Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1891-01-15 · 3 (15.1.1891) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
3 (15.1.1891)
Date
1891-01-15
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492344-5935076-5959641--0485-5374273
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

■ ׳. n Abschließung der frühere» Frristadt gründet anderntheilS liegt e* aber auch in der isottrenden qließung der jüdischen Gemeinden, welch« in Bezug auf v\־.־ ofe, cultuelle und kulturelle Bedürfnisse für sich nur זין n, die Grsammtheit Israels aber zu ivenig im Auge n. Wir fürchten ein Gleiches auch bei dieser Frage der ׳.. "chen Krankenpflege. Jndeß treten wir derartigen Be- '! -ungen, selbst wenn sie mangelhaft erscheinen, nicht ,.^rnd und störend entgegen, sondern suchen sie zu fördern zu bessern. Wir haben darüber auch schon vor Jahren ..... dem Gemeindebund in Berlin verhandelt, zu dessen -ielort ebenfalls die Krankenpflege gehört. Auch wo wir 0 -zenheit hatten, öffentlich darüber zu reden, haben wir wiederholt auf das Beispiel und Borbild christlicher Krankenpflege hingewiesen, welches wir nachzuahmen haben, so daß >׳! von mancher Seite der Borwurf der Häresie und Ketzerei gemacht wurde. Es liegt in der Thal etwas Be- ׳'ch- ..!endes für Juden und Jndcnthuin darin, für unsere V kenpflege ausschließlich auf christliche Aus- und Beihülfe angewiesen zu sein. Ein Unrecht liegt nicht darin, sie in An'vruch zu nehmen, aber, wir wiederholen, eine Beschämung, ui.geuds sonst und niemals bei uns Hülfe finden zu könne». S>uns denn in praktischer Lirbesthätigkeit das Christenti,um über sein, während sie doch dem Judenthum stets «rr n war? Oder hat das Judenthum nicht mehr die Kraft, sie Idee der Liebesthätigkeit in den Herzen seiner Bekenner n׳■ und warm zu halten? Unsere Brüder- und Schwesterr-׳^ine. Chcwroth, Kupoth (vom lat. oupa ״Büchse", ״Berr-׳ raffe“) sind uralt, sie bedürfen nur einer neuen Or- S -”;|ation, einer Erweiterung oder Umgestaltung. Wir bebedürfen für die Krankenpflege eines Mu t terhauses*) und nr'^en dasür gern Frankfurt an, von wo diePfleger und Ps.czerinnen erbeten und ausgesandt werden, nicht nur für dir Stadt, sondern auch für die nahe und ferne Umgegend. SS müssen ausreichende Mittel vorhanden sein, um Bewerber nnentgeltlich aufzunehmen, auszubilden und zu unterhalten» wie auch um an unbemittelte Kranke zur Pflege abzuzeben. E» genügt also nicht, darauf binzuweisen, daß solche Pflegerinnen in Frankfurt genügende Beschäftigung an? reichen Lohn finden werde», die Krankenpflege muß auch für die Umgegend organisirt und geordnet sein. Auch auswärtige «ranke müssen Pfleger fordern können, und die Pfleger müssen auch dann, wenn sie ohne Beschäftigung find oder unentgeltlich pflegen, zu leben haben oder in'S Mutterhaus zurückkehren können. Sie müssen Gehalt beziehen oder, weim sie außerdem für die Pflege Lohn erhalten, diese» ganz oder zum Theil an die Kasse abliefern. Bemittrlte Kranke zahlen für die Pflege auch einen Beitrag an die Kasse. Noch ein Umstand kommt in Betracht, llnsere jüd. Mädchen werden in der Regel über ihre Verhältnisse erzogen und sind zu wenig zur Arbeitsthätigkeit und AuSdotier angehalten, wie unsere heutigen Juden überhaupt wohl zu Geld-, aber meist nicht zu persönlichen Opfern und Ticsstleistungcn fähig und willig sind. Ja, Wärterinnen für daS Wochenbett finden wir in großen Städten, aber auch nur hier in reichen Häusern, wo sie selbst nicht zu arbeiten, sondern zur Arbeit ein reichliche« Personal um sich haben, wobei es reichen Lohn und noch reichlichere Trink- Slder giebt-, aber an jüd. Dienstpersonal in jüd. Haushaltungen den wir Mangel, oder die jüd. Dienstmädchen und -Knechte «erde« wegen chrer Bequemlichkeit, Ueberhebung und Ansvruchsfülle nicht gesucht. Unsere jüd Mädchen wollen keine Mägde sein, mit ihrer gewöhnlichen und ungenügenden Schulbildung suchen sie Gouvernantenstellen oder offerirrn sich al» bessere Mädchen, Ladengebülsinnen oder Gesellfchafterinnen. Wir haben unS rnelsach Mühe gegeben, «S ander« und besser zu gestalten, aber oh e dauernden Erfolg. M׳t den Dummen hatten wir trotz aller Nachsicht und Au«- dal,er betrübend« Kämpft und stießen schließlich auf Un- •! Ti» solches würde freilich nicht zeitigen. dank und Enttäuschung. Aber auch da, wo'wir Zustimmung fanden, erzielten rmr doch keinen praktische» Erfolg. Wir müssen unsere Hoffnung auf die Zukunft fttzea und ein« Besserung durch Schul«, Hau« und Synagoge vorzubereiten suchen. Jedenfalls muß eS unftre Aufgabe sein» auch diese ArbeitSthätigkit neben der Handwerkerthätigkeit zu pflegen und den Sinn dafür bei Jung und Alt zu wecken. Ein wichtiges Arbeitsfeld für die Berufenen m Israel. Dr. Rothschild. W. fius V«««er«, 8. Januar. (Or.