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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 33 (1890) · p. Seite 129

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
33 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 129 (sequence 3)
Language
German
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PM». Ist« schickte in TchaöS Rnn Betest an Nahoth. 9-hn krgleich»?nach CtoMffe In all» ftbfm Fäll» tztent» dft Brief» um Zwecke M v«r«th« Ml ihr Inhalt M» kurz. Lahrftheinltch fürchtete» Itr Urheber dieser verschwlrnng», ihre wirklich» Abstcht» dnrch mündliche Mit. -ckheAnna« zu verrath» »ad kdt»ten stch daher der kurze» schriftlich» Mitthetlnng, «warttnd, dadi» Adreffatm d» »ähr» Sinn schau zwtfch» d» Zeit« »ürd» lese» könu» Erst per Zeit d«S Jesajah »»rd» Hinweisung» a»f d» . schriftlich» Verkehr häufig«. Dl« geschäftlich» veziehuagea zwischen Palästina eiaer. »ad vabyle» »ad Egypttn and«- feit« »ahm» eine imwer »achfead« Ausdehnung aa stad die räumlich« Treu»»»- der Israeliten vou etaaader lieh die schriftlich« Eorrespondenz immermehr als Bedürfniß erscheinen. Komm» »ir ouo ia di« Zeit des Jeremiah, so tritt dieselbe schon mehr all eia« Rothweadigkeit aas. Lei diese« Propheten ist schon öfter voa Brief» di« Rede XKap. 25, V«S 29) nab begegne» «ir bei demselben auch sch» kn berufsmäßigen Schreibe» (D'“l£10). Späterhin «fragt« natürlich das Imt des .Sopher" eine sichtigere Bedentnug; « war nicht nur berufsmäßiger Schreiber, sonde» mnßte auch i» Gesetz« erfahr» fein »ad die Kmatniß defseldm aut« dem Volk« za verbreit» verstehen (also^etu Schristgelehrter im «etter» Sinne.) Koch später wurden diese Functiouet mied« von einander getrennt und der Sopher verband mit seine» Amte die Funetion eine« Jngendlehrerg. H»te nimmt krselbe «ieder seine frühere minder Wichtige Stellung eia, denn der moderne Sopher ist nichts anderes als «in berufsmäßiger Schreiber. Zur Zeit JecheSlelS (IX, 2) ging der Sopher mit seinem Schrervgeräth einschließlich de» DtntesaffeS, »elcheS er an kr Seite trug, »ach draußen, n» seine Kunst zu ki» »erth». - Im Talmud wird kr Schreib« «ft mit seinem lateinisch Titel »Libellarins (TJ37. Sabbath XI, 1) an* ^führt. Zur Zeit N-Hemia« hören wir von »offenen Briesm" fprech», kr Sauballat vers»det ein» solchen durch seinen Dt»«, und höchst wahrscheinlich »nrk auch daS Purtmftst kn Jud» durch ein» »ffmea Brief protlamirt (Esther IX, 20, woselbst abweichend von andern etttrtm Stell» kr etgeutltch« Inhalt von Morkchai'S Brief nicht augegebm ist). Der Befehl, das Ehaunkahfeft zu fei«», »urk »f dieselbe Leis« pabltzirt und die Bücher kr Apokryph» eathalt» wirklich mehr«« iut«effaule Briefe; rach nach JosephuS unterhielt» die Jud» mit viel» fremd» Kationen ein» regen schriftlich» Verkehr. In kn Fäll», wo Fürsten mit einander colrespondirteu. wurd» die Briefe durch besoukr« Botschaft« überbracht. Liest «an die^Berichte aas kn rabbiuische» Zeit», so sollt« Man erwart», daß'dies« brieflich« Verkehr schon eine höhe« Stufe d« Entwickelung ««eicht Hab» mußte. Diesel ist jedoch keineswegs kr Fall, denn dir rabbiaifchea Nach» richten von Brief» zu Beginn kr gewöhnlich» Aera find rar felt« und »eit auseinauderliegend. Ein polemisch« Briefwechsel tritt «st »f in Gestalt von Brief» nicht» jüdisch« Sendbot», gleich PanlnS. Dies« »rt polemischer Briefe bot manche vorthelle; die Brief« wandert» vou einem Les« zum andern» wnrdm gewöhnlich laut »orgeleseu, rach wohl von rin« ganz» Volks-Versammlung, aa welche fie gerichtet war«. Spät« pflegte MotmontdeS sich dies« Mechok kr Mitthettuug au ganz« Gemeinden oft zu bedien» und viele Geoutm und sonstige jüdische Gelehrte «erfuhren tu d«s«lb» Weise. Doch das verfahr» schien sich m gewifl« Beziehung kn frühest» «abbtue» 'nicht zu »chfthlru. Obschon wir öft« von Besuchen lesen, welche die Gelehrt» Babylon« und Palästiaa'S sich einander abpattet», so scheint «S doch, daß fie nur sehr feiten mit