Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 45 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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^: AüdisSrs 18M. Hnausgegeben von vr.M. Rahmer in Magdeburg. & Iw Vatttbalftti nl Urlrktiti fir bif wrirlittfAr fnülir * * Inhalt Z«?>tnhtltL»s ni Ktlrhrng fir die muMftt jnülir Da» Gebetbuch. Silhouetten von Rathaa Tam uely. QI. Sine Million Dukaten. — Da» vegrSbnih «. F. Peixotto'«. * 4. November, dem Andenken «eines «ater«. Dr. «tnSberg, geweiht. — RLthjel-Aufgaben. — RLthsel-Auflösungen. * (llakcfKItrr «achvrnck ui Hcfr« vlattr Ist utrrfi|'.) Am Bilder an* mei«e« TeKetbwch. Bon Nathan Eamuely. IU. Ejn« Million Dukaten. Eine Million Dukaten, da» ist wohl ein leckere», begehrenswerthe» Sümmchen, lieber Leser, und Du dürstest nicht wenig erstaunen, wenn Du von mir jetzt erfahren wirst, daß «eine Person in Geld umgesetzt, nicht weniger als diese Summe vorstellt, kein beschnittene» Dutatchen weniger. Da» kann ich Dir schwarz auf weiß in meinem Gebetbuch« zeigen, versehen mit allen nur möglichen Urkunden, mit «einem Namen, Geburtstag und Jahreszahl, ja, auch der Name des Manne», der diese Schätzung voraenommen hat und iu» Gebetbuch eingetragen, fehlt nicht dabei. Dieser Taxator ist mir aoer auch Bürge dafür, daß jene Schätzung ehrlich und gewissenhaft war, denn sie wurde von einem Manu« vorgeoommeu. der für mich der heiligst« auf Erden ist, der uie gegen sei» Gewissen und sein« Ueberzrngung . etwas ausgesprochen und dem nie ein Wort der Lüge und der Unwahrheit über die Lippen kam, nämlich meinem lieben, 'cheuren, «»vergeßlichen Vater. Was sich gegen diese Schätzung höchstens einwenden ' ließe, wäre das Emsige, daß sie noch zu einer Zeit vorgenommen wurde, als ich frisch vom Gchmelztiegei hervorging, »ud es ja nicht unmöglich ist, daß ich im Verlaust ' der Zeit vieles von «eine« Goldgehalte «ingebüßt habe. llebrigens will ich es auch nicht verhehlen, daß ich durchaus nicht der Einzige bi», der mit «iner so hohe» Su»me vom Vater taxirt wurde, denn wir sind fünf Geschwister, in den Augen des Vaters alle gleichwerthig, und unsere Gesammtsumme, wir es «ein Gebetbuch, die eigentlich« Urkunde, aufweist, rin« nicht geringe« Zifstr giebt, als — fünf Millionen Dukaten. I« Grund« aber genommen ist diese Schätzungsangab« nur so eine Redeweise, denn wenn man «einem Vater die Kelt «itsammt allen ihre» Schätzen für ein einziges Sind angedote» hätte — wahrhaftig, der Preis wäre ihm viel z« gering. Und wäre er wieder im Besitz« der Welt und aller ihrer Schätz«, und es hätte sich darum gehandelt, mtt diese» eines seiner Kinder vom Lode loszurausen — er keinen Augenblick überlegt «ad dies «itsammt seine« zdlntr für sei» Kind als Lssegeld hiugegeben. Man «einen Vater mit de« reinen goldenen Herma nur geknuat haben, um diest Lhatsache keinen Augenblick in Zweistl »« ziehen. Noch hatte steht das Bild mir lebendig vor Lugen, -da» sich bei uns aospielt«, als der liebe Gott n»s so ein Dnkotemnilliönche» einst in« Han» schickt«. Ich zählt« damals «och keine sechs Jahre. Zwei Tag« früh«- strich der Vater wie '«in Schellten t« Zimmer her»«, leist auftrrtrud, mit % Odem, damit er stk »tcht das leiseste Geräusch Jede» Augenblick lauschte "er a» der Thür«, i Gemach führte, Im welche» di« Mutter sich «tt noch einer alten Jüdin befand, die schon seit Wochen früher sich bei uns heimisch machte. Zeitweilig vermochte er nicht seine Ungeduld zu bezähmen und trat leist ein. kehrte aber bald, von der Jüdin bei der Thür« strenge zurückgewiesta, wieder zurück, wo möglich noch verwirrter und ungeduldiger. — Er style sich, sprang wieder auf, lief einige Male da» Zimmer ab, trommelte an der Fensterscheibe, schob sich da» Käppchen in den Hinterkopf hinauf und stand dann wieder mit dem Ohre lauschend am Schlüsselloch«. So ging eS eine Zeit lang ab und zu, al» sich plötzlich die Thüre öffnete und die alte Jüdin den Kopf durch di^elbe hineiustrckte mit dem Freudenrust: .Maseltow, ein Jünger!“*) Was war da» für ein Jauchzer, den der Vater in diesem Augenblick von sich gab! Beinah« glaubte ich, er.sei närrisch geworden, denn er machte einen solchen Luftspruag, daß er mtt dem Käppchen schirr die Zimmerdecke berührte. Darauf llog er zur Mutter, bei der er e» noch närrischer getrieben tu haben schien, denn die alte Jüdin, die danml» souverän xi uns im Haust war, zankre ihn derb aus und drohte ihm «infach fortan den Eintritt zu verwehren, fall» er e» weiter ',o treiben würde. Er mußte ihr feierlich versprechen, sich von an ruhig zu verhalten. Mit dem Verspreche» jedoch war es chm diesmal nicht sehr ernst, denn er kam bald zu mir hinemgeraant, hob muh wie ein Wirbelwind zu sich empor und küßte mich stürmisch ab. »Junge!- rief er mir freudig zu, »willst Du Dir Dein Brüderlein auseheu?" Jch war ganz außer Athen». — Ein Brüderlein, wohat sich denn das hergruommen? Aber schon bestod ich mich in de» Anne« des Vaters vor dem Bette der Mutter — und sieh«! Da rührte sich ja auch in der That etwas wie «in Seschöpfchen» lieb und herzig, ein kleines Pröbchen Menschheit, das wie ein Hühnchen piepste und »tt dem sich bewegenden Mündchea wie nach etwas hernmsuchte. .Siehst, das ist Dein Brüderchen!" jauchzte der Vater. »Und wer hat es uns gebracht, das Brüderchen?" stagte ich. .Äia Nowi') hat es uns gebracht!- .Elia Rowi! — und warum hat er es uns gebracht?" ließ ich nicht ab. Dem Pater finge» an «eine. Fragen z« belästigen. .Run-, suchte er abzubrechen, .well er «ns lieb hat." Ich legte bat Finger saugend an den Mund, was ich im«er that. wenn «h «ms «men gute« Einfall kommen wollte — und richtig kam mir eine köstliche Idee in den «vps. »Ich Habs!" rief ich mtt trinmphirrnder Stimme. »Jetzt weiß ich, w«rn» er es uns gebracht hat!" »Warn«? So red', kleiner Pjglosophl- ,Well D» th» den großen «cher eingeschenkt hast l" *) •ntsUn, tfat KnLblrt»! *) »er Pmtztzn KM.