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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 34 (1890) · p. Seite 132

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
34 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 132 (sequence 2)
Language
German
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P Al» Letzterer sich entfernt hatte» zaa der Vater bat Näuriei, aaä dem 0od a»d half e» seine« Sohn ans den Rücken schnalle», dann reichte er ihm seine« Snoteastvck und sagte: > „Nun, mein Sind, ist e» Zeit, daß ich znrückgche. Du «anderst jetzt eine« sehr weite« Vkf wer weiß, ob wir und in diesem Leben Wiedersehen, denke stet« an Vater und Mutter, vergiß, mein Sind, nie dir Lieb« die sie Dir zu Theil werde« ließe»; denke alle Zeit an den lieben Sott; thne bewußt keine Sünde und halte seme Gebote. Wahrheit und Frömmigkeit sollen immer die Richtschnur Deiner Handlungen sein. Wandle nicht den Pfad der Lüg;. Sieb Almosen dem Armen, denn: Gutes tbun veickängert da« Leben. Solltest Du einst reich werden, jo werde triebt stolz, denn Hochmuch bringt verderbe». Sei stet« bescheiden, aieb dem Hungernden Brod, dem Nakten Kleider. Studire fleißig in der Thora, denn ein Am-h*rez (Unwissender) ist mit einem Todtenzu vergleichen. Bitte täglich den Schöpfer, daß er Deine Wege ebne und Deine Handlungen ^nm Guten leite, verschließe meine Worte in Dein Herz, und Alle« war Du unternimmst möge Dir «lingen. Und nun empfange meinen Segen, den Gegen Jakob«: »Der Engel, der mich erlöset hat au« allen Urixln, segne diesen Snabe« und genannt werde an ihm der Name der Väter, Abraham und Jizchak. Dich mache Gort wie Ephraim und Manasche.' Nach diesen Worte» küßte Reb Maier seinen Sohn mehrere Mal und lief, um r>or ihm seine Rührung zu perbergen, eilend« davon. Lange sah ihm Simon nach und erst al« er seinen Augen entschwunden war, setzte er sich an den Straßengraben und weinte. Endlich raffte er sich auf und schritt hastig vorwärts. Je länger er ging, je mehr er die schöne Natur betrachtete, desto mehr erheiterte sich sein Gemüth. Auf einer Anhöhe blieb er stehen, schaute nochmal« nach der hundeltthürmigen Stadt zurück, in der alle, ihm so Theuren wellte», winkte, wie zum Abschied, ihr zu, und trat dann seine Wanderung an. Recht gehabt Hut, allen Latte» die Saawe') übern Hal« z« lasse» «m sich eine» Bocher, Zeinen Lamden'j, einznsetze».' .Sott soll geben' — fiel ihn der Ersten m» Wort — »daß «« soll gut eMftbOL" .Linderleben,' sprach Erb, »ich kann mir nicht hrlfe«, ich will «ein Maul nicht zu« Bösen austhun, aber die Geschichte gefällt mir nicht, hat man sein Lebe» schon gesch'n, daß am Lhasseuetag vorn Bedecke«, der Thoffen soll nicht i» Orte sei«? Und daß die Each' nicht ga«z - ,. In der Basse einer kleinen Judengemeinde ist^Siao- Hochzell stets ein Ereigniß, für die Judenhest Sojetein« war die heutige Hochzeit ein ganz besonderer Sruud zur Aufregung, chr Rosch-ha-Sohol'), der reiche Reb Rosse Wolf, »crheirathete seine einzige Tochter Blümele. Dicht gedrängt war die Hochzeitöstube. Alte und Jung«, Reiche und Arm« waren erschienen, um ihren Vorsteher zu gratuliren. Blümele, ein reizendes Mädchen von kaum siebzehn Jahren, saß im reich gepolsterten und bunt verbrämte» Deckstuhle, um sie herum die Frauen and Mädchen de« Orte«, alle in ihren schönsten Festtag-kleidern. Die Männer standen in einzelne» Gruppen beisammen. .Wer mir Gute« gönnt, soll ei» solche Parthi« auSnehmen," begann der Erste .Ein Spaß, Noff« Wolf» Tochter. Sein« drei Roffe'» gibt « nicht in ganz Mähren,' sagte Jtzig, der dicke Viehhändler, zu seinem Nachbar, dem. boShafttn Schuster Seb. .Aber kein Zweiter hat auch den Stolz wie Roffe,' erwiederte dieser. „fr kann aber auch stolz sein, a Bagatell i« er ein Auscher" (Reicher). 