eia» -and« corrrspondirteu. D« Grund httrovu lag wahrscheinlich in kr Abneignug, »elche sie gegm dis schriftliche Mittheilnug halachtsch« »kr legaler.Eatscheidungea ih«r Schul» ..empfand», nud nach dem unglücklich» Ausgang« drl Bar- . . »eg» die römisch« Herrschaft l«, «enig Bwaniaffrag »n gegenseitig» Mitttzriiaag» vor. Man darf jedoch nicht mein», daß dieses Zarückhalt» von «ine» schriftlich» MeiunngSanStansch die Wirkung übte» die wir «wähnt». Sabbt Gamaliel, Eh^aanjah msd viele andere eorrespoadirten häufig nach d» euttegenst» Gegend». Sobald die Mifchaah «tue feste Gestatt an» genomm» hatte, rach dann noch, all mm fie noch nicht sofort schriftlich fixirte, nah» «» za» vriefschreika schon häufig« sein» Zuflucht. Schäl« kr Mschaahsammttr kg«b» stch nach Babylon, um dort die Mischah zur Geltung za briagru und nat«hieltea selbstonstäadltch einen Briefwechsel mit ihn» Häuptern in Paläfttur. Unter d» >moral« war» besoaderS Nab und Samuel regelmäßige Brtefschreiber und Rabbi Jochauan antwortete ihn». Gegen d,S Enk des 3. Jahrhuakrt« wurde diese Sortesponkuj zwischm Judäa und Babylon noch lebhaft«. Abitnr und Ab tu schrieben oft üb« gesetzlich-. Ent» schetdustgea und Angelegenheit» ihr« Schul» und hindurch erhielt di« GrtstesthLttgkkit der Jud» ihre Solidität, trotzkm d»S jüdifche Volk kein gemeinsames vaterlan) mehr hatte. I« Talmud ttsm wir oft: »Sie sandten voa dort" (llklv HTTP) d. h. von Palästina. Diese Botschaften ward» offenbar schriftlich auSgerichtet, obschou «Sglich«weise kr Träger d« Botschaft »ft selbst eia Gelehrttaschül« -war, in welchem Falle er. daun seinen Bericht mündlich üderbrachte. Die stch imnwrmehr krbretttude Praxis d« Rabbtueu, Fragen fchrtfttich zu beantworten — eine Praxis, welche in späte«» Jahixhuaberteu so populär wurde — kann vielleicht mit einem ähnlich» Gebrauche der römischen Jurist» und kr christlichen Kirchenväter ia Verbindung gebracht'»«kn. den» die Zotm der Antworten d« Rabdin» des 8. Jchrhuaderts erinnert sehr an die d« römischen Adoocat»; kr Stoff kr Briefe ist jedoch keiaesweg krselbe, denn die Kirchenväter schrieben üb« dogmatische, die Rabdin» über halochische Fragen. Zwisch« kr Mitte des 4. Jahrhunderts and kr Zeit kr Grouim find» wir keine Nachricht darükr, daß die Juka vom Briefschreib» Gebrauch macht«. Nach dies« Zeit ab« wurd» sie sehr fleißige Brtefschreib« und manchmal,, wie z. B. in Sach» des Maiwraiks'fche» »More Neduchtm" wurka ganze Werte ju Briefform abgefaßt.") Ja kr Zrrstr»ung Israels war es überhaupt für dt« Inka von groß« Wichtigkeit, über das Schicksal ihr« Brükr in kn »«schieden« Muk» und Erdthett» Nachricht zu erhalt«. Di« Gerüchte voa dem Anftauch» kS Messias fett km 12. Jahrhuakrt, kr Kampf gegen das Stadium kr Phttosophte, kr Gelehrtearnf einzelner Rabdin«, das Erschein» ein« ksouder» Klaffe vou Reisend», welch« sehr »eite und gefahrvolle Reis» unternahm», alles dieses ttug dazu ki, das Bedürfnis k» schriftlich« Verkehrs etuznsehea und auf Mittel zu sinn», wie daffrlk auf die bequemste Weift zu kfrtedtgea sei. Es bau«te tndeß noch lauge, bis die Eorrefpoabeuz stch bequem und sich« gestatte». Nicht Jedem stank» BrieftrLg« zur Verfügung, wir de« Könige Salomo,. welcher nach de« ' Midrasch sich Dämon» dienstbar zu «ach» v«staud, die « zwang, seine Briefe hiuzutrageu, wohin «S ihm beliebte. Lhafdai hatte noch große Schwierigkeit» zu üdeewiaku, um fein» berühmt» Brief km Könige der Lhazarea zu ükrmütel» und dies ttotz sein« hohen amtlich» Stellung, welch« « im spanisch» Reiche eiuaah«. Im Jahre 96V wurde eine schriftliche Anftage in Bezug auf „üajchruth" vom Rhein nach Palästina gemacht und kann dtrjeS als eia-Beweis dienen,' auf »elche Eatfe»nag hi« die jüdischen Se»riakn damals schon correspondirlen., (Schluß folgt.) *) Heute «zistlren zahlretche Ausgaben von »Briefstellern-' in hebrätcher Sprache, «eich« Muster für alle im Leven Vorkommen»». Briefformen enthalten. . .

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