Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 20 (1890) · p. Seite 77

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
20 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 77 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
79% known words query
IRI
…/6492351-8723730-5959577--1382-5374121
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

kam xtrftvM ezistirt (tat ftUft $Ut*fartk int trackn solch tta brotlose« fr»Utorkt. Sn kr erste» Klaff« spreche ich »ich«. Dies« «Kilt jetzt «ud tu Zukunft da« Schicksal der allgenteinen kavttalifttscheu Bourzeotfi«. »der Lhatsach« ist e», daß da« jüdische Proletariat, «elches sich anderwärt« au« der Arbeiterklaffe rekruttrt, dei uu« für« Saud ganz uupraductt» ist, deauoch aber lebe» mck sich »«rmehreu muß. Diese kluomalft kau» «ft ,ar ketue» Palliativ- oder Halb- «fttet, wie ». B. mit de» augeprftsenea ,»ir Juden zu« Ackerbau hiuzuleuken,- besettigt »erde«. Nur dauu, wen» dt« allgemeiaen oekouomtsche» »ud Produstftn«v«rhältuiffe tu dftse» Geiste orgaststrt sei» »erde», daß >ar ketue klu«beutuug, gar kein oeknomischer Druck oder Schmarotzerthu« möglich sei» wird, — «ud dies« Ideen prepaßire» »ft doch —, daun uud nur dann »ftd auch der oekeaomischsoctaft Puutt der jüdischen Krage verschwinden. Kerner?' von der confessiouellea Seift betrachftt kein verständiger Mensch dies« Angelegen heit . . . Somft bleibt noch der aatieuale Punkt, der Unterschied der Abstammung. Dft in der geistige« Eutwickluag am «eiste» fortgeschrittenen Srnppen der Judeuhett »erde» auch diese Absonderung verlieren. Ein einheitlicher Natioualthpu« in «»thropologischem Sinne ist ein Absurdum. Unser Ideal ist doch «tue sociale Verfassung, dft jede« Jvdivtduum gestalftt »ud behilflich ist, fich tu phyfischer, moralischer und geistiger Bejfthung frei g» entwickeln, «tue Loustitutto», dft dft Verkörperung der Wahr- Heft und Gerechtigkeit ist, «ud solch ein Zustand kann ohne anthropalogische «ad religiöse Etuheit der Mitglieder einer betteffendeu Gesellschaft extsttreu uud blühen- .Gut," sagte Klara. »Aber die Zeit, dft dft Zeugtu dieser eompftteu Metamorphose der Judeahett sein vftd, ist »eft, sehr »eit, uud »uterdeffeu regiert dft Wftsttchfttt, dft verhättuiffe spitzen fich zu — und dft Juden hebe» daran nicht »entg Schuld." .von Schuld und Sünde ist hier kein« Rede. Sft Ed auf beiden Sefte». Aber vergeffeu »ft daran. Ich m mich aber damit nicht ein verstanden erkläre». daß dft Jude» auch jetzt in der Erörterung «rserer Angelegeuhefteu de» Sstudeubock abgeb«» solle».- — »Uud dft Schüake uud da« Wirihshau«, dft SbVbeutmtg Und dft Demoralistrung de« Batte«?' »Mft de« »herrschaftlichen- Vrauuttvein uud i« »herrschaftliche«- Sftthöhause,- unterbrach Jakob. »Uud da« Aukunfeu de» polnische« Boden«? Wa« ist dabet Schlechte«, daß fie al« Großgruudbefitzer fich de» Ackerbau zuwendea? In »ftfer» stehe, fie ^« solch« den andere» »ach? Dft Jude», da« ist ei» frische«, junge«, ihrer Natur uud de» Bedürfnissen »ach «tu fortschrittlich^ Element, nur vergesellschafte» »äffen fie fich. Dft gegenmürttge» Rädel«führer unsere« Saude« halte» sie in Jsolftung; zur Ration in der Nation aumht sie da« stiefmütterlich«, rückfichtgloke, blinde Saud allein.- — ,L«r »ft immer «nch, da« läßt fich doch nicht abstreiten, daß fie bi ihrer Motzrzahl Materialisten und Ausbeuter fiud, daß sft ihre» verstand zum Schaden der Ethik mißbrauchen . .- »Dem widerspreche ich. Ich selbst habe e» früher hervorgeHoden, daß fie uuprodnctiv seien, aber «au muß hier bä» «oichtigen Umftaud berückstchtigeu, daß fie dach ftbeu müsse». Uud »ovo» solle» sft lebe»? Die gegemoärsta« aeknowffchxsociaft Sage producftt jetzt bet uu« «ud »ft überhaupt tu Europa ein bratlaset« Proletariat. Diese« Proletariat bilde» tu uusere» Stödten dft Jude», die zu - keiner sch,»«»«« Arbeit heeaugezoge» »arde» fiud; fie ergreifen als« dft erste beste »ud »errichten fie sa, um nur zu leben. Dabet ist ih»e» ihre »Fiudigkeft-, aber nicht, »ft Da Dich au«, drücktest. ihr verstarb behilflich. Genug, daß infolge der er- »ühnft» Extsteuzbebiuguugeu sich ihre «lturelle, geistige und moralisch« Entwickln», verzögert. Uud diese Bedbchungeu habe» st« »icht gesÜMffe». Uebrtgeu« erinnere Dich an dft 8ede»«»eift dieser typischen Rchtjüdische» Familie«, loelche Du keune» gelerut hast »ud stelle eine» vergleich a». Leute u»r, daß einige Miütaue» ungeschlachteter Bauern / «tsttre». sBerückfichstae nur dftse Lharsache von ungeheuerer Bedeutung, baß dft Jude» al« Raee, durch «ngewöhuttche Intelligenz, durch Uuter»ehmimg«getst sich hervorthu». hm dftse Etgeuschasteu konnte» fie bi« jetzt auf der großen Weltbühu« nicht geltend machen »ud fie aur auf den großeu Stapel- Plötzen der Net»«» KrSmerwelt bekunden. 