Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 23 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.Er hat eirigkstande». daß er zur Uederzengung gelmqte, man könne t» Rahme» ei»e» jeden Brstnutuiffe» ei» ehrenhafter und de« Lande nützlicher Mensch sein, and daN die Wahrheit zu suchen, w» im ersten Moment der Schimmer und der Reiz in die Lage« fallen, ist oft trügerisch and demoralisirend. Alsa weder de» betreffende« Jndividau» noch der Gesellschaft gereicht rin Rrligio»«wechsel zum Nutzen, im Gegenteil, er ist rin bedeutende» Hemmaiß für d«n Lauf de» Fortschritte». Wenn Sie da» Brrschulden de» Angeklagten in Erwägung ziehen, wollen Sie da» im Auge behalten. Geben Sir sich Mühe, sich in seine Lage zu versetzen, sich seinen phychologischen Stand zn vergegenwärtigen, berücksichtigen Sic de« Umstand, daß mein Client ohnedies für» ganze Leben unglücklich ist, daß er schließlich bereit» drei Wochen im Gefängniß -«gebracht hat, und wenn Sie dann urtheilen werden, verurtheilrn Sie ihn nicht. - Tont comprendre c’est tont pardonner! Ich bin zu Ende.* .Hat der Angeklagte noch etwa» zu seiner vrrtheidiguug zu sagen?" frag der Borsttze»de. Josef erhob sich von seinem Sitze. .Ich, meine Herren," spricht er refigairten. traurige» Tone», .ich habe nicht» weiter zo sag v. Ich habe ei» einzige» Lind gehabt, ich habe e» verloren, — ich weiß nicht einmal, wo e» sich jetzt befindet, so viel weiß ich »ur. da» Uebrige kümmert mich nicht Ich Hab' schon drei Wochen im Arrest geseffen — wofür? man sagt, daß ich de» PoliKi» mann geschlagen nnd Verschiede»«» gesprochen Hab«. Da» alle» kan» sein — ich denke nicht, wa» ich damal» gemacht oder gesagt habe — ich weiß nur, daß ich fie rette» wollte, fie weine Seele, mein Reichthum. Jetzt klagt mau »ich wieder an» daß ich eure Religion beleidigt hätte. Daz», bekenne ich mich nicht. Ich trete gar keiner Religio« nahe, laßt mich «ur in Friede» enden. Macht mft mir wa» ihr wollt; ich bin auf Alle» gefaßt, ach wen» fie in mein Hncz schauen könnte!" Daun folgte die Replik de» Ankläger» der bei sei»«« Antrage beharrte, daraus verweisend, daß der vrrtheidiger da» Wesen der verbrecherischen That nicht i» Abrede g«. stellt habe. Der Lertheidiger erwidert« »st estrige» se»rigen Worte», seinen Clienten de« Gewiffeu und dem Verstand« der Geschworenen empfehlend. Jetzt zog der Borfitzend« da» Resnmö der U»ters«ch«»g. kühl, unparteiisch, die Frage formnlireud: .Hat sich Jasts Zwiebel da» Verbrechen der Religiaasbeleidtpmg rmd der Störung der öffentliche» Ruh« z, Schulden konrmen laste»?" Daraus wurde Joses an» dem Saal« geführt, der Gericht»» haf z»g sich zurück »ad die Geschworene» begäbe» stch tu eia separate» Zimmer. Ihre Berathung währte gegen estre Stunde. In dieser Zwischenzest entstände» auf Klara'» Ha»pt einig« filbergraue Haare. Endlich ging die Thüre ans, all« nähme» ihr« Sitze ein und der Obmau» der Jury verkündete: .Nach ge»a«er «ud gewiffeuhafter Erwägung aller auf di« gegeawärtige Angelrgeuhest bezughadeadeu Umstände habe» die Geschworenen auf dt« Frage, ob Josef Zwstbel sich da» Verbreche» der Religionödeleidiguug und der Stönmg der öffentliche» R»hr zu Schulden komme» ließ einstimmig .