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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 45 (1890) · p. Seite 174

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
45 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
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„Wann?" „An denz Sederabeod — nicht?" „3it schon t«$t, Junge!" .Und darum", führte ich au«, „hat un« Elia Nowi das Brüderchen gebracht!" „Nun, meinetwegen", suchte der Bater abzutreche«. Aber ich war so recht im Zuge. .Und bald bekommen wir noch ein Brüderchen", jauchzte ich. .Bald" — befremdete sich der Bater, .wies» bald?" .Weil e» ja bald wieder zu-i Peffach geht", erklärte ich, .und da schenkst Du dem guten Eli Nowi nochmal« einen Becher ein, wofür er un« noch ein Brüderchen herbringt!" Die alte Jüdin kicherte in sich hinein, während der Bater sich verlegen hin- und herwandte. Der gute Bater hätte wohl nicht so bald sich au« dem Knäuel meiner Fraaen. der immer wirrer wurde, heraus» «wunden, wenn nicht ein Ansturm von neuen, wichtigen Dingen ihn davon befreit hätte. Borerst galt e«, un seien Schatz gehörig zu verwahren, nicht etwa vor räuberischen Menschenhänden, deiln so viel ich jetzt au« Erfahrung weiß, vergreisen sich diese sehr selten an solchen Schätzen — aber der Vage »ach aiebt e« ein« Sorte von Hexen, die drauf versesi-n sind, solche frische, spirgelreine Seelchen für die Hölle zu kappern. Bor solchen heißt e» sich scharf in Acht zu nehmen, denn sie schlüpfen durch da« Schlüsselloch hinein. Die bewährtest« Waffe gegen sie ist — da« Gebetbuch Ein solche« schob man avch der Mutter unter da«-Kopfkissen, während sie selbst mit der zärtlichsten Aengstlichkeit über ihren Schatz wachte, rüdem sie keine Sekunde den Blick von ihm wegwendete. Bald darauf stellte sich auch der Gynagogendiener« der schwarze Leiser, ein — ein kleine«, rüstige« Männlein, da« eine schnarrende und knarrend« Stimme halt«, wie die einer verdorbenen Schwarzwalduhr. „Maselto«, Red Abele, Maseltow!" schnarrte da« Männelein, kaum, daß es die Schwell« übertrat. Diesen Glückwunsch belohnte ihm sofort der Bater mit einem Gläschen seinen Branntwein«, bei dessen Anblick seine kleine» Mauseäugtein gar lustig zu blinzeln anfingen. Doch bevor er da« Schnäp«che» in dem offenen Mund verschwinden ließ, hatte er eine kleine Arbeit z» verrichte«, aämluh «ach dem üblichen Segensspruch« sich einige Mal mü dem Ellenbogen über die Ras« her. und hiuzusiedeln, di« dabei einige kräftig« Schlürflante vernrhmen ließ. Darauf machte er «inen Zug, und unterbrach sich, um de« Bater di« Hand entgegruzusttecken mit dem Sprüchlein: „Lcteoro, l’chnppe alniMMim towim’)!" Hurtig ging darauf da« Männlein zu seiner Arbeit über. Au« einer Scitrntasche zog er mehrere gedruckte Briefchen hervor, uud fing an, diesckbe» mit Hammer und Raget auf allen Wänden auzuschlagen. Solch« Brieschen, haben für die He«n dieselbe Wirkung, wie etwa Arsenik für dt« Ratte«, denn sie enthalten für sie gar giftige Drohungen wie beispielsweise: (Hu Her« lag nicht lebe» «ich» >1» lebe» eine He,«, iktn« Hexe lew» taff« — nicht. Sehen sich die Hexen von solchen Drohungen von alle« Seiten steckbriestich verfolgt, dann lausen.sie wie di« vergifteten Ratten auseinander. Da« war «ineReihe von acht lustigen Tage»! In der kleinen Welt de« Eheder bildet« ich heute den Mittelpunkt der GesÄschaft. Wie Fliege» um de» Milchtropfeu schaarte» sich meine kleine Lollege» um mich her. Ich hatte aber auch gar schöne Dinge zu erzählen: »Wie un« Llia Nowi da« Brüderchen ig« Han« gebracht, und wie et a»»sicht, so klein und herzig". Mein« Aotlegru konnte» sich nicht satt •) D«b Sie ih» erziehe« zur Xra, zur -he «ub zu «In edle» fitifn. hören, klebrigen» wußten sie. daß auch für sie daraus etwa« Gute« herauSblickt, nämlich da« „Lrischinaleinen.