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Israelitische Wochenschrift · 1891-01-08 · 2 (8.1.1891) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
22 (1891)
Issue
2 (8.1.1891)
Date
1891-01-08
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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kaunr, wohl noch abgewendet und in eine friedliche Eni- Wickelung umgewandelt werden kann. Die Rabbiner müssen jetzt die treuen Wächter sein. Noch mehr. Er müßten die grsammten jüdischen Gemeinden Preußens hier zusammenhalten. Angesichts der Gefahr müßten alle Partcistteitigkeitrn zurücklrcte», denn das Heiligth»m aller ist einer großen Erschütterung ausgesetzt. Wir rathen darum zu einer schleunigen Eingabe im unseren Herrn Kultusminister. Was in unserer Macht liegt, zu bitten, da müssen wir thun. Wir thun damit nur unsere Pflicht, und werden sicher jedenfalls damit mehr Achtung uns erwerben, als durch stillschweigendes Hinnehmen von Be- Stimmungen, die uns leicht zü großem Schaden gereichen können. Gerichte itttfr Correfpondr«-err. Deutschland. Zllagdetznrß, 4. Januar. Durch 'eine Amtshandlung, die unsere Anwesenheit an einem anderen Orte erforderte, behindert, dem zweiten Sitzungstag des Centralausschusses des Rabbinervcrbandes beizuwohnen, geben wir den nachfolgenden, von einem geschätzten Mitqliede der Versammlang uns zugegangencn ״vorläufigen Bericht": ״Eine größere Anzahl von Rabbinern hatte sich am Schluß des Jahres in Berlin zusammengesunden, um dringend« Angelegenheiten, deren Besprechung der Tag erheischte, zu berathen, und Weiteres für die Zukunft zu planen. Die Signatur dieser Verhandlungen war - rücksichtslose Offenheit und Ehrlichkeit, man scheute keinen Vorwnrf, weil man sich dessen bewußt war. daß derjenige, argen den er gerichtet wurde, keine übertriebene Empfindlichkeit hatte und gerade Rede begehrte. Der geschästsführrr.de Ausschuß, der aus den Herren Ungerleider, Bamberger und Maybaum besteht, mußte sich manche lebhafte Angriffe seitens einiger Mitglieder des 'Gintralausschusses gefallen lassen. Die Temperatur war anfangs ziemlich kühl, nahezu so frostig, wie draußen auf den von einem eisigen Hauche durchwehten Straßen von Berlin. Es war das große Verdienst derer, die an dieser Debatte sich beiheiligten, daß die Temperatur von Minute zu Minute sich erwärmte. Es kann nicht verschwiegen werden, daß Gegensätze sich geltend machten. Maybaum vertrat den radikalen Standpunkt nicht nur mit Geschick, sondern auch mit Schärfe und Energie. Aber wieder wurde ein Ausweg gefunden, um Einstimmigkeit zu erzielen. Das war überhaupt das Kennzeichen dieser Verhandlungen, daß es niemals zu Abstimmungen kam, daß nicht die Majorität ihre brutale Macht zur Geltung brachte, sondern daß die Debatte so lange fortgcführt wurde, bis eine allfeitige Verständigung erzielt war. Zuerst r .rden Anträge formaler Natur erledigt. Die Rabbiner sollen sich in Provinzialverbänden zusammenschließen, weil dem Centralverband aller deutschen Rabbiner nur aus solchen engeren Vereinigungen die volle Kraft zuströmrn kann zu gedeihlichem Schaffen. Diese Zeitschrift darf da» Verdienst für sich in Anspruch nehmen, schon ftüher auf diese» Punkt hingewiesen zu haben, auch die Milderung relmiöser Gegensätze wird im engen Verband noch besser vorbereitet werden können. Im Grund« drückt uns allen der Schuh an derselben Stelle. Der wichtigste Gegenstand der Berathung war der Entwurf des «olksschulgesetzes, der zur Zeit der Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses vorliegt. Nehmen wir au, daß der Entwurf diesmal nicht durch alle Stadien der Geschgrbung kommt, so wird dennoch die Verhandlung für alle diejenigen, die an ihr thellgenommen, reich an Früchten sein. Seminardirektor K r on er aus Hannover trug eine Ab- Handlung vor, die den Gegenstand von den mannigfachsten Seiten beleuchtet«. (Siehe den