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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 50 (1890) · p. Seite 195

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
50 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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J&ir soll ich teflt »«eicht tan dfaEtfljjgfto* i Röcke nöheu — ja. ich verstehe tillM zu i!" »Nein. Deine Röcke brauch« ich nicht, aber etwas «uderrs aiebst Du mir dafür!" .Uno was denn? Möge der hmhguädige Herr befehlen." »Dein Jüngel überläßt Du mir dafür!" Aha! dachte das Schneiderlein, da kommt am End« doch der verrückte Graf heraus.' .Mein Jüngel —" stotterte der Arme verlegen. „Wer dt rin Lind von sich weg, und möge es noch so unjrrathrn sein?" .Aber Du Narr, er bleibt ja weiter Dein, nur will ich aus ihm etwas Recht» machen, wa» Dir Ehre und Wohlstand bringen soll . . .' „Und wa» werden der hochgnädig« Herr au» ihm mache»?" forschte da» Schneiderlein. »So sag« mir vorerst", begann der Graf, „hoffst Du, au» chm ein Rabbiner wild?- „Leider nein. Er ist ja immer hinrinverthau in sein« Rhslerei, daß er nicht einmal hört, wa» der Melamed zu “ , spricht.- ,Also ein Rabbiner nicht — hoffst Du, daß aus ihm ain Schneider wird?" „Das noch weniger, der versteht ja nicht einmal, wie »an einen Faden in das Radelloch hineinbringt". „Also auch da» nicht — und wa» denn?' „Ach, wenn wir e» wüßten!" „Aber ich weiß es ja, und deshalb verlange ich von Sir. daß Du mir Dein Jüngrl überläßt!" „Mein Jüngrl", räusperte sich da» Schneiderlein, „hoch- »ädiger Herr, ich bin ein Jude!" „Und wa« folgt darau»?" „Daß auch mein Jüngel da» bleiben muß, wa» seine m waren!" „Aber Du Narr, wer will denn, daß Drin Jüngel ' Jude bleibe» soll? Du sollst ihn sogar selber in », wo er das Malen lernen kann, da» Losthaus an«, it, damit er nur Iloschere» effe und streng zur Religion ^gehalten werde. Ist» Dir jetzt schon recht?" „Leben soll der hochgnädige Herr hundert Jahr und mehr!" „Und jede« Jahr", lachte der Graf, seine Brieftasche erziehend, „bezahle ich Dir so fort mit 300 Gulden, Hlerhundert Gulden. Jedes Jahr bekommst Du von «ine solche Summe, doch Du wirst e» nicht lange ge» scheu, denn I>ein Jüngrl wird nach einigen Jahren in 'Loge sein. Dich mit Deiner Familie in Glanz und "hum zu erhalten." lud das Alles von der Malerei — Gotteswunder!" das Schneider lein. » - * Was der Graf ihm versprochrn, erfüllt« sich Punkt Punkt. Nach den Fein tagen reiste da» schwarze von seine« Vater und dem Grafen begleitet, uach ab. Die Sache des Grasen war es, ihn in der hule unterzubnngen und di« seine« Vater», rin ’ Losthaus für ,h» auszusuchen. Jährlich erhielt »eiderlein vom Grasen den Zuschuß von dreihundert stellich nur einige Jahre, denn nach dieser Zeit war it gegönnt, von dem Erlö» seiner Arbeiten seinen «inen Wohlstand zu verschaffen. Sie weit Ahrrle es in der Lunft gebracht hat, davon «ehr ab« genug das Zeitungsblatt, da» vor mir jetzt ' ist. Jetzt heißt er lange nicht mehr da» schwarze sondern der rühmlichst bekannte Maler Arthur Seine Bilder werden prämiirt. Jetzt lebt er iu und Rrichthu» und das Städtchen D. rechnet e» 's Ehre an. daß einst dort seine Wiege gestanden hat. "e>: und da« alle« durch dieses „Rösele", da» Tage in «einem Getabnche aufdewahrt ist. v. wie viel Snaben mag es nach heute dt der Jüdischen Gaffe gchen, die ebenfalls solche „Rvsckech" malen. Giebt es denn aber heute auch solche verrückte Grasen? 