Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 23 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M« Br. M. WittMrr ta Raa bei arg. Zu gitrttiüwf t KrlrtznLß fir tzie isrsMche liiilit. Die M*k?fibta. «<*• Inhalt: qgtjpjnaj «i|Rfang Mt Wilhelm RelbMiu» (vchlah). — Lk-««n tu» bcr 0m IKissstche» bt* £. Lewanba »», U. Le»«», l» Allst». — Allerlei ssr b«,gtmllUntlf4 — tUfiinam. OI«b(fM(tet ttuMnuf iit Mtfm 0l«ttt <ft mtafett.) t.'- m Die s<HS»e Aüdia. Sttw fVzWlchfpchRogtf-« ta« Wilhelm Felb««»o. (Ans br« Pol»Ich« übertrage» »oa S. Horowttz) »»1 tvchlab) »er verthetdiger begann langsam, sA»e metallische Stimme allmählich »heb-ad. »Meine gechrtrit Herren vom Schwurgericht I Rach allsrtttger nnd odjieltvcr Erwägung bies>r s« sensattanelle» nnd iranrigeu Sttastache, werben Die zu der Uedrrzea>»ng gelange«, daß ans der Avklagedavk kein Verbrecher fitzt, fandern ba« Opfer »idersprechrnder Gesetze*) nnd krankhafter forialer verhältniffe, daß dieser, welche» Sie zu richte» Hatzen, nicht« verschuldete, der» ohne Adficht fremd« Glauben zu verletze», ahr« Adficht fremd« Siechte zu schmäler», wollte er nur die seintg« vertheidtt,«; nnd diese« trügerische Gerlranen, dies« irrige Meinung. daß e« ihm gefialtet sei, sei« väterlichen Reihte nach jeder Richtung hin zu vcrttzetdigen, bracht« ihn mit dem geehrten Herrn öffentlich« Ankläger in Lollifion. Die TrietzftdL der That, welche meinen Liieuteu an diese» Ort bracht«, Hst der Religianäwechsel seiner fiedzehujährigen Tochter. Betrachte» wir diese Sach« näher. Sobald nnr der Adept ein«,» neue» Glauben« da« 14. 8ebe»«jahr zurücklegt)tgest,tlet ihm da« Grundgesetz ri«n freien Religiouswechsel. Dasselbe Gesetz, welche« zu Vermögens- Lra»«»rti»oeu ei« geistige Reife, die Beendigung de« 96. Lebensjahre« verlangt, begnügt sich, dort »» e« pch um di« höchsten Probleme handelt, mit de» verstände eine« «inderfilhrige» Kindel. -in vierzehnjährige» Sind soll über Religion urtheile», di» woufeisivoen vergleich«», ihren Werth »eff«», und über dir« Ueberlegenheit unter einander ei» Urtheil atzgebc». Sin Gesetz welche« s« handelt, welche« d,m minderjährige» Sind« hinfiihtlich de« Rrligionswechsel« vollständige Freiheit läßt, nnd in de» gertngfügtgstru Sachen des »lltützlichen Leben« t» tutet dir. Barwundschaft des Vater« stält, et» Gesetz, welche« dazu, trotzdem daß da« Sind wider de» Wille» de« Vaters eine» auder» tölauden annah»», de ff« väterlich« Macht anl> Pflichten weiter in »oller Sraft aufrecht erhält, ein soläp« Gesetz begeht rin« craffen grnndsätzltch« Widerspruch, de» sich sch«» der RechtägelehNe nicht erkläre» kan», und etlichen ein armer, ungchtldeter» sei«» Lraditto«« treuer, in patriarchalisch« Fa»Ui«verhäÜ»tffru mfttiftfmt Jude zar nicht z, saff« vermag Er weiß t»r. »aß er der Vater diese« Sind.« »st, daß er kraft der Vorschrift« der Reli zia» und der Gesetze, ihm sein« kchntz «tzetethe» za lass«, für besten Unterhalt, Erziehung und WohtriHeh« Sorae zu trag« habe, er »laudt, daß er al« Vater nicht nur Pflicht». sauber, ,«ch Rechte besttze, und tztrs« Nachte will er »tttheidiRn I . .