Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 46 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Lar-chaft. Er überzeugte sich tiglich van der Sch«« meiner Sparbüchse, wog sie m der Hand ab, wie etwa eine Hautfran einen wohlgemästeten »paun, von dem sie sich überzeugen will, ob er schon reif zum abschlachten sei. Und weil er da« einzige fühlende Herz war, der für meine Leidenschaft so viel Berständniß zeigte, ließ ich ihn oft eine« Einblick thun in die innersten Tiefen meiner Sparbüchse, ja, er war der Einzige, der da« Behältniß kannte, wo ich meinen Schatz ausbewahrte. In seiner Gegenwart hielt ich oft Musterung über mein kupferne« und silberne« Heer, da« ich zn meinem Ergötzen in Truppen vor mir aufmarschiren ließ. Da vostirten ganz unten in Reihe und Glied sich die Gemeinen, die Kreuzer; ihnen voran die niedrigen Schargen: die Bstrrr, darauf die Haichtleute: die Silbersechser, ihnen voran präsentirte sich in einer langen Kolonne der Generalstab: die blanken Silbergulden, und an der Spitze der oberste Kriegsherr: ein goldcmer Dukaten. Bei solchen Aufstellungen war mir immer mein Freund, der rothe Bernhard, hülfreich bei der Hand. Hätte mich damals jemand gefragt. zu welchem Zwecke ich dieses Geld sammele? Ich »oürde ihn wie einen Berrückten angesehen haben — zu welche« Zwecke? Um zu sammeln und nur fort zu sammeln, damit die Kupftrkreuzer zu Silbersecbsern, die Silbersechser zu Gulden, die Gulden zu Fünfern uno die Fünfer zu Zehnern werden. Wa« gewährt da größer« Lust, al« da« Wachsen zu sehen und da« sich Wandeln der kleinsten Scheidemünze bi» hoch hinauf zum blitzenden Golddukaten? Bon dieser Berblendung jedoch sollte ich bald geheilt werden. Al« ich eine- Tage« Nachmittag etwa« später nach Hanse kam und wie gewöhnlich de» Ort, der meinen Schatz barg, besuchte, gewahrte ich zu meinem Entsetzen eine gähnende Lücke — die Sparbüchse war verschwunden. Mir wurde <« schwindlig. Ich faßte mich beim Kopfe, al« wollte mir dieser davoufliegen. .Meine Sparbüchse", schrie ich wie einer, der zu Tode getroffen ist, .Gott, meine Sparbüchse!" Alle, di« im Zimmer waren, versammelten sich um mich her. .Um Gotteswillen", heulte ich, »meine Sparbüchse, wo ' ist meine Sparbüchse?" Alle sahen mich verblüfft an, Niemand wußte mir zu antworten. .Wer ist hier im Zimmer gewesen?" fuhr ich fort mit verzweifelter Stimme. »Niemand", erwiderte unser alter Hausknecht, dem mau sonst Alle« im Hause überließ, .höchsten« Dein Soll««, der rothe Bernhard, der dort im Winkel herumaekramt hatte". .Im Winkel — da« war just da« Behältniß, w» ich «eilten Schatz verborgen hielt. Sicher er, nur er hat ihn mir entwendet. Wußte ja Niemand außer ihm, wo ich meine Sparbüchse hielt!" Wie ein Wahnsinniger stürzte ich ohne Hut und Oberkleid au« 'dem Hause zu meinem Kollegen hin. . . Dort an der Thü« blieb ich wie versteinert stehen. — Da lagen alle meine Mittel in Zwecke gewandelt. Alle-, wovon der Bater zu mir gesprochen, al« er mir die Büchse gegeben, lag dort inarauscuner Wirklichkeft und gehörte einem Anderen. Mein rother Freund nämlich, saß über «inen Haufen Kirschen und mitten unter diesen lagen zerstreut herum spiegrlnagelneue, wie eS mir schien, frisch au« der Handlung gekommene Sächelchen: ei« Taschenmesser mit Perlmutter belegt, ein zierliche« Geldtäschchen» ein Etfenbeinfederhalter, eine kleine Bioliue und »och viel« andere Dingelchen. Mir fiel'« aus einmal wie ein Stnar von den Auge« — da« sollte ja Alle« mir gehöre». .Mein!" platzte ich herauf zum Tffche«hinstürzend, „mein, das ist Alle« »eia!' Mein Freund biß gemüthlich in eine Kirsche hinein, und, indem er den Kern au« de» Mund« mir in« Gesicht s -’S schnellte, fragte er mit empörender GemüthSruhe, wie wen» er-mich tticht verstanden hätte: j „©o* sagst Du?" 7 »Alle« da« ist mein,-mein und nochmal« mein!