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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 38 (1890) · p. Seite 149

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
38 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 149 (sequence 3)
Language
German
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„—fcfnf DoaJtdi grasen drob« auf der Galerie; zAk hör« nicht, wie sie, a» die Brust schlagend, spricht: - „Ich Hab« gesündigt —uud daun wieder sieht. .Du verzeihrader Gon, verzeih', vergieb nn« — rat» ündige »««!- > Uud al« der Scheukwirth au» der Synagoge Heimkehr», itt ihm seine Tochter ernst und feierlich entgegen und ttickt ihm die Hand; er aber ahnt nicht, daß iu diesem -Händedruck eine ganze Geschichte liegt von Sünde, Reue und Umkehr, und da« Gebetbuch liegt ausgeschlagen auf dem Tisch, ans dem dje Weihelichtrr brennen. Die J«gd «ach „Jiche-."*) So» Emilie Bett. (Fortsetzung.) . ES war an einem reizenden FrühlingSmorgra, als die beiden Freundinnen einen Spaziergang nach dem botanischen -Garte» unternahmen. Während sie zwischen den buntfarbigen erotischen Blumenbeeten dahinwandelten und 'einige lateinisch« Abschriften zu cnträchseln suchten, während sie mit jugendlich heiterem Spotte über einra^auS Gyp» geformten Apollo ihre vertraulichen Scherze machten, detvunderlen in einer Grotte Moritz und sein Bruder jede Bewegung ihrer harmonischen Glieder, da« berückende Lächeln, den Schmelz der weißen Zähne, die entrückende Harmonie der im Voll« sckanzc der Jugend prahlenden Mädchen. Als nach einiger .Zeit, die beiden durch eine seltene Anmuch, Würde und Eleganz ausgezeichneten Männer den Mädchen entgegen» traten und Johanna sie ihrer Freundin vorstellte — stand Lorchen sprachlos, von Purpurrüthe übrrgosien. E» schien ihr, al« Hab« der eben verspottete Apollo die Gestalt de« Litern Bruders angenommen. Alexander — so hieß derselbe — hegte schon lange eine Me Bewunderung für Lorchen Er hatte sich schnell gefaßt, nnd um seine Erregung noch mehr zu verbergen, erklärte er die lateinische Aufschrift, welche sich an einem vor ihnen stehenden exotischen Baume befand. Dann frug Alexander, ob sie schon da« Observatorium, an dem sie eben vorbeigelommen, iu Augenschein genommen Hütten, e« wären da viele herrliche Dmge tu sehe«. Die Mädchen verneinten uud Mäander »achte en Führer. Er hatte; obwohl er der Mcdicin sich widmete, «ine besondere Borlieb« für Asttonomie und er war mit Len lokalen Anordnungen de« Observatorium« sehr genau -vertraut. Er mochte auf diesen Moment schon frfiber gewartet haben, um hier sein Ziel zu erreichen. Nachdem er verschiedene astronomisrye Einrichtungen erklärt und einige -Experimente über Sonnen» und Moudfinsterniß, über die Schnelligkeit de« Lickte« und der Planeteubewrgungen mit Len verschiedenen Instrumenten vorgenommea hatte, kam er 4«f da« welterschütternde Loperuikanische System zu. sprechen. Er holte einige Instrumente rasch au« den S chranken und rief begeistert: An diesen Instrumenten, die - Eopernicu« nach seine» erhabenen Ideen anfertigra ließ, erfaßte er die göttlich« Ordnung de« Weltall«, zertrümmerte die falsche» Systeme, welche Jahrhundert« herrschten und solche Männer selbst wie Pythagoras, Aristoteles, Plado .getäuscht hatte»; er wie« der Sonn« de« Mittelpunkt, der - Erde jedoch den Lauf der Planeten, wie Mar« und Lenu« -an —- Je länger er sprach, desto stärker klopfte Lorchen» " rz. Plötzlich wandte er sich an diese: .Wenn Sie, äuleiu, hie, weite Umgebung Krakau'« uud auch einen jptt de« gestirnten Himmel« sich anseheu wollen, belieben S» die »räigen Stuft« hinaMugehen." Sie konnte nicht widersprechen. In einigen Minuten standen Beide am Fernrohr. Während sie durch da« Rohr blickte, erklärte er ihr mit wohlklingender «»schmeichelnder Stimme: .Sehe» Sie dort den Grabhügel de« Feldherr» Lv«cih«zko, eine« hochherzigen Manne« und Märtyrer« der ~ heit. Sehe» Sie?' .Ich sehe gusKftsan jede SrümuwW d«S Hügel«, al« würde er sich emige Schritte von mir befinden. - „Und da scheu Sie de» KrakuShügel mit dem Abhauge> wo sich dir Kü»igin Wanda in die Weichsel hinabstürzte — au» Liebe?' Lorchen konnte kaum erwirbern: »Ich sehe mein Herr.