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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 32 (1890) · p. Seite 124

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
32 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 124 (sequence 2)
Language
German
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sagt« &*M w* erketttfc etftH .Vite fcOgt 9tw Mr mch KtwM arit km Vetter." crflirte W ker Itte, .ihre SraßanHwer mk sei, Groß- Mtftt — —^ U»k er begam km {««gca Fremde umständlich M Ber»mkschasti»erhält»!ß aniettmnderznfttz«, Mi th, Jkicfctr immkwdj: »Jetzt ist ci Zeit, Herr vogelflnger." Da nah« der gesprächige »lte frennMich Abschied «nk ließ den amen gäaM allein «it feinen Schmerz. , Im schneeige, Gewand, das bleiche Antlitz halb Verhüllt vrn weißen Schleier, genau s« nie der ebünc J«uckel sie im Seifte geschant, saß Esther in ker hochzeitlich geschmückten Sinke, «uringt von Fernen nnk Mädchen. Ihr schönes Antlitz zeigte keine Thränenspnren; sie Weinte nicht mehr. Anch in ihrrn Herzen war'i still geworden. ker heiße Schmerz, ker drin getobt, hatte sich gelegt. A»er ei war nicht ker Frieden; ei mar kie Stille »ach km £tam, der kte Süume kei Walkei enl»«rzelt mk zerbräche, hat. H* mar kai »«heimliche Schmeige« üker ken Trümmern kei Hantei, kai »an der Feneribnulft zerstört mark. Ach, «nk koch »ach anders. Ans ker Brandstätte kannte» stch kalk staMiche neue Manen», t» walke junge frische Stimme erheben: » Esthers Herze« aber keimte keine Hoffnung «ehr. Gran nnk tifikc lag kie Zukunft vor ihr, »ie kie Dümmernng kei Wintertagei. kie stch kranßen •« ken Fenster, Verbreitete. — Die für kie Trammg ftstgesetzte Zeit mar Itagc »«rüber, aber ker Bröntigam mr nach nicht zu schm. Esther schien ei nicht zu bewerft». kte Frauen aber begannen m»rühig zu werden .Ob ihm nicht u«er»«gi et»ai zngeftoße» sei?" meinten Einige. Rein, kie Ankren mieker hatte» ihn ankamme, sehe»; — mi nur ker Grnnd dieser Verspätung war? — Sie sollten nicht lange ans kei Räthseli Lösung warte». Li« Stimmengewirr erhob stch plötzlich »ar der Thür, und nn» strömte kte ganze Hochzeitsgesellschaft herein, an ihrer Spitze Herr Beller, ker «msmregt hi» nnk her sprang, kaß kie Euke» seinei seikene» Lastan» >»ie Fahoe» flatterte«. Ihm folgte die Hanifta», kie Hänke Verzweifelt über ker neue« Hauke zusamurenschlageuk. Ehaim vogelfinger, ker Neichste »nk Angesehenste der Versammlung, suchte sie z» begütige», aber ei wollte chm nicht gelingen. »Var der Trauung wegzulaufeu i" klagte Herr Bitter, »hat man schon f« etwai gehört?" »Das ist »och nie dagcwese»!" erwtekerte, kie Hochr zettsgäfte. »Er wäre vielleicht »och zu überreke» gewesen." jammerft ker Haniherr »iekar, »aber ker Freund, de» er sich mitgekracht hat —" Unk so, stoßweise, erfahre» die Frnne» endlich kie ganze unerhörte Geschichte. Der Brüttigam mr awge- Irannea nnk oam Hochzettsooftr gleich in kai Stübchen hinter km Laden geführt mrte»; der ankere finge Man«, dar Freund Löktt'i, mr oho« Aufforderung gefolgt. Unk ali die ffiaftrabert Gulden, kai Heirlthignt, wohlgeMt ans dm Tische lagen, hatte Abl Rotstetner ganz nchlg gesagt: .Ihr irrt Euch, «ater, do fehlt «ch ei» Hungert." Unk nicht die Vecheuernng, daß er jetzt «cher Stanke sei, mehr Gelb zu beschossen, n»k nicht kai verspreche», später, nach Wochen'»ach Mmmte», kn» Kehlende nächstgebe», hatte» etrni genützt. Der Frennk, der hinter km Brintigam stankwie sein böser Geist, hatte alle verhanklnugen zerriffe». »».»Laß Dir kai nicht bieten, Löbel, D« bist kein gewöhnlicher Junge, Du biß et» etablrrtrr llanfmann l stamm, Da paßt nicht zu dies«, Leute»!' nnb hinaui waren sie gestürmt, der Frennk den Anker« »lach sich ziehend. »Ehe ich rufe» komtte. waren sie