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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 26 (1890) · p. Seite 100

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
26 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 100 (sequence 2)
Language
German
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fccl Akr _ _ bald mBftcfc, dal» ksttg «stich»e. Bigeuilich — Ml gf«| da« Hw an! Sam fdae Braut mh km bfügcs Beiter s» fäl «llerhalll» mixkc, nat s» besier für ihn; — er haue k«nH nicht «äthig, ihr irgend welche Aufmerksamkeit z» ernetsa». Ml ihm schmer genug gewarde« »üre. Aber e» ärgerte ihu »och ein »enig. Sa» hatte der kecke, geschniegelte .Deutsche" mit dm Mädchen, da» doch seine Braut war, z» flüstern und zn lacheul — Immer zerstreuter »urde» seine AtttwaUen, immer öfter blickte er hinüber, vud da sah er. Ml er dilher noch nicht gesehen; daß da» Mädchen ihm gegenüber s» zierlich und lieblich mar und s» schöne dunkle Luge» hatte, au» denen fl« ihm. biswellen einen ganz «erkmürdigr» Blick hinübersaudte, — e» wurde ihm ganz seltsam zu Muth« dabei. Nl» er au diese« Nbend tich zur Ruhe begab, galt sei» letzter Bedanke nicht einer spitzfindige» Brklinrng irgend ellw« hebräischen Weisen, sonder» — zum erste» Mal in seiue« 8«kn — einem Mädchen. S» war am Nvend de» letzten Tage», den »au in »er Laubhütte verlebte. B« dunkelt« al» Jaflel seine Schrille in de» schon herbstlich «»»sehenden Barten de» Boldfärberschen Hause» lenkte, wo die mft Tanuenzweige» bedeckt« geräumig« Hütte ausgestellt war. Dir war noch nicht er« leuchtet, die Familie mußt« wohl »och i» ihrer Wohnung sein. Scho» wollte er nmkrhren, um in da» Han» zu gehe», da hört« er Stimmen. 91 waren seine Braut und »er junge Beller, die fich in der dunkle» Laubhütte unterhtrlten. Unwillkürlich blieb er stehe» und lauschte. .Ich will in» Hau« gehen," sagte da» Mädchen, .Joflel muß auch bald kommen — ich will ihn erwarten." .Ach bleibe-noch l Der Joflel kommt noch lange nicht» »er fitzt «och bei seinem Talmud l" lachte »er Beller. »Hast Du aber eine» langwellige» Bräutigam!" .wie kannst D» so etwa» sogen!" war die entrüstete Lvtwart. .Br ist »och so Hag, und »er Rabbiner unterhält fich so gern mit ihm, »eil er s« viel gelernt hat." .Aber Du bist doch seine Braut, und ans Dich steht er' fich gar nicht um." ,Wa» soll er mit «Ir reden, ich bi« ihm wohl z» «uwiflrnd!" sagt« fie leise. .Mir wärest Du nicht zu »umm gewesen, warum hast Du wicht auf mich > wartet?" .Auf Dich, Du Sausewind l" Sie lacht« hell aus. .Lach« nicht! Ich wäre ein gauz anderer Bräutigam gewesen, nicht io steif und langweilig," «einte er. .Ich glaub«, er hat Dich noch nicht einmal geküßt!" .Irme» lliud," fuhr er nach einer Panse fort, »Dn weißt nach gar nicht einmal, wie so «in stnß schmeckt!" Plötzlich vernahm der Lauscher ei» rigenttzümliche» Geräusch, aber zu gleicher Zell erklang ei» schwacher Schrei. »Joflel, Joflel!" rief »a» Mädchen. Aber Joflel stand schon in der Thür der Hütte. .Wa» willst Du hier!" sagte er »»gewöhnlich erregt zu de« etwa« verlegen dastehende» Beller. .Warum bist Du nicht weller bei Drin«» Bücher» geblieben, Dn Leruer!" war die trotzige Antwort; aber »er Sihnlbbewußt« fand doch nicht so schnell seinen kecken Muth wieder und entfernte sich eiligst. Binen Angrublick war es still zwischen de» Beiden. Au« dm Dnnkel der Hütte leuchtet« da«!»eiße Beficht mtt de» schöne» Auge» und dm süße» Munde dm jung« Manu« entgegen, der eine plötzlich« Lust' »erspürte, auf bllse frische» Lippe» die seine» zu drücken. Ader er zwang Re« Befühl nieder wie etwa« Süudhaste«, und daun fragt« er, «« da« peinlich« Schweigen zu unterbrechen, mit