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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 51 (1890) · p. Seite 199

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
51 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 199 (sequence 3)
Language
German
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nur nich» da»«». Dewora, da ich nicht Ihn lvtftcht »nntr. Gott ffftfett Ihnen mnn den glücklich« Gedanken «ich von Ihr« Absicht« in Kavtniß z« sch« ,»d ich ' mich denselben gern an. Moischele wvcd-Kantor Leb Abra» behauptet sogar, daß Moischele eine derartig« Stimme besitzt, wie man sie selten zu hören be- ' kmmnt." - »Ja, mein Man« findet eS auch.immer, daß Moischele'« Stimme «in rise«e« Herz zu rühr« vermag, daß seine Stimme Thränen Hervorrufe, daß sie in« Herz dringt und Lies in der Welt vergessen macht. Da« ist doch aber schbn. Da ist er doch wahrscheinlich selbst sehr gutherzig, wenn er Andere derartig rühren kann. Ja, man muß sich WK bemühen, daß er früh seinen Lrbeasunterhalt verdienh unddann werden wir»Mrchutonim" (verschwägert) Aber da habe ich mich verplaudert und mein Mann und Sohn werden schock Avendorod gegrsiea haben und nun The« trink« wollen aab der..Samowar" kocht «och nicht. Schicken Sie doch Ähre Theekanne, dann können Sie heiße« Wasser Hab« I» Wirthrhause ist jetzt solch «in Gedränge, daß Sie erst spät welches bekommen können. Aber nun „gute Nacht" Lea. Komm mit Seldachen," rief sie der Kleinen zu. »Auf Wiedersehen", antwortete Lea. Al« die Nachbarin fort war, erkundigte sich Lea bei -ihrem Sohne, ob ihm Reb Abram heute etwa« gesagt hätte. .Et bat mich heute früh auf morgen zu Marmor» bei« beschiel»«. Reb Abram sagte, daß in meiner Lebensmeis« ein« Veränderung eintreten wird und daß mir ein -Glück bevorsteh«, von dem mir gewiß nicht» träumte." »Dir steht e>n Glück bevor, Dir, meinen armen Jungen! Welch«»? Worin? Hast Du ihn denn garnicht gefragt und gar keine Ahnung?" »Nein, ich »veiß nichts." »Aber wie kann man nur so sein? Uebrigens werden tt»ir es ja morgen erfahren Du mußt doch aber morgen i» da« Eheder, wa« wirst Du nun thun? Emen Tag kann «an doch schließlich aussetzm. Gott hat uns also doch »-Stück zum n«rn Jahr« geschickt. Nicht umsonst Hab« ich iunbrünsttg für Dich gebetet. Möchte e« nur schneller »norgen sein". v Lea befand sich in großer Aufregung. Sie baute schon -Gehecken alle nur möglich« Luftschlvffer und Pläne. ^^>n HWhr etwa» ein. Sie wandte sich an Moischele: I »Al« Du zuletzt bei Marmorbein warst, erzähltest Du, ß Du in Gqemvart vieler Gäste gesung« hast, daß dort ein berühmter Sänger war, der im Theater und den alle nach seiner Meinung über Deine »me fragten?" »Er lobte meine Stimme und sagt« noch etwa«". »Ja wa« denn?" »Da» weiß ich «icht, ich Hab« e« nicht gehört." „Marmorbein sagte Dir darauf nicht»?" »Nein, nicht»." »Wa« kann die« nun Alle» bed«tm, mein Verstand still", sprach Lea. »Ach, möchte r» nur schon sein." * Am andern Morgen begleitete Lea ihr« Sohn zu kmorbein. Sv: wagte natürlich nicht, mit ihrem Sohne - ha reichen Mann zu treten. Sie begnügte sich damit, Moischele an der Pforte zu erwart«; nur zu Hause «» sie nicht. koischele wurde in da» Kabinet durch reich mvblirte geführt. Marmorbein saß auf einem weichm am Schreibtisch und neben ihm in einer Sammet» da» Pincearz auf der Adlernase, der berühmte W. Al» we Thür geöffnet wurde und Moischele erschi«, winkle ihn der Banquier frandlich _ «Üher. Moischele, D» «ft junge. Leb Abrn« sagte mir schon, daß Du bei khm M augeschrieben stehst, ja, aber auch ich wurde geste« W» Demer auSaezeiHreten Stimme ganz hingerissen. Du