Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 3 (15.1.1891)
- Date
- 1891-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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׳Berafcrtf fo versteck liegt, «»Hose eines Hauses der ftraße, e< würde sich freistehend viel besser präsentiren auch der Stadt zur Zierde gereichen. Al« Vertreter der 1L Staatsregierung wohnte dem EinweihungSakte der Ober-RrgierungSrath Herr Rindfleisch bei, ein georener Cöthener; derselbe war in seinem Geburtshause, das jsich jetzt im Besitz des Kommissionsrath E. Mayer befindet, abgestiegen. Der Landesherr hatte dem ersten Borsteher der kWemejnde gegenüber seinem Bedauern Ausdruck geben lassen, ^Haß er nicht selbst habe nach Cöthc» kommen können, ebenso Iber auch seiner Freude über die Fertigstellung des Gottes- 'Hauses, dos er sich bald einmal ansehen werde. Unter den ^MHeilnehmern an der Einweihungsfeier befanden sich ferner Der Areisdirector, der Oberbürgermeister, der Stadtverord- Tmetrnrorsteher Trautwann und mehrere Stadtverordnete. piotestoniische und katholisch« Geistliche fehlten. Die ^Feier verlief programmmäßig. Unter feierlichem Gesänge ^wurden vom 1. Vorsteher, Kom.-Rath Mayer, dir von z^.Den Vorstehern, Repräsentanten und dem Rabbiner der Ge» ^.Hreinde getragenen Thorarollen in die heilige Lade gestellt, wätann hielt der 1. Herr Vorsteher eine kurze Ansprache, um dem ^HpudeSfürsten, der Regierung, den Staats- und Gemeinde- 'toben, den Beitragspendrrn, den Erbauern rc. zu danken bas neuerbaute Gotteshaus der Gemeinde zu übereignen ^M>it dem Wunsch«, daß es eine Weihe- und Erbauungsstätte, '.-eine Stätte der Aussaat und Pflege ächten Menschenlhums, .^ine Stätte des Lichts, des Segens und d«S Friedens alle eit sein möge. Nach diesen Worten zündete er die ewige »mpe an. Dem Ehorgesange ״Herr, deine Güte" folgte die Weiherede des Rabbiners Herrn Dr. Olitzky, welche : Anwesenden in eine weil)e- und andachtvolle Stimmung 'etzte. ״Wir wünschten — schreibt rin christlicher Bericht- (>srstatter im.Evlhcner Tagebl." — den darin ausgesprochenen »ndsätzen allgemeine Befolgung nicht bloß seitens der t» sondern auch seitens der Christen. Mit dem hlußgrsinig: ,Die Ehre Gottes* klang dir schöne, stimlunwsvolle Feicr aus. von den bei dem daraus folgenden Acstcsse» gehaltenen Reden «tr nur die ersten drei hervor. Der Vertreter deS Herzog», r. illßrr-RegierungSrath R i n d s I e t s ch, ergriff, nach dem vorher von Hrn. tendershausen gesprochenen Prolog, zuerst das Bort. Er erklärt« unächst, daß Se. Hoheit es außerordentlich bedauere, persönlich der »wrihungsscicr nicht beiwohnen z» können, er sei van dcni ausrtch- Wunsche ersüllt, daß das neue Gotteshaus zum Helle der Gee sein möge, und Hoheit lege ganz besonderen Werth ans jüdischen Unterthane», sie hätten in Jolge ihrer Religion allen Gelegenheiten sich auf das Edelste bewiese» und ihre kreue zum Herrscherhause bethätigt. Redner hob die Tradition des ikMtlfchen Hause», allen Unterthanen de» Landes ohne Unterschied Glauben» gleiches Recht angrdeihen zu laffen, hervor. Se. Hoheit »lt« fest an dieser Tradition. — In das Hoch aus das Wohl Herzoge» und des ganzen Herzoglichen Hause» stimmte die Perllung begeistert ein. Hieraus widmete Rabbiner Dr. Olitzky »»triotische Worte dem Kaiser Wilhelm ll. Der Trinkspruch fand Hall» begeisterte Zustimmung. Herr Oberbürgermeister Joachtmi besonder» da« friedliche Zusammenleben der verschiedenen Ikon- » in der Stadt Eöthen und trank aus fernere» friedliche» Zunleben aller Konfessionen. E» folgten noch viele schön« Toaste, Hutheilen es uns an Raum gebricht. Rach aukgehobener Tafel Her Ball. ckvchßobk bei Hanau, 8. Januar. Heute hatte unser tbie Ehre (I) und da» Vergnügen (?), den General feldmarschall deutschen Juden Hetze, Dr. O. Bücke l, als Gast zu be- «n. Zweck der Anwesenheit des illustren Mannes war daS Hineintragen konfessionellen Unfriedenin > dahin de« Friedens sich erfreuend« Gegend. In > rinstündiger Rede entwickelte Hr. Bücke! sein ״Programm", dessen Einzelheiten wir nicht einzuaehcn brauchen, denn Hauptsache war ja doch die Judenhetze, obwohl er sich!ruckst dagegen verwahrte, «in« solche treiben »u wollen, schlua «. A. vor, auf da« Frankfurter Bürsengebände che krumme Nase als oberste Zier zu setzen. Der den diese Rede Bück?