—) - Inzwischen ist es bei un« zu Hanse immer reger geworden. All« Armen der Stadt ftrömtrn schaarenweise zu un«, die der Bater reich beschenkte. Mein Bater wollte heute uur glücklich« Menschen um sich sehen, wie er es selber war. Das war aber auch eine wahre Herzenslust, mein Brüderchen sich anzusrhen, wie e« mit den Aermchen rudert« und gar rebellisch mit den Beinchen »m sich stieß, wenn man e« iu die Wickelbänder eineugen wollt«. — Es kämpfte nach Leibe-krästeu nm sein« Jrechcil. In dem darauf folgenden Freitagabend war Licht und Lust in unserem Hause. Rach uralter Sitte feierte man den „Scholem-Socher"'). Der Sunagogendiener war schon einige Tage früher eifrrg aus den Beinen, um alle Freunde und Bekannte de« Bater» zu un« einzuladen. Mit dem Anbruche der Nacht füllte sich unsere festlich geschmückt« Wohnung mit gar vielen Gemeiudemitgliedern. Rach altem Branche bewirthete man di« Gäste mlt gesottenen Erbsen, die, rund und kuglig, die Mrnschengeschicke versinnliche». Da aber die irdischen Geschicke, und wären sie auch nur in sinnlicher Darstellung, nicht immer leicht zu verdaue» sind, so sorgte der Bater dafür, daß sie mit recht viel Wem und und Meth heruntergeschwemmt werden. Da« ging lustig zu. Man sang und trank und der schwarze Leiser hatte gar oft Gelegenheit, sich mit' dem Ellenbogen über die Nase'' zu fiedeln, denn es galt jedesmal einem andern Schlückchen. Da« gute, neidlos« Männlein gönnte »n« von Herzen den Schatz, den un« Gott in« Hau« geschickt, noch mehr als sich selber, dessen kleine« Dachstübchen bereit« sieben solche Schatze in sich barg. Am siebenten Tage wollte et mit dem Backen, Schmoren und Braten bei uns gar kein Ende mehr nehmen. Auf dem Herde flackerte ein lustige« Feuer und ,m Zimmer wareu einige weibliche Familienmitglieder eifrig damit be< fchästigt, die Honig- und Zuckerkuchen in große» Stücken zu zerschneiden und zahllose Papierpäckchen mit Rosinen und Mandeln zu füllen. Diese Borbereitungen galten mir und meinen Lollegeu. Heute sollte da« „Krischmaleinen" stattfinden. Gegen Abcnd bewegten sich di« Straße hinunter 80 Linder, in Reihe und Glied, je zu drei, angeführt vom Lehrer, direkt zu un» in« Han« Wie Poltergeister stürmten wir zur Mutter in« Zimmer, und al« wir all« an« vollen Hälsen, einer de« andern überschrriend, da« Schemagebet zusammen donnerten, gcrieth beinahe da« ganze Hau« t»'« Wanken uud alle, die im Zimmer waren, mußten sich die Ohren zustopfen, «m nicht taub zu werden. Unsere wackere Kehlenarbeit wurde auch reichlich belohnt. Mann an Mann reihet« man »»« um de« Tisch und ieder von »n« erhielt nebst einem süßen Schlückchen ein große« Stück Honigkuchen und ein Päckchen Rosinen und Mandeln. Dieser Ecrrmonie trat bald «ieder ein« andere auf die Fers« — die Einweihung der Wiege. Heute sollt« unser Schatz da« erst« Mal in die Wiege kommen. Unter Assistenz aller Familienmitglieder fand dieser wichtige Akt statt., Die altt Jüdin waltete dabei ihre« Amte« mit der Würde eine« Hohepriester«. Borerst verrichtete sie mit feierlicher Miene n» fromme« Gebet, wobei sie stellenweise Rosinen und Mandeln in di« Wiege streute» al« Borbedeutnng, daß de« Kinde da« Leben immer süßer werde, dann reichte sie unser».. Schatz nntrr die Anwesenden herum, welche Auszeichnung ihr jeder Einzelne mit Geld bezahlen mußte. Mein Brüderchen war überhaupt die ganze Zeit ihr auSschließlicheö Monvpol. Ieder Rengieinge, der es sehen wollt«, mußtt ihr dafür eine gewiß« Gebühr entrichten. Da nun aber unter den Rengierige« «ein gutrr Bat« z» den Neugierigsten gehöot», -fo steigerte sie eigen« für iP, jedesmal de» Tarif: Für haö-z Da» Lese» dt« ^Swmag^iu«". ... *) Pa» 8coUtMttien«fett-MI mrtKmwk

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