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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 47 (1890) · p. Seite 186

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
47 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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Lü,.de stand in der grühten Stadt ein prachtvolles Han», wouin die Juden gingen, wenn sie zam lieben Gott Vtat Uten Wir haben ja auch ein solches Haus. Wie heißt dasselbe? Richtig! Synagoge. Aber die Juden in Kanaan nannten ihr Beihaus nicht .Synagoge', sondern .Tempel". (DasWortanschreiben.) DieserTempclwarabersehrschön. Jeder freute sich, wenn er ihn sah. Von der Decke bis zum Fußboden standen große Säulen, die sahen glänzend gelb aus, denn sie waren ganz vergoldet. Tie Bänke zum Sitzen waren aus dem schönsten Holz angcfertigt Von der Decke herab hingen große Leuchter. Die Wände sahen nicht so aus, wie die hier in der Schule, nein, man hatte sie mit den theuersten Farben angestrichen. Da kamen einst Feinde, böse Menschen, in das Land Kanaan und auch nach der Stadt, wo der Tempel war. Diese bösen Menschen wußten aber noch nichts vom lieben Gott, der im Himmel wohnt. Nein! Denkt Euch nur! Sie machten sich ganz große Puppen aus einem Stück Holz oder aus Stein und davor knieten sie und beteten, denn das nannten sie ihre Götter. Sie stellten nun viele solche Bilder aus Holz oder Stein auf; aber das größte steinerne Bild ttugen sie in den Tempel und setzten es ganz vorne hin, so daß alle Juden es sehen mußten. Ein solcher Stein kann aber doch keinem helfen und man kann doch auch zu ihm nicht beten, denn er hört ja nichts. Aber die bösen Menschen verlangten das doch von den Juden. Diese wollten aber nicht hinknien vor dem Bild aus Stein, das sich nicht rühren konnte. Da wurden die Feinde sehr zornig und wollten die Juden dazu zwingen. Diese thaten es aber doch nicht. Sie sagten: .Wir bücken uns nur vor dem lieben Gott, der im Himmel wohnt, den man aber nicht sehen kann." Da stellten sich die Feinde so vor den Tempel, daß kein Jude mehr hinein gehen konnte. Die Feinde versperrten den Juden also den Weg. Diese wollten sich das aber nicht gefallen lassen. Sehr viele nahmen eine Lanze oder «inen Säbel in die Hand und wollten mit diesen bösen Menschen kämpfen. Doch das war sehr schwer für die armen Juden, denn einer mußte immer gegen zehn Feinde auf einmal sich wehren: so viele waren in das Land Kanaan gekommen. Aber die Juden waren sehr muthig; sie fürchteten Ich nicht vor den vielen Menschen. Drei Jahre mußten sie kämpfen; da hatten sie aber auch die meisten Feinde aus dem Lande Hinausgetrieben. Nun zogen alle in den Tempel, um zu dem lieben Gott zu beten und ihm zu danken. Aber wie häßlich sah es da drinnen aus! Die bösen Menschen hatten die Bänke und Tische zerbrochen; heilige Bücher, aus venen man de- Sonnabend» und an den Feiertagen vorlieft, lagen zerrissen oder beschmutzt an der Erde; ja, und die Wände waren gar mit allerlei Bildern bemalt, so wie es die ungezogenen und unsauberen Kinder machen. Als die Juden dies alles sahen, da fingen sie an zu »einen. Aber vom Weinen wird nichts beffer. Deswegen gingen sie fleißig an die Arbeit, um ihren Tempel, den sie so lieb hatten, so schön zu machen, wie er früher gewesen war. Zuerst warfen sie das -große steinerne Bild hinaus, vor welchem sie hinkniren sollten/ Dann machten sie die Bänke in Ordnung; die Wände wurden frisch gesttichen; auch die großen Leuchter wurden gerade gebogen. Zuletzt wurde der Tempel noch gewaschen, sodaß er wieder ganz rein war. Endlich war alles fertig. Schön sah jetzt wieder der Tempel aus, so schön, als ob er ganz neu wäre. Wenn »an aber ein neues HauS bauet, so freuet man sich sehr, wenn es endlich fertig geworden ist. Und vor Freude wird dann ein großes Fest gefeiert, das nennt man daS Einweihungsfest. Wißt Ihr noch, wie in unsrer Stadt da» Kranumbaus gebaut wurde? Und als es fertig war, da hielten die Leutt auch ein Einweihung-fest. Weck nun der Tempel so schön und rein war wie mu, so freuten sich die Juden auch sehr und machten darum ein EiuwechnngS» oder ei« Weihefest. Aber «qt nur «wen Tag wollten sie sich freuen, nein, sie hielten acht Tage da» Wei bowlt. St, mp ■ jjSi.