Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 26 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/6492351-8723730-5959584--1410-5374143- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1890« *;Är UMk»'-/-/, fcrauSttgcks Mi 9r. H. N»d«er t» Raabt&erj. . -4----» )« Itteltzillni*. Iririwn fir Mt iereMfte lallte. «=*»-_ . , f. Xtt lii M Berner*. Xiac «tschichte tri watt,i«. Bm v» «ha VI»«berg. — Skz^u au* btt «tr,ananche». gtrf qinnnlt? »«-»« «»mche» m r. -*»«»-»»«. &»»» >» tufu. — ««*,»«» f», »e»s»«ilr,»tisch. — n>chs«ia»ftat»» (Qakrtuttfr Q«4»nNr rai Wtfm vtatte Ist mtRftft.) 9er Sitz de» Semer». Ciu Gtschichte au* Galhiea. v»» vroth» »lvlber^ »Willst Du »ich Sicht anzfth«, Joffel; e« ist Zeit.' Der »*|cnkte fuhr %*n frintu Buche »ie ans eise» Traume ans. ,G«I willst Du, Mutter?" frtftc er »ie Geistesabwesend. »Set sicht bös, das ich Dich gestört Hab", war die lächelnd« Lutwor», »aber »ir »üffes jetzt z» Soldfirber — aber soll ich allri» znr Brrlobusg sehen?- Der jung« Mas» »it de« blaff« Pille« Gesicht «acht« eis« Miese. »I« wollte er sage»: »Ja, geh' sur allei», »sd laß »ich is Frieden bei «eise» Bürhernl' Iber er befass sich doch, «achte bas Buch zu «ob ging hisass. ^Jch »arte hier auf Dich; ko««' dal», es ist spät!' rief bi« Mutter ih« »ach. Sie war schon t» ihre« beste» Deiertagsgrwand, stattlich anfgeputzt tu de« banschigen blanseibrse» Stcibc mit eivgrwirktes Soldblumeu. De» stopf schmückte eise fei»«, aber scho» rt»as oerbltchese Spitze»« hanbe, »ster der et» «it Gold ssd Perkes besticktes Stirn« das» ul» Borschein kam. «is, dicke goldene Sette hing' Mer di« Brust, große Ohrgehänge ia de» Ohre»; »sd an de» Händen, dt« sich jetzt »ach dem Buch« assstreckte», glöszte« mehrere breite Ringe. »steine« Isgesblick hört er auf. zu lerses.' sagte sie bei sich, das Buch betrachtend, »Asien »sd Schlafe» vrrgißt er darüber; ssd beinah« hätte er «ich jetzt allri» zu seiner Brrlobusg ^he» lasirs. Freilich, — dafür ist er ei» 8er»er, »sd »as M riserl Bet Tag »nd Rächt denkt er nur über di« heiliges Schriften »ach; «ob dar»« hat er-«»ch feine Zeit a» gewöhnlich« Sache» z» denftn, »ie andere Lutte. Uvb weil er so klug n»b gelehrt ist, »ie lei» Zmetter, — hat ih» der reiche Goldfärder zu fttar» Schwiegersohn «i». gesetzt, »nd das schönste »»d reichste Mädche» der Stadt »ird «eine Schwtrgertochttrk- UM »ft mütterliche« Stolz« schaute sie de« Sohue «ttgege», der jetzt »ieder eistrat, auch er festlich gekleidet, in du» la»gru schwarz« Itlasrock. Sev» bartloses Gesicht war so blaß wie vorhin, es zeigte keine Spur von der Aufregung, die seine Maller erfüllte; und doch »ar es die Feier seiner Brrlobusg, für die er sich so festlich geschmückt hatte. Darum sollt« er auch aufgerrgi sei»! Er hatte sich feine Braut nicht selbst gewählt. Sie war ih» bis Hütte so gleichgiltig gewesen, wie alle aubun Mädche«. Tag für Tag halte er hi»trr sei»« Bücher» gesesftu u»d keinen andern D»»sch gehabt als de», daß es immer so bleib« möchte. Iber so bleibe» kouute es nicht; — er konnte nicht immer i« Hause seiner Mutter bleibe», er wußte sich sein« eigenen Hausstand gründ«. Da hatte eines Tages der reiche Sold« färber durch ein« Vermittler «»frag« last«, ob Joffel, der kluge, gelehrte Joffel, seine Tochter zur Fra» wolle; — «nd er halte natürlich »ja* gesagt, wie die hochufrrute, geschmeichelte Mutter. Geheirathet nvßte ja doch «erd«, u»d eine bessere Wahl hätte er ui« treffen köuu«. Der >eichth«m deich Vater» seiner Braut erlaubte ihm, «»gestört «iter sein« geliebt« Smdi« uachznhSog«, ohne sich jemals u« d« Gruft des Lebens kümmern z» müff«. Dährutd sich Mutter und Sohn auf du» Wege z» de« reich« Goldsarber befand«, letzterer über eia« eb« geles«« Satz der Schristerklärnng grüdelad. erstere beschäftigt «tt der glückoerheißead« Zukunft des Sohnes, saß di« jugendliche Brant, scho» fest geschmückt, fieberad vor Inftegnng, in du« großen hellerl«chtU« Gemach. Der laugersr^te Tag war gekommen, au dem sie «it de» Maaue verlobt «erden sollte, .dem sie scho, lauge ihr« heimliche Neigung g«sch«V hatte. Iber bas Glück des jung« Mädche»» war getrübt durch das Bewnßtseiu, daß der Geliebt« st« nicht beachtete. O, w«»u er ihr doch rik« einzig« Blick geschenkt hätte! Iber auch heute sah er sie kau» au.- gönnte ihr ka«« et» paar Dorte'deS Grußes, und. «aterschrieb die Urknad», welche das Berlöbniß besiegelte, glrichgüttig, als ob das ihn «ichts a»gi»ge. Ihre Hand zitterte, als sie auch ihr« Naue« «»«er da» Schriftstück setzte, n»d es sttrg heiß tu ihr auf. Ider er kümmette sich nicht weiter »« sie, soudem vertiefte sich gleich i» et« wissenschaftliches Gespräch »nt dem Rabbiner der als Shrmgast de« Feste beiwohnte. Als Joffel das» spät am Ib«d heim kam, ließ es ihm feine R»he, er mußte noch einmal, bevor er schlaft» ging, jene Stelle uachschlag«, über die er «tt de« Rabbiner in Disput gerath« war. Lange suß er über sei» Buch gebürgt i» seinem Kämmerchen, »nd er hatte nur Gedanken ftir das Problem vor ihm, kein einziges aber für das schöne junge Mädchen, das daheim ans ihrem Leger wach lag und in der Einsamkeit und Dunkelheit heiße Thräum weinte, «eil ,erste nicht beachtete. Ils Joffel am and«» Abend zn sein« Schviegerrttem kam, »« mft ihn« in der Laubhütte zu speis« — dum «an feierte da» Laubhüttenfrst — traf er ein« jung« Mann dorh. den er nicht kannte. Gr trug nicht den hier üblich« lang« Safta» und dir Sritenlöckcheu, sondern ging »ie rin Deutscher gekleidet, einiger. Gin solcher war es zwar nicht, aber wie JrAel bald erfuhr, ein naher Berwaudler der Familte, der seit Jahr« in Deutschland in eimm Geschäfte war, und der heute hin eingetrofftn, «« du» Rest der Frier» tage bei sein« verwandt« zu verlebe». Er saß neben der Tochter de» Hauses, mit der er i« etftig« Gespräch begriff« «ar. Hatte sie gestern vergebens einen Blick von ihrem verlobt« zn erhasch« gesucht, —, butte schien dieser für sie gar nicht da zu sein. Iber er hatte nicht lang« Zeit darüber uachzudenken, denn der alte Goldfärber, der ia sein« jungen Jahren selbst ein sehr eifriger »Lerner* gewesen war, und hin und «ieder gern disputierte, wenn er auf einen würdigen Gegner traf, verwickelte nur sein« gelehrten Schwiegersohn bald in ei» religiös-philosophisches Gespräch. Dieser aber »ar heute nicht recht bei der Sache, er richtet« öfters seine groß« .»«llftuud« Augen auf das junge Mädchen ihm gegenüber.