Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 42 (1890) · p. Seite 162

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
42 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6492351-8723730-5959604--1486-5374206
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

«nb Jost, die ebenfall« in «ei»«r BiblivlhS pro «ge», studirl, aber hier ist gewiß nicht die Stelle, wo wir fehl darüber dispunren sollten — und wenn wir auch verschwtxne Lasichten haben mögen, liebe« wir doch gleich an« tiefster Seele unsere Religion, für die unsere Ahne« goitten und für die wir noch leide« — lieben wir doch gleich eine reine, edle, schön« Seele, die wir glücklich machen »»ollen, für die ich »ein Leben opfern will, für die ich Alle« ja thu» will, »va» Sie al« die Mutter meiner heißgeliebten Eleonore nur »vünschen!" Alexander hatte diese Wort« mit größter Weichheit, al« wären sie von Thränen überthaut, gesprochen, aber umsomehr reizten sie die hatzerfüllt« Pesse. „In der Thai", erwiderte sie bttter, „»vir brauchen nicht mehr lange mit einander hierüber zu reden. Ich ei« kläre Ihnen offen, daß ich Sir und Ihre Familie hasse und verabscheue, daß ich Sic für einen herzlose« Menschen halte. Wie Ihr Bater, der einst rin Mädchen lieble, da« ihn vnederliebtr» da« er mit kaltem Herzen dann verlassen, so würden auch Sie handeln." „Ich habe nienal« von einer solchen Handl»ug«weift meine« Bater« gehört", bemerkte Alexander, unruhig geworden. Aber in Pefft trat jetzt die Erinnerung an« dem Schachte der Bergangeuheit lebendig hervor, sie sah ftdj al« glückliche« Mädchen an der Seite ihre« Geliebten, dem sie einst mit Entzücken lauschte, de« sie de» Drang nach Bildung verdankte, der sie lehrte, schön und edel zu Handel», »oa« sie aber, wie ihren Geliebten, schnöde verließ, um einer »«erklärlichen, seit der Jugend tief in ihr »vühlende» Leidenschaft, dem Drange nach Jiche«, zu folgen. Mit dieser Leidenschaft »var ihr auch die Lüge so geläufig geworden, daß sie dem Bater Alexander« da« zu« Borwurf macht«, »va« sie selbst verschuldete. Diese Erinuernng «eckte iri ihr eine seltsame Gluth. „Wenn Sie »och niemals davon gehört haben", sagte sie, „so vernehme» sie es denn jetzt — ja staune» Sie nur — ich sage e« Ihnen, rveil wir uns jetzt Alle«'sagen müffen, weil diese Stunde entscheidend für unser Leben ist, ja ich selbst liebte einst Ihren Bater, der Ihne» vollkommen ähnlich »var, er hatte kein Herz für »»ich". Die letzten Wort« sprach sie in sanftem Ton, -daß Alexander neuen Much faßte. „Sie nennen mch herzlo«", meint« dieser, „ich »mH Ihnen nur beweisen, daß ich r« nicht bi». So oft ein armer Jude in unsere Klinik kommt, findet er an mir und »»eineu jüdische» Glaubensgenossen Jacob und Johann eine rettende Stütze. Wir haben schon «ine große Anzahl solcher Kranken von ihren Leiden errettet und, da es meist Anne sind, für ihren »veiteren Unterhalt gesorgt. In meinen Arme» ist erst vorgestern «in Jude, bei dem ich vier schlaflos« Rächte zubrachte und christliche Kollegen ablöste, dem nicht mehr zu helfen »var, gestorben — und er segnete mich, als ich mit ihm da« letzt« .Schwa JeSroel" sprach. Ich bin nicht herzlo«, sonst »oürde ich nicht Ihr Kind liebe« und jederzeit für sie zu sterbe« bereit fein". — Ein« Thräne zeigte sich in Alexander« Augen. Er sprach so fleheatlich. Pesse stellte sich, al« wäre sie gerührt und sie faßte den Gedanken, durch eine seltsame.Verschmitztheit di« Angelegenheit zn erledigen. „Da Sie Arzt sind", »mute sie gütlich, „so steht Ihnen ja jcb«« Hau« offen — ich werde Sie sogar überall »var« empfehlen — »ud Sie können dann um so freier al« Arzt oder Hauslehrer da« Hau« «einer Tochter, natürlich nur meiner mit Herrn Laib verheiratheten Tochter, so oft besuchen, al« Sie mögen, ich »oill Ihne» dazu gerne verhelfen". Diese Worte jagten Alexander da« Blitt in'« Gesicht und er sprang rolld auf: .Nie und niemals »vird da« geschehen! Ihre Tochter kann keinem