etwa« unsicherer Stimm«: .Warum Haft Du «ich de»« gerufen?" .Ich kan« wirklich »icht« dafür," stammelte fie, .wir hak» zusammen gescherzt und gelacht/ ich dachte nicht, darr s, unartig sei» würde —" »44|( fie Motzt zarnft, untq^Thrün«, Berwirrt strich « mit der Hand über ihr Haar, verwirrt über ein »ie gekannte« Befühl, da« da plötzlich in seiue« Herze, «rwachte. .Möchtest Dn auch böse »erben, Mm ich Dich küss« wallte?" fuhr'« ihm plötzlich heran«. Da sprang fie ans im» in ihre« blitzende« Augen und ans ihm» rathö» Lippe» staut die Antwort geschrieben: .Versuch'«!". Da geschah etwa«, wa« nie Jemand für möglich gehalten hätte. Jaflel küßt« öo« Mädchen! Diese« aber schrie nicht ans, sonder» lächelt« glückselig nu» schlang die Arm« «m seine» Hal«. Kür de» .Leruer" «kr begann jetzt ein neue« Gtndtnm, — da« der Liebe! Skizze« «ttft der verge»re»heit. 9tH »ach de» Aossischen de» L. Looaada da» A. Leoin 1» Tilsit. 8] - (ft*4»cwr mfeitet**) H PU Vale« meiner Mekame». (stchlab.) Ich empfand nämlich die Lust, de» tu der Vorstadt «ahnende» Lüster der Dteisaltigkells-Lllche, de» wir Linder hartnäLg für eine» getan sic» Jaden hielten, zu necken. Kür eine» gettzpfte» Juden hielten wir ihn wahrscheinlich öarnm, weil er eine» langen Tal« und einen lange» Vollbart trug. Letzterer znmal schien nn« ein Postulat de« Judruthum« za sei» md dar»« war hanplstchtsch der Bart e« gewesen, der relHiöse» Kanall««»» uu» zelatisch« Intoleranz in un« entfacht. vir kalkultrtea nämlich »ll folgt: Der Mann trägt eine« langen vnd granen Vollbart, fvlgltch Halle er ans seine allen Tage, Reichs«» mit einem Faß i« Grabe stetzenb, den Blande» der Väter vertäfle» »nd war et» .Meschnnuued" xaranaaUaooa, dem Unzuträglichkelle» zu de« retten nu« al« et» gottgefällige« Werk erschien. Dm Lüster dll Zunge hrrausz» stecken «n» ihn .Meschnmeb", Apostat, z» nenne», erschien un« al« Gipfel der Glückseligkeit. Da er aber «nr selten da« Han« verließ f* suchte» wir nach einrn Ausweg. um ihn an« dm Hanse zn lacke«. Wir warsr» s« lang« «tt Steine» gegen die Laden seiner Aetnen Fenster, bi« er en« dm Hause trat; dam.aber kganne» »tr zu tadrn, .Mefchnmebl' ,, rufen, zu schimpfe» «ck alle» denkbare» Unfug zu oerübeu, und beruhigte» nn« «icht eh», »l« bi« rr fich zarückgezagen hatte «ad nusere« Angr» entschwanden war. Rach «llrdm wird der Leser begreife», weshRb die DreisaltiMt«-Vorstad1 in «tinea Auge» eine s» hahe vebentnng halle, baß ich bll Brlaubniß, dort täglich et» Stnnd« wellen z» dürfen, ab» den höchste» Lahn für da« Mr mir verübte gute Wrrk erachtete. Und ich muß »um «nhm» meine« Mrlameö« anödrückltch beton«, daß er sei» versprechen hellig gehalten; am Nachmittage eine» jebar Tage« entließ er «ich nach der Vorstadt» nachdem er mir da« Versprechen abgenommen hatte, «a dies« «nb jene Stande zurückzulltzren. Ich mar glücklich. Bim St«,de oorflädtisch«?Zerstrrnnngeu entschÄigt« «ich »»«kommen für einen langwellig» und mühevoll«. Tag im «Heber. Ich pries in meinrn Inner» da» Schicksal, »elche« «einrn Melawed ei» Unglück »iderfahre» lllß» daß für «tch.f» heilsam« Folge» Halle. Der Egoismus ist eben anch Lindern nicht fremd. Mein Stück sollte tnbeß nicht zu lange baner»; dll Götter schiene» neidisch gerork» «ad raubten «ll «ll einer erdarnnmgllose» »anjrqarnz eine Zerstreung nach der ander». Bor Alle« «nßrr ich ans »-« Bokatkanzert »einer blinde« Bettler verzichten; dem, »eine Btleru halte», nachdem fia ans irgend rine Weis« erfahren Halle», baß ich meine» ganze» Munbvorrath, den ich «ll »och de» Btzeder nahm« de». Lonzertist» fpev'lltr, «ährend ich selbst hungerte, «ll dßät,

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