder" heraus, die vmi fachmännischer Seite sehr beifällig ausgenommen wurde und lange als eine in dieser Frage mustergiltige Arbeit angesehen wurde. Seine bedeutenden Kenntnisse öffneten ihm auch die Thorr der bis 1853 hier bestehenden chirurgischen Schule, an welcher er Vorlesungen hielt. ES blieben auch Ehren und Anerkennungen nicht aus. Dr. Her» mann Lohn wurde unter Ernst August SanitätSrath, später Medizinalrath, eine für einen zu seinem Judenthum so offen v^vv und kleistert sich bekennenden Mann gewiß hoch anzuschlagende ^,.Auszeichnung. Sein bLsouderes Interesse wandte er aber -A: nicht so sehr wissenschaftlichen Forschungen, als den ideellen ^Verhältnissen seines Standes zu. Mit Freuden begrüßte er das in den ärztlichen Kreisen erwachende höhere Standesbewußtsein und Streben nach gegen- , sciigem Anschluß. Regelmäßig besuchte er die Versammlungen deutscher Aerzte und widmete sich ganz angelegentlichst der - Herbeiführung besserer Zustände, durch welche nicht nur die n,. rr «nfchastliche Aus- und Fortbildung der Aerzte gefördert Kummer sicherer gestellt wird, sondern vorzüglich die sk Forderungen erfüllt »erden, welche der Aerztestand an Mitglieder zu stellen habe. Im Jahre 1868 trat er seinen Gedanken über Reform de- Medizinalwesens an Oeffentlichkeit. .Die Medizinalreform in der Bersam» “ deutscher Naturforscher und Aerzte" (Hannover, Druck Hermann L. Fridberg) so lautete seine Schrift, sie zeigt so r klar und scharf das Bild seine» edlen Streben» und Wall seiner milden, verständigen und versöhnlichen, vermittel Art, Gedanken und Bestrebungen Anderer zu beurth Seine klare Auseinandersetzung weist zuerst auf die Wendigkeit näherer Bereinigung der Aerzte hin, entwirft da« ein Bild von den Noihständen, unter denen die ärztliö Welt und mit ihr auch die nichtärzliche zu leiden habe stellt zum Schluß einige Forderungen aus, deren Erfüll nur gemeinsames Ringen der Aerzte hecbeiführen könne, forderte darum, daß die Hospitäler überall jüngere» älteren Aerzten möglichst erschlossen würden, um die wif schaftliche Erkenntniß zu heben, daß eine ärztliche Akad gleich der in Frankreich geschaffen werde, um akademis Irrlehren entgegenzutreten, daß die Stellung der Ae materiell gehoben werde, vor allem ab.r daß ,die Würde! ärztlichen Standes, der kategorische Imperativ der Srzli» Moral, im Interesse aller besseren Aerzte die Pflichte» Rücksichten der Standesehre strenge beachtet werden."! leitete die Anschauung, daß de Auffassung des ärztlb Berufes als .einer Wiffenschaft und Kunst und eines Pr' ' thums im Dienste der leidenden Menschheit zu echter geisll Erhebung führen werde und müsse." Eine deutsche sammlung verlangt er, eine deutsche Akademie trotz kosmopolitischen Charakters der ärztlichen Wissenschaft. Es konnte nicht auSbleiben, daß eine so beschejtgM und doch so begeisterte Mahnung nicht spurlos verhallte. Deutsche Aerztebund trat ins Leben, ein Zweigs derselben wurde der nicdersSchsische Aerzteverei» und sein wurde Dr. H. Cohn. Ihn leitete aber kein Ehrgeiz, nur di« ihm ,י Sache. Um so voller kam ihm da» Vertrauen der entgegen; so ist er Vorsitzender bi» zu seinem Tod« «blieb So besuchte er noch 1887 die Naturforscherversammlun seiner 82 Jahre. Seine Selbstlosigkeit erklärt «S auö er selbst nach 1866, obwohl ein treuer Anhänger d«» stürzten Königshauses, der mit innerem Schmerze, wenn auch > auftichtiger Anerkennung der durch den Weltenlenker gefügten Ordnung der Dinge, sich in diese bineinlebte, bald die Aufmerksamkeit de» neuen Lanoesfürsten auf^ zog. Er wurde von ihm durch den Titel: SanitätSrath" geehrt. Dr. H. Cohn war ein unter den Israeliten Han» hervorragender Mann geworden. Nicht ungeheurer Re« und große öffentliche Macht waren eS, die ihn so' zeichneten; vielmehr die geistige und sittliche Bedeutung sei» Wesens und Wirkens, die Anerkennung, welche dieselbe»' den weitesten Kreisen der Bürger, Kollegen und gefunden hatte. Dazu kam sein aus die Veredelung^ Beglückung der Menschen gerichteter Sinn, seine opfervolle Treue gegen die Religion seiner Ahnen, sei»«' geisterte Anerkennung derselben und Ueberzeugung der Unentbehrlichkeit und Unzerstörbarkeit derselbe», heißen Wünsche, daß seine Glaubensgenossen in Beziehung ihre Gemeinsamkeit bewahren, eine einträchtige Einheit bilde«, sich in Handwerk, Kunst Wiffenschaft ebenbürtig erweisen. Wer hätte da zu dem Ehrenamte eines Gemerndeälteste», eine» Bo sich eignen könnm? Bis 1875 zu den Ersten der gehörig, übernahm er dann da» Amt eines ersten Borst» Er hat dasselbe so verwaltet, daß der vom Vorstände^ öffentlichte Nachruf sein« Pflichttreue, Gewissenhaft Unparteilichkeit, Wohlwollen Aber eine Tugend zeigte 1 und Versöhnlichkeit rühmen I er noch in diese« Amt^ t