Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 50 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Du doch »och-ater. Die Lk>«er briet »och nur a»A de» hebräischen Grbetbnche a« Sabbach «ick a« Abend, da bete» mt drei doch gctadafom da» Schma-J-roel, nachdem wir unser neugelerntr» Gebet hergesagt, ganz leise, damit «» Niemand hört. Wenn ich da» einmal vergessen habe, kann ich nicht cinschlafen." „Ich auch nicht, ich auch nicht', ruft eifrig da» Schwesterchen dazwischen und versucht sich auf da» andere Knie de» Vater» zu schwingen. Die Eltern sitzen so vereint mit den Kindern, sie ermahnend, tröstend und beruhigend. Beide fühlen heute mehr denn je die Schwere und Verantwortlichkeit de» Schritte», den sie gethan und Sorge und Kummer bemächtigten sich ihrer. Nachdem dir Kinder gelobt hatten, folgsam und brav zu sein, doch dem Herrn Popen rin freundliche» Gesicht zu machen bei seinem nächsten Besuch und die Glaubensartikel und Sprüche zu wiederholen, die er >o häufig abf.ogen kam, gehen sie in ihr gcnieinsame» Spiel- und Arbeitszimmer. Die Eltern wollen sie gern ablenken und zerstreuen. Brüderchen und Schwesterchen finden aber kein Gefallen an den Spielen, sie setzen sich ans Fenster und sehen gedankenvoll hinaus aus die Straß«. .Weißt Du, wa» heute für ein Fest ist?' fragte Abraham die Kleine. „Vir dürfen'» nicht mehr feiern, weil wir Thristen sei» müssen, aber schön war'» und viel, viel Gute» hat e» un» gebracht. Rache einmal wa» es ist?' Da« Mädchen legt bedächtig den Zeigefinger auf da» rosige Mündchen und sinnt nach. Endlich blitzt e» in den dunklen Augen auf. „Ich Hab'»', ruft sie freudig au». „Es ist Chanuka-Abend heut. H«»te muß inan Würfel spielen und kleine Lichtchen anzü»den. Acb, wir wollen doch heute Channka frier«, der liebe Gott wird sich gewiß freuen, wenn wirs nicht vergeffen haben.' „Du hast recht', envicdertr lebhaft der Knabe und i kann »och da» Gebet, das der Vater beim Auzünden spra und da» schöne Lied'. „Ich kann'» auch, ich kann» auch', versetzte eifrig die Kleine und singt nun die erste Strophe de» Moaus Zur jeschuoßi. „Aber woher bekommen wir eine Mcnorah', fragte der Bruder. „Ohne dir können wir keine Lichtchen zünden.' „Ach, die hat Mutter erst heut' in di« hinterste Eck« de» Schranks gesetzt', flüstert« leise die Schwester. „Und geweint hat Mutter, ich sah'» ganz deutlich", fährt sie wichtig fort. „Ach Mutter weint jetzt immer." Der Knab« nickt ernst. „Ich sehe e» oft. Alle» ist so traurig bei uns, s» still seit-“ ..Kennst Du die Bedeutung des Fest«»', fragt der Bruder. „Rein, bitte, erzähle mir's wieder, ich Hab« es ganz vergessen." Abraham beginnt die Geschichte zu erzählen und da« Schwesterchen lehnt sich an seine Schulter und hört aufmerksam zu. „O, wie schön", sagt sie. als er geendet. „Acht Tage brannten die Lampen, acht Tage, o, diese» Wunder. Sieh', der lieb« Gott war doch immer mit un», warum verläßt er »»» jetzt, warum müssen wir so viel leiden? Aber wir zünden doch die Lichter an und finge« da» Lied, dann spielen wir mit Pfeffernüssen. Ich habe Wach», da» kneten M»t um eine» Baumwollfaden und mein Lineal kann für heut« di« Menorah sein". Eifrig gehen dir Kinder an die Arbeit. Bald standen die acht Kerzchen auf dem Brettchen. „Run fehlt noch der Sch«mmes", sagt