Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 35 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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bemmhtvolle« Herzen unsere Zrt«>n« zu dir erhebe». 81« fron»««, bewkerfüllre und treueraebene Kinder um dal Wohl ihre» fürsorgeuden Vater«, falten wir andächtig di« Hände und bete» vor dir um da» Heil unlere» frommen, dir ergebenen und allaeltebten Lande»vater«, Er. Maiestät unsere» König» und Kaiser» Wilhelm» II.. de» Frieden»- borte» Europa«. Recht und Gerechtigkeit sind dt« Stützen seine« erdadenen Throne»; Einsicht, Weisheit und Gottesfurcht sind di« Leitsterne seine« Herrschenoalten». So bewahr«, schütz«, segne und erhebe tdn. Mied ihr», Herr, lange« und ungefährdetes Leben, auf daß er «ine reiche Tugendsaat »»»streuen könne wie seine Bäter, aus daß fein« aerechte und liebevoll« Regierung lange, lang« heilbringend dem Vaterland zum Segen gereiche, «men! Theodor Lehmünn. Ein« Prager Ghetto-Geschichte von Mathia» Kisch. . gl - vitoti*.) (Fortsetzung.) Reb Rosse Wolf, dem reichen Vorsteher der nicht unbedeutenden Hojeteiner Judengemeinde, wurde seine gegenwärtige Größe nicht an der Wiege vorgesungen. Er war "der natürliche Sohn eines a>inen Proßnitzer Mädchens, das sich durch Handarbeit, kümmerlich ihr Brod erwerben Mußte. Rosse wuchs halb verwildert, von seinen Jugend» genossen gemieden, ohne je etwas gelernt zu haben, hrrbn. 'Vt sah da« Leid seiner Mutter mit an, und lernte von ihr die Menschen hassen. Kaum war er dreizehn Jahre alt, starb seine Mutter. Er ging von Proßnitz fort zu den Bauern der Umgebung, half ihnen bei der Arbeit, vermittelte deren Geschäfte und erwarb sich ihr Vertrauen. Al« zwanzigjähriger Jüngling heirathtte er ein Mädchen, da« ihm einige hundert Gulden mitbrachte. Er betrieb mit diesem Gelbe einen kleinen Getreidehandrl, da« Glück war seinen Unternehmungen günstig, da« Geschäft nahm einen immer größer« Umfang.' Ross« übernahm dqnu Lieferungen an da« Militär und so wurde er mit der Zeit ein reicher "Münn. Dein' stets ehrliche» und rechtschaffenes Gebahren schaffte ihm Gönner, besonder» unter dem hohen Militär der naheliegenden Festung Olmütz. Bei Gelegenheit der Durchreise Kaiser Zosef IL wuxdr. Rosse al« Lieferant vor- -gestellt und al« der Kaiser ihm mit einer Ansprache und einem allerhöchsten Händedruck beehrte, da stieg sein Ansehen und die Juden Kojetein'« wählten ihn zu ihrem Borsteher, trotzdem sie ihn alle haßten und seines Glücke» »egen beneideten. Rosse besaß ein« einzige Tochter, Blümrl«, sein Weib war kurz nach der Geburt de» Kindes gestorben. Diesem widmete er all« Sorgfalt, e« war da« einzig« Wesen, da» er wirklich liebte. Al« Blümele heirathsfähig wurde, sah er sich vergebens in der Umgebung nach einem Bräutigam für sie um. Keine der angesehenen Familien wollte mit chm, dem Sohne der Arbeiterin, der snnen Vater nicht einmal dem Namen nach gekannt, in Familieaverbindung trtten. »Dem ersten besten Hergelaufenen,- wie er sich auszudrückrn pflegte, wollte er fern „Herzpünkterl" auch nicht an den Hals werfen. Da« machte ihm schwere Sorgen. Ein Geschäftsfreund, dem er sein Leid klagte, riech ihm, die ganze Provinz zu umgehen, er, der Freund, werde ihm «inen Bocher*) au« Preßburg senden, den solle er sich al« Eidam „emfttzen." .Jch kann mir diesen Luxus erlauben," sagte Rosse zum Freunde, ich gebe meiner Blümeleben einen zehntausend Gulden-Schein mit und kan» mir einen Rabbi als Schwiegersohn verschreiben. Sie werden zu leben haben, und wenn «r auch nicht» andere« thut, wie Tag und Nacht studiren. Kurz« Zeit darauf schrieb der Geschäftsfreund, daß er , «inen „feinen Bocher" gefunden, de« ,hm