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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 39 (1890) · p. Seite 153

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
39 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 153 (sequence 3)
Language
German
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fr k ^Saluschu! Saluschu!" rang e» sich au» mir lo». Ich -erbebst vor meiuer etgncn Stimme. 0 . »Geh Stare", höhnst der fremd« Man«, »sie hört Dich ja nicht mehr." „Aber sie ist hier?" »Nun, freilich ist sie hier!" »Lasse« sie mich sie sehen!" flehte ich. „Meinetwegen, Kleiucr, wirst Du dich aber nicht schrecken!" Ich sah de« fremden Mann groß an. Warum sollte ich mich schrecken? Aber wie kommt e«, daß der Bater mir gesagt, sie sei im Himmel? Inzwischen zog der Fremde da» Leintuch weg, zwei große, verglaste Auge» glotzten mir entgegen — eine kreideweiße» Gesicht — schwarze Locken quollen wirr die Kissen hinunter. Ja, dawar die Saluschu, aber wie grausig entstellt. Etwa» wie ein Wind trug mich au» dem Zimmer rzurück in das Nachbarhaus. Der Bater und me Mutter waren nicht mehr da.? Den ganzen Vormittag bekam ich die Eltern nicht zu Gesichte. Unablässig wühlte e» mir in dem Kopse herum, warum hat mir der Vater gesagt. Saluschu sei in den -Himmel geflogen? Gegen Nachmittag desselben Tageholte mich der "Vater ab und trug mich eingehüllt und gut verwahrt in .»»fett Wohnung. Alle» war noch hier wie früh morgen» mit Leintüchern verhüllt. Beim Fenster brannte eine Nein« Oellampe. Mitten im Zimmer sah e» au», wie wenn man soeben Wasser auSgegoffen hätte. Ich wußte nicht warum, aber ich könnte nicht diese Stelle ohne ei» Gefühl de» Grausen» ««sehen. Der fremde struppige Mann war nicht mehr da, aber da» Bett auf dem Saluschu gelegen, war »och immer »st dem weißen Leintuch« überdeckt. Angstvoll heftete sich »ei» Blick auf da» Bett. Bater und Mutter saßen neben einander auf kleine« Fußschemeln, beide mit thränengeschwollenen Augen — e» war so traurig, so traurig! Me um mehr Leben um mich zu haben, schlich ich wich zum Vater »nd schmiegte mich an ihn. Der Bater küßte «ich, aber in seinen Augen standen Thräoen. »Bater", begann ich, „wo ist die Saluschu?" „3« Himmel." „Sein", entgegnet« ich trotzig, »sie ist hier!" »Wa» redest Du Kind? Wo hast Du sie denn?" Meine Augen blickten scheu "zum Bette mit dem weißen Leintuche hinüber. »Saluschu ist nicht hier", erwiderte der Bater. und um «ich zu überzeugen, ging er auf da» Bett zu und zog da» Leintuch weg. Wirklich Saluschu war nicht mehr dort. Ich sanu und saun «ad zerquälte mir da» Gehirn. Wo ist dir Saluschu? Plützlich fuhr es mir wie ei« jäher Blitz durch den -Kopf, daß ich in allen Fasern erbebte. »Bater", begann ich, „ich weiß, wo die Saluschu ist!" Der Vater sah mich «st fragenden Blicke» an. „Saluscha ist nicht im Himmel", fuhr ich fort, »aber ich weiß wo sie ist." „Wo, Kind?" »Sst ist bei unser« Lieden". Der Vater -sah »ich verwundert an. „Nicht wahr sie ist bei unser« Lieben?" drang ich. »Ja, Kind, bä unser» Lieben!" „Und warum hast Du «st gesagt, daß sie i» dem Fimmel ist?" „Unsere Liebe» sind auch im Himmel." Sinnend wandte ich »ich zum Fenster »ud sah lange 'den fliegenden und in der Lust umyerwstbelnden Schnee- .Vater", begann rch darauf wieder, vom garstige» Himmel fällt» so dicht zur Erde nieder und Saluschu . ." Die Thräne» würgtm »ich im Halse, ich mußte stock.