Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 34 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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iftVfii lif Ä*#/^// Her,u«q«gl»e» Km Br. M. Aatzmrr in Stagbcfratg. |it KütthMm-1 Fetetznuftr die isrtMscht F««iiie. , B«ftt»»u»,g. ®i«t »taget Ghetto-Veschtcht» kon ttanhm» Lisch. — Di« Jade» »ud h« vrltivrrkebr. (Schlich.) — Altertet »Rlulüll!!•* de» 8a«ili«„tisch — Jtfag* Hiob». In Neimkerse umgesetzt von Adolf Valhauer. — AttMlausaali»» »nb Mftfdlftragtu. v OUWtugttT Ritln» m diese« mättt ist »»Irrsicht.) «ine Prager Ghetto-««schichte von Mathias Lisch. 8] (0«h»e»1 wcKUn.) Weshalb wohl das Ehepaar FalkelrS den einzige», geliebte» Sohn nach Ungarn, dem damaligen Auöwandererziel der gedrückten Juden, sandte? Wir bekannt, wurden die Juden in früherer Zeit nie al» Staatsangehörige betrachtet, sie waren stet« Fremde, man betrachtete sie al« die Hühner, welche goldene Eier legen. Eie zahlten Steuern, sehr viele Steuern, mußten ihr Veld auf Darlehen geben und wurden wie rin Schwamm autg-preßt. Insofern duldete man sie. Sonst hielt man sie für schädlich; .wa« zum Theil in dem engen nationalökonomischen Gesichtskreis jener Zeit, zum Theil auch in dem Religion»haffe feinen Grund hatte. Man meinte nämlich, die Juden seien bloß ein rousumirendrr und nicht auch ein producirender Theil der Bevölkerung sie nähren sich vom Schweiße der Ebristen; daher kam e«, daß sobald sich Jemand vorfand, der sich, erbot, die Judenfteuer zu erlegen, oder Ersatz dafür zu Hirten — wie in Wien 1870 der Magistrat — man sich leicht dazu verstand, dir Juden, zu verjagen. Au« diesem Vrund wurden sie auch nicht zum Militärdienst zugezogen. Man «ahm dagegen eine Blutfleuer von ihnen. Erst mittelst Ediet« vom 18. Mai. 1788 unter Kaiser Josef ll. wurden auch di- Juden verpflichtet, persönlich al« Baterland«- vrrtheidiger einzutreten. Die Juden im Allgemeinen hatten Anfangs keine besondere Borlirbr, Militärdienst zu leisten, und zwar nicht etwa au« Mangel an Muth oder gar an Patriotismus, denn obscho» ihnen, ihre« Glauben« wegen, durch allerhand Ehikane und Zurücksetzungen viel Leid und Weh« zugefügt wurde, liebte» sie dennoch ihr Baterland mit ganzer Seele; aber mit dem Eintritt zum Militär mußt« ein großer Theil der religiösen Gebote und Gesetz« aufgegebeo werden, woran «an damal« noch sehr festhielt: jede Nichtbeachtung der Religio »«Vorschriften fürchtete man führe zum Abfall vom Judätthum, zur Taufe. Anderseit« war die zwölfjährige Dienstzeit de« praktischen Sinn der Juden zuwider und da« Dienen selbst gehörte in Folae der Rohheit und Zügellosigkeit der damaligen Soldateska keineswegs zu den Annehmlichkeiten. Auch mögen die damalige» Staatsmänner selbst nicht gewünscht haben, daß Inden fn dir Reihen der Vater, landsvertheidiger «intraten, damit sie darau« nicht Ansprüche auf Gleichberechtigung im Staate gründen sollten. Au« allen diesen Gründen war e« für jüdisch« Jünglinge durch, an» keine Lust, Soldat zu sein, und es war ihnen und mehr noch den jüdischen Elter» wahrlich nicht zu verargen, wenn sie au verschiedene BefrriungSauSwrge dachten, wa« freilich durchau« nicht zu billigen war. Simon Falkele« war ei» überaus kräftiger und gesunder Bursche, bei -dem di» üblichen Befreiung«mittrl. nicht gefruchtet hätten. Um einen Ersatzmann stellen zu könne», waren die Eitern nicht vermögend genug, deshalb griffen sie zu de« besten und billigsten Mittel, sie ließen ihren Sohn für einige Jahre verreisen. Selbstverständlich mußte diese Reis« ein strenge« Geheimniß bleiben. Niemand wußte davon, al« der Prager Rabbi. Denn e« gab zu jener Zeit Denunzianten, die sich daraus ein Geschäft machten, militärpflichtige Burschen au«zukundschaften und diese bei gewissen Beamten, mit denen sie unter einer Decke steckten, anzugeben. Diese pflichtvergessenen Beamten vrrsäumten r« nicht, bei jeder ihnen drohenden Geldverlegenheit die jungen Männer durch willkürliche und ungesetzliche Vorladungen zur Losung zu schrecken, um di« Eltern dann gehörig zu schröpfen. Nachdem Red Maier bereit« einige Male gehörig geblecht hatte uod nicht abzusehrn war. wie lange dies« systematisch betriebene Ausbeutung de« ohnehin nicht vermögenden Manne« währen konnte, faßte er nach langem Zögern den Entschluß, sich von seinem einzigen, geliebten Sohne zu trennen. Der ältere Bruder des Reb Maier Falkele«, war während der Vertreibung der Juden au« Prag im Jahre 17S4 al« junger Mann mit Andern nach Ungarn ausgewanderl. Im Szatmaer Eomitat machte er sich ansässig, betrieb Anfang« einen kleinen Handel, hatte sich aber später al« HrrrscnaftSpächter «in für die damaligen verhältniffe bedeutende« Bermögrn erworben. In der Zeit unserer Geschichte war Ehaim, der Bruder Reb Maier«, bereit« gestorben. Dessen Sohn David aber lebte, reich und geachtet, scnnmt seiner Familie dort und schrieb oft Wunder wie gut er, und überhaupt alle Juden, sich in Ungarn unter dem Schutze der Magnaten befänden. Da» war dir Ursache der heimlichen Entfernung unsere« .Helden zu so frühen Stunden. » * * Kaum zweitausend Schritte von der Stadt Prag entferict, wo sich gegenwärttg ein neuer Stadtthell mit stolzen Palästen erhebt, stand zu;ener Zeit blo« «in kleine« WirthShau« »u riäorsic^ poco* (zum Judenvfen) ko benannt, weil bei der im Jahre 1744 unter Maria Theresia crfolgten Austreibung der.Juden au« Prag der ärmere Theil derselben, dir nicht wußten, wohin sie sich wenden sollte», dort unter freiem Himmel aufschlugen. Sie erwarteten Hilfe, oder den Widerruf diese« grausamen Edicte«. - Dieser erfolgte auch, nachdem voin englischen und belgischen Gesandten, sowie von einem Theil de« böhmischen Adel«, der Kaiserin da» Unrecht dieses, nur auf Einflüsterung ihre« Beichtvater«, erlassenen Befehles, sowie da« Elend dwser armen, hilflosen, durch Krankheit decimirten Geschöpfe auf das lkndringlichste geschildert wurde. Während der Zeit ihres Aufenthalte» daselbst, erbauten die Juden dort einen Backofen, um die Mazzoth für danahend« Pessachfest backen zu können. An dieser Stelle traf Reb Maier und dessen Sohn mit dem Träger zusammen.