Rabbi Moscheh Sofer persönlich empfohlen habe, derselbe sei' geneigt Blümele zur Frau »u nehmen. Zur Verlobung könne der 'Bocher aber nicht kommen, indem er sei« Studium nicht .Unterbrechen dürft. Nach Peßach bekomme er die Morenu ' *) R<ckbi»atleandidat. fWtbbinerweihe) und Lag-Baumer »zu Guten und zu Leben* könne die Hochzeit sein. Reb Roffe, ftoh der Sorg« um einen Mann für seine Tochter überhoben zu sein, willigte in dies« Bedingung. Um die weiterea Verhältnisse brauchte er sich, wie er dachte, nicht zu erkundigen; der Mann war ein .feiner Bocher", den der berühmte Rabbi Sofer anempfohlen hatte, da« genügte ihm. Uin den Schein zu wahren, reiste Reb Rosse mit seiner Tochter nach Brünn. Bon dort zurückgekehrt, theilte er den Leuten mit: Sein Blümele sei mit einem groß« Lamden, (Talmudgelehricn) dem besten Bocher Reb Moscheh Softr«, erne Kalle geworden. , Dem jungen, kaum 17jährigen Mädchen war eS Anfang« gleichgiltig, wer sie zum Weibe bekomme. Der Vater, den sie über Alle» liebte, hatte einen Mann für sie gewählt, und da er chr versprach, daß sie bei ihm zu Hause bleiven werde, so fügte sie sich gerne in dessen Wunsch. Später wohl, als dir Freundinnen sie fragten, wie der Bräutigam aussehe, ob er ein .schöner Mensch" sei, stiegen ihr manchesmal sonderbare Gedanken auf — und als einmal Blümele Sicrabt mit ihrem Vater von der bevorstehenden Hochzeit prach, da konnte sie nicht umhin, zu bemerken, daß sie gerne den Bräutigam noch vor der Hochzeit sehen wüttre und der Vater sie doch hätte zu Rathe ziehen sollen, denn wer weiß, ob sie ihren Zukünftigen werde lieben können. „DaS sind lauter solche moderne Sachen." fuhr Reb Rosse erzürnt auf, .was yeißt lieben können?! All sein Leben hat der Vater für sein Kind den Mann gewählt. So hat auch Awroham Owinu*) für seinen Sohn Jizchc k die Rebeka ausgesucht, der hat sie auch nie früher gesehen, er hat sie zum Weioe genommen und aus war'«!" Seit dieser Zeit wagte Blümrl« keine Bemerkung mehr. Acht Tage vor der Hochzeit erhielt Reb Rosse einen Brief au» Preßburg, worin der Bräutigam die Mittheilung machte, daß er Sonntag von dort abreisen und am Lag-Baumer früh in Kojetein rintreffen werde. Reb Nosie fuhr nach Brünn, holte dort die bereitlange nachgesuchte Hrirath-bewilligutH, kaufte dann «inen Anzug für den Bräutigam und alles noch zur Hochzeit Nöthige. Heute war nun der große Tag. Auf 10 Uhr war da« Bedecken und auf 1 Uhr die Trauung festgesetzt. E« war aerritS 11 Uhr vorüber und vom Bräutigam «och keine Spur. Immer mehr furchte sich die Stirn Reb Noffe's. Er sah da« Lächeln der Gäste, hätte ihre spöttffchen Bemerkungea, er wußte e», daß sie Alle, die chm so war« die Hand drückten, seine Feinde waren, und gerade chm mußte so wa» geschehen, das versetzte ihn in Wuth. Es schlug 12 Uhr, und da der Bräutigam noch immer nicht anlangte, faßte Reb Roffe den Entschluß, die Hochzeit auszuschieben. Lang« kämpfte er mit sich und eben wollte er den Gästen de« Aufschub mittheilen, al« «8 von unten: „Er ist da, er ist gekommen!" herauftvnte. Wie ein Sttia fiel rö von Reb Roffe'« Herzen. Jetzt ftürmttn gegen zehn Buben gleichzeitig zur Thüre Herrin und alle schrieen zu gleicher Zeit: „Der Choffen ist gekommen!" . „Wo ist er?" fragte Reb Roffe. „Bei «strrl Garköchin." „Alsozum Bedecken l" befahl Reb Rosse. Die Musikanten begannen ihre melancholisch« Weisen. Feibisch, der Schalksnarr, bot seine besten Reime auf,- um me Braut zu rühren, zugleich zu erheitern. Sein« Mission war «ne tragt-komische. Daun nähten sich die Männer mit ihrem Rabbiner an der Spitz«, dieser trug das goldene Bedecktuch, mit welchem da« Haupt der Braut geschmückt wird. *) Lbrahu» u»ser Stammvater.