-«. „Nun, und Saluschu?" nah« dn Bater auf. ,Mzt draußen unter einem Bergelchen", platzt« ich mst einem lauten Schluchzen hervor. Der Bater wischte sich mit der Handkante eine hervor» quellende Thräne weg. „Geh", wehrte er ab mit erstickter Stimm». „Du verstehst e» nicht, Saluschu ist im Hsmmel zusammen mit unser« Lieben". _ Die Jagd nach „gliche»."*) - Bon Emilie Bett. »I (Aorsietzung.) lNechdru« »frtotrm) Dieser war eben in ein tiefe» Studium in dem großen Folianten de» Talmud «Niest und merkte nicht wie Pesse jauchzend auf ihn zueiltr. Erst als sie ihn mehrere Male aüf die Schulter geklopft hatte-, blickte er venvirN empor. „In drei Tagen", rief sie, jede» Wort scharf betonend, „werden wir die Verlobung unserer Lea mit dem Sohne von Reb Motele feiern!" Ein gellender Aufschrei wurde au» dem anstoßenden Zimmer vernehmbar. Pesse eilte dahin und fand ihre Tochter von einer Ohnmacht befangen. »Sie ist vor Freude in Ohnmacht gefallen", rief Pesse, indem sie ihre Tochter mit kölnischem Wasser bespritzte. Lorchen öffnete die Augen und zitterte am ganzen Körper; Peffe lachte selbstvergnügt. „Siehst Du mein Kind, man darf nicht lauschen, ich wußte diese Nachricht ist für Dich von so maßlosem Glücke, daß ich Dich zuerst vorbereiten —" Peffe hielt plötzlich inne — ihr Blick war auf ein Papier geheftet, dessen Inhalt ihr Blut erstarren machte. Eine« Augenblick stand sie unbeweglich wie ein Gebild von Stein. Al» traue sie ihren Augen nicht blickte, sie unverwandt auf die drei inhaltsschwere« Worte, die lauteten: „Mein heißgeliebter Alexander!" Da» war die Schrift, ihrer Tochstr — ja ganz entschieden ihre Schrift — de» unschuldigen Lorchen. Nein, e» mußte eine Sinnestäuschung, ein <Sau«lspstl des Teufels sei« „Lorchen antworte mir offen und wahr", schrie sie, „wer schrieb diese Worte? — wer ist dieser Alexander?" Ein Thränenstrom ergoß sich auS Lorchen'» Augen. „Bergieb mst theure Mutter — ich weiß nicht — ich wußte nicht —" „Antworte, wa» ich Dich frage!" donnerte ihr Peffe zur Lorchen nahm allen Muth zusammen. SS schien ihr al» bürst sie ihrer Liebe sich jetzt uicht schämen, als dürf. sie dstfen ZornetauSbruch nicht ertragen. Aber vergeben». Die Stimme versagte ihr Sie konnte nur ein Schluchzen Hervorbringen. Peffe heuchelte die zarteste Milde. „Verstaue Dick mst, meiu heißgeliebte Kind, ich will ja nicht» al» einzig nur Dein Glück. Sage mir Alsts» was Du auf dem Herzen hast. Meine liebste Tochter, ich werde Dir gewiß Alles nachgebe«. Sprüh wie zu Deiner beste» Freundin, noch «ehr wie zu Deiner ausopferndea Mutter, di« Dst Nicht» versagen will." Sst umarmst ihre Tochter und küßte sie auf Muich uud Wange«. Da» arme Lorchen erzählst Alle». Sst begann von den Schilderungen ihrer Freundinnen über Astxander, wst sst ihn schon liebst, ehe sie ihn noch kannst, und »st diese LstbeSgluth jetzt seit der Szpre auf der Sternwarst «ob im botanischen Garten in ihr uaauSlüschbar sei. Sst schilderst diese Szene mst den lebhaftesten Farbe« und mst Ma warme« Empfindungen, welch« dst Gewalt der erste» feurige« Liebe ihr eiuaab. Pesse lauschst jedem Warst ans. So lauscht die fö&ne, wenn Nachts der Sturmwind au» der Wüste ihn Leichendust entgqenjagt.

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