die Kleine und bereitet eine größere Kerze. Endlich ist alle» in Ordnung. Der Knabe zündet da» Acht »» und beginnt de» Segensspruch herzu sage». Da» Mädchen steht mit gefalteten Händen andächtig dabei und sagt leis« am Schluffe: Amen. Dan» singen beide da» Lied. Anfang» klingen die Töne lei» und zaghaft von den Kinderlippe», dann werde» sie lauter und heller. Sie scheinen alle» um sich her vergessen zu haben, Kummer und Ungemach der letzten Stunden sctrinen gänzlich ihrem Gedächtnisse entschwunden zu sein. Sie singen sich da» Herz leicht. Da wird die Thür geöffnet, auf der Schwelle stehen die Eltern und sehen erstaunt und überrascht auf die singenden Kinder. Die Lichter strahlen hell auf und beleuchten fürÄ Momente die geröthetc», lächelnden Gesichter der Beiden. Der Eltern Hände haben sich unwillkürlich in innigemT Druck gefunden. Thränen verdunkeln ihren Blick. ■» „Israel wird doch nicht untergehen", sagt lei» derüf Bater, „der Stamm vom Sturm der Zeit entblättert, ent»^ kräftet, gebeugt, treibt immer von Neuem junge» Rei». Jn> düsterer Dunkel wird treu und der Verstand e» zwingt, nach außen hin sich anderer Denk- und Empfindungsart anzupaffen. — ..Lassen wir sie singen", fährt die Mutter fort, und Beide verlassen unbemertt da» Zimmer. Die Lichter sind herunt-rgebrannr, die Kleinen spielen vergnügt zusammen Da tritt ruhig lächelnd di« Mutter ein. Ihr Gesicht zeigt freudige Bewegung, sie ist wieder so heiler, wie in früheren glücklicheren Tag«. Voll heißer Inbrunst zieht sie beide Kinder an ihr Herz. Ihre bebende», Lippen berühren segnend die lockigen Häupter ihrer Liebe».'» di« sich so innig an sie schmiegen und ein heiße» Gebet sendet sie zum Bater im Himmel empor, daß er ihre Kuder im Judenthum erhalte. , ■t Diese kleine Skizze ist dem Leben entnommen. So wie M izze M ich sie gehört, habe ich sie wiedergegeben, einfach und s ohne poetischen Schwung, ohne phantastisch« Ausschmückung. Ido Oppenhet«. ««» «eine« 8e»etb«chr. Silhouetten von Ratha» Samuely. Di» Akösete. (&#„&.) „Dann", fuhr der Graf weiter fort, „würdest Du «» auch verstehe«, Scencn au» dem Leben mtt Farben z» A malen au» der Geschichte, sagen wir au» Deiner Bibel, , z. B. wie Jakob seinen Sohn beweint, oder wie Joseph sich t seinen Brüdern zu erkennen giebt und dergleichen »och »«$«!"„ „Ei! Ei! wäre da« schön!" — rief da» schwane AbreU begeistert au», indem er vor Vergnügen sich die HastM einander rieb. „Nun freilich wäre da» schön', stimmte der Gra lächelnd zu, doch mit Dir bin ich bereit» fertig', und zumi Schneiderlein gewendet, fuhr er fort: „Hast Du leicht Demj Auskommen von Deiner Schneiderei?" . «urkommen!', wiederholte da» Schneiderleiu ttauritz „Wir arbeiten un» Tag und Rächt die Hände wand, gönnen un« nicht einen Augenblick kaum da» trockene Stückchen Brvd „Wäre Dir z. B. mit einem Guld«, jährlich geholfen?" schrie da» Schneiderlei», sich gedacht hat. „dreihnr Graf ftage» erst?" sich bei mir bekommen!" drechundert Gülden!" rief da» Sch« “ ,hochgnädigster Herr scherzen wohl?" ' zu athmen und habe»^ zur Sättigung." von dreihmrd „Dreihundert Gulden! nie so viel Geld zusammen Gulden — der hochguädige „Diese könntest Du jäl „Was außer sich ' «Dur rchäü» nicht — doch orrse bekommst D» »«sonst, Du weißt, ich schenke »icht gern!"