Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 36 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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«tikftgnet der, bet da kommt rät Namen des Herrn,* gesprochen, hörte «an au» der Entfernung die Musik, die der Braut da« Geleite gab. Der Zug ka« dem Hofe näher. Voran gingen einige ältere grauen, die alle brennende Kerze» trugen, dann Tarne» die KleSmorim"), dann Feibisch der Narr, eine mit Bändern geputzte Henne im Arm, dann die Braut mit den beiden Uutersühreriunen und zum Schlüsse sämmtliche Frauen und Mädchen de» Orte». .Gesegnet sei, die da kommt, im Namen de» Herrn!" sagte der Rabbi. Blümele stellte sich neben Simon. Der Rabbiner hielt eine kurze Ansprache, dann folgte der Segen. Reb Roste reichte seinem Schwiegersöhne den goldenen Ring. »Siehe, mit diesem Ringe," sagte Simon zur Braut gewendet» .verbinde ich Dich mir nach dem Gesetze Mose» au Israel." Simon» Stimme bebte bei diesen Worten und Blüwck weinte. Der Rabbi la» die Krßuboh,**) dann sprach er die Schlußseaen»sprüche. Nach der letzten Benedection .Gelobt sei der Ewige, der den Bräutigam mit der Braut erfreuet," wurde ein Gla» zerbrochen; ein Gebrauch, der sich in manchen Gemeinden bi» zum heutigen Tage erhalten hat. Wiü>er ertönte .Masel low" au» Aller Munde, dann heimwärt». Simon schritt neben seinem Weibe. Sie te verschämt zur Erde, während er darüber nachdachte, wa» er eigentlich mit ihr sprechen sollte. Der arme Simon, er hatte, außer mit seinen Verwandten, lauter ältere Frauen, «och nie mtt einem Mädchen gesprochen. Jndeß kam der Zug wieder zum HochzeitShaus zurück. Die Tafel war bereit» hergerichtet Alle» nahm Platz. Simon laß »eben seiner jungen Gattin. Er hatte «och immer keine Worte gefunden, mit welchen er ein Gespräch beginnen sollte. Jetzt dachte er auch nicht mehr darüber «ach. „Sie ist ja mein Weib," sagte er sich, ,e» wird sich Ejon geben, jetzt Hab' ich Hunger und nach dem Essen «men die guten Einfälle." Die „Schleimsuppe" wurde aufgettagen, dann die Fische; dann wurde natürlich Wein gereicht. Simon dertilgte die Speisen, mit all' der Gier eine», jungen, gesunden Menschen, der lange gefastet hatte. Feibisch, der Narr, der ihn beobachtete, sagte zu seinem Tischnackbar: .Dieser Ehoffen wird noch seine - ganze Nedan (Mitgift) ausesien, er wirst ja da» Esten wie in einen Keller hinunter." Al» Simon seinen Hunger gestillt und einige Gläser Wein getrunken hatte, wagte er ,e» sein Weibchen anzuschauen. Je länger er sie bettachtete, desto mchr war er von ihrer Schönheit und Aumuth entzückt. In der Zwischenpause improvistrte Feibisch seine scherz, haften Reime, und nef die Geschenke au», die da» Braut- «aar erhielt. Die Tischgesellschaft wurde von ihm in voller Heiterkeit -erhalten. Inzwischen entfernte sich Blümele vock Tische, und begab sich in eine entfernte Fensternische. Simon folgte ihr dahm; der Genuß de» Weine» har seine Zunge gelöst. „@Ühne(e, mein Leben, sieh' mich an, ich bin ja jetzt Dein Mann," sprach er-sie an, Anfang» schüchtern, doch je länger er sprach desto mchr kam er in» Feuer, „sich, je mchr ich Dich betrachte, kömmt e» mir vor, al» wenn ich Dich schon lange Jahre kennen würde, ich weiß e», mtt Dir werde ich Kittklick werden, Gott allein hat mich bericht. um Dich, diesen Schatz, mir zu übergebe». Mein ,st voll von Dem«» Bilde, sag' mir mein Engel wirst «ich lieben können?" Blümele errächete sanft unter freudigem Erbebe« bei dieser LiedeSerllänaig, sie hatte ja Sttnou, al» er chr vom vorgrst^li