Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 42 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/6492351-8723730-5959604--1487-5374207- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
r ^Gehör |« «langch» «nk er schilderte de» Aümng, der aus da» j«»ge- Mädchen ansgeübt w»tdr, so treu und lebendig, daß ihm gleich der Obercmnmifiar znr Berhmderuag der Hochzeit uu fBerfflautt« gestellt winde. Mit diese« fahr « «m im schnellste» Salopp «ach de« Hause Pefse'S. Lthemlo« stürzt« Alexander nach de« Saal i« erste« Stockwerk, wo »an ei« wirre«, dampfe« Murmeln und da» Springen eine« Glast« vernäh»». »Oeffnen im Name» de« Gesetzes!" fchrje er »Uld »it einer furchtbaren Anstrengung sprengte er d« Thür. »Ich lomme im Namen de« Ses«rs den Tranungsekt zu ver» bieten!" rief der Obcrcommifsariu« Frau Pesse entgegen. Nasch erwiedertr diese: „Nach alle» Gesetzen unsere« mosaischen Glaube»« hat bereit« der Dialastker Rebbe in Gegenwart dieser Zeugen den Trauungsalt vollzog«: was die rechtliche Kraft betnffr, wird der Herr Anwalt H. hier dieselbe gern verantworten." „Dann sind wir wohl zu spät gekommen", «einte der Somniissarin« zu dep» todtbleich dastehenden Alexander. .„Ra freilich", lachte frech Laib auf und hielt seine Hand dem Obercommifsatius entgegm, „das köouen Sie a» de« schweren Traunngsring sehen, den meine Fra» Lea mir a» de» Finger steckte, „nicht wahr Lea?>" Alle blickten nach der Seite hin, wo Leonore in einem Fauteuill schluchzend saß. „Du, Du, Leonorr, hast Du das selbst uud freiwillig getha»?" frug Alexand« in schrecklicher Aufrrgung au sie heraatretend, „so antworte doch." WgSk»", rief Pesse besrPaisch. Ohne aufzublicken hauchte das Mädche« das Echo .La" «ach. Alexander mußt« sich an der Lehne halten, vm nicht;ßK muzustümen. Der Diatosikrr Rebbe huschtr heran, um ihn mit den Worten zu trösten: -H I " „Du wärst doch nicht der richtige Siwug (Ehepart) Mit diabolischer Heiterkeit lud noch Pesse deu Eom- «iffarios und Alexander ein: „Semt Sie vielleicht «eine A .Hochzritsgäste sein »ollen, wird es mir sehr angenehm fein." 9j \ Alexander hörte Nichts »ehr. Er war fortgeeilt — -W' fort, fort; er wollte nie zu der Stätte znrücktehren. wo chm so viel Schmerz bereitet wurde und noch am selben M. W Abend reiste er nach Wien. Ein halbes Jahr später hatte Laib bereits die reich« Mitgift in unüberlegten, leichten Geschäftsoperationen unb meist auch im Kartenspiel« verloren. Das häuslich« Lebe« hat er ferner Fra» zur Hölle gemacht und da sie es länger nicht aushalten konnte, drang sie auf Scheidung, worauf Laib ohne Weiteres einging, indem er auf «ine neue Heirath„ oder richtiger auf eia« neue Mitgift, speculirtr. E» gelang ihm dies aber ebeusoweaig zum Heile für ihn, wie seiner ^zweiten Frau. Alexander wurde in Wien Leibarzt eine» Fürsten und zeichnete sich durch literarische Arbeiten and ein« praktisch« Heilmethode besonders aus, aber sein Herz war für immer gebrochen. Er hatte eine zahlreiche Patienten «Kundschaft, die er täglich von 2—1 Nachmittagempfing. An einem solch«» Nachmittag« war es, daß rin« schwarzgekleidete, dichtverschlesirtr Dame fich zur Eousmtation meldete. Alexander empfing fl« «it gewohnter Zuvorkommenheit, «ud als fl« deu Schleier zurückschlug, blieb er wie ver« steinert stehen. Er hatte Leonorr sofort erkannt, aber ihr« Züge hatten fich außerordentlich verändert. Sie stand da «it ernstem todtenblaffen Gesichte, wie rin« von schweren Leiden Tiefgebeugte, das Feuer der Augen war fast aanz «loschen, da« Gesicht trug nur noch Spure» ihr« Schönheit. Während noch Alexand« wie gebannt dastand, faßt« sie seine Hände und rief mit Thränen in den Augen: „Alexand«! kannst D« mir »«geben? Ich Hab« viU, . " " ' ieb« Dich schr viel gelitten, nun bin ich frei. Ich lieb« Dich »och «it M» erftickpHech« Liebesgluth, die Du i» botauische« Garte» i» mir «wackwü. Ich könnte nur an Drin« das wahre Glück finden; laß mich i» Dein« Nähe weilen!'