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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 28 (1890) · p. Seite 108

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
28 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 108 (sequence 2)
Language
German
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In bcr frfgenfccn Nacht Klonte Wals mb feiner hübschen jugendlichen Siettenn nngcnuin lebhaft nutz stand {friÜ, «nt de» festen Entichlnß »nf, da« energische Milchen zn seiner Fran zn mache«. Nach einer langen Unterredung mit Juliens Later nnd Bruder nah» er bald darans »an Julien zirtlichen Abschied und reiste wieder nach Dresden zurück. Sana« war nicht der Mann, seine« einzigen Sehne einen Lieblingsmnnsch zu versagen, nnd sa »neben binnen Jahresfrist Wals nnd Julie an« Libochawitz ein glückliche« Paar, trotzdem «an fich in der Gemeinde vielfach wunderte, daß die wohlhabenden Leute an« T... nicht eine feit» Dresdner Familie fich antgesncht nnd fich mit einer Mitgift von nur 400 Snlden bqnügt Hütten. Der altgewordene ©ihn»« an« T. .. hielt seine, durch einen nochmaligen Schul« unterricht in Dresden verfeinerte, aber immer thatkräftige bähmische Schwiegertochter, die ihm just die rechte Fron für seinen schüchternen Wolf dünkte, wie seinen Rngapfel und still nnd zufrieden »«schlief er zuletzt in ihren Armen. Bei diesem Tronerfall wie bei mancher anderen Prüfung zeigte sich der Segen einer LtebeSheiraih, denn still» fest und tren trugen Wolf und Jntie olle« Schwere zusammen, aber sie erlebten auch viele« Gute und Schöne und sahen fich mft der Zeit von eine» großen Smderkrei« umgeben. Nach und nach »«de an« de« Sohn de» ar»en Flüchtling» ein reicher Mann. Wiihrend der ftanzistschen Okkupation über« trng »an Wals ans Empfehlung seine« alten Sänner«. de« inzwischen zu» Obersten ernannten Herrn von Gersdorf, sehr etah*gU$e Lieferungen. Sei« fast de»Ü1hige Bescheidenheit und große Schweigsamkeit erwarb ih» in all« Offigiertreisen ein große« Bertranen, da« sei« Ehrlichkeit glänzend rechtfertigte. Bereit« zur Wohlhabenheit gelmcht, blieb er in de» engen Kriesengüßchem wohnen nnd entging so den schwersten «iqnartiernugblasten, die viele Biftger Dresden« währrab der Franzofcmett rninirten. Die Slngheft JnBft» «kbe >hglb übermüthige fratqbstsche SoüLAa manche« FamiUaiA« erschütterte; in jener schweren Zeit hotte sie ihre dmttft f» oft nSthig, daß ihr Wesen noch nnd nach eine Härte und Barschheit erfanme, die ihr früher nie eigen gewesen war. Wolf sach>ckl«lch « ihr eine softe Stütze und ei« vertrauen«- wert he «athgeberin, »er er in allen Stück» folgte, nur nicht in Bezug ans die seine» ganzen Wesen fremde selbstbewnßte Entschiedenheit. Eeschästlich »« die« von Bort heil; denn die hohen sächfischen und sranzSfischen Offiziere, die Wolf al« Negozianten verwendeten mtd alle möglichen Einkänfe und verkaufe von ih» besorgen ließen, fanden Gefallen an de» schweigsamen und bescheiden« Mann, de« keine Mühezn groß war, dir seinen wachsenden Wohlstand nie an Werktagen, sondern nur an Sonnabenden nnd Festtagen merken ließ, wo er die beste Kleidung an fich und den Seinen liebte und ei« graßartige Gastfreundschaft übte. Die »ährend der Franzosenzeft bedeutend angewachsene jüdische Gemeinde zählte viele Elemente, die für die fran,»fischen Ideen der »Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" begeistert waren nnd für da« Kran^sewNegiment. schwärmten, da« Wolf innerlich zuwider war. Sech gatze« Herz hing an de» Wohlthäter seine« Later«, de» frühem« Kurfürsten «w «tnmehrigen König Friedrich August und blutete, al« derfckbe nach längerer Gefan^nschast »nf einen Theil seine« Sande« verachten nutßtt. Al« Mitglied de« Mischen Ge- »eindernthe« stand er »ft bei jener Deputation, die zn den zahlreichen AbordnmGen der Stadt Dresden gehörte, welche den an« der Gefangenschaft heimkehrenden Monarchen am festlich geschmückten Thorr tiefbewegt begrüßten. Der sonst so sanfte Mann gerieth später oft in tz-Lr- Zorn, sa» andere Geweinßemftglirder fich bitter darüber bellaGen, daß