* schrie : " ich wie verwundet, während ich mst den Auge» die Dinge verschlang. Neuerding« biß mein Freund in mehrere Kirsch« auf einmal hinein, daß der köstliche Saft chm au« de» Munde quoll, und fragt« mit höhnischem GesichtSaurdrncke abermal«: . - .Da« sagst Du?" : .Wa» ich sage?" fuhr ich fort, mich erst jetzt besinnen^ ' daß ich chm noch nicht da» Rechte gesagt habe, .ich sage, daß V Du meine Geldbüchse, hörst Du, daß Du mein« Gewoüchse mir entwendet hast." . ■ **" „Bist Du aber eia Spaßvogel", lachte er, di« blinkende t Klinge seine« Taschenmeffer» öffnend und mit de» Nagel ■ ihre Schärfe untersuchend. £ Bi« zur Wuth gereizt, machte ich eine» Versuch; mich über den Tisch auf die Dinge zu werft». .ES wird Dir gar nicht« Helsen", schrft ich mit schäumender ■; Wuth, „Du wirst in« Kriminal kommen, Du mußt mir * Alles, Alle« wieder zurückgebea!" - Mein Freund wehrte den von mir gemachten Versuch " mit einer schallenden Orftige ab, die er mir versetzte. - ,Geh", lachte er ohne mindeste Erregung, .mach' Dich doch nicht närrisch! Au» meiner Hand bekommst Du gar ' nicht» Hera»-!* Ja, e« war ein« kräftige Hand, ich füPst sie auf meiner ' .j brennenden Wange, auf welcher sie sich mst allen fünf Finger» abzeichnete. Diese Hand brachte mich auch zur Ueberzeugung, daß ich au» dieser gar nichtherausbekommen werde, höchste«« noch einige frische Maulschellen. ... Wie ein angeschosseneS Wild stürzte ich nach Hcurft wieder zurück. .-•'4 Den ganzen Tag tobft e» in mir fort, und merkwürdig,; nicht ein einzige» Mal kam mir die Geldbüchse in de« Sin», nur immer die viele« schönen Dinge, die jetzt mir gehöre» - * würden; ja, al» ich bei Rächt nach.langem Herumwälze» in den Schlaf versank, zeigte mir der -Traum eine Smhe ■; stattlicher Bücher, mit Goldschnitt und goldenen Aufschriften» tm schöne« Tintengestell und einen Schreibtisch; vor dem •„* ich wie «in großer Herr mst der Feder hinter de» Ohre dasaß. . . . Ich träumte auch später bei Tage davon fort, oha« an die Mittel weittr denken zu wollen, dft mst soviel fieberhafte A Aufregung verursachten. Heust noch, in meine« reise re» ManneSalter träume «h fort und fort von tausend gMKdmvJ und schönen Lebenszielen, die mir leider jedoch, weil ich frfe' % damals nicht mehr an dst zn ihrer Erreichung nöthWn^l Mittel bedacht war, eben nur Träume geblieben find; aat Schemen und Luftgestalstn. ■ Biel schlechter aber al« mir, dem ei» Zufall.-feg leidenschaftliche» Hang zum Sammeln schon in der Lindheit im Knme erstickt hat, erging e» «einem Freund, dessen HctUst zum Stehlen in der Kindheit mcht unterbrochen wurde. Nicht immer aämlich wollst es ihm mst seinem Hange in seinen reiferen Jahren so gut glücken, »st in ftiuer Jugend und so kam rS, daß er iu seinem spätere» Alter für »stderholten Eiabruchrdstbstahl zu zehn Jahren schweren ~ verurtheilt ward«. -S 3ä 9m »imtUm HWl*. ° Nach demLalmuL. van NaptaUHet» Jmier.") Der berühmtt Afrikaforscher; Amerika'« großer Herr Stanley, hat der Eioiltsatto» «m.Thor geöffnet, welche« wst ein« Blick in dstsia dunklen Loatineat ") toi km Stand.", übers, van L. Sah».