Anderen al« nur mir allein gehören, werfen Sie Ihre bösen Gedanke«, Ihre Boruriheile, Ihre Jagd »ach dem Jiche« fort, und »verde» 'S s J '•3 Sie mlr Änd 3 Mutter!" Ru» warf Pesse ihre Mark, ab: „Eher »vird der Himmel uu Erde fallen," rief sie, „ehe ich Sie »um Schwiegersohn« uchme, und »venn Sie hier tpdt zu «eme« Füßen sinken, iiichtS kann mich abhalten, daß »och diese Woche die Verlobung »einer Tochter und in zwei Monaten ihre Hochceit mit Laib stattfindet'. * „Ich werde «» verhindern!" rief Alexander mit dem Fuße ftaulpftad. O Jetzt griff Pessv zu de« letzten Mittel ihre« Plane«. Al« »oürd« sie sich vor ihm fürchten, schrie sie da« Wort ^Hilft!" Da stürzte aus dem Nebenzimmer die daselbst verborgen gehalten« riesige Gestalt de« Hausdiener» hervor und ehe sich'« Alexander versah, erhielt er mit dem Knittel», stocke «inen solchen derbe« Schlag über den Rücken, daß er laut aufüchzte. Rasch und gewandt sprang er jedoch auf de» Diener lo« und rvarf ihn zu Bode». Während diese beiden rangen, hatte sich Pesse entfernt und eilte ».ach Hause. Di« Kräfte Alexander« begannen zu sinken, al« seine Freunde, die den Lärm gehört hatten, ihm zu Hilfe eilten. Der Hausdicner wurde nun fest genommen und auf die Polizei gebracht. So endete di« Zusammenkunft beim Dialosiker Rebben und nur di« Eingewechlrn nmßten von dem Borsalle, »väheend die chasstdisch« Umgebung de« Rebben von einem Gespensterkämpft faselte. — Am andern Tage verließ da« Geschwister-, paar die Stadt und raffe über den Deren. Der Schmerz Johanna'«, der Schmerz ihre« Geliebten war grenzoüo«. aber Pefft hatte es so «vollen und energisch durchgefützrü Rach zwei Jahr?« wollte Johanna zurückfehreu, aber bei dem schauerlichen Scheitern de« großen Dampsschiffr« „Schiller" »var auch Johanna zum Opfer gefallen »ud tief im Oman ist ihr Grab. Alexander »var de» de« Gemetzel mit dem Diener arg «itgeuoaunrn «oordeu. daß er zwri Woche» da» Bett hüte» mußte, ein« Hüsteneatzündnug durchmacht« und später daran zu leiden hatte, aber Pefft hatte e« so »vollen und durchgeführt. An demftlbe» Tage Abend« umrde im Hause Pefft'« bei geschlofseurn Thüren di« Verlobung Lea'« mit Laib vorgenommen. Wieviel Lea dabei litt, wie leichtsinnig Laib di« Krlobnng behandelte — Pefft hatte dafür fei» Arüe — sie hatte e« ja einmal so »olle» und so durchgeföhrt' „Eine Verlobung ist noch kein« Hochzeit" verkündete» bie Freunde de« ganz niedergebeugten Alexander «ud rieft" die Hilft der Gerichte an. Auf den Vorfall bei« Dialosifer Rebben hindeufeud, »vobei der Hausdiener gestehe« mußtedaß ihn Pesse vorbereitet hatte, bei ihrem Hilferuf aus Alexcncher unbarmherzig lo^zuschlage», und auf die ver" .•/ schiedensfen theil« erwiesenen, «heil» in begründetem Verdacht stehenden Pressionen, di« gegen Lea von Seifen ihrer Mittler ausgeüvt wurden, um sie zu einer ihr widrige» Verlobung zu zwingen, schließlich der wichtige Umstand, daß die Braut noch minderjährig und dem Bräutigam ebenfalls da« reift Alter zum Heirathea fehle, würbe m« ^€3 Beichteten der Hochzeit im Laufe van zwei Monate» an- ,^» gesucht. Alexander und sein« Freunde wandten alle« Einflnß ™ an, um der langsamen GerichtSprocedur dft«»al entgegen-' J-j zuwirken «ad ein HeirachSvervor zn erlange«, ff ' M Ader auch Peff« legt« nicht die Hände «Üsfig'in de« Schooß, und sicherte einem bedeutenden Anwalt« ein« horrende <Sjj Summe zu, wen» er ihr die »vichtigste» erforderliche» zeittdocumente verschaffen würde. Go kam der vo» - e festgesetzte Hochzeibttag heran. Alexander »ud seine .4. »tbc waren vom frühen Morgen auf den Gerichten. Die Tg waren vo» den Bezirksgerichten in da« Lande«- jt, von diesem an di« Straf- Prokuratur, von da an .1 die Oberlaade-behörd«, von da an den Statthalter gewandert. J, Alexander hatte an diese« Tage nicht« gegessen. Stunde schien ihm eine Ewigkeit. Bloch und zerstört fang ihm erst um 8 Uhr Nachmittag» beim i V

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.