1 Was hat er von seinem Aschires'-, e» hat sich doch keiner u« der ganzen Medme*) mit chm wollen meschadech') sei» koscher ist, da« steht man Reb Roffe am Sesicht an, «ad auch di« Salle macht ein Gesicht, als wenn ihr ei» Unglück bevorstehe« würde.' Und fast war e« so wie der boshafte Schuster sagte, all« Welt war heiter, nur die Hauptbecheiligte», die Braut und der Vater, nicht. Blümele, diese reizende Snorpe, die sich zur herrlichsten Blum« zu entfalte« versprach, saß, augtthan in w«ß«» AllaSkleioe, reich mit Edelsteine» bchängt, die verglich mit dem Glanze ihrer Augen wetteiferten. Da« üppige rabenschwarze Haar hing aufgelöst herab, al» wollt« «S all' feine Pracht zum letzten Mal« zeigen —, den« noch wenige Minute» und die schöne« Flechten mußt« der Scheere zum Opstr fallen. Sein ehrliche» Judenweib durste sich im eigenen Haar von Fremd«« sehen laffe». Stillschweigend nahm Blümele die Glückwünsche der Leut« entgegen und lächelte Jedem fteundlich zu. Aber diese» Lächeln war bla» ein erzwungene»; de« aufmerksamen Beobachter konnte eine gewifle Angst nicht entgehen. Die Glückwünsche und Ansprachen schiene« ihr peinlichsie blickte beständig nach ihrem Vater. Dieser aber schritt unruhig im Zimmer auf und ab, seinen Gästen kaum die nöthige Aufmerksamkeit schenkend. Jedeömal, sobald die Thür« geöffnet wurde, blieb Reb Roffe siche« und blickte erwartung-voll nach dem Eintretenden, al« er ober einen Ander» fand, a!« den er zu erwarten schien, vergrößerte sich sichtlich dessen Unruhe und di« Promenade begann aufs Reue. , E» war überhaupt ein sonderbarer Hochzeitstag, Der Rabbiner, di« Unterführer, alle Gäste waren anwesend, blo» die Hauptperson, der Bräutigam, fichlte. t Dieser chznwurd« erwartet. Alle disponiblen Sinder de» Orte», der Schamme», sogar der hinkend« Feidisch, der Spaßmacher, wurden au»- gesandt, um «ach ihm zu forschen, und wenn sie ihn erblicken sollte», seine Ankunft sofort zu «elden; den« di« Stund«, um welch« die Trauung bestimmt war, rücktz immer näher. Jede« Augenblick kam einer der Boten zurück, ohne die mindeste Spur vom .Lhoffen' zu haben. _______ (Kortftzu», f»tgt.) Die J»de« »«tz der Brief» erlehr. au« und er hat sich müssen einen fremden Ehofsen verschreib««, den keiner kennt und von dem keiner weiß» wer seine Owes- Awoßenu') waren,' sagte der Schuster Seb. .Laß mich geh'» —_ antwortete ein Dritter — »so *.m fürwahr wie heute der Chaffenetag*) ist» wie Reb Rof l) Ob«rh«upt der Semetnx. *) Keichch»». *) frwint *) 8ersch^tGer». •) BorvMer. *) H<ochzemmg. (Schluß.) Die Frage in Betreff de» Schreibmaterial» ist für unser Thema von besonderer Wichtigkeit. Dagegen gehören die religionSgesetzlichea Bestimmungen über da» Schreibe» der heilige« Bücher, die besondereZubereivuiß ' der Pergament» und der Dinte, sowie die genauen Vorschriften aber die Form der Buchstabe» «um in da» Bereich unserer Erörterung. I» den alten Zeiten bediente » man sich der verschiedenartigsten Stoffe, »m darauf z» schreiben. Palmblätter (Heren e» im alten Palästina vorzügliche gab) waren der gewöhnlichste Stoff, ans welche« ~ man tn ganz Asien schrieb. Einige Gelehrte glaubte», daß rri Mose» da» Palmenblatt allgemein zum Schreibe» wurde Olivenblätter waren duk und hart, während Johanni«brodblätter wegen ihrer Weichheit, Länge und Breite und wegen ihre» dauernde» grüne» 1 Stolz. Gelehrt«».

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