wurde, schon in chr $er» geschlossen. Betontem. **} »tzckmtmkt. .,3h," sagte sie verschämt, „ich lieb' Dich schon." .Blümele," rief freudig Simon, „ist da» auch wahr?" „Gott der Gerechte weiß e», ich gebe nein Herzblut für Dich hin." Nach diesem Frendenerguffe drück« er einen Kuß auf ihre Stirn. Erschrocken über seine Kühnheit ttat er eine» Schritt zurück. Jetzt war e» aber Blümele, die chn zu sich zog, ihrem Arm um seinen Hal» schlang uud chr Köpschar an seine Brust lehnte. Simon, dadurch ermuthigt, küß« sie wiederholt mit stürmischer Herzlichkeit. „So Kinder, da» ist Recht," sag« Reb Roste, vor Vergnügen mtt dem ganzen Gesichte lachend, der leise und unbemerkt hiazugettettn war. Beide fuhren erschrocken, al» wären sie bei einem Unrechte ertappt worden, auseinander. .Nur zu Kinder, «Hut Euch gar keinen Zwang an, ihr seid ja Mann und Weib, und ich freue mich, wenn ich Euch so wie zwei Täubnck mit einander schnäbeln sehe." Jicht Höne man unten einen Wagen Vorfahren, der vor dem Hause stehen blttb. Reb Roste sah zum Fenster hinan», plötzlich wurde er blaß wie eine Leiche und rannte zur Thür hinaus. Simon nicht» Gute» ahnend, hielt sein holde» Weibchen, al» fürchtete er, daß man sie ihm, die er kaum gewönne«, wieder entteißen wollte, an beiden Hände» ftst. Nach fast einer halben Stunde fuhr der Wage» wttder davon. Reb Nosse kam beruhigt zurück. Niemand wußtt wa» während dieser Zeit vorgegangen sei. Da» Mahl wurde fortgesetzt und die Belustigung währte bi» in die späte Nacht. Den nächsten Tag, zeitlich Morgen» fuhr Reb Rosse nach Olmütz, bie Zrugmste Simon» nahm er mit sich. Dort schasste er vorerst für selben einen Ersatzmann, und al» er dessen Milttärbefreiungs-Attest erhalten hatte, erlangte er auch kraft seine» Einflüsse»' die nachttägliche HochzeitSbewilliguna für Simon und seine Tochter. Abends kam er wieder nach Hause zurück. „Jetzt Kinder, könnt ihr recht glücklich und zufrieden sein, e» ist alle» geordnet," sagte er zu dem jungen Paare. Simon erfuhr nun erst, daß der gestrige Besucher während der Tafel kein Anderer al» der wirkliche Bräutigam, au» Preßburg war. Dieser hatte sich unvorhergesehener Ereignisse wegen mtt der Abreise verspätet, und reiste Montag von Preßburg ab. Zum Unglück brach auf dem Wege die Achse seine» Wagen» und daher kam er anstatt am Morgen erst Abend» an. Reb Nosse theilte ihm da» Geschehene mit, gub chm al» Ersatz einige hundert Dukaten mit der Bedingung, daß er den Ott sofort wieder verloste. Der Bocher war mit dieser Abfertigung zufrieden und unterzog sich gern dieser BÄingung „Und nun Simon, mein Sohn, bist auch Du zufneben?1 fragte Reb Nosse, al» er die Mittheilung beendtt hatte. »Ich bin der glücklichste Mensch: mir fthlt sonst nicht», al» meine lttben Elter«, und dieser Wunsch wird auch bald erfüllt werde«, den«, nicht war, wir fahren doch Donnerstag nach Prag?" „Nein, mein Kind," sagte Reb Nosse, „über Schabbes müßt ihr schon hier bleibe», Sonntag fahren wir zusammen, ich mit Euch, nach Prag." Simon war bie Verzögerung der Abreise zwar nicht angenehm, er. ergab sich aber in» Unvermeidliche. III. E» war Samstag Abend, traurig kam Riwke au» dem Laden — Maier Falktte» betrieb ei« kleine» Sttumpfwaaren- Geschäft in der Judengaste — »ach Hause. Die Geschäfte waren schlecht, aber da» war nicht rhr einziger Kummer, wa» lag chr an den Geschäften, sie hatte doch kein Kind mehr; mehr al» vierzehn Tage wuren bereit» verflossen und noch immer kam kein Schreiben vo» ihrem Schimeleven. „WaS ist Reue»?' frag« sie Badele. „Nicht» Mutter."