9* Sh«««k«. Die Nr. 48 de» Familienblattrs bringt di« Lektion»« probe eine« Lehrer» über Erklärung de» Chanutafestes iu der untersten Schulklasse für Linder von 6—8 Jahr. Die dabei angewenderrn pädagogischen Grundsätze sind richtig» weniger zu billigen ist die Unrichtigkeit bei Beschreibung des Tempels, obwohl eine Rechtfertigung hierfür in der Anforderung liegt, beim Unterricht an Bekanntes anzuknüpse», weshalb die Einrichtung unserer Synagogen für den ehemaligen Tempel al» Vorbild genommen worden ist. Jndeß ist es zu bedenken, daß di« ,n der Jugend sich festsetzende»! Eindrücke und Vorstellungen der Schule, de» Hause» und de» Leben» fast unvrnvischbar sind und deshalb falsche Bor- und Darstellungen vermieden werben müssen. Ein taktischer Fehler aber ist geradezu die Erklärung, daß das Ehanukafest eine untergeordnete Bedeutung habe, weil an demselben die werkthätige Arbeit und der Schulbesuch »übt unterbrochen, sondern fortgesetzt werde. So war e» jedoch nicht immer. Die sesttäglge Bedeutung ist schon darin ausgesprochen. daß da» ganze Hallet für den Gottr»di«nst angeordnet ist, auch die Arbeit ruht wenigsten» heute noch, während und so lange die heiligen Lichter leuchten; auch da» Lernen, da« Torastudium wird während de» Festes (?) unterbrochen, und Spiele, selbst Kartenspiel, sonst für fromme Männer nicht gestattet, wurden erlaubt und freigegeb» Wir streben ja mit aller Macht dahin, der Feier wieder «inen fGütlichen Charakter zu geben für die Schul« sowohl, wie für da» Hau«, wir wollen und sollen namentlich die Linder wieder für das Fest gewinnen; wie ist dies müglictz wenn wir von vornherein den Lindern und Leuten erklären, da» Fest habe keinen festtägigen Charakter und ist von untergeordneter Bedeutung?') Wie oft begegnet e» un», daß Er» wachsene und namentlich auch Mütter gegen unsere Bestrebung. die Hellighaltung de» Feste» zurückzuerobern, den Einwand «heän: wir sind von unserer Jugend und dem Elternhaus« her nicht daran gewöhnt, diesem Feste ein« Bedeutung beizulegen! Und doch ist «» uns daran gelesen, die Feier de» Ehannkafeste» zu heben, schon um an derselbe» ein Gegengewicht gegen die Feier de» gewöhnlich gleichzeitiste» christlichen Weihnachtsseste» zu haben, zumal beide äußerliche und innerlich« Beziehungen zu einander haben. Uud außer der geschichtlichen, welch« tiefe religiöse Bedeutung hat das Fest! Wenn Linder es auch nicht voll begreifen, die Bedeutung des Gotte»licht», welche» de» Menschen tat rechten Weg zeigt, um ihn zu wandeln, welches die Herze» der Menschen erwärmt, um einander zu liebe«, läßt sich ihnen doch andeuten. Hervorzuheben sind auch die Kinderspiels Geschenke und Bescherungen, welch« ehedem am Feste i» Israel üblich wareu, uud seitru» der Christen entlehnt wordeu sind. Die geschichtliche Veranlassung, wodurch die Feier nachgelassen, liegt in den römischen Verfolgungen, welch« da» Lesen der Maccabäerkämpfe und di« Feier des Feste», au» Furcht, die Erinnerung daran könne den Muth der Juden erwecken und sie zum Aufftaud und zur Gegenwehr aufrufen. Man durste darum nicht deutlich davon sprechen uud erfand die Legend« vom Arügleiu Oel, um wenigsten» versteckt darauf hinzudeuten. Hiermit sollte auf Matathias hingewiesen werden, in deffen Herz und Hans allem die Gottesflamme noch brennt und anhielt, bis all« Lichter am Gottesleuchter, da« ist ganz Israel, der Träger de» Gotteslichts, wieder angezündet waren und hell leuchtete«. *) Da» alle» ttnbcrt doch aber au der Thatsach« «ich»», daß ithauuka uur ei» „Halbsest" ist, gleich Purim, so lerui e« ja auch das Niud bei der Krvckc»»- der F^iage; de» Äraduuterschied «»» -M Lehrrr bewueu, sooftfolaeri da»Kind muaekehrtdaraus, daßanalle» jüdische« Feiertage» Mt »ertchiltige Neben erlaubt sei. (N«d.)

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