Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 51 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Svr kri lAm z» hsk». Seme sie ihn schon längst »it iner Hv'ecke sich hielt er einen «»»ent «*, »« Mutter bemerkte dies sofort, da der größten Ungeduld erwartete. .Ach, da ist ja endlich mein theurer Junge, «ein Goldkaabe. Komm nur herein Maischet», komm doch schneller, «ein Kindchen, Du arme Waise." Mit diesen Worten lief Moischele eine Nein gewachsene, etwa 30 jährig« Frau eiligst entgegen und hielt ihn lange fest umschlungen. 30 war seine Mutter, die bis zur Selbstvergeffeuheit ihren einzigen, schwachen, magern Jungen liebte. Mit Thränen in den Augen fiel er an die Muttrrbrust und rief: »Ach Mütterchen, Mütterchen, wie müde bin ich doch, und wie schmerzt mich der Kopf." .Wie, Dein Kopf thut Dir weh?" wiederholte die Mutter ganz besorgt. „Aber ängstige Dich nur nicht, mein Kind, eS wird ja bald vorübergehen", beeilte sie fick ihn zu beruhigen. .Setz' Dich nur zu Tisch, wir wollen Abendbrod essen. Du bist so schwach. Du hast ja den ganzen Tag gefastet. Nun, so setz' Dich doch und iß. mein Liebling", und sie setzte ihm einen Teller Fische und ein Stück .Ehalle" (Weißbrod) vor. .Aber wo bist Du denn eigentlich so lange geblieben Moischele? Ich war ja an der Synagoge Dich holen; da sagte mir Red Abram, dem ich begegnet. Du wärest längst fortgegangrn". „Ich ging zu allerletzt weg, wartete erst alle ab." „Ach und ich war schon so unruhig, wollte Dir wieder «ntgegengehen. Nun, wie hast Du gefastet?" .0, recht gut. Mütterchen." .Gottlob, möge Dir nur Gott jegliches Glück und Wohlergehen im neuen Jahre oerlechen. Du wirst ja ein guter, gottesfürchtiger Mensch werden, wie Dein seliger Vater, dem leider ein so kurzes Leben beschieden war; möge der Allmächtige Deine Tage verlängern!" — .Wünsche Ihnen alles Gute zum neu beginnenden Jahre, Lea!" rief von der Thüre aus eine lautt, etwa» grelle Frauenstimme. „Ist Ihr Junge schon von der Synagoge zurückgekommen?" „Ja wohl, aber kommen Sie doch herein, setzen Sie sich, bitte, Dewora. Ich danke Ihnen sehr für ihre Glückwünsche, und wünsch« ebenfalls von ganzem Herzen alles Gntt, Ihnen, wie Ihrem Manne, und Ihrem Jankel eine hübsche, reich« Braut." .Wozu sprechen Sie davon?" .Ja, Sie haben zwar Recht. Jankel ist noch jung, aber doch würde ich Ihnen rathen, eine gute Parthce nicht auözuschlagen. Jetzt lassen sich Kinder nicht mehr so leicht verheircuhen. Ist da» Mädchen vermögend, so beansprucht sie gleich «inen gebildeten Mann. Ihr Jankel ist aber doch ein Prachtjunge, wenn er auch kein Gymnasium besucht hat". .Ja, Ere haben Recht. Kinder zu versorgen ist heut zu Tage eine schwere Aufgabe. Mit einem Sohne ist «S «och nicht so arg, aber «ne Tochter macht viel Sorgen." »Dies ist wohl wahr, aber Sie haben es doch nickt so eilig. Ihre Selda ist doch erst 12 Jahre alt. Aber da ist ja der WUdfang" — und Lea winkle mit der Hand Selda heran, di« eben ihr Köpfchen in die Thürspalt« hineinsteckte, sich aber bald darauf im dunkeln Flur versteckt«. Auf Mama's direkten Befehl, kam sie ins Zimmer und fetzte sich still an ihre Seite. Das Mädchen war blendend schön. Ihr kleines, reizendes EngelSkvpfchen trug sie stolz auf dem schlanken, graziösen Körper. Peschschwarze Augen blickten ruhig um sich. Ihr blendend weißes, matte», ovales Geflchtchen verschwand förmlich unter den glänzenden, seidenweichen Locken. Der kirsckrothe Mund bedeckte zwei Reihen Perlenzähne, die auS Elfenbein gehauen