* ,7 . . -r—■- ■ ■ „ 2<U «fi hier aasfchlleblich v», de, Rttrertchifch« «eschen I« Auditorium wurde ein stärkere« Geräusch lant, welch« der Vorsitzende mit der Glocke .zur Ordnung* rief. .Und jetzt bitte ich Sie, «eine Herren, fuhr der Bertheidiger fort, »ersetzen Sie sich in die Lage mrine« Eli«««. Josef Zwiebel, dieser Rückschrittler au« eiuem von der Etoilisalioa oergestencn Dorfe, fleht, wie «an seine Tochter geg« sei«» Wille« zur Taufe führt, die mau — wie der Zeuge Geistlicher Lotocki bekannte — auf hinterlistige Weise «aß dem väterlichen Hause gestohle» hatte. Der Jurist beweist ihm, daß er sliue väterlich« Rechte weiter tu voller Sraft befitze, trotzdem wird er zu setucr Tochter uicht zugelassen; er ist überzeugt, daß es ihm geling« werde zum Herz« seine« Sind«« zu sprechen — nein! Sie wurde bi« jetzt in streng:» Gewahrsam, tu klösteclicher Stille gehalt« und jetzt — führt man e« am hell« Tage oft«tativ durch die Stadt, wie dem alt« Vater zum Hohn. Vor feinem Auge fi ht er tie Schm ch. welche, laut seiner Anschauung, seüe Sind durch deffea Abfall, »icht nur auf settw Familie, fände« «f da« ganze Judeuthum, auf d« uralt« mosaisch« Glauben heraufbeschwört; die Verachtung, dem, Ziel, infolge der Verleitung seiner Tochter, er sein wird, entsetzt ihn. Er fleht wie seine GlaubenSgeaoffen nach ihm mit d« Fingern zeig«, al« hätte er was verschuldet; er weiß, daß vielleicht schon in einig« Minuten sei» Kind schon nach der Tauf« sei« wird, für ihn zu leben aufhör« wird, und daß er fie taut d« uralt« Gedräuch« seiner Religio» al« Tobte zu bewein« h,b« wird ... All diese Sedank« dräng« fich ihm stürmisch nach de« Kopfe, e» scheint ihm. daß «an ihm fein Sind entreißt und dem Tode rntgegmsührt, und von einer unerbttllich« Macht gedrängt, nicht »er«ög«d flch »etter zu beherrsch«, stürmt er vorwärt«, um sein Sind den Feind« zu entreiß«, um sei» Sind zu rett«. Dieser M«sch, meine Herr«, war fich deff«, was er «hat, uicht bewußt, »ein, meine Herr«! dies« arm«, gebeugte» Vater, der fich von ber Verzweiflung leiten ließ, könn« Sie nicht verurtheü« l* — Hier mußte der vorfitzeud« da« anfgrregte Publikum zum zweit« male zur Rnh« ermahn«. .Jä,fchUeß«mei»e Beweisführung,* sagte der Bertheidiger nach eine» effrctoell« Schtteffe der letzt« Periode. .Indem «an eine» Uumüadtg« die Freiheit eturäamt in Glaubensaugelr-«hett« ein« Entschluß zu faflen, verleiht ihm da« Gesetz ein Recht, von welche« er kein« Gebrauch zu mach« «rfieht. De« Minderjährig« giebt «au nur. eine Scheinfreihett und die wirkliche Freiheit denen, welch« juuge Seel« au««!», den«, für »äch« die Bekehrung da« einzige Ziel ist. deren Folg« fie nicht berechn« oder egoistisch gerrngschätze». Davon Hab« wir oor uns ein sehr beredtes «eispttl. Der achtbar, Pfarrer üotocki war der «oralisch« Be« »«ggrnad, daß fich die Tochter de« AnRklagtm tauf« ließ »ob jetzt, mein« Herr«, habe. Sie es getzärt. wie «frichtig er die« tedanert. da er die verzweifln^ de« Vater« und da« uttpch«, fiv» »er »eophhti, ficht.