« fand, war keineswegs ein sehr lebhafter, und während der Rede hatte es nicht an kräftige» MißfallenSbezeugungen gefehlt. Unter mehr oder minder lärmendem Verhalten der Versammlung trat dann zunächst Herr Gastwirth G e r k«Fechenheim in kuxzen Worten Herrn Böckel entgegen, indem er darauf hinwies, daß in hiesiger Gegend zwischen Christen und Juden immer ein gutes Berliästniß geherrscht habe und hoffentlich auch ferner herrschen iverdc. Nach einer Entgegnung Böckel's erhielt daS Wort Herr Redakteur Schreiber ans Frankfurt. Er gab zunächst seiner Verwui'.derung über die große Zahl von Widersprüchen und die kaum glaubliche volkswirthschaftliche Unwiffenheit Ansdruck, die in Böckel's Rede zu Tage getreten seien, und ging dann in längerer Ausführung auf die Widerlegung der einzelnen Punkte derselben ein, wobei die Versammlung mit lautloser Aufmerksamkeit folgte. Ein überaus stürmischer Beifall eines großen TheileS der Versammlung folgte den Schlußworten Schreibers, etwa lautend: »Unserer Zeit, insbesondere dem deutsche» Volke, sind gewaltige Aufgaben gestellt, lassen Slc also Ihre Kraft nicht für eine so klägliche Bewegung wie di« Böckrl'schc Hetze mißbrauchen. Unsere Juden sind gewiß ebensoguic Dculsche, wie etwa der Herr Dr. Böckel. Wir Alle sind Söhn« Eines Vaterlandes, das wir innig lieben. Meinung«- vcrschlkdenhciten mnß eS geben, aber die Duldung und Toleranz gegen fremde Meinungen ist der beste Gradmcffcr des Kultur- und Bildung«- stände« clnes Volkes. Würde da« deutsche Volk sich iu iveiterem Umfange der Böckcl'schc» Hetze anschlicßrn, so verdiente e» nichts BrfferrS, als von einem Dr. Böckel geführt zu werden." Böck. rar in seiner Erwiderung recht kleinlaut Nrtch der Replik schloß der Vorsitzende sofort die Versammlung, es wurde nicht einmal die übliche Aufforderung zur Vereinsgründung rc. erlassen. Woems» 1. Januar. »Die hiesigen leider bei dem Angriff auf friedlich« Israeliten beiheiligt gewesenen Studenten" (Korpsstudenten aus Gießen) erklären, daß sie an dem rohen Skandal, am 3. d. Mts. verübt an einer jüdischen Tanzgescllschast, keinen Aniheil gehabt hätten. Dies« sei von einigen fremden Studenten ausgegangen, die zum Besuch anwesend waren und ohne Wlffen und Willen der hiesigen Sludenten den unangenehmen Skandal hervorrlcfen. Bas die höchst unfeine Acußerung »Jetzt gehn mcr uff de Judde" betreffe, so bedauerten sie, daß die fremden Besucher bereits wieder abgercist seien; von den hiesigen Studenten Hab« keiner die Aeußerung aethan Bas schließlich die Be» sudelung ei»«» älteren Herrn betreffe, so werde zweisel-ohne, falls die Beschuldigung sich als richtig erweise, auch von studentischer ®eite gegen dir Betreffenden vorgcgangen werden. (Die Vorgänge am genannten Abend bilden noch iuimer da« Tagesereigniß und mit der höchsten Entrüstung wird von dem frechen Benehmen der Korpsstudenten gesprachen. Uebrigens kamen bei dem Streite, in den der Skandal schließlich ausartetc, nicht unerhebliche Verwundungen auf beiden Seiten vor. Diesen, 8 Januar Ein würdige» Seitcnstück zu dem vor» stehenden Wormser Vorgang ist leider von hier z» berichten. Am Samstag, den 3. d»., Nachts 12 Uhr, betraten zwei als durchaus ehrentverth bekannte junge Leute, ein Ehrift und rin Jude, da» Seite»- »immer des Ease Heiler »nd ließe» sich a» einem leeren Tische nieder. Außer ihnen besande» sich in dem Raume noch 3 Korpsstudenten und ein Forstaecessiteiit, die ohne jede Veranlassung die Letztgenannten zu hänseln auszurelzcn begannen, Acußerungen wie: »Kerle saufen nur Baffer", »müssen die Kerle 'rauSrkelu", »werft doch die Judenbuben 'raus" u. j. w fiele», ohne von der Gegenseite, die augenscheinlich ieden Auftritt vermeide» wollte, beachtet zu werden Schließlich erhob sich einer dieser viciversprechendeil Jünglinge und faßte, nachdem er die zum Hauptraumc führende Thür geschloffen und eine andere geöffnet hatte, den einen der beiden Herren mit dem Ausrus an der Brust: ״Junger Mann, »vollen Sie gutwillig herausgehen?" Bei der sich jetzt naturgemäß entwickelnden Prügelei (4 gegen 2) wurde sogar von dem Hirschfänger des Forftaccesiken Gebrauch gemacht. Es muß hervor«- hoben werden, daß »«der irgend einer der im Hallplraume zahlreich anwesenden Gäste, noch der Wirth den Angegriffenen, von denen der der eine aus einer Kopswunde stark blutete, zur Hülse kam. Dl« Polizei beendete den Kamps und es wird diese traurige Affatrr nou, ein gerichtliche« Nachspiel haben. iöefte»retck׳Ungart». $11)1 7. Januar (Dr. - Esr.) Wie schon in voriger Nummer gemeldet wurde, ist Herr Dr. Aron Bärwald. Rabbiner in Saaz (Böhmen) am 3. Januar d. I. vcrschieden. In ihm vetlierrn die Rabbiner Bühmen« «inen wackeren, gesinnung-tücktigen und gründlich gebildeten Collegen und sein« Gemeinde «inen pflichttreuen, ausnahm»^ loS beliebten Seelsorger. Dr. Bärwald war am S. Februar 1864 zu Rakel in der Provinz Posen geboren, orkuchre das Gymnasium in Liffa und machte sein« philosophischen