«ei»" geantwortet." Der Serichtöhof sprach Josef von der Lavage frei. All«' umringten jetzt den junge» vertheidiger, ih« «st einem Hagel vo» Belobigung«« und Gratnlatio»en überschüttend, niemand aber beachtete den arme» Vater, der gebeugt den Saal verließ. Kaum hatte er im Corridor einige Schrstte gemacht, ,l» er plötzlich stehen blieb. Ei» Frauenzimmer stürzte auf ihn zu und seine beiden Häud« ergreifend, drückte fie dieselbe» a» ihre Lippeu, und besetzte fie wst heiße» Thräne». .Gott, mein Gott!" rief Josef, .Du bist es!" .Ich bi» e» Vater! Ich kehre reuevoll osf immer z» Dir und zu nufere» »«verschuldet geschmähte» Stamme zurück. verzeih« mir Vater!" Jasef drehte fie gegen da» Acht, da»» drückte er fie a» seine Brust. .Du als» ke^st zu mir zurück; richte nur Deinen Kopf empar, daß ich Dich «schaue, D» bist also mei» Kind." Den Kopf an die Brust de» Vater» schmiegend, antwortete Klara «ur mit Schlachzeu auf diese Kundgebunge» der väterlichen Gefühle. .verzeihe wir, Vater, die Leiden, welche ich Dir verursacht habe," stotterte fie schließlich unter Thräne» hervor. .Ich habe viel gelitten, sagte er, schau mich au. ich war sehr elend, sehr unglücklich, aber jetzt kehrst Du wieder zu mir zurück, während ich dacht«, in« Grab hiuabzusteigrn. ohne Dich, «ei» Kind, nur grsehe» zu habe» . .Vater!" I» diesem Momente «rschie» zwischen Vater und Tochter eine neue Gestalt. Klara erkannt« unter Erstaunen — Jakob. .Du Haft un» so plötzlich verlafleu," sagte er, die Scene erralhütd. .Ich ward unruhig, reifte Deiner Fährte nach, u»d an» Neugierde gerstth ich in de» Sertcht»saal hinein. Herr Zwiebel," began» er herzlich, »nd warb sormell um Klara'» Hand. Joses betäubt und glücklich, ver- und widersprach nicht. .Ich habe fie noch gar nicht recht tctrachtet," sagte er, »und Sie »olle» Sie mir schon wegnehmeu?" »Ja. so ist r»." und Jakot drückte war« ihre Hand. .Du verachtest mich also nicht?" flüsterte fi> leis«. .Klara, Helene! Thne mir «st solch einer Frage kein Unrecht! Achtung und herzlieh« Zuneigung werde» l>U Grundlagen unsere» Glücke» sein. Wir find kein Paar Romau-Lstdhoder, sonder» ei» Pa« Arbeiter, di« Hand i» Hand durch« Lebe» z» gehe» wünsche», seine heutige» Lusgaben gemeinschaftlich erfüllend: Zusammr« also »auf zur Libeit, zum Leben!" Skizze« a«S der Vergangenheit. Frei nach de« Rassischen d.>» L. Lewanda von A. Levin in Tilsit. n.') Tie Wale» »eine« Melamed» Die M»«ter Natur hatte »eine» Melamed'), vo» deffe» Past»') hier dt« Red« sei» »Kd, stiefmütterlich behändest; fie hatte ih« schlechthiu Alle» versagt a» phhfische» wie m giftige» Gabe». Demi er, «et» Melamed, war wtßgestastet wie et» Affe, plump wie et» Bär, dumm wie ein Kalb, feig' wie ei» Hase, hitzig wie ei» Hahn, kurzsichtig wie eine dltxbe Herme, rachsüchtig wie ei» Luder, und obendrein stotterte er di» z«r U»»erstL»düchstit. Rur eine» hatte die Natur ih« ge währt, »Lmlich — Pate». Biest, »iest üppig wruhrnrde Pate» zierte» dst Schläfe» russtscher Inden «ffaug» der vierziger Jahre, aber solch« Past», wst dstjeui^u, «st de»«» «ein Melamed begnadet war, hat e» »st gegeben ««d wird e» »st gebe». Vst waren länger, al» et« gewöhnlicher Mödchenzopf, dunster al» dst Flügel eine» Raden, krauser al« dst Wolle ei«« Widder» — kurz fie waren et» Phänonr» i» ihrer Art. Bei» erste» Anblick »ahm man weder da» Gesicht >»»ch dst Figur de» Melamed» wahr, sonder» «» first» lediglich seine phänomenalen Pate» Eine» i» dst Augen u»d verblüffte» durch ihre riesig« Dtmensto» sowohl, al» auch durch ihre Grandiosität. E» »rächte de» Eindrucks al» ginge dst gauze Individualität weine» Melantkd» t» seine» Past» a«f; al» habe die Natur bei seiner Bild»»» ihre ganze Kraft auf dst Schöpfung der Past» verwendet und üb« diese« Meisterwerk dst Person vergesse«, so daß, al» fie ihre» Jrrth««» gewahr ward«, fie geuöthigt war, «o» allerhand Abfälle» etwa» zu bilde«, Mil eine« Märotsti» ähnlich sah uud gewiffermäße» die Paie» aus eine« «ruschenähnlich«» Untersatz in die Welt zu schicke». Ma» «ruß za« gebe», daß die Natur überall» glücklich war iu der Realtfiru«g der gänzlich neae» Idee, »elch« drriu bestaub, nicht »wohl «ine» Mensche» »ist Past», al» vielmehr Past» »üt einem Meusche» zu schaffe». Und die Ansfühnmg war ") eb. Kt. h ff. 1869. Lehrer. ') Haarlocke» a, de» «chstsem