-Eor.) Der 17. Jahresbericht über die Verwaltung des jüdischen Kur- Hospitals in C ol b crg für da» Jahr 1890 kann erfreulicherweise konstatiren, daß daS Grundvermögen der Anstalt sich um 3S00 Mk. vermehrt hat. Dasselbe beträgt jetzt 48,800 Mk., außer dem schuldenfreien Grundstück und dem Inventar. Auch im verflossenen Jahre konnten 119 würdige arme und kranke Personen im Hospitale ausgenommen werden, d. h. dieselben bekamen ganz unentgeltlich die nöthige ärztliche Behandlung, Verpflegung, Arzneien, Bäder und sonstigen Kurmittel. Davon waren 42 fitrjoim män nlichen und 77 Personen weiblichen Geschlechts und konnten davon 62 als geheilt und SO als gebessert entlassen werde«. Die Patienten vertheilen sich auf Berlin (84) und die Provinzen Brandenburg, Pommern, Posen, Rhein- Provinz, Schlesien und Westpreußen, sowie da« Königreich Sachsen und.Herzogthum Anhalt. Möchten sich noch recht viele Personen finden, die diese so überaus segensreiche Anstalt durch einen Jahresbeitrag unterstützen, denn noch steht sie nicht so da, daß sie aus eigenen Mitteln alle Unkosten bestreiten kann, sie ist noch immer auf Unterstützungen angewiesen. Und gar groß ist die Zahl derer, die mit Bittgesuchen an die Anstalt kommen; von mehr als 400 aus allen Gegenden des deutschen Vaterland«« konnten nur 119 berücksichtigt werden, da das Hau» noch zu klein und die Mittel zu gering sind. Darum ergeht unser Ruf an Alle, die mit Glücksgütern gesegnet sind: Ge» denket dieser Anstalt, die soviel leistet, gebt Euer Scherflein, damit »och mehr arme Kranke geheilt werden können und mehr hinsiechende und schwächliche Kinder zu neuer Kraft und neuen! Leben aufblühen. Wer mindestens 300 Mark zahlt, erwirbt sich dadurch das Recht der immerwährenden Mitgliedschaft und sein Name wird sowohl auf der Gedenktaftl im B«tsaale des Kurhospitals als auch in den Mitgliederlisten für ewige Zeiten mitaufgeführt. Also sichert Euch r« ewige- Angedenken! Wn< »er Vroolnz V»sea. iSchluß.) Zu dem Bericht i» voriger Nummer über die Lehrerversammlung in Posen ist noch Hinz»- zusügen, daß die?«batte über di« Herzberg'schen Thesen nur .weg«» der sehr vorgerückten Zeit" adgelehn! wurde, diese selbst aber •n bloo angenommen wurden.(S. Nr.!.)DieVersammlung brachte dem Reserent«» Tank und Zustimmung durch Erheben von ihren Sitzen zu« K»ttra&, Den anwesend gebliebenen Lehrern wurde die sehr »KHomaMSc tyelegenheit geboten, einer jüd. Trauung, die gerade an de«s«lbr» Tage in dem großen Saale dr« tkeilerschen Hotel« staiisand, bei» wohnen zu können. Bet derselben hielt der Rabbiner Dr. ssetlch« die TrauungSred« und der hier kürzlich neueingetretene ilantor, ״ Meisel, trug die Traugesänge mit Instrumental - Begleit! vor. its war di« »Mi Addir-Lompofition" de« Herr« ObereaM __ Birnbaum- Sönig»berg, die wir hier — viel« zum ersten Mal« ] vernahmen. Di« Instrumentalmusik fiel virzüaltch schön und lieblich in'« Gehör. Die cantoralrn (Solo-) Vorträge kamen leider, bet »er; großen Zahl der Besucher und der bet solchen Gelegrnheite» steil unvermeidlichen Unruhe, nur wenig zur Geltung. Dieser Umstand bestärkte un« von neuem in der lleberzeugung, daß «in wirkungsvoller^ seierlich-ergreisender Gelang nur in de« Zusammenwtrken de« »a»t«di * mit einem vollen Chor, sei e« von Schulkindern oder geübte» Er»' wachsen««, im harmonischen Einklang« zur Instrumentalmusik möalb' ist, und kein« Solostimme, auch dt« bestr nicht, solchen Vollgesa»^, zweckmäbtg ersetzen kann. Während der TrauungSreb« de« greise» Herrn Rabbiner» herrscht« tief« Süll«. Dieselbe trug durch ihm» gediegene» Inhalt und trefflich dispontrte Gedankenreih« zu erhöhte»; ntlbM^tlWltfURg M. fitftm, 8. Januar. Gestern Nachmittag 4'/,'Uhr fand - di« Einweihung unftre» neuerbauten Gotteshauses statt. \ Dasselbe, nicht ohne bedeuteude Opfer der kleinen Gemeinden hergestellt, ist ein sehr gefälliges Gebäude. Schade, daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.