-- es auch .LHanukiihfest". ' Das bedeutet aver ganz dasselbe^ wie Weihefest, es ist n»r der jüdische Raine dafür. Aber ich muß Euch doch noch etwavon diesem Feste erzählen und warum sie gerade acht Tage da- Fest feierte«. Als man nämlich den Tempel reinigte, da fand mau in einer Ecke ganz versteckt, ein kleines Krüglein Oel. Das hatten die bösen Menschen nicht gesunden und es deshalb auch nicht verunreinigt. Die Juden freuten sich sehr über das bischen Oel, weil doch wenigsten» etwasauber geblieben war Und sie nahmen es deshalb und zündeten am erste« Tage des WeihefesteS eine Lampe damit an. Sie glaubte«, es werde nun nichts mehr in dem Krüglein sein, denn es war ja nur klein. Aber sie hatten sich doch geirrt; am andern Tage — so wird uns erzählt — konnten sie wieder damit eine Lampe anzünden und am nächsten Tage auch wieder. So ging es weiter acht Tage lang. Darum zünden auch wir acht Tage lang de« Abend- Lichte an und zwar immer an jedem Abend einmehr. Jen» Juden, die zuerst das Weihefest veranstalteten, bestimmte« nämlich, daß man es in jedem Jahre, so lange die Welt steht, acht Tage lang feiern solle. Da» thun wir auch. Aber das Weihefest ist doch nicht ein ganz so wichtiges und heiliges Fest wie die anderen. Man darf an demselbe« schreiben, rechnen, überhaupt alles arbeiten. Darum habe«' wir auch Schule. Aber freuen dürfen wir uns sehr an diesem Feste, und unsere größte Freude soll eS sein, wenn wir in diesen Tagen noch mehr lernen als sonst. «me «usstsche «eschichte.*) In seiner ärmlichen Werkstätte auf der Moskauer Vorstad zu Riga sitzt der Schachtrlmacher Leb David Paß. Fleißig muß er sein, um Brod für sich und die zahlreiche Familie zu erkämpfen. Es sind jetzt gar so schlechte Zeit««! Und diese Konkurrenz! Und der Neid und Haß auf Schritt und Tritt! . . . Düster starrt er vor sich bin und Thräne» fallen auf dakleine, schwarzlckckige Mädel, das zu sei««» Füßen kniend anfangs heftig schluchzt und dann immer leiser und leiser flüstert: »Ich Hab' Hunger, Vater, ich Hab' Hunger . . Ach, seit vielen, viele« Wochen hat da» arme Kind knapp trockenes Brod zu essen bekommen. Da plötzlich wird die Thür aufgerisien und herein tritt! — der Polüeimeister Wlafsowsty, begleitet von eine« halbe» I Dutzend Kosaken. Das Kind springt schreiend auf und eilt l in di« Nebenkammer zur Mutter, die bleich und erschrocken hinaustritt. Leb David aber behält seine Ruhe. Er rin gutes Gewisse». WlassowSky schielt den Juden an: Woher bist Du? AuS Schauten, im Gouvernement Kowna, Herr Obrist. Weißt Du nicht, daß Juden nur in Städten »oh» dürfen, wo sie geboren sind? Was treibst Du in Riga? Ich bin Meister, Echachtelmacher. und als solcher darf ich in ganz Rußland wohnen. Daß Du Dein Handwerk verstehst, mußt Du erst bcweise».' Der Polizeimeistrr befiehlt «ine« Soldaten, zwei Sachverständig« zu holen. Al» diese erschienen sind, sagt er z» Leb David: Mach« sechs Schachteln, ganz kleine, für Spathel zwecke, in ovaler Form. Alle müsien genau ineinander passe». Leb David sieht den Polizeimeister ruhig an: Gut, Herr Obrist! Er ergreift Scheere, Zirkel, Messer und Bleistift, und will sich an die Arbefl machen. Aber Wlafsow-tzni ihm Scheere und Zirkel weg und beläßt ihm nur M und Bleistift und' sagt mit sanfter Stimm«: So wäre ja kein Kunststück. *) Unter der Ueberschrtst »Heldenthaten einet russische» meistert" veröseutlicht Beruherd Seen» tu der ^ttlu. Htg." t» de» NuMjtruutamaßmchmeu der Reaieruua tu de» ' ' ■hWiwini lul Mivktl IMfeni echr M* »Mgc tki mt Geschichte mit ' “ “ 3

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