Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 3 (15.1.1891)
- Date
- 1891-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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axb theologisch» Studien in VreSla a. Im Ceminat gehörte er zu dev beliebteste» Studenten, er war Präsident de» homiletischen Vereine» und de« Verein« Liayach Ehen, i» Welchen Stellungen er sich durch sein gerade«, liebe«»» »ürdige« und humane- Betragen auSzeichnete. Auf Grund einer Arbeit über Justus au- TibcriaS, welch« mit dem Joses Lrhmann'schcn Preise ausgezeichnet wurde, promovierte er im Jahre 1878 zum Doktor der Philosophie und wurde im Jahre 1881 zum Rabbiner von Saaz gewühlt, welche- Amt er bizu seinem Tode, mehr als neun Jahre hindurch, bekleidete. Seiner ganzen Natur nach von gemüßigten Anschau» ungen, hatte er schon als Student sich von allen roman» tischen Schwärmerei frrngchalten und war auch im Amte ein treuer Verfechter des religiösen Liberalismus geblieben. Im rabbinischen Ante sowie im Unterricht entwickelte er eine wahrhaft hingebungsvolle Pflichttreue und war auch im gesellschaftlichen Leben bei aller Wahrung seiner amtlichen Würde liebenswürdig und umgänglich. Er wurde auch durch die Liebe seiner Gemeinde und besonders durch die Anhänglichkeit ftiner Schüler gelohnt, welche als Studenten, zum Theil auch als Doktoren immer seinen Verkehr suchten. Sein Familienleben war ein äußerst glückliche-. Seine Gattin, die Tochter deS verewigten Seminardirektors Dr. Lazarus, nahm an allen wissenschaftlichen und amtlichen Arbeiten ihres Gatten innigen und verständnißvollen Antheil und wußte auch ihr Haus zu einem, von den besten Kreisen der Gemende gerne ausgesuchten Mittelpunkt de« gesellschaftlichen Lebens zu machen. Im Februar v. I. begann die tückisch« Krankheit (Di»d«t«o) an seinem Leben zu nagen und uahm trotz sorgfältiger Behandlung stetzu. Obwohl er selbst seine Schwäche fühlte, konnte ihn doch nichts bewegen seine Berufspflichten zu vernachlässigen. Wenige Tage vor seinem Tode ging er noch in die Schule und besuchte die Synagoge und noch an! Tage vor seinem Tode wollte er sich nicht dazu bewegen lassen, den Unterricht in der Schule aufzugeben. Um sein Sterbebett standen die Besten seiner Gemeinde mit Thrünen in den Augen und mit bewunderungswerther Fassung harrte feine Gattin neben ihn bi« zu seinem letzten Athemzuge aus. Bei der am 6. d. stattgefundenen Leichenfeierlichkeit, in der Synagoge, erschienen neben den Mitgliedern der Gemeind« die Vertreter aller staatlichen und städtischen Be- Hörden, sowie alle Vereine und Eorporationen. Bon auswärttgrn College» waren erschienen Caro-Pilsen, Deutsch- Brüx, Kisch-Prag, PosnanSki-Roschenberg, Rabbino» wicz-Rakonitz und Ziegler-Karlsbad. In der geschmackvoll dekorirten Synagoge hielt zunächst nach Absingung eines Chorals und einem Vortrage des Cantor«, der von dem Vorstande als nächster Freund und Studiencollege berufene Rabbiner Tr. Deutsch aus Brüx die Trauerrede über Hoheslied 4,1: ״Ich suche ihn, den meine Seele liebt, ich suche und finde ihn nicht.—) Nach diesem richtete Rabbiner Dr. Caro aus Pllsen das Wort an die Gemeiud« unter Zugrundelegung des Textes II. Sam. 3,39. Rach eincm von Dr. Ziegler gesprochenen Gebete und einem Schlußchoral setzte sich der Zug nach dem Friedhofe in Bewegung. Im folgte die gesammte Schuljugend mit ihren Lehrern und eine nach tausenden zählende Thelluehmerschaar. Am Grabe hielt noch Dr. Ziegler aus Karlsbad eine kurze Grabrede und sprach der dem Verstorbenen nahe befreundete Vorsteher Dr. Lewi mit thränenerstickter Stimme einige Abschiedsworte. Die Feier war eine für die Gemeinde wie für den Dahingeschiedenen gleich ehrenvolle. Um ihn trauert außer der Gattin und drei unmündigen Kindern noch ein greiser Vater. Möge der Herr Trost in ׳hre Herzen senden! ף Die ergreifende Rede wird demnächst i« Druck erscheinen. Drflin. Wrßßst, 5. Januar. Herrn Direktor Sah au« Anlaß seiner patriotischen Widmung, von d.r id jüngst berichtete, au» allen Schichten der Bevölkern»-1 In» und Auslandes, ohne Unterschied de« Glaub herzlichsten Beglückwünschungen in Prosa