vorstehende» Leitartikel? Red.) Krön« steht bekanntlich aus eine» streng koukervativen Standpunkt; so war es nicht zu erwarten, daß sich alle Mitglieder der Versammlung zu seinen Ansichten bekannten, wenn ihm auch alle für die von ihm gebotenen Anregungen dankbar waren. Die Versammlung beauftragte Kroner und Rippuer mi» der Abfaffung einer Petition an das Abgeordnete»- baus; Rippner legte am anderen Tage die Petition und deren Motivirung vor; die dann noch einige Aenderungea auf Vorschlag von Maybaum, Werner und Bogelsteiu erfuhren. Bier Dinge werden in der Petition berührt. Di« Kommission des Abgeordnetenhauses hat den Versuch gemacht, die jüdische Bevölkerung von dem Segen aus» zuschließen, den der Minister ihr zugedacht hatte, daß nämlich jedes preußische Kind Religionsunterricht genießen solle. Der Rabbinrrbund pctitionirt um Wiederherstellung des Regierungsentwurf». Der Geietzentwurf bestimmt, daß der jüdische Religion»- unterricht nur auf Antrag der Gemeind« und unter de« Nachweis eines Lehrers eingeführt werden solle. Die Petition geht dahin, daß die Regierung aus eigener Initiative den jüdischen Religionsunterricht eiurichten solle, weil die religiöse Erziehung aller Preuße« nach 8 l des Gesetzes die Aufgabe der Volksschule sei. Ferner sind für - den christlichen Religionsunterricht, Aufsichtsorgane vorgesehen. Die Petition will für die jüd< Kinder die Bildung von Schulbezirken, in denen eiu Gemeinderabbiner oder ein religiös geschulter Pädagoge die Aufsicht über den Religionsunterricht führen soll. Endlich giebt der Entwurf der Regierung das Recht überall wo 60 Schüler eines Bckenntniffes vorhanden sind, eine konfessionelle Schule einzurichten: die Petition möchte/ daß dies nur aufA ntrag der betre f senden Religion»» gesellschaft geschehen solle. So würde das Recht derer ge»׳ wahrt, die die konfessionelle Schule erstreben, und nicht minder da» Recht derer, die im Zusammenleben der Kinder der verschieden«» Bekenntnisse während der Schulzeit die Bürgschaft de» konfessionellen Friedens sehen. Nähere» in folgend««' Artikeln. — Der Centtalausschuß wählte am Schluß der Ver-. Handlungen den geschäftsführcnden Ausschuß einstimmig wieder und dieser kooptirte Rippner und Vogelstein. W. Aerli». (Cr. - Cor.) Der jüdische Religiu«»- unterricht liegt an mehreren hiesigen Gymnasien leider außerhalb des Lehrplans. ES ist daher nicht auffällig, wenn selbst christliche Lehrer sich äußern, die jüdischen Schüler wüchse» auf ohne Religion, und wenn sie sich darüber wundern, dich; für die Beseitigung des llebelstandes nicht gesorgt wird. Ebenso charakteristisch ist di: Stimmung der in dieser Lage befindlichen Schüler, die, weil ohne religiöse Grundlage, « einen ungesunden Weltschmerz guSartet. So war z. B. »it Bezug hierauf auf dem Löschblatt eines Quartaner» der bv« zeichnende Spruch in hebräischer Schrift zu Lesen: leiden, ohne zu klagen." Hier ist eS Amt de» Lehrer», durch Erweckung der Liebe zur Beseittgung der trennende« und beengenden Schranken beizutragen. Geht doch die in«ere Entfremdung schon so weit, daß ehemalige Schüler desselben GvmnasiumS die Bildung eines Verein» von ehemalige« Abiturienten christlicher Konfession ins Werk gesetzt habe«. Die Zeitigung solcher Frücht« ist mit dem ursprünglrche« und eigentlichen Zweck des Gymnasiums schwer vereinbar. Z»» der Zkraviuz 2. Januar. (Or.-Torr.) Der seit dem 2. Oktober v. I. hier neugegründete jüdische Lehrerverein hielt seine erste, ordenlliche Generalversamml»«« am 2S. pr. in Posen ab. Der Einladung hierzu, welch«! an ca. 2V0 jüdische Lehrer in der Provinz und angrenzende» Gegenden ergangen war, haben leider nur 26 Folge Webe«. Anwesend waren die Herren Hauptlehrer: Herbst-Ltfsa al» Vorsitzender, H. Tohn-Rogasen als Schriftführer, und' Auerbach.Tremeffe» al» Laffirrr; ferner die Hervür-, - 4 .'S. i 1 ״

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