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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 41 (1890) · p. Seite 158

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
41 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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an* Fenster und Öffnete; die Rasenstücke unten i» Garten sandten ihre Düfte di« heraus zu »r; gierig sog sie die frische Morgenluft, unterunscht «it dich» Balsauchüsten, ein. Sie nahm ihr liebe« J8nd} der LftM" in die Hand und ging in den Garten. Sie schlag., ihr Buch ans. .Denn Da eine Rose schaust, sag ich li» sie grüßend waren die erste« Worte, die sie erbückte: in diesem Augenblick siet etwa« za ihren Fühen nieder; sie blickte ans woher e« komme, doch schnell senkte sie ihre Augen, der fremde Tourist ging am Garten vorbei. Al« sie zu ihren Füßen niederblickte, sah sie ein zierlich zusammengefaltene» Bne scheu auf der Erde liegen. Sie nmftte, von wem c» komme und an wen e« gerichtet sei. Sie hob e« auf; e« war ohne Aufschrift und ohne Unterschrift, e« enthielt nur die Worte: „Stag Du 9tMiete «it mit »lehn? Du foVjt an «eine« Herze» bliih'a." Jda stand eine Werl« sinnend da; sie zerknitterte da« Blättchen in ihrer Hand. In diesem Augenblick ging der Fremde wieder vorbei; unverwandt heftete er seine schönen Augen aus da« Mädchen, sie wagte nicht, ihn anznseben und schlug schamroth die Augen nieder. Al« er vorbeigrgangen war, mochte sich Jda Vorwürfe, daß sie da« Briefchen gelesen habe; sie kam sich wie eine Berbvecherin vor; sie hätte in diesem Augenblick ihren Eltern nicht unter die Augen treten kvnnen. Sie faßte den festen Entschluß, sich vor seinem Anblick und ihr Herz vor der ja d'-ch hoffnungslosen Liebe zn «ine« Christen zu wahren. D'nh—Jda hatte die Herrschaft über sich ftlbst verloren. Ar« Sonntag blieb sie ihren Entschluß treu, und sah, wft er vorbeiging und'vepgekünh im Garten nach ihr spähte, Am Montag konnte sie sich nicht «ehr beherrschen, sie ging hinab in den Garten. Ein freudiges Roth bedeckte die Wangen de« jungen Manne«, ab» er sie erblickte. Am Dienstag wagte sie schon, in da« Auge de« Touristen zu blicken, au« dem ihr heiße Liebe«blicke entgegenleuchteten, während er selbst in ihrem Auge keinen Haß zu lesen glaubte. — Jda nahm sich an diesem T<He noch fester vor, seinen Anblick zu meiden — vergeben». Am Mittwoch war sie wieder im Garten und erwftdert« sogar leise seinen Gruß. — Am Donnerstag stand sie an der Tartenwand; es war schon Abend; ein sanfte« Rauschen ging durch die Blätter der Bäu.nc, die von einem Windhauch durchschauert wurden. Neben ihr dufteten die Rosen und Veilchen; die Nachtigall jubili'.tt auf einem Baume de« Garten«, da war er zu ihr herangetreten und flüsterte ihr Worte zu, o herrliche Worte, die ilft wie süße Musik klangen; «tllenlo« hatte sie zugehört, wie er ihr flüsterte von Liebe, Glück . . .; waS sie chm entgegnen wollte, daß sie ewig getrennt sei«, durch ihre Religion, eS starb ihr aus den Lippen. — Sie fühlte nur zuletzt seinen heißen Kuß ans dem Munde brennen; dann floh sie, erschreckt und berauscht von ihren Gefühlen, in« Hau« und verschloß sich in ihrem Zimmer. Wäre Jda nicht für alles, wa« mit ihrer Liebe zusammcnhing gleichgültig und. theilnahmlos gewesen, so hätte sie bemerken müssen, daß etwa« Besondere« im Haus« vorging. Allenthalben wurde gescheuert und geputzt; das silberne ind goldene Geschirr wurde aus den Schränken hervorgeholt, neue Gardinen wurden angesteckt, ein Rühren und Regen im Häuft. ES ging in der That etwa» Besondere« vor: Es war ein neuer Brief von Herrn Ä. «»getroffen, in dem es hieß: .Ick selbst will bei der Verlobung meine» Sohmes mit Eurer Joa zug^en sein. Mein Sohn wird wohl vor mir bei Luch eintresftn, er befindet sich fett acht Tagen schon auf einer Ferienreise mit seiner Klaffe. Auf Wiedersehen am Freitag. Ä." Die Eltern hatten Jda gegenüber von der bevorstehenden Verlobung nichts verlauten lasten; erst Freitag» wurde das Mädchen früh morgen» zu ihrem Vater beschteden, wo