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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 49 (1890) · p. Seite 191

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
49 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 191 (sequence 3)
Language
German
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fast jede Scheibe mit _, , „ , adele Schwimmer gar, der bekannte stmtzmMnmling der »dt, that. ein» drüber und hing einige Tausender-Banknoten zum Fenster hinan», als wenn er wgen wollte: .Da» sind meine ,R öselech!" Da» arme Schneiderst!», der Vater 'de» schwarzen Ahrele, verfügte natürlich nicht über solche Rvseltth wie Mendele Schimmer, und de»halb sagte er zu feinem Sohne: »Da« ganze Jahr über haben wir von Deinen Slexrrrien Summer und Aergerniß, so laß uns auch einmal S von Dir haben — geh', häng' uns etwas von^Deinen :ien hinein". Ahrele ließ es sich zweimal nicht sagen und schmückte di« niedrigen, versunkenen Fenster des kleinen Häuschen» mit den schönsten Bildchen, die er hatte. Brauche ich da zu «wähnen, daß kaum ein Einziger von der großen Menge den Röselech des schwarzen Ahrele irgend welche Aufmerksamkeit ekt, und daß sie dafür in hellen Haufen vor dem deS Mendele Schimmer sich ansammelten, wo die der in den Fenstern prangten? Aber eS fand sich bald Einer, der vor dem niedrigen Häuschen deS »eiderstins bewundernd stehen blieb und dieser war — Her verrückte Gras. Aus den Arm eines seiner Freunde gestützt, kam er wie gewöhnlich langsam und schleppenden Schrittes in di« Judengasse, wo er hier und dort einen Blick hinwarf. »Was ist das aber für eine Bildergallerie, die «eine Juden heute ausstellen!", lachte er, aber er gerieth -alsbald wieder in aufschäumenden Zorn, als er zu Mendele Schwimmer in die Fenstern hineinsah. .So pack' Dir Leine Flunkerei zusammen, Du Windbeutel!", schrie er mit heftiger Stimme ihm durchs Fenster Lgu, indem er drohend seinen dicken Stock zu ihm erhob, so daß der arme Schwimmer, zitternd wie Espenlaub, hastig Tkxine Tausender zusammenraffle und mit ihnen sofort vom : gftttffa: verschwand. Ganz anders vor dem Fenster des -armen Schnnderleins. Da blieb der Graf auf einmal wie i«nt stehe». .Aber schau' doch einmal her", rief er Begleiter zu. .Wie kommt nur der Jude zu solchen en? Bei Gott, di« zeigen Talent, ausgesprochene- Talent, ÄllerdingS noch unreif, aber große natürliche Begabung! Mwnzdonnerwetter noch einmal! Was für ein Rosenstrauch, 'anb jener rauchende Berg! Da wette ich, in dem, der daS Demalt, steckt eine Sünststrseest — muß doch einmal nach- ^f«en!" Und dabei bückte er seine stolze Gestalt und ttat .mu seinem Begleiter durch da» niedrige Thor zu dem "Sch»eid«lein in die Wohnung. Bei seinem Anblick gerieth Hie Keine Welt, die sich hier tummelte, in di« größte Ber- -wirrung. Das vor Ueberraschvag über die Stirne roth enr Schueiderlein riß sich hastig das Käppchen vom und machte auf einmal zwanzig Bücklinge, so daß er ein lebendiges vaexatuaw modu» aussah. Sein Weib besessen hin und her, ohne zu wissen, wa» sie mit sich »ngen solle, und die im Zimmer anwesenden Sinder en wie die scheuen Mäuschen ein jede» in ein andere» »ein. .Lhajim, Mosche, Feiwescb oder wie Du sonst heißt", h inzwischen der Graf in sein« Wesse das Schneiderlein .sag' mir, wer Dir die Dinge dort an den Fenstern imlt hat?" . DaS Schneiderlein krähte sich verlege« am Sopfe; es : nicht, ob es vortheilhaster ist, die Wahrheit zu ge- : oder zu verleugnen — endlich brachte es zaghaft hervor: .Mein Jüngel, allergnädigster Herr Graf!" .Dein Jüngel? So laß es einmal fthen, diese- Jüngel!" Da» Schnerderlein schleppte alsbald da» sich sträubende arm Ahrele vor den Grasen hin. »Daist mein