'Tummire da« zusammen und sage, ob da« Resultat sft verdammen heißt. Ich bi» «ntschloffea. Ich »eij. daß dft «ichtjüdische und jüdische Welt uusere« Lande« Leute der Arbeit, de« verstände«, de« Guten und de« ehrlichen Willen« beaöthigex, ich gehe als» unter dft Enterbten und Berachttten, ohne Rlickficht auf tyr religiöse« vekemttniß, um fie aufzukläreu, fie bester und sachkundige zu machen.- (Kotisetzang folg,.) SSdische Araue» i« de« Harem».*) von Jahr zu Jahr mehren fich im Orftnft dft trau« xtgen Erscheiuuugea, daß jüdische Mädchen, selbst au« streng frommeu Häusern, den Glauben ihrer Väter «ud ihr Ettern« hau« verlaffku, iun zu« J«lam überzutreteu «ud bau» t» de« Harem ftgeud eine« Pascha »der Ball (Statthalter) ihre 8eben«tage al« Ehadme (Kammerzofe), Odaliöke (Zimmerfreuudt»), Ehaseki (Begünstigte) oder Ahadiue (rechtmäßig« Frau), und wie dft verschiedenen Rangstufen in der Harems- Hirarchie «och heiße» «dgc», zu beschlftßeu. So find im oergangeueu Jahre in Salouicht rach einem amtliche« Berichte de« dolttgen Thacha« Baichi, Rabbi Jakob Kov«, acht jüdisch« Mädchen, tu Smyrna nenn, tu Dtarbekft drei uud ebenso viele auch in Jusgat, daun zwei in Aleppo K. 5um J«laa übergetrete». Ja Tunt«, »o e« dft schönste» Töchter Zion« der Wett geben soll, ohne daß »ir jedoch durch dftse« Superlativ der Schönheit uud de« Liebreize anderer Israelitinnen ftgeudwft nahe treftn wollten, komme» fast wöch:ntüch solche Bekehrungen vor. Fragt mau bau» nach den Motiven dieser Bekehrungen, so erhält mau gewöhnlich eine doppelte Sutwort: ersten«, der fticht zu bewerkstelligende Uebertrttt vom Judeuthum zum J«lam, uud daun auch vom jüdisch-orftutaltsche» Familienleben zu« uwbamedautscheu, uud zweiten«, dft guft mch dauernd« üutertunst ob« Versorgung, dft der Harem et»e« Großen bietet. Will »uu eine Jüdin zu» J«lam übertreten, so braucht fie nicht vier Wochen vorher schon Uuftrricht in Kora» zu nehme» und ihr unbegreifliche uud «uoerstäudltche Doguze» ««wendig zu lerue», sonder» begibt sich ga»z einfach um Musst (Geistlichen) »der Imam (Prediger) de« Orte«; dieser läßt bon» den Rabbiner and die Ettern der Betteffende» hole», »»rauf fie in deren Eegeruoart erklärt, fie »olle am» freiem Antriebe zu« Islam übertrete». Hftämf erhebt fie ihre rechft Hand and spricht dft Glaubeu«formel: -Loobck^, an I» aUub iUn alutst Ma-ilntiumust ruaaul (Ich bezeuge, daß e« «ußer Gott ketue» Gott gibt, uud Muhamed ist der Bote Gotte«) uud i» Handumdrehen ist au« der Jüdin eine Muhamedaueriu geworden. Sft »trd »uu vo» ihren «um Glauben-geuossttmen nicht mtt Gertugschätz»»g al« eine ^bekehrst Jüdbt-betrachtet, sondern aar al» eine vertrrft Enkelin Ehalil« (Abraham«), dft «u» de» richtige» Pfad zur Selig kett gefuude» Hot. Weiß doch jede Mohanwdaneriu, daß auch Amena, dft Mutter de« Peophete», dm Jüdin ntb noch dazu dft Nichte de« Kadi (Dajau) vo» Mekka. Ehacham Wareka» »ar und als solche auch gestorben ist. Auch hatte ja der Prophet selbst zwei Jüdiuue» zu Fra»«», vn denn «b» sogar sei« Sftbüugögwttb, »ar, dft ihn nicht ebuual in de» Gebetstnnde» »erlaffe» durfte. Ader auch von ihren ehemalige» Glaube»«gmoffeu wirk dft Neophyst» nicht mtt Verachtung betrachtet. Hat fie de« de» einig-einzige» Sott, hat fie Mose«, hat sft dft Bibel» hat fie *) Vit «Mn hier s»gletch vmaMschicken, daß da« «abischei- -Ha«»' iimntsch ist mtt de» ftftiiijchni .H-teaf (fiam, »IiiH ittUgj «d dwächaet * s»»Ü n Ott, •» da» de» Zntrm »icht Jeder»«» pHmt ist.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.