hast prachtvoll« Fortschritt« gemacht und würdest noch fern« machen, wenn Du gut« Unterricht hättest. Du kannst ja eine Berühmtheit werden. Und weißt Du auch, wa« da» Wort „Berühmtheit" bedeutet? Sicherlich nichh nun, da» wird sich schon mit der Zeit finden. Bor allen Ding« muß man an dir Entwickelung Deiner Stimme gehen. Sie kann sich ja zu einer solchen entfalten, daß Du von allen Sängern beneidest werden wirst und durch Dein« Gesang die Welt entzücken kannst. Deshalb habe ich den Entschluß gefaßt, Dich in« Ausland zu schicken, wo Du eine Schale besuchen sollst, in der .singen" gelehrt wird. Bei Deinen Fähigkeiten wirst Du schnell die Schule absolviren und alsdann noch zur Vervollkommnung in andere Städte fahren. Ja, aber dann wirst Du auch ein großer Künstler werd«. .Dieser Herr", Marmorbein wie» aus W, »rieth mir, Dich zur Ausbildung in» Ausland zu schicken. Er wird Dich hinführen und bei guten Leuten einquartiren, di« Dich lieben und für Dich sorgen werden. Wa» die Kosten anbetrifft, so übernehme ich sie. Nun mache Dich also reisefertig, denn nach zwei Tag« fährst Du". SB. kniff Moischele m d« Wangen und sagte ihm: »Dir lächelt da» Glück zu, mein Junge, Du wirst ein Künstler sein". Moischele verstand nicht» von allem dem, er hätte alle diese Eotte zum ersten Male. Er begriff nur, daß er Vaterstadt, Synagoge, seine Mutter verlassen sollte und ihm wurde unendlich traurig, bitter, ja weh zu Muth. .Und wa» wird au» meiner Mutter werden?" fragte er schüchtern. »Für die laß mich nur sorgen", erwiderte ihm Marmorbein. »Ich werde ihr dasselbe Gehalt auözahlen lasten, welche» Du von der Synagoge erhältst. Sie kann sich überhaupt fteuen. Zu den Ferien wirst Du ja immer wieder Herkommen. Da Du nicht mehr klein und auch vernünftig bist, so wird e» Dir doch nicht etwa einfallen, Dich nach der Mutter Schürze zu sehnen. Aber nun geh' nach Hause und bitte Deine Mutter auf Morgen ö Uhr zu mir. Vergiß e» nur ja nicht, wir haben sehr w«ig Zeit. Herr W. reist übermorgen: und nun Adieu, mein Lieber." Moischele vemeigte sich und ging fott. »Man schickt mich übermorgen in» Ausland", antwortete Moischele der gespannt ihn auSforschmden Mutter. »In» Ausland, aber wozu denn?" »Singen lernen." »Al» ob Du e» etwa jetzt nicht, hinreichend verständest." »Sie sagen aber, daß ich noch lernen muß. Ich soll mit W. fahren. Marmorbein ermattet Dich morgen um 5 Uhr." Lea war ganz bestürzt. In dieser Reise sah sie nur eine unnütze, schwere Trennung von ihrem innigstgeliebt« Kinde, sonst nicht» mehr. Sie konnte e» gar nicht begreif«, weshalb man ihn noch singen lehren wollte, da er doch schon jetzt durch seine Stimme alle in Erstaun« versetzt«. Sie sah in ihrem Sohne den zukünftigen Kantor der groß« Synagoge, Nachfolger de« Reb Abram und glücklichen Gatten der schön« Selda. Größere» Glück konnte sie sich nicht denken, von Höherem nicht einmal träumen. Und da kam« sie auf einmal mit dieser Reffe in da« Ausland, wo sich ihr Kind unter fremden Menschen beweg«, Synagoge, Gebet, jüdffche Sitten vergessen und vielleicht auch unerlaubte Speffen eff« — kurz und gut. wo er verderben und untergeben wird. Und »die»" war da» Glück von dem Reb Aoram gesprochen und da» sie mit solch einer Ungeduld herbeigesehnt und in dessen Ermattung sie nicht schlaft« konnte? Di« Enttäuschung war ein« zu schreckliche. Sie hoffte auf Erhöhung von Moischele» Gage oder, oa schon von Glück gesprochen wurde, daß man ihm etwa» schenk« wird, aber da wollen sie ihn ihr fortnrhmen, in ein andere» Land schicken, nein, da» ist zu grausam. In ihre« Aug«

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