Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 1 (2.1.1891)
- Date
- 1891-01-02
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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*ו 'orfttt Ed kn »»MdMtLWWWWg. M4*t Mt 3*1» in % nt«» wShnnd Hstr iMtzMtze» StpcnM!■» Opfn stete», 1' elluug machen mk THatstiche» <rtä$(«a, daß Jede», der fie HSN, c; 1!ttn gelle» mrbnt. Die Mttheiluug wird ein« Relhe positiver i.׳ «»«halte», welche offizielle» Aktes mid rumänischen Zeitung«» en׳n»«me» sind. Alle-, woüber Rußland erzählt wird, wird möglicherweise n.■: übertrossen werden von de» ,Berichten über die Leide« der u in Rumänien", denn alle «besehe und Verfügungen, womit man hei.'e in Rußland droht, sind ihrem ganzen Inhalte nach und im woiirstrn Sinne de- Bortein Rumänien schon praktisch zur Auttu!;na gekommen, Uan wird erfahren, wie trotz de- Berliner Vertrages und Europa zu Hohne die Lage der Juden noch trauriger geworden ist, als sie Bor 1877 war. Sie stehen heute außerhalb de- (besetze-. In 15; Siefängnißmauern werden sie jede» Tag mehr eingeschränkt; mehr 0: früher werden sie von den llnrerrichtSanstaltrn ausgeschlossen, zu der;1 Unterhaltung auch die Juden beitrage». Sie wurden gezwungen, odn׳ irgend welche Aussicht auf Avancement im Heere zu diene»; alle Atllüer wurden ihnen verschlossen sowohl im Unterrichtsals im Justizfnck Sie wurden auden Dörfern in die überfüllten kleinen Städte oe׳; eben u. s. w. Die Analogie mit der Lage ihrer unglücklichen B1״,cr in Rußland geht aber noch weiter. Wir haben auch daS durch e;r. Brandmal entstellte Angesicht eines unschuldigen I! 5 e »k n a b e n zu verzeichnen und—last not least — wie die Regierung Br -tiano'S die grausam« Aera der Judenaustreibung inaugurirt und dir Juden, di« in Rumänien geboren und erzogen wurden, alt Bagab behandelt hat. Durch «besetze und geheime Dekrete, welch« ts u die Präfekten schickte und wovon er bis heute niemals öffentlich gestochen hat, hat er die Juden intensiv verfolgt. Rußland. Mil»«, den 26, Dccbr. (Or.-Eor.) Ein herber Schlag har unsere hiesige Geiiirinde und die russische Judenheit gerrvffcn. Der allgemein geachtete, auch außerhalb der Strnzcn unseres Landes bekannte Gelehrte Samuel Iv׳ef Finn, ist uns Sonntag durch de» Tod entriften werden. Diese Nachricht rief m der Stadt allgemeine .Trauer hervor, da der Vetblichene sowohl durch seine große Gelrhrsamkeit, als durch sein mildes Wesen und seine Popularität, die er besonders i» seiner Eigenschaft als rr׳!er Borslrher der hiesigen Gemeinde bethätigte, sich die größte Achtung unter den verschiedenen Mitgliedern der hiesigen Gemeinde erworben hatte. Finn tvar Autodidakt, gehöite somit zu denjenigen Gelehrten unserer Sradt, die noch keine regelmäßige wiffenschädliche Bildung genossen haben. Nichtsdcstoivenigrr aber gelang eS ihm vermöge seiner glänzenden Fähigkeiten, wie auch durch seinen immensen gleiß sich neben seinen grünv« lieh« hebräischen und talmudischen Kenntnissen einen hohe« Grad allgemeiner Bildung anzueigntn So beherrschte er neben dem Hebräischen, das er mit besonderer schriststelleeischer Gewandtheit handhabte auch, die Landessprache und die andern zur modernen Bildung nöthige» Sprache», was, da er in den ersten Jahr ehnten dieses Jahrhunderts gebaren, sehr hoch anzuichlagen ist. 8m 1. Tage des Laubhüttenfcstcs des Jahres 1818 in hiesiger Stadt geboren, genoß er bis zu seinem 17. Lebensjahre die übliche Erziehung im Cheder und Jeschiboth, doch rvwarb er sich auch solche allgemeine wissenschaftliche Bildung, daß er im Jahre 1848 zum Lehrer der hiesigen Rabbinerschule von der Regierung ernannt wurde, zu deffen Züzlrngen bekanntlich der berühmte Gelehrte Dr. Harkavy gehört. Später bekleidete er den Posten eines Inspektors der Mischen Schulen im Bezirk Wilna und dann ״des gelegen Juden' beim Curator des Wilnacr Lehrbezirks, welche» Amt er bis zu seinem Lebensende inne hatte und welches ihm besondere Auszeichnungen von Seiten der Regierung ein brachte. Die hohe Achtung und das unbegrenzte Vertrauen, dao ihm die hiesige jüdische Gemeinde entgegenbrachte, fand