• Ab« Alexand« blieb «isigkalt uud antwortete mit Bittevkit: „Ich weiß jetzt nicht« mehr von de» Empfindung«» der Liebe — Sie haben dieselben vernichtet. Ich weiß nur von Herzkamu»«» »ach d« Angabe der Auatomie und kann Ihnen, gnädige Frau, nur als Arzt dienen." Leonorr verließ tiesverwundct für all« Zeiten sei» Zimmer. Ihr Lebe» war von nun an ei« Leben voll« Leiden und Qualen. Auch dem Diolosikrr Rebbe» ist es schließlich sehr schlimm «gangen. Sein Adlatu» «zählte «inmal im Kreise d« Ehassidim die verschiedensten Hoins-Pokusstückche» vom Rebbe«. «it welch« Geldgier « die Leichtgläubigen ausbeutete und welch arges Spiel « selbst mit dem heiligen Glauben treibe. I» Wuth stürzten die ausg«rgt«n Ehassidim nach der Wohnung des Rebben und sie hätten ihn in Stücke gerissen, war « nicht durch rin« Hinterthür ihnen entschlüpfte. Al« ein Bettler waaderte er nach seinem Heimathflecken, um dort im Schooße d« Vergessenheit unter Roch und Leiden von seinen Wunderthaten auszuruhen. Go hatte beim Pesse in dem unersättliche« Egoismus, welcher in der Jagd nach Jiches seinen Ausdruck saad, Haß Unglück uud Verzweiflung gesäet, hatte rin ruhiges, arbeitsame« Geschwisteqraar au« ihrer Geburtosiätte nach einer ander« Welt gedrängt, h«zlos di« reine, zarte, blühend« Lieh« zwischen Johanna und Moritz zerstört» h«zlos das Glück chrrs KiodeS, das Glück eine« für alles Große, Edle uud Schöne begeisterten jungen MauneS vernichtet. Ja ihrer Jagd »ach Jiches trieb sie ein alemnnisches, »«derbliches Spiel mit dem heiligen Glauben, drängte sich al« Protectori« ein« Partei auf, deren Grundsätze und fanattsches Wesen sie tief i« Inn«« »«dämmte, heuchelte eine Frömmigkeit, die sie niemals besessen, b«ückt«, belog uud beutete ihre» Mann zu uuedleu Zwecken au». In der verblendeten Jagd «ach Jiches. d« von Grund aus falsch und trügerisch twn, hottt sie das ganze vermöge« ihres Mannes für die Feste d« Ehassidim, zur Unterstützung an heuchelade. wunderthätigr Rebben» schließlich vergeudet und nachdem sie durch die erste Mitgift ihr« Locht« an eine« unwürdigen Mau» dies« zu Last« uud Leichtsinn verleitet hatte, opftrtr sie ans ihre alte« Tage »och den Rest ihre« Vermögen«, um ihr, in Gram gebeugt« Tochter noch einem Erz-Ehassld zuzuführen, dessen weitläufig« Verwandter ein fanatisch« Schwärm« war. bn 'in Ehassidimkreisen wuuderthätigen Rnf batte. Dir Jagd nach Jiches, nach einem Jiches voll Lüge, Bosheit und Falschheit, da« so weit von dem wirklich« Adel des Geistes und de» Herzen», von dem Adel des reinm gläubigen Gemütbes entfernt war, wie da« verderbenbringende. abscheulichste Laster weitab ist von d« erhabene«, leuchtenden, «enscheuverbrüdernden Tugend — hatte sich auch an ihr selbstbitt«'gerächt, denn sie starbunt« verzehrende« Gewlfseusqoalr». So hatten sich jene Worte, die «tust die sterbende Mutt« Alexand«« und Moritz' an diese gerichtet, bewahrheitet: „Allen, die Euch Böse» thun, wird es schlecht ergehen, denn w« Unrecht säet» wird Unheil ernten." Allerlei für de» gsamilieutisch. Eine Episode uu» »r« ^eüe« Ludwig I., Zäntß »su Müler». Ein Israelit RamenS Ephraim stellte sich einst dem Könige vor, um chm einen sehr seltenen Stein, den « geerbt hatte, und für den « seines hoben Preise« wegen, der sich auf viele Tausend Gulden belief, keinen Säufer fand, zu verkaufen. Der Stein gefiel dem Könige, « bezahlte die »«langte Summe und der Israelit entstrnte sich ganz zufrieden. ' -