Jüngel!", stellte er ihn vor. .So sag' mir nur, Junge", sprach fetzt der Graf da» Ahrele mit derber Stimme wst gewöhnlich an, .hast da» gemalt oder nicht?" JDo» schwarze A^ele, da» geglaubt, daß ihn dafür neue trwarten, duckst sich zusammen und stammelt« mit :a* ’DoXHt es ja wirst oder nicht, da» habe ichDNH nutzt gefragt — vor allem will ich wissen, ob Du da» gemalt hast .Ja, ich", stöhnte das rcumüthige Ahrele, .ab« ich werde schon nicht mehr!" .Gerade umgekehrt", wendete der Graf, der sich jetzt Mühe gab, einen milden Ton anzuschlagen, ein, indem « dem schwarzen Ahrele begütigend die Wange strich, .jcht wirst Du es erst recht — aber sage mir, wie kommst Du nur daraus, das zu malen?" .Wie soll ich dazu kommen?" ftagte Ahrele zurüch durch die Zutraulichkeit des Grafe» mehr Muth fassend. .Ich und male nach!" .Schon recht, mein Junge! Aber wer hat diesen Sinn in Dir geweckt? Bon wem was hast Du da» gelernt?" .Bon wem soll ich denn lernen? Ich habe ja selber Augen?" .Der hat selb« Angen," lächcltt der Graf ftinem Begleiter zu, .als ob Augen allein genügen, so wa» malen zu können, aber sag' mir." fuhr er dann zu Ahrele fort, .w« hat Dich dazu bestimmt, diese Dinge zu malen?" .Weiß ich?" erwiederte Ahrele. .Ab« ich habe imm« eine große Freude daran, den Himmel zu sehen, die Bäume und Alles, was schön in der Welt ist, daß ich mir sage: Ei, das will ich auf Papier nachschaffen!" .Rachschaffen!" wied«holte der Graf, .dasst da» rechte Wort, mein Junge! Aber sage mir, wie hast Du e» beispielsweise gewußt, dort bei jen« halb geöffneten Snospe ihr mit solchen feinen Abstufungen Schatten zu geben, um die einzelnen sich erschließenden Blättchen zu markiren?" DaS schwarze Ahrele sah den Grafen während « zu ihn sprach, ganz verwundert an, ohne nur ein einzige» Wort zu verstehen; endlich erwiederte er: .Ich verstehe Sie nicht, was sägen sie .Schatten"? Ich habe keine Schatten. Wieso kann man Schatten gebe»? Ich verstehe Sie nicht!" .Da» sehe ich, daß Du mich nicht verstehst, ab.r stehst Du, daß da nennt man in der Malerei Schatten und dadurch werden in dem Bilde, da» ja nur auf einem flache« Papier gemalt wird, Senkungen und Hebungen erzeugt, so daß da- Auge sich in einem tiefen Raum zu verlieren glaubt. Verstehst Du mich schon jetzt?" »3d} weiß von allem gar nichts." beiheuerte Ahrele^ .ich weiß nur, daß ich hier eine Rose gemalt, und da mußtt ich so machen!" .Mutzte", betonte d« Graf zu seinem Begleit«, da» ist da» rechte Genie, es schafft oft unbewußt, wie die 9bto± selbst, auch sie plant und raisonirt nicht, sondern sie n*% Wenn zu so viel natürlich« Begabung erst Sunst und 8» wußtsein, «Aeichsam Zucht und Wahl hinzukomme« werdest — «aS würde der «st leisten könne«! Wir habe« hi« vor un» einen rohen Brillanten, d« noch den Echüff braucht!" und' zu Ahrele gewendet fügte er hinzu: .Was «einst Du dazu mein Junge, wen« man Dich malen lerne» lasse«' sollte - Wie Du jetzt uni Tinte zeichnest, da» ist «och nicht da» Rechte, Man würde Dich lehre», wie die Farbe» zu mischen, um beispielsweise den Sonnenuntergcmg zn malen, de« blauen Himmel, die Bäume wie sie in Millen Blütheu stehen od« wie sie zu verwelken anfanae». Du könuttst dann auch ganz« Landschaften, wie Du Dich ausdrückst, auf dem Pap« nackschaffen, bewaldete Ber«, rieselnde Bäche, Feld« voll goldn« Saaten, die im Wttwe leis« sich bewegen und darüb« im tiefblaue« Himmel die auffteigende Morgenröthe. Möchtest Du gern« da» Alle» lernen?" Di« Auge« de» schwarzen Ahrele füllst» sich, während d« Graf so zu ihm sprach, mit eine« wunderbare« Glanz. ,Ei! Ei! Mvchst ich da» alle» lernen!" rief « «tt rührend« Bewunderung. (Schluß folgt-

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