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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 16 (1890) · p. Seite 59

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
16 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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•Itctti*, f«|U w, »Haft Dn Ion wirtlich Mac Bist, feiam Gefallen u dieser frohe, •cttcfactar? Aedst Da denn wirtlich aar Deine Löcher? Sch« doch a» Dich, «ad D« wirst de« Sott, de« Du doch aar orrgeblich i« Deiara Folianten fachst ta der lebenttgen Schöpfung als lebendigen Schöpfer sehe«. Glaubst Dü de«, daß Mose Sott iä Bücher« gesucht aad grfnuden Hot? Oder aicht etwa ia der Mtdbar, tu der frei«, frohe« Notars Sei doch aicht so trübe l Siehst Da, wie die Lerche« trillernd aar Grane ewporsteißea, hörst Du nicht dort im Busche de« Pirol de« Loch »an Lühl« za» Tanze eafferdrra. Weg mit de« Grille« aad Sorte«. Deine Gemeinde liebt Dich, Du Haft aicht am Trinen Unterhalt zu kämpfen, am» Haft Da für Graab. de« Kopf hingen zu lassen? Bist Du doch selbst i« Edom*) geachtet?" »Und doch ist es gerade -dom, daß in mir die Sorgen erregt, «d Du bist es, um den ich so besorgt bin. Du Haft vor morgen nach Gandersheim zu gehe«. Und gerade maß ich nun gestern durch «eine« Vetter Schlomoh erfahren, daß dort ein Pater Franciscu» den Pöbel gegen «ser arme» voll aufzareizr« sucht. Noch 3 Woche« und es ist unser Peffoch. weißt Du de« nicht, wie oft schon ganz« Gemeindrn von jenen zu Peffoch ermordet find. Pater Franciscu» spricht schon wieder, wir gebrauchte« Lhriftenblut in« Feste. Und wenn man'» ihm auch nicht glaubt, der Pöbel will morden und plündern. Die heilige Lehre sagt mit Recht**): Jakob hat nur da» Wort Gotte», und Sdo« gebraucht seine Fäuste. Und n« — ich bitte Dich, lieber NS üben, bleibe hier — reise nicht! warte bi» nach de« S«ste!* Go sprachen die Männer, aber eher hätte der Naddi die Elbe, an deren Ufer fle ginge«, überreden können, auf ihre heimischen Gebirge wieder znrückznfließen, als seinen starrköpfige« Freund von seinem Entschlnffe adzubrtngen. dt konnte die Gefahr «d wollte sich dennoch htneinstürzen. Die hatten «ter solche« Gesprächen da« Martendorf, in dem di« Magdeburger Juden einzig und allein wohnen dursten, erreicht. Die Glocke vom Moritzdome verkündete die sechste Stund«, als di« Beiden mit de« Laabe« ra dem Eingänge zu« Hanse de« Rabbi flch trennten. De» andere« Morgen« in aller Frühe war RSnden «och einmal bet seine« Freunde — aber nur, um Abschied zn nehme«. Einst hatten die beiden Genoffe« einander versprochen, daß RSnben« jetzt 8 jähriger Sohn die 2 Jahre jüngere Tochter de» Naddi heimführen sollte. Da« war damals gewesen, als beider Gemahlinnen von de« Schergen de« wanzledener Raubgrafen ermordet waren. Jetzt vor ihrer Trcn««g wiederholten sie noch einmal ihr« Versprechungen «d gelobte« einander, hierüber alle« Anderen Stillschweigen z« beobachten, bi» daß die Zeit der Erfüll«« gekommen wäre. Da Abschied war hazlich ad« kurz, «nd bald trugen «uthig« Nenner den woge» dahin mit Röubeu «d seine» einzigen Sohn« Jehndah, de» «bdtlde seiner vor 3 Jahren so unglücklich an» de» Diesseits geschiedene« Estha. Der Rabbi sich ihn«« lange Zeit nach. Thränrn ffiOten sein Auge, als er den wagen hinter den welke« de» Soden» verschwinden sah, a ging in sein Han», am «st Thrämn seine« gepreßte« Herzen Luft zu machen. Er ahnte Unheil. — Zwar entginge« die Reisende« glücklich de« unliebsamen Besuchen da Raubgrafen von wanzleden und Gommaschenbnrg, zwar verlief dst Reise ohne jede« Zwischenfall, »da als sie glücklich in Gandersheim angetangt waren, da ereilte sie ein Geschick, wie sie es am allerwenigsten «wartet hatten. _ 2. z>st Werbung Siedern» hatte da sonnig« Len, seinen Einzug geholte«. Fünfzehn Achre waren indes fest da Abreise *) «ratchuno, für «e aichtjitdis» «dt. **1 ist Me Mannt Amstb», und Ut Hgndo ßod die CfaMI'1 Malen» an« de» «agdebnrgischen Jndendorfe