sie erfuhr, wa« wir schon wissen. In ihre« Innern tobte und zählte cs, sie sprach kein Wort. Sie stürmte hinan« in den Garten, vielleicht konnte sie ihn erblicken, der sie so unsäglich glücklich und unglücklich gemacht hatte; jetzt, da sft ihn ver« . ueren sollte, fühlte sie erst, wie sehr sie ihn liebte mit 1 „wildem LftbeSgwhen." Er butte ihr ja in« Ohr geflüstert _i von Liebe und Glück;, sie wollte ihm Alle» sagen wa« vorgehe, er sollte ihr ruthen, wie sie au» diesem Dilemma zwischen Liebe und Pflicht herauskommen könne, oü er von ihr emen Religionswechsel verlange, . . . Die Reliuion ihrer Eltern verlassen — nein, da« würde sie nicht Ihn»; da« ewige Heil der Seele für ein vielleübt nur kurze« Glück de« Herzens. E» stürmte und wogte iu ihr. Sft wartete, harrte ' eine halbe Stunde, eine Stund«, noch länger, er kam nicht. Da ging sie hinauf in ihr Zimmer und blftb, bi« sft abeno» vom Dienstmädchen hinavgernfen wurde. Roch einmal, ehe sft hinabging kschlug sie ihr«, Heine auf und suchte Trostm den »Jungen Leiden": Ich heb' mal ete Liebche» gefixt», Do» schöne Lied ist au«, Senn t*4 Herz im Leibe zersprungen, Dan» gehen die Lieber nach Han»! Sft war gleichgültig geworden gegen Alle«. Sft ging hinunter ««Wohnzimmer, sie öffnete die Thür, der Glanz der Sabbathlichter blendete sie; sft schlug dft Augen nieder. Dft Poesie des Freitagabend kam über sie, sie fühlte sich in ihre Kinderjahre zurückversetzt, sft senkte ihr Häufst, ihre Lippen lispelten: segne mich, lieber Vater. Halb im Traum - fühlt« sie, wft der Vater seine Hände auf ihr Haupt legte u und he Worte sprach: Gott segne Dich, wft er unsere Stammmütter Sara, Rebekka, Rahel und Lea gesegnet. Dann ergriff er ihre Hand, führte sft in« anstoßende Zimmer, willenlos folgte sie, noch immer «senkten Haupte« und hörte wft der Vater sagte: „Seid glücklich, Linder!" Bei diesen Worten schreckte sie aus. »Ist e« wirklich bitterer Ernst, soll ich heute wirklich verlobt werden? Mit wem denn?" Sft wollte doch wenigsten« da« Gesicht de« verhaßte Verlobten, sehen, wenn sft ihn auch nft lieben konnte. Sft schaute ans, vor ihr stand rin Greis mft antmüthigen Züge». Der konnte ■■ e« nicht sein, da« war wohl der Vater de« Bräutigam«. Doch neben ihm steht noch eine Gestalt; wa« ist da«? — Unmöglich. — „Du?" — E« mußte wahr sein, und mit lautem Frmdenruft stürzte sie in dft Arme des — Touristen. Wie alles «komm«, war, wußte sie nicht. Der Tourist, der heimlich Geliebte, und ihr Bräutigam eine Person?! — Doch fragte schließlich der Vater de« Bräutigavw seinen .Sofft, selbst, 00 er «nn seine Braut schon ftüher gekannt hätte und dftser «wählte: .Für mich geplagten Philologen, den neugebackenen Gymnasiallehrer, und meinen Tertianern waren dft Pfingstferien gekommen. Meine Tertianer sammrin Schmetterlinge und Pflanzen; mich schickte mein Vater au», ein« Rose heimzuholen, dft Dornen habe er alle entfernt». Mich aber reizte es, dft Rose zu erwerben mit den Dornen. Ich reiste einige Tage ftüher hierher und schmachtete um die Rose, dft mir auch manchmal freudig zunickte. Und . heute", schloß er, »heute ist mir dft Roft noch die Antwort' schuldig auf meine Frage» ich wiederhol« dieselbe: «Ulst holde« Näglein mit. mit D» sollst «n meinem Herze» WfiV*"- Da lächelte ihm Jda ein selige« .Ja!" . .3 v«1 •rti Kf An jenem Freitagabend träumte Jda wieder. Sft fah.^ sich in der Synagoge ihres HeimathSorie«, neben ihr geliebte Bräutigam, und sie sprach en» freudige» »Ja!" — Und dann sah sie sich wieder an einem Freitagabend al«^Z> junge» Weibchen an der Sette des gelftbte Manne«. Dft WZ Sabbattampe erhellte fteundlich da« Gemach und sie freute . sich wieder an dem Glanz der Lichter, wft in ihren Kinder^' 4 jagten. Und als dann ihr Gatte da« .Jom »« j antttnuHte, fiel sie freudig ein und fand, daß ein geheimniß-' voller Reiz und Zauber, ein« tieft Poesie in diesen Sabbat^-. liederu liege. Auch ihre Klassiker, sah sie wftder, aber es waren neue hinzugekommen. Zwischen Heia« und

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