schon »ui dem Hanse, Ssf Me f zch shMn >jcht nachlanfrn, wogen kR.lMii*' schlaff Hfaze» {Mae Erzählung» El« Panse der verlrnnheit entstand, die Mädchen blickte» schawmitlekkt, »ns Ät her, Me still nnk gleichmüthig kasaß, ali ginge fie die «uze Geschichte »ichti an. »Ich bärge Dir Me hundert Gnldan," brach endlich Ehaim vigtlfinger dai Schweigen, »laß keu Löbel zarstckrnfeu." Jetzt erhob sich die Tochter. »Vater I" rief st« mit flammenden Angeu. „Dem Maunr willst Du »ich gebe», der des Gelkei »ege, »och t« letzten Angeublick zurücktritt? wirst D« Dich nicht anch noch erniedrigen aak ihn bitten, daß er «rückkommt?" »Sie hat Rechts" weinte der größere Thell der Gäste. »So wirb ans der Hochzett nichts," erklärte der H«i- Herr, »nnb die raerthen Gäste müsse« «ach Hanse gchen." Nu» begann seine Fra« zu jamuleru uadbieH l»kc zn ringen. »Meine Fische, nein Brat»,' rief sie, »was wirb daraus? Uud »et» stink! Mit Fingern »ick mau auf mein armes stink zeige« und sagen: Der Löbel hat sie nicht gewallt!" „Die Schaukel" stöhnte ihr Gttte. „Wenn man schnell einen «»der» Bräuttga» auftrrtben köunte, — so »nute die Hochzeit noch heute ftattfiaden," meinte einer der Gäste, die über die Möglichkeit» auf das Hochzeitimahl oerzichieu zu arüffeu, ga« betrübt waren. „Sie tan, doch nicht den ersten Best»» heirathen!'' klagte der unglückliche Vater. Daß in ker Seele kei würdigen Herr» Vogelflnger» die »ichti von Esther'i Siebes- und Leidensgeschichte wußte, gerade jetzt das Bilk des Jüngling«.»nf dem Schemel rnch wurde, wie er es heute gesehen; das mr kein Zafall, bas mr ein wiuk kei Himnmls^ Blttzschmll überlegte er: „Ei ist ei» hübscher Mensch, der fei» Geschäft »ersteht, nnk hie Vetter'» körne» »och ft oh sei», wenn die Sache so abl tust." Unk er flüsterte dem verzweifelnde» seinen Vorschlag ins Ohr. Er aber fuhr ans und rief: »Der? Nimmermehr!" „Thnt mir leid," sagte Vetter Ehaim kühl, „dam mußt Du eben Me Schande auf Dich «hmrn. Ich rnllto dm junge» Man«, den ich sehr lieb habe, außerdem hundert Gulden Heirathsgut schenken." „Macht wag ihr wollt!" schrie der Famtliennater, „ci ist »ft alles gleich." Und wirklich machte, stch bald kauach einige der Säfte, voran der großmüthige Ehaim vogelflnger «if den weg; fie scheuchte, den Jaulet von sei«« Schusterschemel, warft« de» grobe» gelbe» Stiefel in ei« Ecke der Stnbe nnk halft« km halb betäubte, junge« Man» sei» Festtagigemnd anlege». Daun schleppte« ße ihw i« Trinntph «ch km" Hochzettshanft, in km «och ker Bräntigm fehlte; kort fiele, kte bgib« Reb«dem oh« lang zu ftane» und z« ftagen, sich überseltg in die Anne, van« traten sie zn- . laame, mter de« Tranhimmel. ui der ehrwürdige Rabbi seauete ihre« Bnnk im Name« bei Ewige« «nk sprach: „Der H«r sag« nnk behüte Ench, . Sr laste Ench sei« Anttttz ftnchft, »nk sei Such pIMi; Er wende Ench sei« Angestcht z» pnk gebe Lhlch Friede»." Dan« setzte «an sich beim Spiel der Musikanten zur festlich besetzten Tafel; nnb Kn« Betteri köstliche Fische Mk Brate», Torte» «ch Fladen waren »n« nicht mehr in Gefahr z» Verderbe». Ei war et« fröhliche Hochzett, die Gäste sangen nnb scherzte« «ch lachte», «ch dm jo rasch zusammengäführtt» Paare lenchtett btt «eltgkett ans kcq Voiea. Und als die Frenke am höchste« war, stank der „Snstigmacher" auf, der das Amt hat, das Hochzeitimahl dnrch seine Späße zn würzem unk erzählte m rasch erfundene« Berse» und Töne» von der Liebe nnk wunderbare» Vereinigung dei Brantpaari. Unk bei dteftm halb lästigem halb rührende» Sang, km die Gesellschaft thttlnahmsvoll nnk keifälug lauschte. säfivand anch der letzte Rest des Grolles in Vater Battöri vrust, «ch er schloß keu Schwiegersohn in sei« Arme.

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