die Borrechte. welche Ihnen dft Franzosen eingeränmt hatten nnd der russische Gouverneur ruhig fartbestehen ließ, nach de» Weggang de« letzteren wieder verloren gegangen war. «or de« Abmarsch der sächfischen Trappen nach «nßland hatte Wolf, i» Jwhre 1812, für Mt «gnipitrnng einzelner Offiziere ansehnliche Summe» »erlegt. Die wenigen,Ofüctgra, welche heimkMten, bezahlten unaufgefordert, «an denHillbwlassenen der in «nßland gebliedenen Opfer »erlangte WAf nicht« und wie« dft Aufforderung Julien», doch wenizfi«« bei wohlhabenden FamUieu den versuch zur Wftdererlangnng de« verfetten Gelbe« jn machen, mft Entschiedeaheft z«ÜL Er sagft, er habe in Sachsen ein zmeite« Vaterland gefunden, sein Lerwägen an der sächsischen »raue verdient ynd habe dafür freudig Opfer bringen, »ran er fich nicht selbst ffe einen Undankbaren halten solle." ' ** 4. Kapitel: fte geßeimnißoolkeo Gefchtft. Bi« hierher hatte dft Großmutter «ft der ihr gewbhnlich eigenen plastischen Nnhe erzähft, al« spräche fie nicht vtyt ihrem verstorbenen Gatten und von fich selbst, sondern nan fremden Latten. Nachdem dft Erin«rang an dft frfttm Zeft mächtiger in ihr emporMtftgen war, nah« nun ihr, Stimme ein» »ärmeren Klang an. »Wolf« patriotisch« * snhr fie dann fort, da« sage ich Dir offen, mein waren «ft manche« Mal nicht recht verständlich und len «ft mitunter sogar fast komisch »ar, »eil er dafür doch von keiner Geile Anerkennung zn erwarten hatte. E» kam darüber »wischen nn» zu manchem Streft und thnt e» «ft noch heute in iftfster Seele weh, daß ich ihn vielleicht dabei manche« Mal durch schroffe Senßeraugen verletzt habe. Der sonst mft so trenergrbene und stet« s, offenherzige Mann . bestrafte «ich dafür später empfindlich, indem er bei einer . besonderen Grfegenheft «eine auf» Hächste ansgestachette Neugier ttotz aller Bitten s» gut wie unbefriedigt ließ. Eine« Tage« »og er nämlich nach Empfang eine« Billet» feine« alten Gönner«, de« General« von GerSdarf, mitten a. in der Woche Me FesttagsNeider an und begab fich in da« Krieg« winifftri um. Nach feiner Rückkehr fragte ich ihn eindringlich, wa« er darf gemacht habe. , .«n-Gejchäst,, Julie, ein große«, jn de« »eine Mittel j,ar nicht äwttchen nnd"»^ d«t Mr «eb Sgstr «d- Freunde noch Geld leihen sollen." “ »Ist da« nicht |eM«t," sagte ich darauf. .Wirb der - Nutzen auch i» «erhättniß »»» Risiko stehen?" .3« ist dabet nicht ein Pfennig iß verdienen, ober ge»igt ist gar nicht« dabei. Da« Grfchäft ist s» stcher. Ul» hätte ich e» mit Um LandeSherrn fUbst gemocht. Da» Setd^ wirb «ft «ft den landetüblichen Zdfen znrackgeoahlt ' «erden, wenn dft Stände wieder zusammen treten und Mo * v»n ihnen bisher, beanstandete 'erforderliche Summe bw . willigen."» - .Wolf, da« mußt Du mir näher erklären. Warum - »endet man fich nicht damft an dft großen Dresdner Bank- Häuser?" > .Fr^e den General von Sorädorss Ich »eine, dft Sache soll nicht an dft große Glocke gehängt werden und dMalb will ich auch Dft nicht« sagen l" Ich erfahr, auch nicht« weiter, al« daß nach geraumer Zeft da« Geld ans Heller und Pfennig znrückgezahlt nnd Dein Graßv-ter dann nochmal« in« Krftgsminifierft» befohlen wurde. Mft hocherhobenem Antlitz und »ft strahlenden Angen kehrte er oon dmt zurück. Ans «et« inständigsten Bitten theilte er «ft nach langeni' Zägera mft, daß ihn «e. Ek-älen, der Minister van N... sehe kur, lefraft, ob er sein Geld richtig «ft den landesüblichen Zinsen wiedererhalten habe und welche Prooifion er nun außerdem der» lange. Darauf habe er nicht nur jede Prooifion sandern auch jede ihm «n Stelle derselben angebotene An«gilch«»g J bescheiden ober sehr entschieden obgefthnt. Jetzt q$ von De. zum Rieders rtzen aufzcfordert und frtllndltch /. nach dem Grand der seltsamen Wei^nmg beftaat. habe er j Ä erklärt, «oft er elg kleiner Knabe, al« Sohn eine« & lling», nach Dresden ^kommen, wft sein -ersftrbMer Later und er hier »nah knrfürsttiche Huld ein« Hetmath und dft MöAüVeft Air Gründung ihre« fanden und Jaft er seine» sterbenden Later

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