vergangen. In »»? diesen fid^ehn Jahre« hatte da «adli nie Wieda etwa» vra seinem Freund, «fahren. Sohl hatte « joden, von de» er hörte, daß a in Gandersheim bekamst wäre, nach Rsnden gefragt, »der ohne Erfolg Alle», was a erfuhr war da», daß bei da damal» ausgebrochenrn Judenverfolgung in je»a Gegend ein Theil da Gemeinde aschlagen war, «in radera hatte sich durch dir Taufe dem Tod, enlzvgen, wieder andae waren geflohen. Nur über jenen wußte niemand etwa» zu laichte«; er war und blieb verschollen. Der Rabbi hatte ihn nicht vergeffen, ihn drückst der Gram um den plötzlich verlorenen Freund. Dazu kam noch ein ganz anbrra Kammer. Hatte a denn nicht dem Röuben vasprochrn, seine Estha de» Jehnda als Fr»u zn «cbm? Lebten nnn die Beide« noch, lebte noch einer von ihnen, waren fle beide tot? wie gern hätte « Gewißheit gehabt. Sollte und dnrsst denn seine Estha durch di« Ungewißheit üda jener Geschick unverehelicht bleiben? Da hatte er rinrn Lieblingsschüler, da war jetzt 21 Jahre alt, »st gern hätte er diesem seine Tochstr gegeben, aber da» ging ja schnurstracks gegen sein gegebene» Wort. Und «ha hätte da Rabbi sein Haupt ans de» Blocke gelaffm, als daß er je sei« gegebene» versprechen gebrochen hätte. Zwar wnßte er, daß Jehnda, — s» hieß sei« LstblingSschüstr — sstne Estha innig liebst, zwar wnßte a, daß er Gegenliebe fand, wußte, daß sein eigene» Alt« da» schsnsst sein würde, wenn a hia nicht schied, wa« fich znsammengefnndrn; aber sein Wat — sein Watt» a durste und tonnst e« dem todten Freund« nicht brechen. Die Schicksale diese» Jehud. don «Süden seines Lieblings waren seltsam« Art und über sein« Herkunft lagate ein undurchdringliches Dunkel. In Mersebürg war da Pstegevata des Knaben, da einzige Jude, da in jena Stadt wohnst, gestorben, und seitdem war da 11jährige Knabe auf da wandaschast nach irgend eine» neuen Hei» gewesen. In da Nähe von Magdeburg war d« Knabe »ölltg in dst Jae gelaufen und ohnmtchttg zusammeugebrvchen, als ihn zufällig eine Schaar des Wege» kommender Prämonstrastnsermönch« vom Kloster Uns« Lieden Frauen fand. Man wallst ihn »ituehmen und da «an sah, daß es ein jüdisches Kind war, ihn taufen und für da» Kloft« erziehe» Ein einzig« aber «nta ihnen, »elcha sein« frommen und asketischm Ledeuswetse und seine» weit überlegenen verstände» »egm, von große» Einflüsse unter ihnen war, widersetzte fich de», und ihm hatst es Rabbi Jizchak den Joseph z« verdanken, daß »an da» Sind seiner Fürsorge übergab. So war Jehnda fest 9 Jahren im Hause de» Rabbi mit der Estha haaugewachsrn und liebten sich dieselbe« wie Bruda und Schwesta. Allmählich war ab« an dst Stelle dies« geschwistaltchen Lstb« rin anderes uu-!stich heißere» Gefühl getreten; anfangs merkten es dst stbrsleust selbst nicht, dann als fie es «ersten» suchten sst es fich selbst zu »«hehlen, als fie es ab« sich selbst nicht mehr verhehlen tomttrn, da sachten fie es wenigsten» eiuander nicht eingestehen zn »üffen, und als fie es einander eingestanden hatten, da suchten sst es weuigfteu» den Leuten im Dorfe zu verheimlichen. Ada dst wnßte« gar wähl, woran sie waren. Und nur da» eine wußten fie nicht zu erttären, warn» denn da Rabbi das nicht znsammrnthat was zusammen gehörte. Alljährlich hatst nnsa Jehnda das Buch Estha zu« Puri«srft« vorgelesen, ab« als a diesesmal es wir immer in da Synagoge vorauf da konnte man deutlich sehen, wie a jedesmal» der de« Soest Esther tief erröthae. Jetzt saß Estha in de» Garten hinta de» Hanse und freust sich ihr« Blumen und «zählst de» Nachbarlinde dst Geschichte von de« wanzstben« Grasen, von da sst behauptest, daß sst ganz sich« vor hnndat Jahren geschehen sei. M» sst vor einiger Zett in Bahrendorf gewesen war nnd gefragt hatte, warn« da» Feld zwischen Gtomman mW Vahrendarf nicht dedant Witte» da heckte man ihr eia plattdeutsch«» Ltt voegrsuugtM, welche« folgenden «tun hatte: »Früh« war zwftchi» dm beiden Dörfern,

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