- Alexandrr hatte bei der Richtung de« Fernrohre« sein Gesicht ihrem duftenden Haare so nah« gebracht, daß seine Wangen, wie von einer Wonnegluth angehaucht wurden. »Und dort — dort', flüsterte er, »sehen Sie da« kleine Dorf Lndwiner.' »Ich sehe Nichts!' erwiederte sie sanft erbebend, indem sie sich umdrrhte. Sein Gluthhauch hatte so nahe ihre Wangen gestreift — "oaß sie mit der Hand darüber hinwegfuhr „Ist denn Ludwinoer auch ein berühmter Ort?' frug sie lächelnd. .Ach nein, e« ist ein einfaches, stilles Plätzchen, wie für Unglückliche geschaffen — dort ist meine Wohnstätte — dort liege ich bis in die späte Nacht im Grase nnd wein«, wenn mein tiefwühleuder Schmerz mich überwältigt, und springe auf und jauchze, wenn ich plötzlich einen Engel in meiner Phantasie erblicke. Diesen Engel bete ick an, für ihn werde ich nur leben und sterben. Dieser Engel, den ich mit der unaussprechlichen Gluth meiner Seele lieb«, bist Du — Du Leonore!' Er war vor ihr niedergesunken, hatte ihr lilienweiße« Händchen ergriffen und, um sich Luft zu machen, einen flammenden Kuß darauf gedrückt Lorchen schrie auf, doch Niemand hörte sie. Ihre Freundin, die unten mit ihrem Moritz sich unterhielt, wollte sie wahrscheinlich nicht hören. »Ich habe da« von Ihnen nicht erwartet' sprach Lorchen halb grollend. Während sie in diesem leichten Grolle die Augen niederschlug, wogte ihr Busen heftig aus und nieder. Alexander war so erregt, daß er nach Athem ringen mußte. Nack minutenlangem S^veigen erhob er seine Händ» flehentlich zu ihr. »Leonore,' flüstert« er — »mein Leben hängt an einem Worte von Dir — ich bin kein Schwärmer — ich schwöre Dir, daß ich Dich cmS tiefftem Herzen liebe. — Prüft auch Dein Herz und antworte mir: »kannst Du Liebe für mich empfinden?' — Sie schlug die Augen auf. Sie konnte die Tbränen nicht zurückdrüngen. Zitternd flüsterte sie die beseeligende Worte ihm zu: »Ja — ich fühle gleiche Liebe für Dich.- — Ein entzückender Moment für die beiden Liebenden. Beide strahlten vor Freude, al» sie hinabstiegen. Der Bund der Liebe war geschloffen. Während die oeiden glücklichen Paare noch einige Zeit im .botanischen Garten' umherwandelten, war auch Frau Peffe nicht müssig gewesen. Sie hatte ihr Spiel gewonnen und während sie daran noch arbeitete, da» Glück ihrer Tochter zn zerstören, war ihre Freude ebra so groß, wie die ihrer Tochter der Seligkit der ersten Liebe. Der Dialosikr Rebbe hatte bei sich eine Zusammenkunft zwischen dem ehrwürdigen Reb Motel« und Peffe zu Stande gebracht. Rach kurzen Auseinandersetzungen sprach Reb Mosrle: »ES ist auch wein sehnlicher Wunsch meinen Jungen zu verheirathen. Eine Frau nur kann ihn verbefferu. Sowohl jdb al« meine guten Töchter haben ihn zu bessern sich vergebene Mühe gemacht. Kann ich Ihnen aber rathen, Ihn Tochter ihm anzuvertrauen? Rein, dakann ich wahrhaftig nuht. Ihre Tochter ist viel zu jung und unerfahren für ivn. Ick liebe meinen Sohn sehr und weiß Gott, ich würde mich gerne früher in« Grab legen, wenn ick ihn besser» könnte. Wenn Sie, werthe Fra» Peffe, ihr Kmd wahrhaft lieben», stehe« Sie von dieser Parthie ab!" — B

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