Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 42 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ii>ss. ' MV E HerauSgegeben Don Dr. H Rahmer in Magdeburg. & Au KünhiUn» mt -cütznat str Mt itnMshk fraili(. * ~ i ,i i, i i - ' i 1 - b »ach .Jiche»'. (Schluß), von Emilie Veit. — Allerlei für den FamUientisch. — Eine Episode au« de« Lebe» rs, * Di« Jagd »ach .Jiche»'. (Schluß), von Emilie Veit. — Allerlei für den FamUientisch. — Eine Episode au« ylyflll l Ludmtg I., König von Vaiern. — Da» Lesfing-Denkmal in Berlin. — «achsel-Aufgaben. «Sths ellösungr». "'' (OtMiuln Walddenck an» Mtfra vlalle (ft nnlersag» Die Jagd ««ch ,Liche»." von Emilie Veit. (Schluß.) Die beiden Gegner erschienen beim Dialosiker Rebbeo, «lcher sich sogleich zurückzog, fast gleichzeitig. Pefse war in reizender Toilette erschienen mit einem siegeSgrwissm Lächeln und einer ungezwungene» Haltuna. die ihre klassischen »elche die erbarmungslose Grausamkeit bargen, zur steu Geltung brachte». Alexander war i« ersten Augen» von ihrer Schönheit ganz geblendet. Et stellte einen vergleich mit seiner Geliebten an, — er fand dieselben Züge wieder und sei» Herz fühlte «ine außerordentliche Genugttzuung. Als Pefse ihm die Hand reichte und er dieselbe küssen wollte, schrie Pefse erschreckt aus: „Hinweg!" Alexander blickte sie groß au und sprach in sanftem Tone: „Entschuldigen Sie, geehrte Frau, wenn ich in.dem »einer Achtung mich zu sehr erkühnte. — —“ der Pefse stand entfärbt da. Auch sie stellte einen vergleich zwischen Alexander und ihrem Jugeadgeliebten an. und fand dieselbe» Züge wieder. „Hieß Ihr Bater nicht h. Albert?" frug sie bebend. L .Ja wohl, geehrte Frau", war die ruhige Antwort W. Alexanders. gS- Pefle biß die Lippen zusammen: „Ja", dachte sie, „da« ist He klangvolle Stimme seines Vater-, der auch mich liÄte, und den ich treulos verließ." Sie hatte sich schnell W' «faßt und, au ch» herautretend, sprach sie, scharf betonend: »Sie lieben meine Tochter, aber Sie werden sie niemals gif heirachen. Als Geliebte aber, dar werden sie begreifen, tont ich Ihne» «eine Tochter nicht lasse». Zwisch« uuS liegt ein« nie zu besvtigend« Scheidewand. Ich habe einen . anderen Glaube», als ©te. Meine Familie und «eia ganzer Stamm sind ftömmste Ehafsidim. Ihre Famllie, Ihr Stamm aber sind — Gottesleugner'. » »Falsch! Jrrchum!" rief Alexander aufgeregt. Doch Prffe fahr in ihrer Rede weiter: »Sie kbanen unmöglich verlangen, daß ich meine Familie, meinen Stamm, meinen Glauben und das Theuerstr, meine Tochter. Ihnen Jum Opfer bringen soll. Ich würde die Geister meiuer ihnen zur Rache erwecken, ich würde den zerschmetternden Vorwurf hören: Du wälzest de» Fluch auf ua» in da« Jenseits herüber, wir find von dem reinste« JicheSstamme und der Mann, der Dem« Tochter will, gehört z» jenen Verworfenen, die Trrife« esse», die zur Hölle verdammt sind!" Pefse hatte die letzten Worte rasch und in größter AE^fung^^etzrochen. Alexander erwieoerte ihr voll edler „Ich bin kein Gottesleugner und bi» auch kein Zweifler. Ich. bin «in Jude mit alle» Fibern meiues Herzen«, mit 'L ave» Zuckungen meiner Seele. Da« Judenchu« fochert k/ ja frümt fanatischen Glaube», wie ich den A»hä»ger» Ihrer Partei vorwersea könnte. Aber ich mißachte Niemand, der fürunfern einzigen erhabenen Gott ein Hirz hat. Sie werft» mir vor, daß ich treife esse und daß meine Familie nicht von Jichestammt. Vergessen Sie nicht, daß ich Akademiker und bald Arzt bin und daß ich ein höheres Streben habe. Ich bin das Kind meiner Umgebung und man lehrte mich nicht, jene Formen zu halten, die ich aber deshalb nicht verwerfe. Ich bin tief überzeugt, daß sich da« Judenthum iu seiner schönsten Klarheit nicht an kleinliche Formen gebunden hält, und daß unsere erhaben« Religion mit den llaren Quellen der Wissenschaft im vollendeten Einklänge steht. Mein Bater war «in gebildeter Mann und er hielt ftst an unserem Glauben. Die Bildung hat mindesten« eben so viele Rechte auf sogenannten Jiches als — wenn ich e« denn so sagen darf — jene« geheimaiß» volle, blödsinnige, und fanatische Treiben Ihrer kabbalistischen Anhänger". „Ja freilich", rief Prffe bitter auflachend,' „Sie nenne« unS blödsinnige, kabbalistische Anhänger, well Sie fern« Wissenschaft von den Lehren der Kabbala haben. Was wissen Sie von der Bibel, von den Gelieimniffen der Welwrdnuag. vom Sohar, von unserem Begründer Bal-schem-tow, was wissen Sie von Isaak Lurie, Chajim Biwl, von Jesaia Horwitz und allen de» große» Kabbalisten, die in da« tiefinnerste de« unendlichen Wesen« (La «of) gedrungen stad, die alle die Abstufungen kannten, au« denen die Welt . , hervorgiug, die HimmrlSerscheiaungen und Tramngesichter ihre Worte ^ibermeuschlicher Natur halten, die mit de« bedeutendsten Engeln, mit Geistern und den reinen Seelen der größten Männer des JudenchumS verkehrten. Sie bewachten da» Alles al« Blödsinn, weil Sie ganz unwissend darin sind." Pefse hatte mit einem von Hab und Bitterkeit gemengtem Feuer diese wirren Ansichten ihm entgegengeschleudert, als wollte sie ihn damit zerschmettern. Sie prallten ab an seinem ruhigen, überlegten Verhalten und voll Sanftmuth erwiderte er: „Ich biu zwar kein talmudisch gelehrter Mann, aber die Bibel habe ich fthr genau studitt mit den Uebersetzungen unseres unsterblichen Mendelssohn und dann auch de« geistreichen Julius Fürst. Sie bilden bi« heute di« Z«rd« meiner Bibliothek und so oft ich'eine freie Stunde habe, indet mein Geist eine treffliche Labung Kann sein, daß ch daraus andere Ansichten als Sie schöpfe, aber die Bibel ft mir jedenfalls ein Heiligthum, wie sie e« jedem Juden fein oll. Auch über die Kabbalisten habe ich sehr viel gelesen, mehr vielleicht al« Sie, gnädige Frau, annehmru, über diese phantastische Philosophie und wie weit der ThassidiSmu« die ewig leuchtenden Sterne der jüdischen Literatur iu de» Koth zog, wie weit ein Tabirol, Halewy, Jbn E«ra vom chaffidischcn Schlamm beschmutzt wurde, i» welche Sinnenverwirrung sie die großen aristrotelischea Gedanken Maimoai'S: die Poesie Ragara'S und vieler anderer herabzogen — ich habe davon gar Vieles in den Meisterwerken von Grä^