und s gegangen. Ich beschränke mich darauf. Ihnen von. Texte der folgenden mir frdl. zur Verfügung Schreiben Kenntniß zu geben. Das königlich« Schreiben hatte folgenden Wortlaut; .Herr »ahn! Ich hatte die Ehr«. Ihre Sr. Majestät zum Söjährige» Regier jubiläum gewidmete Arbeit dem König am 17. d. zu über St. Majestät hat von der Adreff« sowohl, al» auch van der »enntnlß genommen und mich beaustrag», Ihnen de» Ausdruck. Genugthuung und den seines tönigliche» Danke» für Ihr« Gr. 1 schon längst bekannten patriotischen Gefühl« zu übermitteln. Ich bitte Sie, Herr »ahn, auch meinen persönliche» Da da« mir gesandte Ezrmplar empfangen und dt« Versicherung ausgezeichnetsten Hochachtung genehmigen zu wollen. gez. Graf d'Lnltre» , Ober-Hofmarschak Der frühere Krieg-minister, General-Lieuteuintt: Reserve, I. Liagre, begleitete sein Dankschreiben mit folge Worten: .Ich empfinde ebensoviel Sympathie für da» Iudenth«»»׳ Verachtung für di« Unwiffenden, welche eS verfolgen und tz Ihnen, Herr Direktor, für die Sendung Ihrer Jubel-llenOG,- gleichzeitig beglückwünschend für die edlen Gesinnungen, welch», darin ausdrücken.» Engla«d. 4**b0n Die auf dem Guildhall-Meeting schlossene Petition an den Zaren lautet wie folgt: .»aiserliche Majestät! Wir, di« Bürger von London, nahen ehrfurchtsvoll (t». und bitte» um allergnädtgste Erlaubnist, Ew. Majestät di« Unterdrückten vorzulegen. Bon Tausenden bedrückter Juden in Ew. Maj. weile»/ sind Hilferufe zu unS gedrungen, und wir Engländer, di« alle Nothleidenden Mitleid fühlen, wenden un» an Ew. Maj. Bitte um Ew. kaiserliche Hilfe und Gnade. Fünf Million» thanen Ew. Maj. seuszrn unter dem Joche von Ausnahme^ Nachkommen einer Raffe, von welcher all« Religion kam, und die Ew. Majestät und jegliche« Bekenntnist, da« an di« eine« Gotte« glaubt; Leute, die mit allen Regungen ihre« Her. ihrem alten Glauben und alten »ultu« hängen, diese Jude», Ew. Maj. Reiche Gesetzen unterworfen, welche ihnen Lebe« deihen unmöglich machen. Diese Gesetze, die au4 Zeile» wo religiöse Unduldsamkeit in fast jedem Staat« pirschte, in jüngster Zeit verschärft worden und bedrückt« mit fft Schwere al« eine unerträglich« Bürde dt« i»raeltttsche» Ünti errichten «ine Schranke zwischen ihnen und ihren christliche»'! leuten, machen eine PartaSkaste au» ihnen, erniedrige» sie und ' auf sie das Mal einer fluchbeladenen Raffe. Zusammenge ' enge Grenze» innerhalb de« weiten Reiche« Ew. Majestät innerhalb dieser Gebiet« gezwungen, hauptsächlich in Städte» zu wo Armuth und Elend jeder An strotzen, ist e« ihnen benommi frei und ungehindrN zu bewegen; durch Svezialgesrtze in jeder nehmung gehindert, dürfen sie weder Grundbesitz eriverben, noch f welche Interessen an solchem haben, so daß es ihnen, der metftt werbSzweiae beraubt, nahezu unmöglich geworden ist, ihr Lebe» fristen. Nicht allein dem Raume und der Wirkungssphäre »ach^ sie in jeder Beziehung eingeengt. Man versagt ihnen di« &#״ bildung und gestattet ihnen dieselbe nur in einem Maste, web dem Umfange ihrer Bedürfniffe und ihrer Aspiration enrspr können weder wie die übrigen Unterthanen ungehindert die akad Berussarten ergreifen, noch trotz aller Verdienste und aller ~ auf Beförderung in der Armee rechnen. Es ist nicht zu verwundern, wenn bei ihrem Ringen mit Hinderniffen im heißen »ampse um« Leben die Fehler und ihre« llharakter« besonder« hervortreten und ihre mannigfache» 1 den verdunkeln. Denn sie besitzen Tugenden. Diese JSraelsteWI ihr Baterland, trotzdem die Besetze sie für Fremdlinge erklär« diene« in der Armee Ew. kaiserlichen Maj. in fgrösterer Auzah ihnen zukommen würde, sie kämpfen lodesmuthig in Schlachten und vergießen ihr Blut für da» Wohl ihre» B Immer treu ergeben Ew. Majestät, bestreben sie sich, de» ( gehorchen, so drückend ihre Last auch sein mag, und gehorsam -! Befehlen ihre« alten Gesetzbuches, bete« sie in ihre» Synagogmh,. den Thron und da» Hau« Ew. kaiserliche» Majestät. »aiserliche Majestät! Wir, die wir gelernt habe», allc Sonfefst zu dulden und GlauberGsreiheit für ein Zeichen wahrer Rel" ' achte», wir flehe» Ew Maj. an, dies« Ausnahme Gesetze Jude» aufzuheben.