zu sein schimen. Die SesichtSzüge, Ras«, Kinn, Mund und Stirn waren förmlich gemeißelt und konutrn mit den Bllderu der e' lstrn Sculptore» in Parallel gestellt werden. Selda _iit mit de« Augen vor dem sie blende,den Lichte. Ein - stchtehe« m «ach» noch anziehender. - .Aber, Herr BräMigam", scherzte Dewora. ^ich Moischele wendend, .weshalb begrüm Du denn u Deine Braut und wünschest ihr Glück und Segen z uenea Jahr?" Unbeholfen und schüchtern näherte sich Moischele de« Mädchen und flüsterte ihr leis« zu: .Kim« nur, uh ««de Dir ein neue» Gebetbuch zeigen, da» mir Reb Abram ga^ schenkt hat, eS hat einen rothen Einband mit goldewm Buchstaben, es soll ab« auch sehr theu« sei« und dvöh bitte ich Dich, es nicht so hastig durchzublättern, wie die Bibel, die Du mir neulich zerrissen hast. Weißt Du wach laß mich da» Gebetbuch halten und sieh« Du Dir'» nur an. Werde aber nur nicht böse, Du wirst alle» zu sehen bekommen, ich w«d« Dir ja d« Reih« nach die Blätte». zeigen." Moischele ging nun in den Winkel, um auS eine»' Soffer da« Gebetbuch zu holen und Selda folgte ihm langsam, ihre Neugierde bezwingend. Sie bestrebte sich überhaupt stet» ihre Aufregung zu verbergen, wen« sie von derselbe« f heimgesucht wurde. Dadurch hoffte sie, als Erwachsene be»,-^ trachtet zu werden. Sie setzten sich nun auf einen Holzschemch-^ und er zeigte ihr da» Gebetbuch. „Aber wa» ist das?" fragte Seldachen, die schnell da» Buch langweilte, und nahm rin farbige» Kästchen in die Hand. .Ach dadrin sind Federn, Schünschreibfedern, willst D».,Z etliche? Sieh nur, wie groß, schön und silberfarbigst« sind." j- Willst Du mich schreiben lehren, Moischele? Wir habenA zu Haus« eine Pomadebücks« mit Tinte; jetzt ist sie zwar «in-^tz getrocknet, aber ich werde sie mit warmem Wasser auflösen.",^ .Dringe mir die Büchse, so fülle ich sie mit frischer Tinte, denn Deine langt nicht mehr und in meinen Mußestunden werde ich Dich recht gern schreiben lehre,." „Gehst Du morgen in'» Eheder?'- „Natürlich." „Und wann wird man Dich freilassen?" „Donnerstag. Freitag und Sonnabend habe« wir Feiertag«, da werde ich also zu Hause bleiben.". Wieso denn, mußt Du denn nicht zur Probe in die Synagoge?“ ,3a wohl, aber da bin ich doch nicht den ganzen Tag beschäftigt. Mittag» werde ich schon zurück sein." .Also, wann werden wir dann schreiben?" .Meinetwegen morgen, wenn ich vom Eheder nach Hause komme". „Ich habe aber auch etwa» bekommen, denke Dir nur ein neue» Band; nun rath einmal schnell welche Farbe"/ „Da» weiß ich nicht". .Wieso sollst Du «» auch wissen, aber rathe doch „Ich kan« e» nicht errathen." .Da haben wir «», er kann nicht. Aber ist e» dam so schwer. Ru«, so sag' ein rosa Band." .Lin rosa Band". „Rein, nicht errathen, nicht richtig, ein blaue». Heinrich» Mama ha. «0 mir geschenkt." .Sehen Sie nur", sagte Dewora. indem sie auf Kind« zeigte, .wie lebhaft ihre Unterhaltung ist. Geld«! und Moischckr sind schon seit langer Zed gut« Und wiffen Sie, wa» uh Ihne« Vorschlägen möchte' Dewora sich ihrer Nachbarin nähernd, »nach einigen Ja würde ich mit Vergnügen mein« Selda Ihrem Sohne wenn nur au» ihm ei« tüchtiger Mann werde» wird, d. wenn er im Stand« sein wi», eine Frau zu ernähren, wiffen ja, ich suche ja kernen Prinzen zum Schwi und Ihr Moischele kann einen prachtvollen Mau» .Danke Ihnen sehr, Dewora. für die mir erwi Ehre. Ihr Töchterleiu al» Gattin meine» Mois, sehen ist auch mein sehnlichster Wunsch und ich ho Gott unser» «mdern Glück verleihen wird. Mir s' tim .