Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 32 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische» lifüif n-Bhitf Herauogegeben Mm Sr. 9t Aatzmer in nogbcbotg. - -*N- Jir |Ktrr|iüx«| L Krktznms str die israeiitrslhe FßMe. — Im letzten Anaenbltek. Srzählnaa an» dem INhaltz! Allerlei siir den -»«tttenttsch. - en Leben »an Bertha «tnoberg. — Di« Inden nnd der Briefverlrhr. — llansaaden nnd tzlütbsellösnnoen. (Unvekngtrr »ächdrnck an» dtesrm Blatte ist Unterlagt.) 9m letzte» CtegenMii Erzählnag an» de» jüdischen Leben van Bertha Gin»berg. m - (Rachtnl« B<Tt<tnO (Sartsetznng nnd Schluß.) Die ganze Nacht lag Esther auf ihre« Bett« «ach und wünscht«, dir Lag möge nt« anbrechen. Aber er kam dach, nnd Esther ertrug ihn — zu ihrer großen Verwunderung. Die lächelte sag«, als «an sie nach der Verlobung beglückwünschte, »der es war rin sonderbare», starres Lächeln. Und dann ka»en viele trübe Tage, es »«de Aussteuer genäht, gebacken, gebraten. Sie ging an all de« ahne Anthetl vorüber. Nur einwal erwachte fie ans ihrer Lethargie, das war, als Jewand den Namen Jaukel's nannte. Er war in die Stadt zurückgekehrt.- Lvbel Notsteiner, der Bräutigam, fnhr mit seinem Freunde — mit dem er die allabendliche Kartenpartie machte — zu seiner Hochzeit. Lange saßen Beide schweigend nebeneinander, »ährend der Schlitten rasch über dt« hartgefrorene Landstraße glitt. .Noch eine Stunde,- brach endlich Sols Pfesferbergrr das Schweigen, »wie wä?», wern wir unterdessen eine kleine Parti« »achten?" Und schon hatte er die Karten ans einer Lasche seines Kaftans gezogen und begann sie zu mischen. .Laß, laß,- wehrte der Andre att finstrer Miene ab, ,jch spiele nicht!" »Löbel,- sagte der Freund, »tiß Du heute nicht spielst, ist vielleicht ganz richtig, «aber was maiist Du für rin Gesicht? Du flehst nicht aus wie Einer, der zu seiner Hochzett fährt." »Ich had' auch keine Ursache, vergnügt zu sein,- murrte Lddel; und nun macht« er seine« lang verhauenen Aerger in Worten Luft. Es hatte ihn schon sehr gekränkt, daß »an ihm volle huvdeü Bälden vom Heirathsgnt abgehandelt, »der das hätte er noch verschmerzt, weil ihm die hübsche Braut sehr gefiel. Aber daß ihn diese mit einer Kälte, ja, mit ttner vrrachtnng behandelt, als ob er ihr nicht gut genug sei: das konnte er nicht verwinden. Der Wolf Pfefferberger hätte.vor Schreck über diese MUtheilungen des Freundes dal» die Karten ans der Hand fallen lasten. Er brachte sie erstatt, Sicherhett, dann begann er mit den Händen heftig in der Lust hernmzufahren. »Was?- schrie er. »Was bildet sie sich ein, die dumme Sans? Kann fie nicht froh sein, so ein« gute Partie zu machen? — Warum hast Du mir das nicht gleich gesagt? Ich hätte Dich dieses Mädchen nicht heiralhen lasten. - »Ich habe «ich geschämt zu sagen, daß ich so wenig Selb nehme.- .Wie viel war'»?- *600 Gulden hat der Alte versprochen.- .Hahahallachte der Andre, »Du wirft sehen, er giebt Dir noch «in Huntert weniger. Ich kenn« dasi- »Oho i Ich gehe aber nicht eher unter den Trau« Himmel, als bis ich das G«t» vollzählig Habel" .So ist 's recht!- sagte der Freund und Berather. »Und wenn er Dtt's doch nicht geben will?" Löbel wußte keine Antwort darauf. .Weißt Du, was ich daun machen milchte, «enn ich an Deiner Stelle wäre?" fuhr Wolf fort. »Ich würde augenblicklich nach Hause zurückfahren und die Braut laufen lasten. Es wür' eme Schande, fich so etwa» gefallen zu laffeu- .Mau kann doch nicht so ein Aufsehen machen,- wandte LSbrl ein. *Ei was, Jeder sucht seinen eignen vortheil. E« giebt noch andre Mädchen, die Dich gern nehmen möchten. Warum hast Du nicht gewollt, wie ich Dir meine Loufiue angettagen habe? Sie ist auch ein hübsches, nettes Mädchen und Geld ist genug da — Und er unterhielt den Freund von den Vorzügen seiner Lonfine, bis fie au den ersten Häusern der Stadt vorüberfuhren. Dann hemmte er seinen Nedrfluß, Löbel aber zog sein Erficht tu ehrbare Falten, wie es fich für einen Bräutigam geziemt. Ein paar Mädchen, die »nf der engen Gaste beisammeuftanden, fiteßen fich an und sagten: ,Da fädrt der Bräutigam der Esther Betterl- Die Beiden im Schlitten achteten nicht darauf, ebensowenig, wie auf den jnngrn Mann hinter d.nn Fenster, an dem fie vorbeifuhren. Jankel, der Schuster, saß dort über seine Arbeit gebeugt. Er hatte heute durch emsige Thättgkett jeden Gedanken an seine verlorent Geliebte zu bannen gesucht, aber er konnte es nicht hindern, daß fich der grobe Bauernftiefel in seiner Hand auf einmal iü einen kleinen weißen Atlasschuh verwandelte, auf dem fich denn im Nu die ganze holde Gestalt Esther» im weißrn Gewand upd Schleier anfbantc. Unter de« Tranhtmmel sah er fie stehen, und neben ihr — — - Jankel biß die Zähne fest zusammen und hämmerte heftig »arauf lo», um seines Schmerzes Herr zu werden. Ader als ded Schlttten au de« Fenster »orüberfnhr, und er zufällig anfdlickend den erkannte, den er eben im wachen Traume neben Esther unter de« Tranhimmel gesehen, dawar es ans mit seiner Selbstbeherrschung. Das Leder und da» Werkzeug entglitten seinen Händen, er bedeckte sein Sestcht und — weinte. D» hätte er die Thür gehen nab erhob schnell das Antlitz. Es war Ehaim Bogelfinger, sein freundlicher Hans« wirth, der festlich gekleidet bei de« jungen Manne eintrat, n« nach seiner Gewohnheit mit dttsem noch ein winig zu plaudern, bevor er ausgtng. »Ich geh' zur Hochzett,- begann er, »es ist aber noch Zeit.- »Der Bräutigam ist eben hier vorbeigefahren,- sagte Jankel, der fich «tetar tief über die Arbeit beugte. »So, so? Ein fein«, ein vermögender Mann; der Setter kann stoh setn^ so «inen Schwttgersohn zu bekommen. - »Meint Ihr?- fuhr der Schuhmacher' auf. »Gewiß nimmt ft« ihn auch sehr gerne?- ' »Nun natürlich." sagte der Alte ein wenig befremdet, »warn» denn nicht?-