ihccn Ausdruck in der Wahl desselben zum hiesigen Stadtver«d»eten und zum ältesten Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde. Auch die Curatoren-Comitee's des jüdischen HospUat's uud der Talmud-Thora unserer Stadt zählten ihn za chrrm Mitglied«, die letztere Anstalt verdankt chm ihr besondere» Aufblühen. fmt־ zeichnete er sich durch b^eutende Leistungen auf de«'»««« der jüdischen Wissenschaft auch die er in vielen von ihm erschienen«« Werken nach Kräften zu fördern sucht. Besonder»? verdienstvoll ist sein Werk NZSiU ,Tip, in dem er seine- Forschungen über die Geschichte der jüdische» Grmemde Wilna niederlegte und die alten Epitaphien zum Abdruck: brachte. Durch diese» und viele andere litt. Arbeiten ganz; besonders als Redakteur der hebräischen Journale ד!ברםל• und פרחי צמק, wie auch durch seine letzten noch nicht ganz erschienenen, im Manuskript aber fertigen Werke 0' האוצר und כנסת יעראל wurde er als bedeutender jüdischer Gelehrter in unserem Lande gefeiert. Das bewiesen die viele»- Ovationen, die ihm zu seinem vor 2 Jahren begangene» siebzigsten Geburtstage von nah und fern dargebracht wurden. Aus die traurige Kunde von seinem Ableben sandten, die benachbarten größer» jüdischen Gemeinden würdige Deputationen ab, um ihm das letzte Geleite zu geben. Im Leichenzugc, an dem sich eilt großer Theil derhiesigen jüdischen Gemeinde, die Talmudgelehrten, Freundeder hebräischen Litteratur und Bildung betheiligten, befände^ sich auch mehrere achtbare christliche Bürger der hiesigen Stad^. was in der jetzigen traurigen Zeit dem Verblichenen zur be-. sonderen Ehre gereicht. Bon seinem Trauerhaufe wurde der Leichnam in die große Synagoge getragen, woselbst di« übliches' Leichenfeier abgehalten wurde, eine Ehre, die bis jetzt nur d«. größten Talmudkoryphäen erwiesen wurde. Auf dem Friedhöfe^ wurden noch einige Reden, darunter auch eine in hebräiß' Sprache vom hiesigen Rabbiner Dr. Gordon gehalten, de?5 ganz vcsonoers die littcrarischeu Leistungen des Verblichene« und dessen Bestreben hervorhob, talmudisches Wiffen mit;! moderner Bildung zu vereinigen, die richtige Mitte zwisck den hier herrschenden exktemen Richtungen zu finden nnd das alte mit dem neuen Judenthum zu versöhnen. So hat unsere Gemeinde den letzten Pionier der . jüdischen Wissenschaft verloren, dessen Anxnken unvergeßlid bleiben wird. Wie ich höre, beabsichtigen die Verehrer d«S vrr ewigten die Rede des Rabbiners Dr. Gordon im Druck er-" scheinen zu lassen. ' 8z. Italien. Livor«». Der .Bessillo' veröffentlicht einen Brief b*#״ Apellationsgerichtsiaths Ritters Migl ietta an unseres Glaubensgenossen Scgrä, in welchem diese hohe Magistrat«-^ Person sich sehr rühmenswerth über die Redlichkeit, über die, Ehrenhaftigkeit und über den guten Lebenswandel der? italienischen Israeliten ausspricht. Unter Anderem heißt es: ״Ich war zehn Jahre nacheinander Untersuchungsricht«. inj Livorno, welches ungefähr 400V Israeliten zählt, und wäh dieser Zeit kam nur einmal rin Vergehen eine» Jsrauite»/ vor mich und zwar «in JSraelit hatte einem Rabbiner cinoß Uhr entwendet; niemals aber fand ich JSraeliten im Streit gegen die Person und das Gut der Christen. Im Har''" finde ich die Israeliten gerader und ehrlicher als meine״ eigenen Glaubensgenossen.-Was den Wucher anbrlangttj.. so findet er sich mehr bei denen, deren Stirn das Tau' ' wasier empfangen und hauptsächlich habe ich in Neapel die! Erfahrung gemacht". Amerika. Zrßnetiuie». ״Jewish Chronicle" veröffentlicht eins Schreiben der ״Sociedad Agrioola Israalita, MosaaviU«^? Colonia Palaoios“, in welchem vor dem Ankauft von Loosen gewarnt wird, die von dem Eigenthümer Landes, auf welche die Colonisten angesiedelt sind, oh deren Zustimmung an jüdische WohlthätigkeitSvereine um Europa verschickt werden. In dem Prospekte heißt es, daßs von dem Ergebnisse der Lotterie eine Schule, eine Synagoge^ und ein Friedhof eingerichtet werden sollen. Die ColomMAj benüthigen jedoch diese Konstitutionen nicht; eine werde von der 8a«äodad Indastrial, welche aus rumäuifä und polnischen Juden bestehe, demnächst eröffnet